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Pharmaforschung in Deutschland
Unter dem Titel „Perspektive 2015“ stellte der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) in Berlin die Perspektiven für die Entwicklung innovativer Medikamente zur Behandlung von Krebs, Hepatitis, MRSA-Infektionen, Tbc und Alzheimer vor. „Mehr als 130 Krankheiten sollen in den nächsten vier Jahren besser behandelbar werden. Möglich wird dies durch neue Medikamente der forschenden Pharma-Unternehmen. Krebspatienten profitieren besonders, denn ein Drittel aller neuen Behandlungsmöglichkeiten wird für sie entwickelt“, erklärte Dr. Wolfgang Plischke, Vorsitzender des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen. Eine Umfrage im Mai dieses Jahres bei den Mitgliedsfirmen des Verbandes ergab, dass insgesamt 359 Projekte ins Auge gefasst sind. Bei der Krebsbehandlung setzt man bereits seit einiger Zeit auf personalisierte Therapien, die den Patienten gute Überlebenschancen und eine bessere Lebensqualität geben. Metastasierter Schwarzer Hautkrebs (Malignes Melanom) war bisher schwer zu behandeln. Es besteht Hoffnung, dass sich das ändert. Derzeit befassen sich 116 Projekte mit Medikamenten zur Krebsbehandlung. Zu den hartnäckigsten Infektionen gehört die chronische Hepatitis C, die unbehandelt häufig zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führt. Oftmals wird eine Lebertransplantation erforderlich, die sehr kostenintensiv ist. Bis 2015 könnten gleich zehn neue Präparate zur Behandlung heraus kommen. Das wäre ein Durchbruch auf einem schwierigen Therapiegebiet. Im Gefolge von AIDS, das man aufgrund der guten Behandlungserfolge bereits zu den chronischen Krankheiten zählen kann, breitet sich die Tuberkulose aus, die ebenfalls schwer behandelbar ist. Bis 2015 soll es vier neue Antibiotika geben, die auch gegen MRSA wirksam sein werden. „Leider mussten in den letzten zwei Jahren mehrere Projekte für neue Alzheimer-Medikamente wegen Erfolglosigkeit aufgegeben werden“, bedauerte Dr. Plischke. Jedoch sollen sich die Behandlungsmöglichkeiten durch eine frühe Diagnose durch neue bildgebende Verfahren verbessern lassen. In Zukunft werden auch spezielle Medikamente für Kinder und Jugendliche zu erwarten sein, von denen es bereits rund 20 gibt. Schon 2007 hatte die Europäische Union zur Auflage gemacht, dass nicht nur neue Medikamente für Erwachsene, sondern auch für Minderjährige entwickelt werden müssen, wenn das medizinisch sinnvoll ist. Auch die Entwicklung neuer Medikamente für ärmere Länder ist geplant. Dazu gehören unter anderem Präparate gegen Tbc. Der erste Impfstoff und zwei Medikamente gegen Malaria werden derzeit entwickelt; außerdem ein Medikament gegen Flussblindheit, die in Afrika, Süd- und Mittelamerika verbreitet ist. Viele dieser Medikamente sind aber erst im Entwicklungsstadium; es sind aber 140 Projekte bekannt. „Die forschenden Pharma-Unternehmen kümmern sich nicht nur um umsatzträchtige medizinische Gebiete“, erklärte Dr. Plischke. Auch bei Arzneien gegen seltene Erkrankungen, die weniger als einen von 2.000 EU-Bürgern betreffen, könnten bis 2015 bis zu 38 Medikamente zugelassen werden. Birgit Fischer, Hauptgeschäftführerin des vfa, betonte: „Die forschenden Pharma-Unternehmen stehen für Fortschritt auf wichtigen und schwierigen medizinischen Gebieten“. Jedoch sind die Anzahl der Mitarbeiter und die Höhe der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie die Investitionen, wie beispielsweise in Laborkomplexe, gesunken. „Ob sich dieser Trend wieder umkehren lässt, wird von der Entwicklung der Rahmenbedingungen abhängen, wozu vor allem die Entscheidung zu Gunsten einer steuerlichen Forschungsförderung gehört. Alle wichtigen Wettbewerberländer locken mit diesem Förderinstrument“, so Fischer. Um Chancengleichheit im internationalen Wettbewerb herzustellen, wird auch in Deutschland eine solche Förderung gebraucht. Zehn Prozent des unternehmerischen Aufwandes für Forschung und Entwicklung sollten von der Steuerschuld abzugsfähig sein. Weiter sagte sie: „Im medizinischen Fortschritt stecken nicht nur Risiken, sondern vor allem auch Chancen. Immer wieder zeigt sich, dass medizinische Innovationen gesamtgesellschaftlich gesehen nicht nur Kosten verursachen, sondern auch Kosten sparen helfen und Produktivität erhalten“. Deshalb konzentriert sich die industrielle Forschung auf Krebs, Schlaganfall und andere Thromboseerkrankungen, Diabetes, starke Schmerzen und Alzheimer. Nicht nur die direkten Therapiekosten sind in Rechnung zu stellen, sondern auch, wie beispielsweise bei Alzheimer, die immensen Pflegekosten. Hinzu kommen die Kosten, die durch fehlende Produktivität der pflegenden Angehörigen anfallen.
Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press.
Edelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: Berlin & Brandenburg intern
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