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Innovationskurs zwischen Saale und Elbe
Frühaufsteher
Sachsen-Anhalt versteht sich immer noch als das Land der Frühaufsteher: Die Wirtschaft wächst und aus der ganzen Welt siedeln sich Investoren in Deutschlands Mitte an. Denn diese Region hat viel zu bieten. Auf dem Gebiet des Maschinen- und Anlagenbaus bleibt Sachsen-Anhalt mit einer Tradition von 150 Jahren ein Schwergewicht. Inzwischen ist das einstige Zentrum des Schwermaschinenbaus ein gefragter Standort mit Hightech-Produktion geworden. So befinden sich die meisten Unternehmen zwischen Saale und Elbe auf nachhaltigem Innovationskurs: Motorenbauer, Pumpen- und Armaturenhersteller, Produzenten von Kranen und Hebeanlagen, Rohrleitungsbauspezialisten, Betriebe der Großchemie wie Kautschuk- und Treibstoffhersteller. Den aktuellen Gesamtüberblick aus erster Hand erläuterte die IMG-/Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt einer Gruppe von Wirtschaftsjournalisten.
KSB-Kompetenzzentrum Pumpen in Halle/Saale KSB schreibt seit 140 Jahren als Hersteller von Pumpen, Armaturen und zugehörigen Systemen für die Verfahrens- und Gebäudetechnik, Wassertransport und Wasseraufbereitung, Energieumwandlung und Feststofftransport Erfolgsgeschichte www.ksb.com
Heute ist der Standort Halle das KSB-Kompetenzzentrum für die Wasser- und Abwassertechnik. KSB-Produkte spielen eine wichtige Rolle bei der Förderung, der Aufbereitung und der Gewinnung von Wasser für Haushalt, öffentliche Gebäude, Industriebetriebe sowie für die Landwirtschaft. Darüber hinaus kommen seit fünf Jahren die für Abwasseranwendungen entwickelten Tauchmotorrührwerke in der Biogaserzeugung zum Einsatz. Bis heute hat KSB mehr als 70 Biogasanlagen in Deutschland, Belgien, Italien, Kroatien, den Niederlanden, Österreich und Slowenien mit Rührwerken ausgerüstet. Grundlage des Erfolgs ist neben dem vielfältigen Produktangebot der technische Stand der Pumpen. Dieser basiert zu einem großen Teil auf der unternehmenseigenen Forschung und Entwicklung. Um die steigende Nachfrage nach Pumpentechnik aus Halle auch entsprechend den Kundenwünschen prüfen und fertigen zu können, investierte KSB in einen 3.000 Quadratmeter großen Neubau. Dort wird in der Leistungsklasse Großpumpen vor der Auslieferung auf Weltniveau überprüft, ob die Aggregate ihren Wirkungsgrad erreichen und störfrei laufen.
In der Produktionshalle werden seit Januar 2009 leistungsstarke Wasserpumpen der Baureihen RDLO und RDLP gefertigt. Diese Aggregate können bis zu 40 Tonnen wiegen und bis zu 20.000 Kubikmeter Wasser pro Stunde fördern. Sie kommen weltweit in Anlagen zur Meerwasser-Entsalzung und zur Wasserversorgung zum Einsatz. (FOTO 1: Großpumpen-Prüffeld)„Das Hallenser Werk übernimmt heute im KSB-Verbund eine wichtige Aufgabe in der Entwicklung und Fertigung von Pumpen sowie abwassertechnischen Rührwerken“, erklärt Christian Haag, Leiter der Niederlassung in Sachsen-Anhalt. In den vergangenen 20 Jahren flossen allein 65 Millionen Euro an Investitionen in Maschinen, Hallen und Prüftechnik am Standort. Heute geschieht auch die Entwicklung von Motoren als Antriebe für Abwasserpumpen vor Ort. Sondermaschinen und –pumpen aus Dessau/Mulde
Für den Wasserkraftsektor sowie den Unterwassereinsatz auf Baggerschiffen fertigt das Anhaltinische Elektromotorenwerk Dessau-AEM (www.aemdessau.de) Synchrongeneratoren und Motoren im Leistungsbereich von 100 kW bis 5 MW. Immer komplexere Kundenwünsche stellen die Ingenieure bei jeder neuen Maschine vor neue Herausforderungen. Insbesondere im Wasserkraftsektor machen die Forderungen nach besonderem Hochlaufverhalten, extremen mechanischen Belastungen, geringen Geräuschen und hohen Wirkungsgraden jede Maschine zum Entwicklungsobjekt. Deshalb wurde in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut Magdeburg ein Simulationsprogramm entwickelt, das eine optimale Vernetzung der Rechenmodule wie Elektrik, Mechanik und Wärmeverteilung abbildet. Durch die Ausrichtung zum Sondermaschinenhersteller hat AEM Entwicklung, Konstruktion und Fertigungstechnologie neu auf die Anforderungen der Kundenprojekte fokussiert.
