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Kasachstan will mehr Geld im Tourismus verdienen

Das öl- und metallreiche Kasachstan setzt bei der Diversifizierung seiner Wirtschaft auch auf sein großes touristisches Potenzial. Im Jahr 2011, so die offizielle Prognose, könnten die Erlöse aus dem Fremdenverkehr die 5-Mrd.-US-D Grenze überschreiten. Mittelfristig soll der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt auf 5Prozent gegenüber erst 1,8 Prozent im Jahr 2007 steigen. Von den zahlreichen Projekten für den Ausbau der touristischen Infrastruktur können auch ausländische Anbieter von Ausrüstungen und Beratungsleistungen profitieren.  

Kasachstan Land und Leute

Gas und Öl zur Finanzierung

Kasachstan Land und Leute 

Ihre Ziele für den Ausbau der Branche bis 2011 hat die kasachische Regierung in ihrem 2007 verabschiedeten Programm für die Entwicklung des Tourismus abgesteckt. Für das Jahr 2009 hofft die GUS-Republik auf 6,0 Mio. Besucher aus dem Ausland; bis 2011 wird ein Anstieg auf 9,0 Mio. Personen erwartet (2007: 5,3 Mio.). Bis dahin sollen dank des Besucherzustroms schon mehr als 550.000 Personen einer Beschäftigung in der Branche nachgehen.  

Touristisch kann Kasachstan viel bieten: eine unberührte Natur, endlose Landschaften, Wüsten, Hochgebirge, Naturparks, große Jagdreviere und Seen sowie interessante Städte an der Großen Seidenstraße. Von einem Tourismusboom ist das Land aber noch weit entfernt. Es fehlen gute und preiswerte Hotels mit einem akzeptablen Service. Das geringe Angebot an solchen Herbergen treibt die Preise der wenigen gut ausgestatteten Objekte in die Höhe. Bisher konzentrieren sich die Investitionen in der Hotelbranche auf das Segment Geschäftsleute. Diese Klientel steht laut Angaben der Kasachischen Assoziation für Hotels und Restaurants für 84 Prozent des heutigen Tourismusmarktes. Vom einbringlichen Hotelgeschäft mit dieser Kundengruppe profitieren im ölreichen Kasachstan schon zahlreiche ausländische Hotelketten. Sie haben nicht nur die kräftig wachsende Nachfrage nach Nobelunterkünften mit fünf oder vier Sternen, sondern auch das hohe Preisniveau auf dem kasachischen Hotelmarkt im Visier.  

Kasachstan Land und Leute 

In Almaty kostet eine Übernachtung in den Häusern der gehobenen Klasse im Schnitt mindestens 220 US-D, in Astana sind es knapp 190 $ und in Aktau 200 $. In den meisten Fünf-Sterne-Hotels sind die Preise zum Teil noch erheblich höher. Der Auslastungsgrad in den Hotels der Oberklasse liegt heute bei 70 bis 80 Prozent.  In den Jahren 2006 und 2007 stieg die Anzahl der Gäste in den die 5-Sterrne-Häusern im Schnitt um hohe 70 Prozent.

Seit drei Jahren kommt der Hotelsektor in der Oberklasse kräftig in Bewegung. Die Ketten Rixos, Marriott, InterContinental und Radisson SAS haben ihre Zelte in Almaty, Astana, Aktau und Atyrau aufgeschlagen. In Astana und Almaty werden 2009 Kempinski-Hotels eingeweiht. Im Hotel Hilton, Astana, können sich Gäste ab dem 1. Quartal 2010 einquartieren. Die Ketten Four Seasons Hotels und Holiday Inn planen ebenfalls einen Markteinstieg.  

Auch einheimische Investoren engagieren sich beim Aufbau nationaler Hotelketten. Die TOO Grand Hotel Tian-Schan (www.ts-hotels.kz) zum Beispiel eröffnete Mitte 2007 im Zentrum der Stadt Almaty ihr erstes Vier-Sterne-Hotel mit 78 Zimmern unter der Marke Grand Hotel Tian-Schan. Die Direktorin des Investors und Betreibers der Herberge, Madina Gadshijewa, beziffert die geplanten Investitionen in das neue Hotelnetz auf 150 Mio. US-Dollar. Das Pilotprojekt verschlang 25 Mio. US-Dollar.  

