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Berlin

Tagung der Psychiater

Vom 24. bis 27. November 2010 fand im Internationalen Congress Centrum (ICC) Berlin die größte Tagung in Europa für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurowissenschaften mit rund 9.000 Teilnehmern statt. Veranstalter war die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). Diagnostik und Therapie von psychischen Erkrankungen sowie Fragen der seelischen Gesundheit standen im Mittelpunkt der Jahrestagung. „In diesem Jahr möchten wir ganz bewusst den Dialog innerhalb und außerhalb des Faches suchen“, sagte der Kongresspräsident Professor Dr. med. rer. soc. Frank Schneider, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Universitätsklinikum Aachen. Des Weiteren führte er aus: „Unser Fach steht in enger Wechselwirkung mit anderen Disziplinen und weist Bezugspunkte zu den Naturwissenschaften, der Psychologie, Philosophie, Politik oder der Rechtswissenschaft auf. Deshalb wollen wir unser Leitthema auch im weiteren Sinn verstanden wissen: Psychiatrie im Dialog mit anderen Wissenschaften bis hin zur Beziehung zwischen Psychiatrie und Gesellschaft“. Die Beziehungen zwischen Psychiatrie und Gesellschaft seien noch immer belastet durch die Menschenrechtsverletzungen, die im Bereich der Psychiatrie während der Zeit des Nationalsozialismus verübt wurden, wie den massenhaften Zwangssterilisierungen von psychisch Kranken, den Patientenmorden sowie der Vertreibung jüdischer und politisch missliebiger Psychiater. Mit dem Thema „Psychiatrie im Nationalsozialismus“ beschäftigte sich eine ganze Reihe von Veranstaltungen. Neben dem Thema „Psychiatrie im Nationalsozialismus“ waren Schwerpunkte des Kongresses: Prävention psychischer Erkrankungen; psychosoziale und biologische Einflüsse bei der Entstehung von psychischen Erkrankungen; die Einheit des Faches: Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sowie psychische Erkrankungen bei Spitzensportlern. Anschaulich schilderte Petra Dallmann aus Heidelberg, ehemalige Schwimmerin der Deutschen Nationalmannschaft, die sich derzeit zur Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ausbilden lässt, welchem Leistungsdruck und Herausforderungen Sportler ausgesetzt sind. Dabei geht es  nicht nur um Training, Höchstleistungen und Verletzungsgefahr, sondern auch um finanzielle Probleme während und nach der aktiven Karriere. Petra Dallmann: „Wenn der Druck zu groß wird, Ängste den Alltag prägen, kann sich ein „Burn-out-Syndrom“ bzw. eine Depression entwickeln. In einigen Sportarten besteht ein deutlich erhöhtes Risiko an einer Essstörung zu erkranken. Dr. Valentin Z. Markser, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Köln, berichtete, dass “die Angst der Sportler und Verantwortlichen vor einer regelmäßigen sportpsychiatrischen Betreuung verständlich, aber unbegründet ist. Der Leichtathlet Derrick Adkins gewann 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta die Goldmedaille, obwohl er an Depression erkrankte und sich während des Wettkampfes in psychiatrischer Behandlung befand. Der Tennisspieler Andre Agassi beschreibt in seiner Biographie ausführlich seelische Probleme im Verlauf seiner Sportlerlaufbahn“. Tragischen Ausgang nahm die seelische Erkrankung für den am 10. November 2009 verstorbenen Nationaltorhüter Robert Enke. Rund 400 Pädagogen hatten sich zu der Lehrerveranstaltung angemeldet, die sich mit den unterschiedlichen Formen von Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS, Aggression, Depression, Schizophrenie, Legasthenie, Essstörungen oder Autismus befasste. Zur Rolle der Psychiatrie während der Zeit des Nationalsozialismus äußerte sich Professor Dr. med. Michael von Cranach, Hochschule für angewandte Wissenschaften – FH München:  „ Alle Psychiater, die sich mit der Geschichte des Faches während des Nationalsozialismus beschäftigt haben, mit dem Mord an über 200.000 Patienten, stellen sich die Frage: Wie konnte es passieren? Viele haben die Frage noch schmerzhafter formuliert: Wie hätte ich gehandelt, wenn ich damals Psychiater gewesen wäre? Um diese Frage auch nur annähernd zu beantworten, müssen wir uns mit den vielschichtigen Bedingungen auseinandersetzen, die dazu führten, dass ein Großteil der Psychiater aktiv oder zumindest als Mitkäufer an den Aktionen beteiligt war, dass die Elite der deutschen Psychiatrie an der Planung und Durchführung beteiligt war. Viele der Täter haben sich rechtfertigend nach dem Krieg auf eine wissenschaftliche Theorie, der Eugenik bzw. Rassenhygiene berufen. Heute wissen wir, dass diese wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle spielte. Die Selektion der Patienten erfolgte primär aus ökonomischen Gründen, die Arbeitsfähigkeit war das Kriterium um „lebenswert“  und „lebensunwert“ zu unterscheiden“.  In diesem Zusammenhang erklärte Professor Dr. Volker Roelcke von der Justus-Liebig-Universität Giessen und Vorsitzender der Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte der DGPPN: „Demgegenüber hat die (medizin-)historische Forschung der letzten zirka 30 Jahre sehr detailliert dokumentiert, dass ein großer Teil der Psychiater, darunter viele Universitätsprofessoren sowie der Vorsitzende der damaligen Fachgesellschaft, Professor Dr. Ernst Rüdin, an der Planung, Organisation, praktischen Durchführung und Legitimation der Unrechtshandlungen beteiligt war“.

www.dgppn.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press.

 

Edelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: B & B intern

 

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