Suche

Halle Saale

Sachsen-Anhalt: Medien-Branche im Aufwind

Dustin Hoffman und Anthony Hopkins drehen in Halle: Im Januar erhielt der Film „Carlos – Der Schakal“ in Hollywood einen „Golden Globe“. Der Film wurde in Sachsen-Anhalt gedreht und kofinanziert. Jetzt kommen die Oscar-Preisträger Dustin Hoffman und Anthony Hopkins nach Halle. Tolle Drehorte, eine großzügige Förderung, professionell arbeitende Kommunen und eine wachsende Filmbranche locken immer mehr Stars ins Filmland Sachsen-Anhalt.

Bei der Verleihung der diesjährigen ‚Golden Globes’ in  Hollywood, nach den, Oscars` die zweit bedeutendste Auszeichnung der weltweiten Film- und Fernsehbranche,  fiel auch ein wenig Glanz auf Sachsen-Anhalt. Der teilweise in Halle/Saale und mit einem Darlehen der Investitionsbank Sachsen-Anhalt kofinanzierte Film ‚Carlos - Der Schakal’ gehört zu den Preisträgern in der Kategorie Bestes Fernsehspiel.

Der für Medien zuständige Staatsminister Rainer Robra freut sich über diesen Erfolg: „Es ist etwas ganz besonderes, dass dieses außergewöhnliche Werk mit einem  Golden Globe ausgezeichnet wurde, denn Thema und Machart von ‚Carlos’  verlangen viel vom Zuschauer. Der von der Firma Egoli Tossell aus Halle/Saale koproduzierte Film hat seit den Filmfestspielen von Cannes im Mai 2010 weltweit für Aufsehen bei den Kritikern gesorgt. Insbesondere die in den Messehallen in alle/Saale gedrehte OPEC-Konferenz hat beeindruckt. Dazu beigetragen hat das Set, das von der MCA, einer Tochter des MDR, gebaut und ausgestattet wurde. Dass jetzt einer der begehrtesten Filmpreise aus Hollywood kommt, bestätigt die Qualität dieses großartigen Films. Aber die Auszeichnung spricht auch für die Qualität des Filmstandorts Sachsen-Anhalt, denn wir waren nicht zum ersten Mal im Rennen. Im vergangenen Jahr waren die Weltstars Helen Mirren und Christopher Plummer für ihre Rollen in ‚Ein russischer Sommer’ jeweils für den Golden Globe und für den Oscar nominiert. Auch dieser Film wurde in Sachsen-Anhalt gedreht und kofinanziert. ‚Sexy-Anhalt’, wie Helen Mirren uns nannte, ist also  künstlerisch weiter auf einem guten Weg", sagte Robra.

Dustin Hoffman und Anthony Hopkins kommen: Da kann sich Robra sicher sein. Denn der nächste Aufsehen erregende Höhepunkt kündigt sich bereits an.  Mit Dustin Hoffman und Anthony Hopkins werden zwei absolute Kinoweltstars in Halle drehen. Das hat Jens Meurer, Chef der Produktionsfirma „Egoli Tossel“, angekündigt. Sogar ein Hotel sei für die beiden bereits ins Auge gefasst. Mit Hoffman und Hopkins kommen zwei Oscar-Preisträger nach Sachsen-Anhalt. 

Dieses Vorhaben, die Teilhabe am Erfolg von ‚Carlos - Der Schakal’ sowie viele andere Projekte setzen einen Weg fort, der vor rund 15 Jahren eingeschlagen wurde. Die Filmbranche spielte damals in Sachsen-Anhalt nur eine geringe Rolle. Heute sei sie nicht nur ein bedeutender Wirtschaftszweig, Sachsen-Anhalt sei auch Filmland geworden, sagt Oliver Rittweger von der Mitteldeutschen Medienförderung GmbH (MDM). Sie wurde 1998 gegründet und fördert seit dem kontinuierlich die unterschiedlichsten Projekte in der Filmbranche. „Die Vorzüge des Landes haben sich in der Filmwelt herumgesprochen“, so Rittweger.

