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Berlin

Bildung und Erziehung in Deutschland

Die Vodafone Stiftung Deutschland hatte beim Institut für Demoskopie Allensbach eine Studie zu Bildungsambitionen und Erziehungszielen von Eltern in Deutschland in Auftrag gegeben. Professor Dr. Renate Köcher, Leiterin des Instituts für Demoskopie Allensbach, erläuterte die Studie mit dem Titel „Zwischen Ehrgeiz und Überforderung. Eine Studie zu Bildungsambitionen und Erziehungszielen von Eltern in Deutschland“, und führte dazu aus: „Eltern in Deutschland sind sich einig. Eine gute Bildung ist die entscheidende Voraussetzung für den beruflichen Erfolg ihrer Kinder. 94 Prozent der Eltern verbinden mit guter Bildung zugleich bessere Chancen im Beruf, 83 Prozent sehen in guter Bildung zudem die Basis für berufliche Aufstiegsmöglichkeiten. Befragt wurden 1.256 repräsentativ ausgewählte Eltern, darunter 214 Eltern mit türkischem Migrationshintergrund“. 59 Prozent der Befragten aus den unteren Schichten wünschen, dass ihre Kinder in der sozialen Hierarchie höher aufsteigen als sie selbst, während die Wohlhabenden für ihre Kinder den gleichen Status wünschen wie sie ihn haben, wobei bei türkischstämmigen Eltern der Wunsch nach staatlicher Unterstützung bei 59 Prozent stark ausgeprägt ist. Sie äußerten allerdings auch Zweifel, ob ihre Kinder die gleichen Chancen haben wie deutsche Kinder, gaben aber gleichzeitig zu, dass die fehlenden Sprachkenntnisse eine Barriere für eine Chancengleichheit sind. Ein Drittel aller Eltern hält die Anforderungen der Schule für zu hoch. Strengere Lehrer wünschen sich insbesondere die Eltern in Ostdeutschland. Die Schreibschrift soll an den Schulen weiterhin gelehrt werden, lediglich Eltern mit türkischem Migrationshintergrund sprachen sich für Druckbuchstaben aus. Während die gezielte Wahl einer guten Schule für 61 Prozent der sozial besser gestellten Eltern besonders wichtig ist, gilt dies nur für 36 Prozent der sozial schwächeren Eltern. „Diese enge Korrelation zwischen der Bildung der Eltern und dem Bildungsweg der Kinder ist im internationalen Vergleich ungewöhnlich und unbefriedigend, belegt sie doch, dass Bildung in Deutschland in hohen Maße gleichsam „vererbt“ wird“, kommentierte Professor Dr. Renate Köcher. Auch die Bildungsambitionen der Eltern sind davon abhängig, welcher gesellschaftlich-sozialen Schicht sie angehören. Mit 66 Prozent ist das Abitur der am meisten gewünschte Schulabschluss, gefolgt von der Mittleren Reife (23 Prozent) und dem Hauptschulabschluss (3 Prozent). Der Wunsch nach dem Abitur ist jedoch bei Eltern aus höheren sozialen Schichten mit 91 Prozent doppelt so stark ausgeprägt wie bei sozial schwächeren Eltern (41 Prozent). Die Umfrage belegte auch, dass der eigene Bildungsgang der Eltern einen sehr großen Einfluss auf den der Kinder hat. 77 Prozent der Kinder von Eltern mit höherer Schulbildung besuchen das Gymnasium. Bei Eltern mit mittlerer Schulbildung sind es 47 Prozent; bei Eltern mit einfacher Schulbildung nur 29 Prozent. Eine bessere Zukunft für ihre Kinder wünschen sich 41 Prozent der befragten Eltern, während 53 Prozent schon zufrieden wären, wenn es ihren Kindern später genauso geht wie ihnen selbst im Moment. Eine bessere Zukunft wünschen sich Eltern mit türkischem Migrationshintergrund (71 Prozent) sowie sozial schwächere Eltern (59 Prozent. Insgesamt wünschen sich 40 Prozent aller Eltern in Deutschland eine stärkere staatliche Unterstützung bei der Kinderbetreuung und –erziehung außerhalb der Schule. Dazu sagte Dr. Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland: „Besonders Eltern mit Migrationshintergrund, die den sozialen Aufstieg ihrer Kinder ermöglichen wollen, benötigen Unterstützung für eine gute Bildung ihrer Kinder. Familienförderung und Bildungspolitik müssen zusammen gedacht werden. Hier sind Lösungen erforderlich, die das immer noch vorhandene Silodenken überwinden“. Professor Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance sprach sich aufgrund der Erwartungen für eine umfassende Unterstützung der Eltern aus. „Die Studie macht mit großem Nachdruck auf die Schlüsselrolle der Bildungspolitik aufmerksam, die Eltern nach wie vor haben. Die wichtigste Schlussfolgerung aus dieser Studie ist deshalb, Eltern viel besser als bisher auf diese Rolle vorzubereiten und sie darin zu unterstützen, eine Kooperation mit den öffentlichen Erziehungs- und Bildungsinstitutionen im Sinne einer Erziehungspartnerschaft einzuschlagen. Diese Unterstützung muss alle Eltern erreichen, auch die bisher zurückhaltenden und zögerlichen“. Der Ehrgeiz der Eltern drückt sich darin aus, dass 66 Prozent aller Befragten für ihre Kinder das Abitur als Schulabschluss wünschen. Pflege und Erziehung der Kinder ist in Deutschland traditionell ein Grundrecht der Eltern. Damit ist die Bildung der Kinder von den Eltern abhängig, was sich im Vergleich mit anderen Ländern als negativ herausgestellt hat. Deshalb sollte über einen anderen Weg nachgedacht werden, wie für alle Kinder in Deutschland  unabhängig von dem sozialen Hintergrund der Eltern das Recht auf Bildung durchgesetzt werden kann. 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press

Edelgard Richter Bildung 

Edelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: Berlin & Brandenburg intern

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