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Flensburg

Flensburger Löwe kehrt zurück

In einer Pressekonferenz in Berlin berichtete Dr. Fuhr, Direktor Museumsburg Flensburg, dass der Idstedt-Löwe nach nunmehr fast 150 Jahren an seinen ursprünglichen Standort auf dem Alten Friedhof in Flensburg zurückkehrt, wo er 1862 erstmals zur Erinnerung an den Sieg der dänischen Truppen am 25. Juni 1850 bei Idstedt aufgestellt wurde.

Der Standort auf dem Alten Friedhof wurde damals gewählt, weil hier viele der Gefallenen begraben worden waren. Im nächsten Deutsch-Dänischen Krieg vom 16. Januar bis 30. Oktober 1864 siegten die Preußen bei den Düppeler Schanzen. Den Löwen vom Sockel zu stürzen misslang, weshalb er in Einzelteile zerlegt 1868 nach Berlin transportiert und vor dem Zeughaus Unter den Linden aufgestellt wurde. 1878 wurde das Zeughaus umgebaut und deshalb kam das Denkmal aus Bronze, auch Flensburger Löwe genannt, in den Hof der Preußischen Hauptkadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde, von wo es 1945 auf Wunsch der dänischen Regierung und mit Genehmigung von General Eisenhower nach Kopenhagen transportiert wurde. Bis zum Jahr 2010 stand der Flensburger Löwe dann vor dem Zeughaus in Kopenhagen. Viele Gespräche zwischen deutschen und dänischen Institutionen führten schließlich dazu, dass der Flensburger Löwe nunmehr zurückkehrt, nachdem er in der Restaurierungswerkstatt des Nationalmuseums in Dänemark restauriert wurde. Der Däne Herman Wilhelm Bissen wurde seinerzeit beauftragt, das Denkmal zu schaffen. Orla Lehmann sammelte in Privatinitiative das Geld dafür. Die Sammlung war sehr erfolgreich und erbrachte dreimal mehr Geld als ursprünglich veranschlagt wat. Deshalb sollte der Löwe nun auch dreimal so groß werden, weshalb schließlich im Atelier des Bildhauers das Modell aus Gips und Ton zusammenbrach. Dadurch verzögerte sich die Fertigstellung um ein ganzes Jahr. Schon 1874 bekam der Flensburger Löwe einen Zwillingsbruder aus Zink, der in der Villenkolonie Alsen in Berlin-Grunewald aufgestellt wurde. Die 1863 von dem Berliner Bankier Wilhelm Conrad gegründete Villenkolonie für vermögende Berliner wurde von ihm 1873 zur Erinnerung an die 1864 erfolgte Kapitulation der dänischen Insel Alsen-Kolonie genannt. Dazu passte der Flensburger Löwe, der vor dem Zeughaus in Berlin stand. Conrad ließ 1874 eine Zinkkopie anfertigen und in einem Park aufstellen. Erst 1938 kam der Löwe an seinen heutigen Standort in Heckeshorn am Wannsee.

Flensburger Löwe

Dr. Fuhr informierte weiter, dass die Neuaufstellung des Löwen in unmittelbarer Nähe des Museumsbergs ein Anlass ist, die Geschichte des Flensburger Löwen in einer Sonderausstellung darzustellen. Es werden historische Skizzen, Modelle, Fotos und andere Dokumenten ausgestellt. Zeitgenössische Künstler setzen sich mit dem Thema der deutsch-dänischen Beziehungen und der Symbolfigur des Löwen auseinander. Der aus Schleswig gebürtige Berliner Maler Jens Lorenzen widmet dem Löwen in der Ausstellung eine Serie großformatiger Ölbilder. S.E. Per Poulsen-Hansen, Botschafter des Königsreichs Dänemark, sprach davon, dass es nicht alltäglich ist, wenn ein nationales Denkmal an seinen Ursprungsort zurückkehrt. Der Flensburger Löwe ist ein Symbol der Entwicklung der deutsch-dänischen Beziehungen, aus der sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt hat.

