Suche

Berlin

Gesunde Lebensmittel

Nach dem letzten Lebensmittelskandal Anfang dieses Jahres, als Schweine und Geflügel mit dioxinbelastetem Futtermitteln gefüttert wurden, sind die Verbraucher verunsichert. Damit befasste sich neben anderen Themen der 3. Food Safety Kongress, der  vom 16. bis 17. März 2011 im Ellington Hotel Berlin stattfand. Britta Gallus, Geschäftsführerin Büro Brüssel, Handelsverband Deutschland (HDE) e.V., erklärte in ihrem Vortrag, dass nicht nur die Verbraucher Anspruch auf eine faire Qualität von Lebensmitteln haben, sondern die Landwirte ebenfalls Anspruch auf faire Preise. Die in Vorbereitung befindliche Lebensmittelinformationsverordnung der EU sieht unter anderem die Nährwertkennzeichnung vor, wobei auch wertsteigernde Merkmale angegeben werden können. „Boden-, Freiland- und bäuerliche Freilandhaltung“ oder „unbegrenzter Auslauf, Schlachtalter und Mastdauer“ sind einige Beispiele. Außerdem sind neue Hygieneregelungen vorgesehen und eine Verschärfung der mikrobiologischen Anforderungen. Dr. Marcus Girnau, Geschäftsführer Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V., führte aus, dass das seit zwei Jahren bestehende Verbraucherinformationsgesetz praktisch in allen Punkten zu Lasten der Lebensmittelwirtschaft geht. Die Verbraucherschutzinteressen belasten einseitig die Lebensmittelindustrie. Unter dem Eindruck des Dioxin-Skandals soll der Umfang der herausgabepflichtigen Daten erheblich erweitert werden. Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse sollen offen gelegt werden. Diese sind allerdings grundgesetzlich geschützt. Auch Rechtsmittel sollen beschnitten werden. Sie sollen nunmehr keine aufschiebende Wirkung haben, sondern es muss ein einstweiliger Rechtsschutz im Eilverfahren bei Gericht beantragt werden. Staatliche Informationen stehen schon bei laufenden und nicht nach abgeschlossenen Verfahren im Internet um Druck auf die Unternehmen auszuüben. Gegendarstellungen werden von den Verbrauchern jedoch kaum wahrgenommen. Es gilt jedoch nach wie vor die Unschuldvermutung.  Dr. Girnau ist der Meinung, dass das dänische Smiley-System nicht einfach auf Deutschland übertragen werden kann, da hier die Voraussetzungen nicht bestehen. Allein die amtliche Überwachung der Lebensmittel ist die richtige Kontrollfunktion in Deutschland. Vermerkt werden muss, dass Dänemark nach einem schlechten Befund Nachkontrollen durchführt und dann das Ergebnis korrigiert. Auch eine Ausdehnung der Meldepflicht der Labore über Analyseergebnisse ist in Aussicht genommen. Girnau fragt, wie es mit der Haftung der Labore bei fehlerhaften Ergebnissen aussieht. Der Anbau von genveränderten Pflanzen nimmt weltweit zu. Er empfiehlt, den festzulegenden Schwellenwert an den Schwellenwerten der Schweiz zu orientieren.  Dr. Carola Sondermann, Senior Scientific Officer, European Food Safety Authority (EFSA) Scientific Cooperatiion Unit  (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit), berichtet über die Behörde, dass sie im Jahre 2002 gegründet wurde und inzwischen 430 Mitarbeiter aus 27 Ländern hat. Man arbeitet mit über 2.500 Wissenschaftlern aus der ganzen Welt zusammen. Die Hauptaufgabe ihrer Behörde ist die Risikobewertung von Lebensmitteln innerhalb der EU. Sie befasst sich aber auch mit Themen der Ernährung, der Pflanzen- und Tiergesundheit sowie dem Pflanzenschutz. Es gibt zehn wissenschaftliche Gremien. Um Doppelarbeit zu vermeiden, müssen die Arbeitsprogramme koordiniert werden. In diesem Jahr steht eine Umstrukturierung der EFSA an, um eine höhere Effizienz bei gleicher Mitarbeiteranzahl zu erreichen. Neben den Risikobewertungen im Rahmen von Zulassungsanträgen befasst sich die EFSA mit der Bewertung neuer Produktionstechnologien, Nutzenabwägungen, wissenschaftlicher Beratung und verwaltet einen Datenpool, in dem zwecks Risikoabschätzung Daten über verändertes Konsumverhalten, neuartige Risiken, neue Technologien und was in welchen Mengen verzehrt wird, gesammelt werden. Ministerialdirektor Bernhard Kühnle, Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, erklärte, dass die Lebensmittelkennzeichnung unbedingt Klarheit und Wahrheit beinhalten müsste, denn es gibt eine subjektive Wahrnehmung der Verbraucher, die sich getäuscht fühlten. Durch Täuschung der Verbraucher ergeben sich Gesundheitsgefahren. Das soll nicht sein. Dagegen hätten redliche