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Schwarze Pumpe

Energieland Brandenburg

Der Wirtschaftsförderverein „Pro Brandenburg e.V.“ hatte zu einer Reise durch das Energie-Pionierland Brandenburg eingeladen: Dr. Klaus Heinrich vom Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg, führte aus, dass es derzeit rund 3.000 Windkraftanlagen in Brandenburg gibt, daneben Biogas- und Photovoltaik-Anlagen, die den Energiebedarf des Landes bereits zu 60 Prozent deckten. Derzeit seien 5.300 MW an Erneuerbaren Energien installiert, die bis 2020 verdoppelt werden sollen. Brandenburg liefert schon heute Strom nach Berlin, Sachsen und Polen. Die ZAB – ZukunftsAgentur Brandenburg GmbH Potsdam ist zuständig für Industrie-Ansiedlung, Unterstützung des Mittelstandes und technologieorientierte Existenzgründungen im Land Brandenburg.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Förderung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten, unter anderem auch die der Energiewirtschaft. Dr. Peter Eulenhöfer (ZAB) erläuterte, dass es derzeit viele Projekte gibt, die die Energie-Effizienz fördern sollen. In früheren Jahren war Berlin führend bei Energie: 1881 ließ Werner von Siemens die erste Straßenbahn vom Bahnhof Lichterfelde-Ost zur Kadettenanstalt Lichterfelde fahren; im September 1882 wurde erstmals in Berlin der Potsdamer Platz elektrisch beleuchtet; 1884 gründete Walter Rathenau die Städtischen Electricitäts-Werke AG, die spätere AEG in Berlin. Die erste Brikettfabrik wurde 1882 im Lausitzer Braunkohlerevier eröffnet. Früher wurde aus der Braunkohle Gas hergestellt, das in Gasometern gespeichert wurde. Für die Erzeugung von elektrischem Strom wurde ebenfalls Braunkohle verwendet. Die ersten 110 KV-Leitungen in-Brandenburg führten 1911 von Lauchhammer nach Riesa in Sachsen. Weiter berichtete Dr. Eulenhöfer: Berlin und Brandenburg waren bis 1945 das Zentrum der Energiewirtschaft in Deutschland.

Energie für Berlin und Brandenburg  

Energieland Brandenburg

Durch die Braunkohlevorkommen konnte die DDR ihren Primärbedarf vollständig decken, während Westdeutschland rund 60 Prozent einführen musste. Das Kraftwerk „Schwarze Pumpe“ wurde 1955 zur Stromerzeugung aus Gas erbaut. Die Braunkohle wurde stets in der Nähe des Gewinnungsortes verarbeitet. Zwei Drittel wurden verstromt, der Rest zu Briketts und Koks verarbeitet. Erdöl wurde in der DDR ebenfalls zur Energiegewinnung eingesetzt. Die 5.000 km lange Erdgasleitung „Druschba“ = Freundschaft aus Sibirien war 1964 fertig und endete in Schwedt. Daneben gab es die Atomkraftwerke Rheinsberg und Greifswald, die einen Anteil von etwa zehn Prozent an Strom lieferten. Sie wurden beide 1990 stillgelegt. Braunkohle ist in Brandenburg nach wie vor wichtig für die Erzeugung von Energie. Das zweitgrößte Kohlekraftwerk in Deutschland wurde zwischen 1976 und 1988 in Jänschwalde mit 6 Blöcken á 500 MW errichtet. Die Rauchgasentschwefelungsanlage wurde von Vattenfall nachgerüstet und ist derzeit die modernste der Welt. Das Stromeinspeisungsgesetz von 1991 wurde 2000 durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz ersetzt, das 2004 novelliert wurde, um eine differenzierte Vergütung für Stromerzeuger festzulegen. Inzwischen wurden in Brandenburg auf Konversionsflächen (ehemalige Militärflächen) und ehemaligen Tagebauflächen ausgedehnte Photovoltaik-Anlagen gebaut. Damit verbunden war gleichzeitig die Kampfmittelberäumung. Zusammen mit Windkrafträdern soll die Versorgung des Landes Brandenburg bis 2020 zu 20 Prozent aus Erneuerbarer Energie erfolgen. Derzeit beschäftigen sich rund 30 Einrichtungen in Brandenburg mit der Forschung auf dem Gebiet der Energietechnik. 60 km von Berlin entfernt liegt die Gemeinde Feldheim, ein Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen. Feldheim ist seit 2010 energieautark durch Windenergie und einen Solarpark. Der Wärmebedarf wird durch Biogas gedeckt; für besonders kalte Tage steht ein Holzhackschnitzel-Heizwerk zur Verfügung. Schwankungen durch Windstrom sollen durch einen Batteriespeicher neuester Generation ausgeglichen werden. Über die Speicherung erneuerbarer Energie informierte Dr. Matthias Platt, Brandenburgische Technische Universität Cottbus. Zunehmend werden Kohlekraftwerke als Stromerzeuger verdrängt werden. Da Sonne und Wind nicht immer in gleichem Maße zur Verfügung stehen, muss elektrische Energie gespeichert werden. Sie ist jedoch direkt nur in Kondensatoren oder supraleitenden Spulen speicherbar. Es gibt bereits Schwungradspeicher, Druckluftspeicher  und Batteriespeicher, wobei die beiden ersteren eine sehr geringe Speicherkapazität aufweisen. Größere Leistungen erbringen Pumpspeicherkraftwerke, die bei einem Überangebot an elektrischer Leistung minutenschnell reagieren können. Allein Wasserstoff bietet eine enorme Kapazität. Hierauf richten sich die Forschungsanstrengungen. Für ein Wasserstoff-Hybridkraftwerk als Pilotanlage wurde 2009 der Grundstein in der Nähe von Prenzlau gelegt. Eine Wasserstoff-Speicherung ist jedoch sehr teuer.

