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Wittstock

Schlacht bei Wittstock

Wittstock an der Dosse liegt  am nördlichen Rand der Kyritz-Ruppiner Heide in der Ostprignitz: Es ist nicht weit bis  zur Müritz, die zur Mecklenburger Seenplatte gehört. Am 4. Oktober 1636 standen sich in Wittstock die Truppen des kaiserlich-sächsischen Heeres und die Schweden gegenüber. Es war eine der blutigsten Feldschlachten des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) und die einzige von 33 großen Schlachten, die auf Brandenburger Boden stattfand. 16.000 Schweden standen dem 22.000 Mann starken Heer der Kaiserlichen und Sachsen gegenüber; die Schweden siegten. Auslöser des Dreißigjährigen Krieges war der Ständeaufstand 1618 in Böhmen, der aus religiösen Zwistigkeiten resultierte, hervorgerufen durch die Ausbreitung der Reformation. Gleichzeitig stritten sich Dänemark und Schweden um die Vormacht im nördlichen Europa, wobei auch Polen beteiligt war. Die Habsburger und die französischen Könige waren wegen Westeuropa und Oberitalien uneins; dazu kam der Konflikt zwischen Frankreich und Spanien, denn damals beherrschte Spanien die Niederlande. Mit anderen Worten: Jeder gegen jeden, wobei auch die Religion eine Rolle spielte. Söldner aus vielen europäischen Ländern waren an dem Krieg beteiligt. Der  4. Oktober 1636 war kein guter Tag in der Brandenburger Geschichte, sagte Kulturministerin Sabine Kunst, denn an diesem Tage starben während der Schlacht rund 6.000 Menschen. 2011 jährt sich der Tag der Schlacht zum 375. Mal. Aus diesem Anlass finden viele Gedenkveranstaltungen in Wittstock statt. Das Highlight wird eine große zweisprachige Sonderausstellung „1636 – Ihre letzte Schlacht“ sein, die am 1. April 2012 eröffnet werden wird. Sie ist als Wanderausstellung konzipiert und wird in München, Dresden, Schweden und Schottland zu sehen sein. Dazu sagte Sabine Kunst: „Was mich besonders freut, ist, wie vielfältig auch verschiedene wissenschaftliche Disziplinen zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben“. Die Ausstellung zeigt zahlreiche teilweise unbekannte Tatsachen aus den Lebensverhältnissen der Soldaten. Themen der Ausstellung sind auch die Träume der Soldaten und die Ängste der Bevölkerung. Entwickelt wurde die Ausstellung  durch das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesmuseum. Dabei war der spektakuläre Fund eines Massengrabes ein außergewöhnlicher Glücksfall für die Forschung, das 2007 südlich von Wittstock gefunden wurde. Professor Dr. Franz Schopper, Landesarchäologe und Direktor des Archäologischen Landesmuseums Brandenburg, über die Ausstellung: „Brandenburg hat mit der interdisziplinären Untersuchung des Massengrabes von Wittstock internationale Maßstäbe gesetzt. Durch die Beteiligung von Forschern verschiedenster Fachrichtungen können wir Aussagen treffen, die die Schlachtfeldarchäologie nicht nur in Wittstock einen Riesenschritt nach vorn bringt“. Mitgewirkt haben nicht nur Archäologen, sondern auch Forensiker, Paläopathologen, Humangenetiker, Historiker,  Pathologen, Anthropologen, Ballistiker, Waffenkundler und Gerichtsmediziner. Insgesamt waren 250 Spitzenforscher aus zahlreichen verschiedenen Disziplinen beteiligt. Leider waren die Knochen für Gen-Analysen nicht mehr sehr gut erhalten, weshalb die Isotopen von Stickstoff und Sauerstoff gemessen wurden, die Hinweise auf die regionale und klimatische Herkunft der Toten geben konnten. Auf diese Weise wurde festgestellt, dass es sich bei den mehr als 120 Toten in dem Grab um Schotten, Schweden, Finnen, Balten und Deutsche handelte. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Befehlshaber sich besser ernährt haben als die gemeinen Soldaten. Knochenfunde gaben Auskunft über verheilte Wunden und über Wunden, die zum Tode geführt haben. Mit anderen Worten: Es war ein einzigartiger archäologischer Fund. Ziel der Ausstellung ist es unter anderem, den Krieg nicht aus dem Blickwinkel der Herrschenden, sondern aus dem der Soldaten und der Bevölkerung zu beleuchten, denn der Krieg brachte nicht nur Ängste, sondern auch Hungersnöte und Seuchen mit sich.

Ein weiterer Höhepunkt im Gedenkjahr ist das Historienspektakel „Die Schweden kommen...“, das vom 3. bis 5. Juni 2011 in Wittstock stattfindet. Jörg Gehrmann, Bürgermeister von Wittstock, informierte über die verschiedenen Veranstaltungen in der Stadt. „Wir sehen als Stadt Wittstock unsere Aufgabe darin, die breite Bevölkerung mit unseren kulturellen und touristischen Mitteln zu informieren und zu unterhalten“, sagte er. Das historische Schauspiel wird eines der größten seiner Art in Deutschland mit über 200 Mitwirkenden sein. Drei Tage lang werden Söldner, Landknechte, Musketiere, Marodeure und Pikeniere Wittstock „belagern“. Feuersäulen, der Pulverdampf echter Schwarzpulverkanonen, das Krachen von 50 Vorderlader-Musketen sowie 100 aufeinander prallende Schwerter und Rapiere werden die Schlacht  real aussehen lassen. Martin Semmelrogge wird als General von Hatzfeld und Benjamin Kernen als Major von Grumbkow zu sehen sein. Aber es wird auch buntes Markttreiben mit Musik, Tanz, Narren und Musikanten auf mehreren Bühnen geben. „Der hohe Stellenwert dieses Events wird unter anderem dadurch belegt, dass sich Fernsehsender wie der RBB und Filmschaffende wie Martin Papirowski angemeldet haben, Papirowski war unter anderem für die bekannte ZDF-Reihe „Terra-X“, „Quo Vadis – Schlachten, die Geschichte machten“, „Quo Vadis – Skandale der Geschichte“, „Mit Gottes Segen in die Hölle – der Dreißigjährige Krieg“ und „Sphinx – Geheimnisse der Geschichte“ als Regisseur tätig“, verriet Jörg Gehrmann. „Mit mehr als 200 Akteuren, Traditionsvereinen und Wittstocker Bürgern wird dies die größte Schlachtdarstellung Deutschlands. Vor den Kulissen der historischen Stadtmauer stellen Schauspieler und Stuntmen mit Pyrotechnik, Licht- und Toneffekten sowie originalgetreuen Kanonen die Schlacht nach“, so Gehrmann.

Stadtverwaltung Stadt Wittstock/Dosse - Heiligegeiststrasse 19-23, D-16909 Wittstock/Dosse, Tel.:  03384/429-100 / Fax: 03394/429-102, buergermeister@wittstock.de - www.wittstock.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press.

 

Edelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: Berlin & Brandenburg intern

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