Unternehmer durchaus einen Wettbewerbsnachteil zu verzeichnen. Nicht alles sollte gesetzlich geregelt werden. Es könnte auch mit einem Verhaltenskodex und Selbstverpflichtungserklärungen der Lebensmittelindustrie gearbeitet werden. Stefan Etgeton, Fachbereichsleiter Gesundheit/Ernährung, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., sprach die Herkunfts- und Nährwertkennzeichnung, „Kinderlebensmittel“, spezielle Lebensmittel im Gesundheitsmarkt, die Grundpreisauszeichnung u. v. m. an. Die Lehren aus dem Dioxin-Skandal: Aufklärung über die konkreten Ursachen, Sicherung der Futtermittel vor Verunreinigung sowie Haftungsandrohungen und Sanktionen als Anreize für die Unternehmen, sich um die Lebensmittelsicherheit zu kümmern. Professor Dr. Ulrich Nöhle, Interim Manager Lebensmittelindustrien & Honorarprofessor Qualitätsmanagement, TU Braunschweig, sprach über die Verfehlungen der letzten 200 Jahre bezüglich der Behandlung von Lebensmitteln. So hatte man im Mittelalter eine weitgehend ungeeignete Vorratshaltung, die Lebensmittel wurden verfälscht und der Verbraucher durch manipulierte Gewichte getäuscht.  In der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte dann die Verstädterung und die Ausbreitung der Cholera durch verunreinigtes Wasser. Die letzte Cholera-Epidemie gab es 1892 in Hamburg. 1879 wurde der Kunstdünger erfunden, ebenso wie 1891 das Backpulver und 1827die Kondensmilch. Es gab ausreichend Lebensmittel, jedoch wurden diese auch damals schon verfälscht, indem man Kreide ins Mehl tat oder Seifenlösung in die Milch. Ab 1974 gab es die industrialisierte Landwirtschaft, wobei Hygienemängel auftraten, Dioxine und PCB in die Lebensmittel gerieten. Seit 2005 gibt es die globalisierten Märkte durch Zollabbau, so dass Futter- und Lebensmittel aus allen Ländern der Erde nach Deutschland gelangen können. Derzeit gibt es in Deutschland eine Überversorgung mit Lebensmitteln aus aller Welt. Damit gelangen die Probleme der Dritten Welt auf unseren Tisch. Lebensmittel aus asiatischen Ländern, gefolgt von China, haben oftmals gesundheitsschädliche Eigenschaften. An erster Stelle stehen Fische und Krustentiere, wie Garnelen oder Pangasius;  gefolgt von Backwaren und Fleisch, die pathogene Mikroorganismen oder Schwermetalle, wie Cadmium, Blei oder Quecksilber enthalten. In Lebens- und Futtermitteln aus Südost-Asien wurden teilweise Arzneimittelrückstände festgestellt. Man kann sagen: Die Globalisierung führt zu alten Gefahren, wie wir sie vor vielen Jahren hatten und die wir überwunden glaubten. Der Verbraucher der Zukunft wird sich zunehmend ethischen Fragen zuwenden: Fairer Handel mit Getreide, Zucker, Kaffee, Kakao; Rindfleisch aus Südamerika (CO2), wieso Patente auf Arten?, warum das Erbgut von Tieren und Pflanzen verändern?, das Hörner Ausbrennen bei Kälbern, das Töten von männlichen Küken, weil sie keine Eier legen. Das alles sind Fragen, die die Verbraucher bewegen. Die Technisierung der Landwirtschaft steht gegen die Idyllisierung. Der Almkäse kommt zumeist nicht von der Alm und die Kühe werden nicht mehr von Hand gemolken. Zur ethischen Akzeptanz müssen die Lebensmittel richtig beschrieben werden. Nun begeben wir uns zum 16. März 2030: Wir müssen ein Drittel weniger essen und uns regelmäßig bewegen.  Nutztiere werden mit Lebensmitteln ernährt und wie Kinder gehalten. Wir kommen wegen ethischer Bedenken von der Massentierhaltung weg. Es wird nur zweimal in der Woche Fleisch gegessen, dafür aber fünfmal chinesisch; Bio-Lebensmittel sind obsolet; die Preise steigen. Es gibt novel foods: Neutraceuticals  (Nahrungsergänzungsmittel bzw. gesundheitsfördernde Lebensmittel) oder Nutricosmetics (Lebensmittel für die Schönheit aus der Apotheke). Fazit: Die jetzige Lebensmittelindustrie sollte die Herstellung von Lebensmittel so kommunizieren, wie sie tatsächlich stattfindet. Der Verbraucher möchte frische und unverfälschte Lebensmittel. Deshalb befasst sich die EU intensiv mit der Lebensmittelinformationsverordnung.

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press.

 

Edelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: B & B intern

 

Sehr geehrte ReiseTravel User,

bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank.

Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu

 

 

ReiseTravel empfehlen/merken:
del.icio.usLinkaARENAMister Wonggoogle.comYahooMyWeb