Energie und die Zukunft

Über die Zukunft der Solarindustrie in Brandenburg referierte Dirk Lukas (ZAB Clustermanagement Energietechnik). Der Anteil an Stromverbrauch im Haushalt für Heizung sind 70 bis 80 Prozent; 20 bis 30 Prozent Anteil haben elektrische Geräte. Inzwischen gibt es in Brandenburg große Solarparks, wie beispielsweise in der Lieberoser Heide mit einer Leistung von 53 MW. In Brandenburg-Briest ist unter Beteiligung von Google auf einem ehemaligen Militärgelände ein Solarpark mit einer Leistung von 80 MW im Bau. Ebenfalls im Bau ist der Solarpark Meuro mit einer Leistung von 70 MW und Finowfurt mit 84,5 MW. Ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar. Erreicht werden können diese Leistungen durch Dünnschicht-Solarmodule, die auch bei wenig Sonne eine gute Energie-Ernte erbringen. Bereits jetzt sind in Brandenburg 57 Anlagen installiert. An der Produktion von Solarmodulen sind eine große Anzahl an Firmen in Brandenburg beteiligt, darunter auch kleine und mittelständische Unternehmen, die sich in Nischen etabliert haben. Eine der größten Firmen ist First Solar, die jährlich Photovoltaik-Anlagen für 223 MW produziert. Das Unternehmen will jetzt eine zweite Produktionslinie aufbauen und damit 500 Arbeitsplätze schaffen. Das erste Solar-Kino wurde mit Unterstützung des Landes Brandenburg in Palästina eröffnet. Auf dem Werbellin-See fanden auch schon Solarboot-Regatten statt.  Im Gridlab Netz-Systemtrainer, dem Europäischen Trainings- & Forschungszentrum für Sicherheit der Elektrizitätsnetze, erläuterte Dr. Bernd Benser von der GridLab GmbH die Aufgaben des Unternehmens. Es wird ein Training für Netzbetreiber mit realen Daten angeboten, was durch einen Simulator für Stromautobahnen möglich ist. Dabei werden kritische Situationen simuliert, damit im Ernstfall darauf richtig reagiert werden kann. Schließlich muss die erzeugte Energie mit dem Verbrauch in Übereinstimmung gebracht werden, was durch die Bevorzugung der Erneuerbaren Energien schwierig ist, da man beispielsweise Windkraftanlagen nicht auf die Schnelle abstellen kann, wenn der Wind weht. Da der Gesetzgeber der Erzeugung Erneuerbarer Energien den Vorrang eingeräumt hat, müssen dann konventionelle Kraftwerke ihre Leistung reduzieren. Der Überschuss an Energie könnte auch über eine Starkstromleitung nach Westdeutschland abgegeben werden, erklärte Dr. Bender. Nach der Wende sind jedoch lediglich drei neue Hochspannungsleitungen von Brandenburg ausgehend gebaut worden; man benötigte aber mindestens die doppelte Anzahl. Eine vierte Leitung existiert bereits bis zur Grenze von Schleswig-Holstein, die weitergeführt werden sollte. Im Land Brandenburg sind die Systeme für die Lieferung Erneuerbarer Energie stark ausgebaut, die Überlandleitungen jedoch nicht.  Für die Zukunft sieht Dr. Bender eine Lösung des Problems darin, dass Stromüberschüsse in Netze in Südosteuropa oder die Türkei eingespeist werden, wenn diese Länder der EU angehören. „Dann wird das Problem durch Zeitverschiebung geregelt“.  „Nachwachsende Rohstoffe“ war das Thema von Dirk Hofmeister vom IGV – Institut für Getreideverarbeitung GmbH. Hier beschäftigen sich die Wissenschaftler unter anderem damit, wie aus Algen elektrische Energie gewonnen werden könnte, denn Algen können Licht in elektrische Energie umsetzen. Algen gibt es überall. 40.000 bekannte und schätzungsweise 300.000 unbekannte Arten existieren auf der Erde. Sie wachsen unter dem Eis in der Antarktis und auch in der Wüste. 50 Prozent CO2 wird durch Mikroalgen im Meer durch Photosynthese in Sauerstoff umgewandelt. Algen wachsen sehr schnell und verbrauchen keine Ackerflächen; ihr Biomasse-Ertrag ist günstig. Das macht sie so interessant, obwohl man im Labor über das Forschungsstadium noch nicht hinausgekommen ist. Dann wurde das Kraftwerk „Schwarze Pumpe“ in Spremberg besichtigt. Wie Klaus Aha, Mitglied des Vorstands Vattenfall Europe Generation AG, erklärte, sind hier derzeit 7.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Mit und von der Braunkohle leben in der Region etwa 17.000 Menschen. Von 1993 bis 1995 baute Vattenfall das heutige Großkraftwerk mit zwei Kraftwerksblöcken, die insgesamt 1.600 MW Leistung liefern. Das 1955 erbaute Kraftwerk wurde abgerissen und das Gelände in einen Industriepark umgewandelt, auf dem sich rund 80 Unternehmen angesiedelt haben. Das Kraftwerk verbraucht täglich 72.000 cbm Wasser und 36.000 t Rohbraunkohle, die überwiegend aus dem Tagebau Welzow-Süd kommen, der anschließend besichtigt wurde. Beeindruckend sind die riesigen schwarzen Abraumberge, die von der mehr als 500 m langen Abraum-Förderbrücke F 60 angehäuft werden. Es ist die größte bewegliche technische Anlage der Welt und läuft auf 1.500 Rollen. Mittels Eimerkettenbaggern wird die Braunkohle auf eine Bandanlage geschaufelt. Die Kohle gelangt dann in den Kohlebunker und von dort auf einem eigenen Schienennetz zum Kraftwerk Schwarze Pumpe. Der 10 bis 16 Meter mächtige Braunkohle-Flöz liegen in einer Tiefe bis zu 90 Meter unter einer Deckschicht, die abgeräumt werden muss. Die Qualität der hier geförderten Braunkohle ist unterschiedlich, weshalb zwischen Staub- und Kesselkohle unterschieden wird. Gefördert werden jährlich 20 Millionen Tonnen, die überwiegend an das Kraftwerk Schwarze Pumpe gehen; ein Teil wird an die Brikettfabrik Schwarze Pumpe geliefert. Für eine Tonne Braunkohle fallen etwa 7 cbm Abraum an. Im Kohlefeld Welzow-Süd lagern etwa 750 Millionen Tonnen, die sukzessive von der Vattenfall Europe Mining AG abgebaut werden. Damit ist die Versorgung des Kraftwerks noch Jahrzehnte gesichert, wie Dipl.-Ing. A. Redlich, Leiter Tagebau Welzow-Süd, erläuterte. Der größte Feind für den Abbau der Braunkohle ist das Wasser. Es muss von der Lagerstätte ferngehalten werden. Dazu werden Brunnen gebohrt und das Wasser mittels Pumpen nach erfolgter Reinigung in die Spree geleitet. Stolz ist man bei Vattenfall auf die Renaturierung der Tagebauflächen mit der Anpflanzung vom Bäumen und sogar einem Weinberg. 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press

Edelgard Richter Energie 

Edelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: Berlin & Brandenburg intern

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