Spezialkrane aus Köthen: Der aktuelle Clou des Kranbau Köthen (www.kranbau-koethen.de) ist ein virtuelles Trainingszentrum für Kranfahrer am Fraunhofer Institut IFF. Da die Bedienelemente immer komplexer werden, bringt die Ausbildung am Simulator für die komplizierten Spezialkrane und Sonderportale echte Vorteile. Die Kranbaufirma Köthen ist seit 1934 auf dem Gebiet der Spezialkrane für die Schwerindustrie, für den Güterumschlag und für den Schiffbau tätig und nimmt eine führende Position als Hersteller innovativer Sonderkrane für die unterschiedlichsten Krananwendungen in Europa ein. Als Systemanbieter von Kranen mit eigener Fertigung in Deutschland, einschließlich Elektro- und Steuerungstechnik, gehört das Engineering, die Fertigung, die Montage und der Service zur umfangreichen Leistungspalette des Unternehmens. Gegenwärtig entwickeln die Köthener Sonderportalkräne für die Offshore-Windindustrie. Sorgen bereiten Chefingenieur Ingo Brotzmann die Studienprofile der Magdeburger Universität: „In allen Richtungen werden für unsere künftigen Ingenieure zu wenige Grundlagen von Maschinenbau und Stahlbau vermittelt. Ein Absolvent der Logistik z.B. hat in unserer Branche kaum Chancen.“(FOTO 2: Portaldrehkran aus Köthen)
Prüflabore und Technikzentren: Im neuen FEV Dauerlaufprüfzentrum in Brehna bei Leipzig (http://www.fev-dlp.de)werden auf 36 Prüfständen modernste Strategien zur Dauererprobung von Verbrennungsmotoren und Antriebsträngen angewandt. Sie beinhalten ein umfassendes Prüfprogramm zur Validierung und Freigabe für den SOP („Start ofProduction") bei gleichzeitig minimierter Zahl an einzelnen Prüfläufen. Hierzu hat FEV den „FEV Test-Katalog" geschaffen. Hierin konzentriert sich ein umfangreicher Erfahrungsschatz an Testprozeduren, Verfahrensanleitungen und Benchmark-Daten für eine effektive und zielorientierte Dauererprobung. Dieser Testkatalog wird bereits heute erfolgreich im Bereich von Großserien-Entwicklungen für die Autoindustrie angewandt. Die gesicherten Prüfprogramme werden in Brehna auf vollautomatisierten Prüfständen nach dem neuesten Stand der Technik durchgeführt. Dabei werden z.B. alle Verbrennungsmotorenprüfstände von einer zentralen Leitwarte überwacht und gesteuert, Verschleißmessungsergebnisse können nach Dauerlauf mit vorhandenen Erfahrungswerten verglichen werden und ermöglichen eine direkte Aussage auf die Lebensdauererwartung des Motors. Das Unternehmen produziert und vertreibt auch selbst Prüfstände. Motoren und Aggregate der größeren Bauart testet das WTZ Roßlau/Elbe, gegründet als Dienstleister für kleinere und mittlere Unternehmen des Maschinen- und Fahrzeugbaus (www.wtz.de). Auf den Prüfständen laufen gegenwärtig Gas- und Dieselmotoren, die auf Bauteilfestigkeit, Leistungsparameter und Schadstoffausstoß untersucht werden. Ein Projekt der besonderen Art ist Deutschlands größter Forschungsmotor, ein Einzylinder-Motor. Diese dienen in der Regel dazu, die Thermodynamik, das Brennverfahren bzw. die Triebwerksbauteile als Vorstufe für die Vollmotorenentwicklung zu optimieren, um beste Wirkungsgrade bei geringst möglichen Emissionen und höchster Betriebslebensdauer zu erreichen. In Roßlau werden bereits verschiedene selbst konstruierte und entwickelte Forschungsmotoren im Kolbendurchmesserbereich zwischen 120 und 250 mm eingesetzt.