Auch die nächsten Projekte, ein Neubau und die Modernisierung eines bestehenden Objekts, sollen in Almaty realisiert werden. Die Städte Astana, Aktau und Atyrau hat die TOO Grand Hotel Tian-Schan als weitere Standorte im Visier. Grundstücke hat sie dort schon erworben. Auf der Projektliste steht auch der Bau eines Hotels am Ufer des kirgisischen Bergsees Issyk-Kul. Gadshijewa rechnet für jedes einzelne Objekt mit einer Kapitalrückflussdauer von fünf Jahren.  

Ein wichtiger Ansprechpartner für Firmen, die in den Tourismusmarkt einsteigen oder diesen mit ihren Ausrüstungen beliefern wollen, ist das Komitee für Tourismus (www.kazakhstan-tourist.com). Die Behörde hat jüngst eine Liste mit 24 Projekten (Wert: 2,5 Mrd. $) zusammengestellt, die der Fonds für nachhaltige Entwicklung Kasyna als Priorität eingestuft hat und die damit in den Genuss von öffentlichen Fördermitteln kommen. Auf der Liste steht vor allem der Bau von touristischen Unterkünften, Objekten für den Ökotourismus und Campingplätzen. Das Gros der Unterkünfte entsteht entlang der Großen Seidenstraße und am Rande von Naturschutzgebieten.  

Unter den Projekten ragen die Errichtung des Erholungszentrums Scharshum in der Siedlung Akkol (Gebiet Akmola), des Kurortes Katon-Karagai nahe der Siedlung Akmaral Katon (Landkreis Karagai im Gebiet Ostkasachstan), des touristischen Komplexes Talchis (Gebiet Almaty) und eines Hotel-, Handels- und Vergnügungskomplexes "Kosmischer Hafen" in der Kosmosstadt Baikonur hervor.

Eine besondere Erwähnung verdient ein von der Regierung initiiertes Großprojekt. In der per Präsidialerlass vom 15. 1. 2008 beschlossenen freien Wirtschaftszone "Burabaj" im Kurortgebiet Schtschutschinsk-Borowoje soll ein großer Tourismus-, Vergnügungs- und Sportkomplex errichtet werden. Die unweit der kasachischen Hauptstadt auf einer Fläche von 370 ha geplante Tourismusoase wird in sieben Etappen bis etwa 2020 errichtet. Die vergünstigten Zoll- und Steuerregelungen in der Zone gelten bis 2017.  

Das von der türkischen Firma BF Global ausgearbeitete Projekt sieht die Errichtung von neun Hotels mit 3.700 Zimmern inklusive eines Fünf-Sterne-Medical-Spa-Hotels, Vergnügungs- und Handelszentren mit einer Fläche von 21.000 qm, zahlreichen Restaurants, sieben Casinos, einigen Golfplätzen, eines Zentrums für Pferdesport sowie Anlagen für den Wassersport vor. Geplant ist der Bau von 700 Einfamilien- und Wochenendhäusern, von vier- bis fünfstöckigen Wohnhäusern mit 1.620 Wohnungen sowie von Verwaltungs-, Büro- und Kulturobjekten. Das Gesamtprojekt schlägt mit mindestens 3 Mrd. $ zu Buche. Der Bau der ersten Objekte fand Eingang in die erwähnte Projektliste des Tourismuskomitees.

Das gleiche gilt für zwei andere Großvorhaben, die Errichtung eines touristischen Zentrums am Kaptschagaj-See (Projekt Shana Ili) und einer Erholungszone im westkasachischen Kenderly. Der Generalplan für das Shana-Ili-Projekt mit dem Beinamen kasachisches Las Vegas, wird zurzeit mit der Gebietsverwaltung von Almaty abgestimmt.  

Das US-amerikanische Unternehmen Eighth Wonder International Limited will laut einer mit dem Ministerium für Tourismus und Sport abgeschlossenen Vereinbarung im ersten Jahr des über zehn Jahre laufenden Vorhabens etwa 3 Mrd. $ in die Projektvorbereitung investieren. Der Baustart soll noch 2008 erfolgen.  

Ein interessantes und bisher praktisch noch nicht erschlossenes Geschäftsfeld für ausländische Investoren sehen Tourismuskenner in der Errichtung von kleinen Zwei- und Drei-Sterne-Hotels sowie Motels. Der Nachholbedarf an solchen preiswerten Kapazitäten ist enorm. Gute Chancen für eine Geschäftsausweitung prognostizierten die Spezialisten auch in der Sparte des bisher nur marginal entwickelten Ökotourismus.  

