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Berlin

Kopfschmerzen – eine Volkskrankheit?

Unter dem Motto „Bringing the Wall of  Pain“ (Die Mauer des Schmerzes überwinden) fand vom 23. bis 26. Juni 2011 im Hotel Maritim in Berlin der Jahreskongress der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) statt. „Kopfschmerzen verursachen enorme Kosten“, erklärte Professor Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers, Leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Neurologie Universitätsklinikum Münster. „Im stationären Bereich verursacht die ärztliche Behandlung der Migräne Kosten in Höhe von zirka 30 Mio. Euro“. Die Kosten der ambulanten Behandlung werden von 40 und bis 150 Mio. Euro geschätzt. Dazurechnen muss man die  Produktionskosten, die aufgrund von Migräne ausgefallenen Arbeitsstunden entstehen. Sie werden auf drei Milliarden Euro geschätzt. Hinzu kommen Dialysekosten in Höhe von geschätzten 300 Mio. Euro, die durch Schmerzmittelmissbrauch von den Patienten verursacht werden. „Schon rund 80 Prozent der Schüler leiden unter Kopfschmerzen“, berichtete Professor Dr. Andreas Straube, Oberarzt Neurologische Klinik der Universität München im Klinikum Großhadern und Vizepräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). „Kopfschmerzen bei Jugendlichen treten genauso häufig auf wie bei Erwachsenen. Mädchen sind dabei häufiger betroffen als Jungen. Die Ursache hierfür ist nicht bekannt. Es ist also absolut notwendig, Kopfschmerzen bei Jugendlichen ernst zu nehmen und schon in der Schule mit einem Präventionsprogramm zu beginnen“, sagte er. In einer geplanten Studie mit rund tausend Münchener Schülern soll deshalb die Beziehung zwischen Kopfschmerzen und Lebensgewohntheiten der Schüler, wie z. B. Ernährung, Bewegung, Lebensrhythmus und Kopfschmerzen erfasst werden. Außerdem sollen die Schüler lernen, Stressfaktoren zu erkennen, die Kopfschmerzen verursachen können. Dazu können mehr als eine Stunde tägliches Musikhören oder Computerspielen, aber auch Alkohol- und Kaffeekonsum gehören. Befragungen von Schmerzpatienten haben ergeben, dass 60 bis 70 Prozent der Erwachsenen mit chronischen Kopfschmerzen auch schon im jugendlichen Alter darunter litten, ohne die Kopfschmerzen ernst zu nehmen. Bei älteren Menschen nimmt der Anteil symptomatischer Kopfschmerzerkrankungen im Alter zu. Deshalb muss bei ihnen geklärt werden, ob sich dahinter eventuell eine anderweitige Erkrankung verbirgt, führte Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther, Oberärztin Neurologische Klinik der Universität München am Innenstadtklinikum München, aus, da „der Wissenstand über Kopfschmerzen bei älteren Menschen sehr lückenhaft ist“. Patienten mit einer Migräne entwickeln zusätzlich zu diesen Attacken häufiger Spannungskopfschmerzen oder Dauerkopfschmerzen. Dazu leiden sie unter Schulter-, Nacken- oder Kreuzschmerzen, erläuterte Dr. Susann Seddigh, Leitende Oberärztin Neurologie/Spezielle Schmerztherapie DRK Schmerz-Zentrum Mainz. „Im klinischen Alltag ist eine interdisziplinäre Herangehensweise im diagnostischen und therapeutischen Prozess wichtig“, betonte Dr. Seddigh. „Ziel ist es, die Eigenkompetenz des Betroffenen zu stärken und die Schmerzmitteleinnahme zu reduzieren, um der Entwicklung eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes vorzubeugen und natürlich durch weniger Kopfschmerztage die Lebensqualität zu verbessern“. Wer unter Kopfschmerzen leidet, sollte also unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Ursache zu klären.

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press.

 

Edelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: Berlin & Brandenburg intern

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