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Internationaler Sicherheitspreis

Rund 50 Auszubildende der Bauwirtschaft aus zehn europäischen Ländern bewiesen unter Praxisbedingungen und in Echt­zeit, dass sie unter Beachtung aller Arbeitsschutzregeln gut und sicher arbeiten können. Sie rangen um den „Internationalen Sicherheitspreis - Wir bauen Europa", den die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) und die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt Österreichs (AUVA) gemeinsam aus­geschrieben hatten.

Geschäftig gingen die Auszubildenden zu werke, trugen Kanthölzer und Eisenstangen, errichteten Gerüste, hantierten mit Leitern oder befestigten Ladung auf einem Lkw. Und sie taten das in multinationalen Teams. Den Grund nannte Manfred Bandmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der BG BAU: „Auf Europas Baustellen geht es zunehmend international zu. Beschäftigte aus vielen Ländern arbeiten zusammen und müssen kooperieren“. Zahlreiche Materialien für den Wettbewerb hatten Baufirmen und Hersteller von Persönlichen Schutzausrüstungen eigens zur Verfügung gestellt.  

„Am Wettbewerb „Internationalen Sicherheitspreis - Wir bauen Europa", den die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) und die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt Österreichs (AUVA) organisieren beteiligten sich zehn Länder“, informierte Dipl. Ing. Karl-Heinz Noetel, BG Bau (l.)

BG Bau Arbeitsschutz 

„Für ein Betonpodest mit Aufstiegstreppe soll ein ordnungsgemäßer Seitenschutz ausgewählt und angebracht werden. In der Ausgangslage ist das Betonpodest mangelhaft abgesichert“, so Ausbilder Roland Serguhn (mitte) Foto Carola Klauß

 

Die 10 Stationen des Wettbewerbes

1. Absturzsicherung - Seitenschutz

2. Absturzsicherungen - Steigschutz

Zu drei verschiedenen Steigschutzschienen muss jeweils das zugehörige Auffanggerät und der passende Auffanggurt ausgewählt werden. Ist dieses geschehen, soll ein Teilnehmer bis zu einer festgelegten Höhe mit der richtigen Ausrüstung steigen.

3. Fahrbare Arbeitsbühne

Aus einzelnen Gerüstbauteilen wird eine fahrbare Arbeitsbühne bis zu einer Höhe von 2,5 m gebaut. Dabei wird mit einem speziellen Montagesicherheitsgeländer als Seitenschutz gearbeitet.

4. Lastentransport

Nach der Trennung von brauchbaren und unbrauchbaren Anschlagmitteln werden mit den brauchbaren verschiedene Materialien für einen Krantransport angeschlagen. Hierbei muss eine richtige Auswahl zwischen Last und Anschlagsmittel getroffen werden. Durch Handzeichen weisen die Teilnehmer einen Kranführer an, eine Last zu transportieren.

5. Sicherer Umgang mit Leitern

Im ersten Teil dieser Aufgabe müssen beschädigte Leitern aussortiert werden. Im zweiten Teil sollen unbeschädigte Leitern verschiedenen Untergründen zugeordnet werden. Eine Leiter muss dann korrekt an ein Bockgerüst angelegt und gesichert werden.

6. Baustellenkreissäge

Eine demontierte und verstellte Kreissäge soll von den Teilnehmern zusammengesetzt werden. Einige Tücken verhindern den Einsatz einer einwandfreien Maschine. Auch an die Schutzausrüstung der Personen in unmittelbarer Nähe muss gedacht werden.

7. Ladungssicherung

Ein Anhänger muss mit Kalksteinen beladen werden. Dabei muss die Last gegen Verrutschen gesichert werden. Wichtig für die Teilnehmer sind hier z.B. auch die Aufmerksamkeit gegenüber Details wie der Reinigung der Ladefläche und der korrekte Einsatz von Zurrmitteln.

8. Elektrischer Strom

Eine Unterscheidung von brauchbaren und unbrauchbaren elektrischen Betriebmitteln muss als erstes vorgenommen werden. Danach soll über eine Straße hinweg eine elektrische Handmaschine angeschlossen werden, wobei das richtige Material und die richtige Art und Weise der Sicherung zu wählen sind.

9. Manuelles Heben und Tragen von Lasten

Alle Teilnehmer sollen einen auf dem Boden liegenden 25 kg schweren Betonrandstein bis zur aufrechten Körperhaltung anheben und wieder absetzen. Dabei werden sie von einer Kamera aufgenommen und erhalten eine Auswertung bezüglich ihrer Körperhaltung.