Die Expertin Aigul Isagulowa, die ein vom Kasachischen Tourismusverband (Kasachstanskaja turistskaja assoziazija (KTA)) initiiertes Projekt für die Entwicklung des Ökotourismus betreut, erwartet in den kommenden Jahren in dieser Sparte einen Einnahmezuwachs von 70 bis 80 Prozent und mehr. Gegenwärtig gäbe es in der GUS-Republik etwa 40 offiziell erfasste Gasthäuser (Herbergen), die von Ökotouristen besucht werden können. Die Anzahl der Gäste in diesen Einrichtungen könnte sich mittelfristig von gut 1.000 auf mindestens 10.000 verzehnfachen.

Über ein großes Entwicklungspotenzial für den Ausbau des Fremdenverkehrs verfügen die am Südufer des großen Sees Alakol gelegenen kleinen Erholungsorte Shalyn, Pelikan, Alasu und Alako. Die ostkasachische Region hatte zu Zeiten der Sowjetunion wegen ihrer Lage an der Grenze zur VR China keine Entwicklungschance. Inzwischen gibt es erste Projekte für die Entwicklung der lokalen Infrastruktur (Bau einer Straße von Utscharal bis Dostyk ab 2009/10, Bau neuer Herbergen und Sportanlagen).  

Ein Beitrag für ReiseTravel von Dr. Jens Uwe Strohbach, Bundesagentur für Außenwirtschaft

 

Kontakt

 

Kazakhstan Tourist Association

Kazakhstan Association of Hotels & Restaurants

Ecotourism Information Resource Centre  

76, Shevchenko str 050000 Almaty – Kazakhstan

e-Mail kta@mail.kz

 

www.eco-tourism.kz

 

Buchtipp: ReiseTravel empfiehlt

Stalins langer Schatten

 

Der Wunsch, mit Russland in Frieden und Freundschaft zu leben, ist nach den furchtbaren Blutbädern des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa weit verbreitet und nachvollziehbar. Für Europa wie für Russland sind die Bedrohungen durch die kulturfremde Massenmigration aus dem Sü­den, den gewalttätigen, oft terroristischen Islamismus und durch die kulturellen, normativen und wirtschaftlichen Diktate einer schranken­losen, wenig legitimierten Globalisierung des Kapitals gemeinsam. 

 

Stalins langer Schatten

In der jüngeren Vergangenheit erlebten wir den Dilettantismus der Schröderschen „Achse" Paris-Berlin-Moskau-Peking beim US-Angriff auf den Irak. Tatsächlich leiden die Beziehungen des Westens zu Russland unter einer mehrfachen Hypothek, nämlich der unbewältigten Erblast von 70 Jahren Bolschewismus bzw. der Herrschaft einer Partei, die nach in­nen und außen mit einem fanatischen Willen zur Macht Konflikte stets mit äußerster Gewalttätigkeit austrug. Schalmeinklänge der Friedens­liebe hatten von Lenin und Trotzki bis Breschnew nur die Funktion, den Klassenfeind zu verwirren und aus seinen Reihen „nützliche Idioten" als willfährige Propagandisten zu rekrutieren. Wo es Gelegenheit gab, sich risikofrei fremde Territorien einzuverleiben, da schlug auch schon die junge Sowjetunion skrupellos zu. Die aktuelle Situation in den heutigen „unabhängigen“ GUS-Staaten – den ehemaligen Sowjet-Republiken, wird akribisch beschrieben. Ob Ukraine oder Kasachstan.

Albrecht Rothacher, der Autor, Delegierter der Europäischen Kommission bei der OSZE in Wien, verfügt als Diplomat über Insider-Wissen bezüglich der Entwicklungen in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Nicht nur die Politik Russlands unter Putin und Medwedjew wird in diesem Buch analysiert, auch die baltischen Staaten, Weißrussland, Ukraine und Moldawien werden behandelt. Weitere Themen sind die gefährliche Entwicklung am Kaukasus mit den dort wachsenden Kriegsgefahren, u. a. zwischen Russland und Georgien, die teils instabile Lage in den zentralasiatischen Nachfolgestaaten wie Usbekistan oder Kirgisistan und der islamistische Vormarsch im Süden der Russischen Föderation selbst sowie der immer deutlicher werdende Zugriff Chinas auf das rohstoffreiche Ostsibirien, wo sich ein neuer, für Russland gefährlicher Konflikt abzeichnet.

Fazit: Informativ, spannend geschrieben. Beste Hintergrundinformation zur Vorbereitung  einer Reise in diese Länder.  

Stalins langer Schatten von Albrecht Rothacher, Ares Verlag Graz, ISBN 978-3-902475-61-9, www.ares-verlag.com  

Das Buch kostet im Buchhandel 19,00 Euro.

   

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