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Die Finanzkrise
Im Carl Hanser Verlag München ist ein hochaktuelles Buch unter dem Titel „Abgebrannt“ erschienen, das sich unter anderem auch mit dem Rettungsschirm für Griechenland befasst. Geschrieben wurde es von den renommierten Wirtschaftsprofessoren Hanno Beck und Aloys Prinz. In leicht verständlicher und noch dazu unterhaltsamer Form wird über die Stützung der Banken, Konjunkturpakete, die Rettung von Pleite-Unternehmen und Wahlgeschenken informiert. Um zu verstehen, wie es in Europa 2011 zu der nächsten Finanzkrise kommen konnte, sollte jeder Interessierte das Buch mit dem überaus passenden Titel lesen. Dabei werden historische Ereignisse nicht ausgelassen. So berichten die Autoren, dass es in den vergangenen 200 Jahren immer wieder souveräne Staaten gab, die Schuldenkrisen durchmachten. Interessant ist dabei, wie sich die Staaten ihrer Schulden entledigten. So erklärte man einfach die Unrechtmäßigkeit der Schulden: Der König von Portugal berief sich 1560 auf die kirchliche Wucherlehre, die ihm verbot, mehr als fünf Prozent Zinsen zu zahlen. Der Gouverneur des Staates Mississippi verwies 1841 darauf, dass für die Aufnahme des Kredits die Zustimmung des Parlaments gefehlt habe. Auch Philipp II. von Spanien lebte über seine Verhältnisse, obwohl ihm seine Schiffe große Reichtümer in Form von Edelmetallen aus Südamerika ins Land brachten. Das führte trotz oder gerade deshalb in die Staatspleite, weil ihm die Banken im Vertrauen auf steten Zufluss von Gold und Silber große Kredite gewährten. Durch Kriege in den Jahren 1807 und 1813 musste Preußen den Staatsbankrott anmelden. Neufundland war einmal ein unabhängiger Staat. Als es seine Schulden an das Ausland nicht zurückzahlen konnte, wurde es eine kanadische Provinz. Nigeria ist durch Erdölvorkommen ein reiches Land. Trotzdem war es seit seiner Unabhängigkeit im Jahre 1960 bereits fünfmal insolvent. In Erinnerung ist auch noch die Zahlungsunfähigkeit Argentiniens 2005. Noch immer sind Rückzahlungen zwischen 20 und 30 Milliarden Euro offen, wie die Autoren schreiben. Schulden eines Staates entstehen entweder durch maßlose Ausgaben oder durch Fehlinvestitionen. Die Autoren informieren auch, dass nicht allein die aufgenommenen Kredite der Bundesrepublik Deutschland, für die 2010 fast 39 Milliarden Euro an Zinsen gezahlt mussten, den derzeitigen Schuldenstand darstellen, sondern die Beamtenpensionen als Zahlungsverpflichtung des Staates dem Defizit zuzurechnen sind. Wie inzwischen festgestellt wurde, mogelte sich 2001 Griechenland in die europäische Währungsunion ein. Die von der griechischen Regierung im Ausland aufgenommenen Kredite wurden überwiegend für den Konsum und nicht für produktive Zwecke verwendet. Das rächt sich jetzt. Soll Griechenland nun aus der Währungsunion austreten? Als Beispiele führen die Autoren den Rauswurf Griechenlands aus der Lateinischen Münzunion durch Frankreich, Italien, Belgien und die Schweiz im Jahr 1908 an. Die Währungsunion zwischen Schweden, Dänemark und Norwegen, 1872 geschlossen, fand in der Bankenkrise 1931 ihr Ende. Um das Auseinanderbrechen der europäischen Währungsunion zu verhindern, sehen die Autoren zwei Möglichkeiten: Entweder den bankrotten Mitgliedstaaten mit Krediten und Bürgschaften auszuhelfen, wie es derzeit diskutiert wird, oder einen europäischen Finanzausgleich nach deutschem Muster einzuführen, was in beiden Fällen die Steuerzahler belasten würde. Ein dritter Weg wäre mehr Sparsamkeit der einzelnen Staaten oder strengere Regeln für Defizitsünder und für nicht wachsende Volkswirtschaften. Dafür brauchte man eine europäische Wirtschaftsregierung in Brüssel, um die Wirtschaftspolitik aller EU-Staaten zu überwachen. Aber wer will das? Um die diffizilen Zusammenhänge der Weltwirtschaft, insbesondere der Europäischen Union zu verstehen, ist das Buch jedem interessierten Leser zu empfehlen.
Abgebrannt von Hanno Beck und Aloys Prinz, Carl Hanser Verlag München, ISBN Nr. 978-3-446-42697-9, www.hanser-literaturverlage.de
Das Buch kostet im Buchhandel 19,90 Euro.
Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press
Edelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: Berlin & Brandenburg intern
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