10. Persönliche Schutzausrüstung

Die Auszubildenden erhalten Bilder von zwei konkreten Arbeitssituationen und müssen jeweils die entsprechende persönliche Schutzausrüstung auswählen und eines der Teammitglieder damit ausstatten

Mit viel Energie machten sich die jungen Leute an die praktischen Aufgaben zum Arbeitsschutz: Wie im richtigen Arbeitsleben mussten sie zum Beispiel ein Fahrgerüst aufbauen, Sägeblätter für die Baustel­lenkreissäge einlegen, Anschlagmittel zum Trans­port von Bauteilen einsetzen, Stromverteiler aus­legen und persönliche Schutzausrüstungen an­legen. Eines der Hindernisse war dabei die Ver­ständigung, denn die angehenden Baufachleute in den gemischten Teams zu je sechs Personen sprachen nicht immer die gleiche Sprache. So orientierten sie sich lediglich anhand ausgehängter Arbeitsbeschreibungen und verständigten sich oft durch Zeichen und ihre Mimik.

Diese Hürde bewältigten die angehenden Baufachleute ohne Schwierigkeiten. Bei allen Aufgabenstellungen war der Nachweis zu erbringen, dass sie die sicherheitstech­nischen Grundlagen beherrschen. Das Anliegen dabei: Wer unter normalem Arbeits­druck sachkundig arbeitet und den Gesundheitsschutz von Anfang an auf der Rech­nung hat, senkt das Unfall- und Berufskrankheiten-Risiko. Durch den internationalen Wettbewerb soll der europäische Baunachwuchs gleich zu Beginn des Berufslebens dazu angehalten werden, sich stärker mit Fragen der Sicherheit und des Gesundheits­schutzes auseinander zu setzen.

Dass mangelndes Sicherheitsbewusstsein ein Problem sein kann, zeigt ein Blick auf die Unfallstatistik: In der gewerblichen Wirtschaft allein in Deutschland erlitten im Jahr 2008 fast 191.000 Beschäftigte im Alter zwischen 15 und 25 Jahren einen Arbeitsunfall. Am Bau waren es knapp 22.000 junge Beschäftigte. Fast 22 Millionen Euro zahlte die BG BAU im gleichen Jahr für Heilbehandlungen, Rena-Leistungen und Renten an junge Beschäftigte zwischen 15 und 25 Jahre. Die Unfallzahlen konnten seit den 1980er Jahren deutlich gesenkt werden. „Erheblichen Anteil hatte daran das Jugendprogramm als Teil der Präventionsmaßnahmen der BG BAU", sagte Manfred Bandmann. In speziellen Lehreinheiten der Berufsgenossenschaft erfahren die jungen Beschäftigten dabei schon während der Ausbildung viel über sicheres Verhalten am Arbeitsplatz. „Mit internationalen Wettbewerben", so Bandmann, „ergänzen wir unsere Aktivitäten und begründen zugleich eine neue Tradition".

„Auch für die AUVA hat die Vermeidung von Arbeitsunfällen oberste Priorität. Der inter­nationale Sicherheitspreis trägt diesem Anliegen über die Grenzen Österreichs hinaus und damit der Tatsache des immer flexibler werdenden Arbeitsmarktes Rechnung. Die AUVA setzt bei ihrer Präventionsarbeit insbesondere am Bau mehrsprachige Hilfsmittel ein, um ihre Kunden zielgerecht zu erreichen. Durch entsprechende Schulung bereits in der Ausbildung kann ein solides Fundament für das spätere Berufsleben betreffend der Sicherheit der Arbeitnehmer geschaffen werden. Darüber hinaus ist uns auch das europaweite Weitertragen des Sicherheitsgedankens und der gegenseitige Austausch ein wichtiges Anliegen.", so Generaldirektor der AUVA, Diplom-Ingenieur Peter Vavken.

Das Schulungszentrum der BG BAU mit seinem Praxiszentrum, in dem die jungen Wettbewerber auch übernachteten und verpflegt wurden, bot einen ansprechenden Rahmen für die Veranstaltung. Zudem hatten die Organisatoren für ein spannendes Begleitprogramm in den Pausen und nach dem Wettkampf gesorgt. So konnten die Auszubildenden auf Fahrsimulatoren das sicherheitsgerechte Verhalten im Straßen­verkehr üben. Abends hatten sie sichtlich Spaß mit sportlichen Aktionen, zum Beispiel im human table soccer, einem überdimensionalen Tischkicker mit lebenden Spielfiguren.

 

Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Hildegardstrasse 29/30, D-10715 Berlin - www.bgbau.de

 

Von Su Kramer.

 

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