Weichen richtig gestellt: Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hätten Politik  und  MDM die Weichen richtig gestellt. So wie Sachsen mit dem Mitteldeutschen Rundfunk MDR in Leipzig zu einem starken Fernsehstandort und Thüringen zu einem leistungsfähigen Kinder-Medien-Standort entwickelt wurden, wurde Sachsen-Anhalt zu einer bedeutenden Adresse für Filmnachproduktionen, für Film- und Tonbearbeitung, für Filmtechnik-Dienstleiter und für Dreharbeiten. Die erste größere Produktion auf diesem Weg waren 1998 die Dreharbeiten zu dem Volker-Schlöndorff-Film „Die Stille nach dem Schuss“ in Bitterfeld und Wolfen. Nach und nach haben sich in Halle  viele Firmen der Multimedia-Branche angesiedelt, von denen viele heute im 2007 eröffneten Mitteldeutschen Multimediazentrum beheimatet sind. Dort gibt es nach Rittwegers Worten zum Beispiel ein so modernes und leistungsfähiges Tonbearbeitungsstudio wie es nur noch in den Metropolen London und Moskau zu finden ist.  Als drittes Studio weltweit hat es von Dolby Laborities die Premier License - die höchste Auszeichnung für hochwertige Soundproduktionen erhalten.

Mit der MotionWorks GmbH hat sich dort auch eines der größten und populärsten deutschen Animationsfilm-Studios eingemietet. Es stellte so bekannte Animationsfilme wie „Mullewapp“ oder „Der kleine Eisbär“ her  und arbeitet für die ARD-Sendung mit der Maus wie für den Kinderkanal Kika von ARD und ZDF in Erfurt. Solch ein Studio sei für die Region von großer Bedeutung, denn die Produktion von Animationsfilmen zeige wichtige Effekte, die Produktionszeiträume seien relativ lang, es würden viele Mitarbeiter beschäftigt, hebt Rittweger hervor.

„Zum Ruf Sachsen-Anhalts als Filmland haben aber auch zahlreiche Dreharbeiten an verschiedenen Orten beigetragen“, hebt der 36-jährige Medienwissenschaftler hervor. Sachsen-Anhalt ist zu einem attraktiven Anziehungspunkt für Filmproduzenten aus aller Welt geworden, weil es über eine Reihe von Vorzügen verfügt.  Es gibt viele spannende unbekannte Motive. Das gilt für städtische Motive ebenso wie für Landschaften. Das gilt für die historische Substanz, für viele Burgen, Schlösser und Herrenhäuser ebenso wie für Industrieanlagen und viele sanierte Ensembles. Auch für DDR-spezifische Themen verfügt Sachsen-Anhalt über viele Möglichkeiten, erklärt Rittweger. Auf der Internet-Seite der MDM werden fast 300 Orte angeboten, die sich für Filmaufnahmen eignen. Sie sind nach Gruppen zusammengefasst, die Stadt, Land, Industrie und Handel, Sakralbauten, Herrschaftsbauten, Freizeit, Verkehr, Natur oder Verwaltungsbauten lauten. Damit soll das  Finden geeigneter Drehorte erleichtert werden.

Rittweger hebt aber ebenso hervor: „Von vielen Filmteams wird auch die zentrale Lage Sachsen-Anhalts sowie die  günstige Verkehrsinfrastruktur geschätzt. Aus allen Himmelsrichtungen ist es gut zu erreichen. Filmleute kommen auch gern nach Sachsen-Anhalt,  weil die Leute sehr aufgeschlossen sind. In den Kommunen treffen sie auf offene und professionell arbeitende Mitarbeiter. Drehgenehmigungen werden unbürokratisch erteilt.“

