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Berlin

Palliativmedizin im Mittelpunkt

Der Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V. (BVSD) wählte Professor Dr. Dr. Joachim Nadstawek in der Delegiertenversammlung zum neuen BVSD-Vorsitzenden. Am gleichen Tag begann der zweitägige 2. BVSD-Kongress SPAS 2011: Schmerz- und Palliativmedizin  Politik – Abrechnung – Strategie mit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sorge bereitet den Medizinern die Versorgung chronischer Schmerzpatienten, die sich zunehmend verschlechtert. Der Grund sind anhaltende Honorarverluste für schmerztherapeutische Leistungen bis zu 40 Prozent. Nach Meinung des BVSD ist dies das Ergebnis einer verfehlten Honorarpolitik durch die Selbstverwaltung der Kassen und Ärztevertretung. „Vielen Kolleginnen und Kollegen bleibt derzeit nur noch die Rückkehr in ihr angestammtes Fachgebiet oder eine Quersubventionierung von schmerztherapeutischen Leistungen. Dies ist umso bedauerlicher, da wir in der Schmerztherapie von einer flächendeckenden Versorgung weit entfernt sind. Wir brauchen jetzt die richtigen politischen Entscheidungen, sonst droht der Schmerztherapie das Aus“, erklärte Dr. Reinhard Thoma, der bisherige Präsident des BVSD. Dabei geht es nicht nur um  Schmerztherapie, sondern auch um Palliativmedizin, die in engem Zusammenhang mit schmerztherapeutischer Behandlung steht. Im Hinblick auf eine alternde Gesellschaft in Deutschland muss auch bei der Palliativen Versorgung mehr getan werden. In den letzten Jahren hat sich die Hospizbewegung zu der größten ehrenamtlichen Bewegung ausgebildet. Das sollte bei der Weiterentwicklung von Sterbebegleitung berücksichtigt werden. Dazu behört auch die Schmerzbehandlung. Wie Dr. Thoma feststellte, gibt es eine Über- und Fehlversorgung bei der Verschreibung von Opiaten, speziell bei chronischen Rückenschmerzen und unspezifischen Brustschmerzen. Dagegen besteht eine Unterversorgung in der multimodalen Schmerztherapie und der Akupunktur. In Studien wurde festgestellt, dass es massive Defizite bei der Versorgung von Patienten mit langen Schmerzkarrieren gibt, deren Leben dann im sozialen Aus endet, wenn sie dadurch nicht mehr arbeiten können. Dr. Hubertus Kayser vom BVSD  bemerkte, dass die Schmerztherapeuten sich mehr Gehör verschaffen sollten. Derzeit gibt es viel zu wenig Schmerz-Mediziner, was darauf zurückzuführen ist, dass sie festgelegten Qualitätsanforderungen unterworfen sind. So dürfen sie lediglich maximal 300 Fälle pro Quartal behandeln, weil ein Schmerzpatient wesentlich mehr Zeitaufwand verursacht. Viele Schmerz-Therapeuten sind daher nur noch in Teilzeit tätig und müssten ihr Geld in ihrem ursprünglichen Fachgebiet verdienen. Dr. Thoma führte in diesem Zusammenhang aus: „Die sich durch die Honorierungsfehlsteuerung bereits heute abzeichnende Verschlechterung der Versorgungslage von chronischen Schmerzpatienten wird durch den fehlenden Nachwuchs an ausgebildeten Schmerztherapeuten noch verschärft“. In fünf bis zehn Jahren würden etwa zwei Drittel der heute ambulant tätigen Schmerzärzte in den Ruhestand gehen. Derzeit stehen die Schmerzmediziner im Wettbewerb um die falschen Dinge: Kosten zu sparen und neue Patienten zu finden.

www.bv-schmerz.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press.

 

Edelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: Berlin & Brandenburg intern

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