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Gorzow

Deutsche Bahn fährt nach Polen

Die Liberalisierung des Eisenbahnmarktes innerhalb der Europäischen Union macht es möglich: Eine Verbesserung des grenzüberschreitenden Verkehrs nach Polen wird nunmehr durch den Einsatz von Fahrzeugen, die den technischen Anforderungen sowohl in Deutschland als auch in Polen entsprechen, ermöglicht. Nach aufwendigen Umbaumaßnahmen haben DB Regio Nordost und das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn Arriva Polen von der polnischen Aufsichtsbehörde für das Eisenbahnwesen Urzad Transportu Kolejowego (UTK) die offizielle Zulassung erhalten, Dieseltriebwagen der Baureihe 646 im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Deutschland und Polen einzusetzen.

Grenzüberschreitender Verkehr nach Polen 

Deutsche Bahn fährt nach Polen

Im Rahmen des Umbauprozesses wurde ein gänzlich neues Fahrzeugkonzept von der Deutschen Bahn verwirklicht. Bei den Gelenktriebwaren wurden Fahrgast- und Antriebsbereich getrennt. Das Antriebsaggregat ist nunmehr in der Mitte platziert, mit beidseitig angehängten Niederflursteuerwagen, wobei ein Steuerwagen das Erste-Klasse-Abteil enthält und der andere eine behindertengerechte Toilette. Die erste grenzüberschreitende Regio-Tour fand übrigens am 26. August 2011 von Berlin ins polnische Miedzyrzecz (Meseritz) mit 90 Teilnehmern statt. Es war die erste Regio-Tour, die mit Triebwagen stattfand, die in Deutschland und in Polen verkehren dürfen, weil sie von beiden Ländern die Zulassung erhalten haben.

Jörg Vogelsänger, Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg; Maciej Szykula, Marschall der Wojewodschaft Lubuskie (Lebus) als gewählter Abgeordneter der Volksvertretung; Dr. Joachim Trettin, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG für das Land Brandenburg und Damian Grabowski, Geschäftsführer von Arriva Polen, gaben gemeinsam mit weiteren Vertretern des Landes Brandenburg und der polnischen Wojewodschaft Lubuskie sowie Gästen aus den Wojewodschaften Zachodniopomorskie (Westpommern) und Dolnoslaskie (Niederschlesien) den Startschuss für die Auftakt-Tour. Jörg Vogelsänger erklärte: „Wir brauchen gute Verbindungen zwischen Brandenburg und Polen. Die Zulassung der Triebwagen ist ein wichtiger Schritt. Reisende und Touristen profitieren von einer guten Zusammenarbeit unserer Länder. Insbesondere die gemeinsame Zusammenarbeit von Brandenburg mit den Wojewodschaften Lubuskie, Zachodniopomorskie, Dolnoslaskie und den jeweiligen Tourismusverbänden für eine Weiterentwicklung der touristisch interessanten Ausflugsziele soll Menschen in beiden Ländern näher bringen. Darüber hinaus bedarf es in einem zusammenwachsenden Europa natürlich auch einer engagierten Zusammenarbeit für attraktive Reiseverbindungen zwischen beiden Ländern“. „Der Zuspruch für die erste angebotene Regio-Tour war überwältigend und bestätigt einmal mehr das große Interesse unserer Reisenden an einer Verbesserung der grenzüberschreitenden Verkehre zwischen beiden Ländern. Aus diesem Grund freue mich, mit den jetzt auch in Polen zugelassenen Triebwagen touristisch interessante Verkehre anbieten zu können“, erläuterte Dr. Joachim Trettin.

Maciej Skykula sagte: „Auch die polnischen Fahrgäste sind an guten Eisenbahnverbindungen zwischen den Grenzregionen interessiert. Berlin und Umgebung sind attraktive Reiseziele. Unsere polnischen Städte und Gemeinden freuen sich, wenn die Gäste aus Berlin zukünftig mit der Bahn anreisen können“. Damian Grabowski betonte: „Die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit unseren Kollegen von DB Regio Nordost bietet Arriva hervorragende Möglichkeiten, um eine wichtige Rolle bei den grenzüberschreitenden Verkehren in Polen zu übernehmen. Mit der heutigen Tour zeigen wir, dass Arriva RP ein junges, aber sehr kompetentes Unternehmen ist, das komplexe grenzüberschreitende Verkehre mit hoher Qualität anbieten kann“.