„Vom Gegeneinander zum Miteinander“. Der Botschafter sagte: „Die dänische Regierung hat seit 1945 den Standpunkt vertreten, dass der Löwe nach Flensburg zurückkehren könne, wenn Deutschland es möchte“. Er betonte: „Ein gemeinsamer Löwe kommt  zurück“.

Simon Faber, Oberbürgermeister der Stadt Flensburg, ist der Meinung, dass die Rückkehr des Löwen ein Beleg dafür ist, dass eine Nachbarschaft sich in langen Zeiträumen bewegt und auch verändert. Inzwischen gibt es eine Kooperation auf vielen Gebieten. Insbesondere seit 1990 ist die Zahl der Grenzpendler in beide Richtungen stark gewachsen. Es gibt viele gemeinsame Veranstaltungen, wie beispielsweise das Theater-Festival oder das Literatur-Festival. Die dänische Stadt Sonderburg bewirbt sich für den Titel Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2017. Flensburg unterstützt selbstverständlich die Bewerbung. Auch das Interesse an Deutschland, insbesondere an Berlin, nimmt in Dänemark zu.  Die Rückkehr des Flensburger Löwen macht die Versöhnung zwischen Deutschland und Dänemark deutlich. 

Buchtipp: ReiseTravel empfiehlt  

Die Schlacht auf den Düppeler Schanzen 1864 kennt man in Deutschland allenfalls als kurze siegreiche Episode in einer Kette leicht errungener Siege der preußischen Soldaten. Wie viel Leid auch in diesen „kurzen“ Schlachten über die Männer kam – es wird ausgeblendet.

Schlachtbank Düppel  

Gegen den Krieg: Tom Buk-Swienty erzählt das Kriegsleiden eindringlich aus der Perspektive des einfachen Soldaten, der Offiziere, Feldärzte und Kriegskorrespondenten. Ein Historien-Doku-Drama und ein literarisches Ereignis: Keine Nationalpropaganda, sondern das jämmerliche Töten und Getötet werden, rekonstruiert anhand von Briefen, die über eine fünfwöchige Belagerung in Dreck und Kot, Hunger und Krankheit berichten. 3.600 Dänen starben beim Sturm - dreimal so viele Opfer wie auf preußischer Seite.

Düppel wurde auch berühmt, weil das Roten Kreuz zum ersten Mal eingesetzt wurde. Und weil ein preußischen Musikdirektor namens Gottfried Piefke die Soldaten mit Marschmusik ins Feuer trieb. Mit dem Degen soll Pifke noch dirigiert haben, nachdem ihm eine Kanonenkugel den Taktstock entrissen hatte. „Höchste Zeit, dass solche melodischen Siegermythen vom wahren Soundtrack der Geschichte ersetzt werden: dem Jammer der Opfer“, schrieb Dirk Schümer in der FAZ, auf eine deutsche Übersetzung hoffend. Sie liegt nun vor.

Tom Buk-Swienty, geb. 1966, ist Autor, Journalist und Lektor am Center for Journalistik der Syddansk Universitet. Er war zehn Jahre USA-Korrespondent der Wochenzeitung Weekendavisen sowie 2002 bis 2003 Fellow am Center for Writers and Scholars der New York Library. 2008 erschien „Schlachtbank Düppel“, das als bestes Sachbuch des Jahres in Dänemark ausgezeichnet wurde. Der Übersetzer Sonnenberg Ulrich, geb. 1955, lebt und arbeitet er als freier Übersetzer und Herausgeber in Frankfurt am Main. Von Margarete Schwind, www.schwindkommunikation.de

Schlachtbank Düppel Geschichte einer Schlacht von Tom Buk-Swienty, Osburg Verlag Berlin, ISBN: 978-3-940731-72-2,

Das Buch kostet im Buchhandel 26,90 Euro.  

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press

Edelgard Richter Flensburger Löwe 

Edelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: Berlin & Brandenburg intern

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