(FOTO 3: Gasmotor auf dem WTZ-Prüfstand in Roßlau) Rohrleitungsbau nach digitaler Kette Neubau, Stillstandsarbeiten und Instandhaltung von Metall- und Kunststoff-Rohrleitungssystemen gehören zum Unternehmensprofil von WEBER Rohrleitungsbau Merseburg (www.weber-unternehmensgruppe.com). Dabei können die Experten auf 85 Jahre Kompetenz in Vorfertigung und Montage zurückblicken. Ob Anlagen der Großchemie, von Kraftwerken, der Pharma- oder Lebensmittelindustrie - geplant und überwacht werden alle Vorhaben mit einem eigens entwickelten Managementsystem das auch die EDV-Systeme der Kunden einbezieht. So setzt die Innovation der „digitalen Kette“ dem Schwerpunkt aufstandardisierte Prozesse, auf Vorfertigung und effiziente Koordination aller Gewerke. Bei namhaften Chemie- und Ingenieurunternehmen geht heute sowohl im Instandhaltungsbereich als auch bei Neuinvestitionen der Trend zu „ALLE LEISTUNGEN AUS EINER HAND“. Dieser Maxime fühlt sich WEBER verpflichtet und realisiert, aufbauend auf dem Basic-Engineering des Kunden in kürzester Zeit das Detail-Engineering. Beschafft werden dafür Aggregate, Behälter sowie alle Materialien, ausgeführt werden alle Bau- und Montageleistungen nach abgestimmtem Projektverlauf. Großchemie in Schkopau und Altölraffinerie in Zeitz/Elster
Frühaufsteher
Den IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2011 erhielt die Styron GmbH in Schkopau (www.styron.com) für die Entwicklung des neuartigen Kautschuk-Polymeres SPRINTAN. Als Gummimischung von Reifen verbessert sich dadurch die Verteilung der Füllstoffpartikel in der Lauffläche des Reifens und der Rollwiderstand kann um rund 20 Prozent gesenkt werden. Würden weltweit alle Autoreifen auf Basis des neuen Materials hergestellt, ließe sich der Kohlendioxidausstoß um 100 Millionen Megatonnen jährlich senken und jeder Autofahrer könnte preiswerter tanken. Das Unternehmen will mit Investitionen in Höhe von 91 Mio. Euro die jährliche Kapazität um 50.000 auf 350.000 Tonnen steigern. „Schkopau ist die Wiege der weltweit ersten großtechnischen Produktion von Styrol-Butadien-Kautschuk“, sagte Geschäftsführer Ralf Irmert. Der Ausbau des Werks begann im Mai 2011; der Produktionsstart ist für das vierte Quartal 2012 vorgesehen. In ähnlichen Dimensionen agiert die Firma Puralube im Chemie- und Industriepark Zeitz (www.puralube.com). Die Gesellschaft betreibt im Industriepark eine Raffinerieanlage, die mit dem einzigartigen, umweltschonenden UOP-HyLube-Verfahren arbeitet. Damit werden aus Gebrauchtölen jährlich bis zu 140.000 Tonnen qualitativ hochwertige Basisöle und Mineralölprodukte gewonnen werden.
Um die Produktionskapazität am Standort zu verdoppeln, investierte das Tochterunternehmen der amerikanischen Puralube Inc. (Wayne) in der letzten Zeit rund 45 Millionen Euro. Weitere Raffinerieprojekte werden gegenwärtig in Europa, den USA und Asien verfolgt. Beispiele für innovative Verfahren und Produkte, made in Sachsen-Anhalt. Hier verbindet sich Wirtschaft mit Forschung, Erfindergeist mit Mut, Standortvorteil mit Investitionsvorhaben. Mit 500 Unternehmen und 33.500 Beschäftigten ist der Maschinen- und Anlagenbau die bedeutendste Industriebranche zwischen Saale und Elbe. Die Innovationen sind weltweit begehrt: Fast 40 Prozent der Produkte werden ins Ausland verkauft.
IMG Sachsen-Anhalt – Frauke Flenker-Manthey, Am Alten Theater 6, D-39104 Magdeburg, Tel.: 0391/5677076, Fax: 0391/5677081; flenker-manthey@img-sachsen-anhalt.de - www.investieren-in-sachsen-anhalt.de
Von Günter Knackfuss, Freier Fachjournalist
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