DB Regio Nordost und Arriva RP planen, nach Polen künftig weitere Regio-Touren anzubieten und wird sich auch weiterhin für einen Schienenpersonennahverkehr in die polnische Grenzregion engagieren. Der erste  Stopp fand für die Teilnehmer der Regio-Tour in Gorzow (Landsberg an der Warthe) statt, wo bei einem Rundgang durch die Stadt auf die touristischen Sehenswürdigkeiten aufmerksam gemacht wurde. So ist unter anderem der Dom St. Marien aus dem späten 13. Jahrhundert sehenswert, der seit 1972 Bischofssitz des Bistums Grünberg-Landsberg ist. Einen schönen Blick auf die Warthe hat man von der mit Fördergeldern der EU hergerichteten Uferpromenade, wobei gleichzeitig ein Sommergarten mit Gastronomie angelegt wurde. Derzeit werden sukzessive die unter der Eisenbahntrasse gelegenen Viadukte saniert und an Restaurants und Einzelhandelsgeschäfte vermietet.

Ein wichtiges innerstädtisches Verkehrsmittel ist die Straßenbahn, die es seit 1899 in Gorzow gibt. Neben polnischen Straßenbahnfahrzeugen werden seit Anfang 1990 auch ehemalige Triebwagen der Straßenbahn Kassel eingesetzt. Gorzow ist die größte Stadt der Wojewodschaft Lebus und Sitz des von der polnischen Zentralregierung eingesetzten Woiwoden. Vom modernisierten Bahnhof Gorzow ging die Fahrt weiter nach Miedzyrzecz (Meseritz), das bereits 1005 urkundlich erwähnt wurde. Das Bahnhofsgebäude Meseritz, im Stil des 19. Jahrhunderts erbaut, befindet sich derzeit in Rekonstruktion. Am Schnittpunkt mehrerer Handelswege gelegen, war Meseritz jahrhundertelang von strategischer Bedeutung. Vor dem Zweiten Weltkrieg trafen sich hier fünf Bahnlinien. Derzeit sind noch zwei in Betrieb, allerdings werden augenblicklich durch EU-Mittel Arbeiten an der Bahnlinie aus Richtung Jordan-Paradies ermöglicht. Meseritz liegt an der Mündung der Packlitz in die Obra, die ein Nebenfluss der Warthe ist und die Warthe mündet bei Küstrin in die Oder. Meseritz hat eine wechselvolle Geschichte: Mal gehörte es zu Pommern oder zu Brandenburg, mal zu Polen. In den vergangenen Jahrhunderten zerstörten mehrere große Brände die Stadt. Sehenswert ist das 1581 erbaute Rathaus, das Schloss aus dem 13. Jahrhundert, in dem sich heute ein Museum befindet, die Kirche des Heiligen Johannes des Täufers aus dem 15. Jahrhundert sowie die Kirche des Heiligen Adalbert, die nach dem Brand von 1827 wieder aufgebaut wurde. Die zweigeschossigen Häuser rund um das Rathaus wurden ebenfalls nach dem Brand von 1827 wieder errichtet. Sehenswert ist auch die Burgruine, eines der ältesten Bauwerke rechts der Oder mit ihren zwei markanten dicken Eingangstoren, die aus der Zeit Friedrich des Großen (1712 bis 1786) stammen sollen. Daneben das Haus des Starosten aus dem 18. Jahrhundert, in dem sich heute ein Museum befindet. Einige Bunkeranlagen des von 1934 bis 1938 erbauten Ostwalls können auch besichtigt werden. In den unterirdischen Tunneln leben rund  30.000  Fledermäuse, die nicht gestört werden sollten. 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press

Edelgard Richter DB Polen 

Edelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: Berlin & Brandenburg intern

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