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Leben in Deutschland
Roderich Egeler, Präsident Statistisches Bundesamt, stellte den „Datenreport 2011“ vor: Der Präsident berichtete, dass eine vom französischen Staatspräsident Nicolas Sarkozy einberufene internationale Expertenkommission in ihrem 2009 veröffentlichten Report deutlich gemacht hatte, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als bewährter Indikator für wirtschaftliches Wachstum an seine Grenzen stößt, wenn es darum geht, gesellschaftlichen Fortschritt und Lebensqualität abzubilden. Die Experten empfahlen, Bereiche, die für die Lebensqualität der Menschen von Bedeutung sind, stärker in den Fokus der Statistik zu rücken. Dazu gehören die Verteilung von materiellem Wohlstand, Erwerbsarbeit, Qualität des staatlichen Handelns, sowie persönliche und wirtschaftliche Unsicherheit und Faktoren wie Gesundheit, Bildung, Umwelt, persönliche Aktivitäten, politische Partizipation und soziale Beziehungen. Der jetzt vorliegende Datenreport stellt ein solch differenziertes Bild der Lebensbedingungen in Deutschland dar. Danach finanzierte im Jahr 2010 die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland ab 15 Jahren ihren Lebensunterhalt überwiegend aus eigener Erwerbstätigkeit; 27 Prozent lebten vorwiegend von Renten, Pensionen oder eigenem Vermögen; 15 Prozent wurden von Angehörigen finanziert und 8 Prozent erhielten Sozialleistungen. Als armutsgefährdet galten 2008 Personen, die im Monat nur 929 Euro zur Verfügung hatten; danach waren 16 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Das zeigte sich insbesondere in dem Bereich „Wohnen“, wonach jeder dritte Armutsgefährdete sich nach eigener Einschätzung durch die Wohnkosten finanziell stark belastet fühlt; 16 Prozent konnten ihre Wohnung nicht mehr angemessen warm halten, was bei nicht Armutsgefährdeten lediglich bei 4 Prozent zutraf. Ein wichtiger Indikator zur Messung der Lebensqualität ist die Gesundheit. 2009 bezeichneten sich insgesamt 15 Prozent der Bevölkerung als krank oder durch einen Unfall verletzt. 11 Prozent waren es im Alter von 15 bis 39 Jahren, 14 Prozent zwischen 40 bis 65 Jahren und bei den über 65jährigen waren es 23 Prozent. Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems führten 2009 zu 2,7 Millionen Krankenhausaufenthalten; sie sind mit 42 Prozent aller Sterbefälle die häufigste Todesursache. Auch familiäre Verhältnisse tragen zur Lebensqualität bei. So gab es 2010 rund 18 Millionen Ehepaare und 2,6 Millionen Lebensgemeinschaften in Deutschland. Außerdem gab es 17,4 Millionen Alleinstehende ohne Kinder; 2,7 Millionen waren allein erziehend. Zum Bereich Bildung informierte Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung: 2009 hatte ein Viertel der deutschen Bevölkerung und 53 Prozent der in Deutschland lebenden Ausländer ab 25 Jahren keinen beruflichen Abschluss. Festgestellt wurde, dass Bildung immer weiblicher wird. Hatten 2009 von den Personen ab 60 Jahren nur 9 Prozent das Abitur (21 Prozent der männlichen Bevölkerung), waren es in der Altersgruppe der 25- bis unter 30jährigen bereits 46 Prozent Frauen (und 41 Prozent Männer). Bei den Hochschulabsolventen war der Anteil von Männern und Frauen jeweils um 50 Prozent. Die Kehrseite ist, dass Akademikerinnen weniger Kinder bekommen. 2008 waren von allen 40- bis 75jährigen Frauen 11 Prozent Akademikerinnen. Von Frauen dieser Altersgruppe mit akademischem Grad hatten in Westdeutschland 28 Prozent keine Kinder, während im Durchschnitt aller Frauen nur 16 Prozent kinderlos waren. Thomas Krüger stellte fest: „Solange Frauen sich mangels Kinderbetreuung und anderer Hindernisse vom Arbeitsmarkt zurückziehen müssen, sind sie gezwungen, eine Entscheidung zu treffen; Kinder oder Karriere“. Bemerkenswert ist, dass 2009 sogar 28 Prozent der in Deutschland lebenden Ausländerinnen die Fachhochschul- und Hochschulreife gegenüber 24 Prozent deutschen Frauen hatten. Allerdings hatten 19 Prozent der ausländischen Bevölkerung überhaupt keinen Schulabschluss gegenüber von 2 Prozent bei den Deutschen. Auch 53 Prozent der Ausländerinnen und Ausländer hatte keinen beruflichen Bildungsabschluss gegenüber 25 Prozent der Deutschen. In diesem Zusammenhang führte Dr. Roland Habich vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) aus: „Die Bedeutung der Bildung zeigte sich auch bei der Lebenserwartung: Männer im Alter von 45 Jahren, die über Abitur oder Fachhochschulreife verfügen, leben im Deutschnitt 5,3 Jahre länger als gleichaltrige Männer, die lediglich über einen mit Hauptschulabschluss oder über keinen Schulabschluss verfügen“. Fazit: Bildung ist wichtig für alle.
Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press
Edelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: Berlin & Brandenburg intern
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