Burg Querfurt mit besonderer Anziehungskraft: Zum Beweis nennt der gebürtige Benneckensteiner aus dem Harz außer dem Oscar prämierten „Russischen Sommer“ und dem gerade mit dem Globe ausgezeichneten „Carlos – Der Schakal“ eine ganze Liste von weiteren Filmen, die von sich Reden gemacht haben, zu Teilen in Sachsen-Anhalt  entstanden und von der MDM gefördert worden  sind.  Eine besondere Anziehungskraft scheint die mittelalterliche Burg Querfurt auszuüben. Auf der größten Burganlage Mitteldeutschlands  drehte 2008 Til Schweiger „Anderthalb Ritter“ und im selben Jahr schon Sönke Wortmann „Die Päpstin“  Aber auch die Stadt Halle steht dem kaum nach. In ihr drehte  Matti Geschonneck 2009 „Boxhagener  Platz“ und Peter Timm „Liebe Mauer“. Andreas Dresen wählte 2004 Magdeburg als Kulisse für „Willenbrock“. Für die  Komödie „Könige der Nutzholzgewinnung“ wurde von Matthias Keilich 2006 der Oberharz als Kulisse gewählt. 2010 drehte Falko Wnendt  in Dessau, Wolfen und Halle seinen Debüt-Film „Kriegerin“. Derzeit bereitet die Firma Team-Worx, die unter anderem solche erfolgreichen Fernsehfilme wie „Mogadischu“, „Dresden“ und „Die Flucht“ produziert hat, in Sachsen-Anhalt die Dreharbeiten für den ZDF-Drei-Teiler „Unsere Mütter - unsere Väter“ vor. 2009 war Regisseur Philipp Stölzl   für seinen „Goethe!“ mit der Kamera in Quedlinburg, Osterwieck und Braunsbedra

Aber die Aufzählung dieser Drehs allein ist es nicht, die Sachsen-Anhalt in die Reihe von Filmländern aufsteigen ließ. Rund um den Film gibt eine Fülle von Projekten, von Festivals und anderen Veranstaltungen, die diesen Ruf erhärten. So finden jährlich im Multimediazentrum Halle Filmmusiktage Sachsen-Anhalt statt. 2010 wurde der Frage nachgegangen „War Richard Wagner der erste Filmkomponist?“  Unter dem Motto „Götterdämmerung - Filmmusik  von Wagner bis Zimmer“ bot das mehrtägige Treffen  ein Podium für Komponisten, Regisseure, Sounddesigner, Kreative und Filmfreunde.

13 Teilnehmer aus vier Ländern absolvierten 2010 die Graduiertenklasse der European Animation Masterclass  im Mitteldeutschen Medienzentrum. Mit dem vom  Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten und vom Mitteldeutschen Multimediazentrum organisierten Innovationsforum „3D-Cinema und stereoskopische Medienproduktion“  sei ein Zukunftsthema auf die Tagesordnung gesetzt worden, hebt MDM-Mann Rittweger hervor.

Jährlich findet in Halle ein von der Werkleitz-Gesellschaft organisiertes Film-Festival statt. Die von Filmstudenten 1993 in dem Dorf Werkleitz bei Magdeburg gegründete Gesellschaft  fördert Film-, Kunst- und Medienprojekte. Ihr Ziel ist es, neue Wege der Medienkunst zu suchen.

Auch die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt kümmert sich um die Filmbranche. So hat sie vor  vier Jahren das Kurzfilmprogramm „wage-mutig“ ins Leben gerufen, um vor allem junge Filmemacher aus Sachsen-Anhalt unkompliziert bei der Produktion von Filmen zu unterstützen. Inzwischen sind einige Filme entstanden, die wie zum Beispiel der vielfach preisgekrönte Film „Cholita libre“ der Magdeburger Filmemacherin Jana Richter  ihren Weg zu internationalen Festivals und zum Publikum in vielen Ländern gefunden haben. Die Kunststiftung fördert im Rahmen dieses Programms sowohl Drehbuchentwicklungen, Produktionsförderungen als auch die Teilnahme an Festivals.

Auf eine bereits längere Tradition kann  das Internationale Kurzfilmfestival „Shortmoves“ verweisen. Im vergangenen Jahr erlebte es seine zehnte Auflage. Organisiert wird es  von Studierenden und Dozenten des Bereichs Medien- und Kommunikationswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 378 Kurzfilme aus 31 Ländern waren zum Jubiläum eingesandt worden. 20 davon wurden gezeigt.

Millionenhilfe von der Mitteldeutsche Medienförderung: Die Mitteldeutsche Medienförderung GmbH greift jedes Jahr tief in die Tasche, um die gesamte Breite der Filmbranche in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen weiter zu beflügeln. Seit ihrer Gründung im Jahr 1998 unterstützt sie Jahr für Jahr rund 100 Projekte mit rund 12,5 Millionen Euro. 2010 waren es laut Rittweger 103 Vorhaben, für die fast zwölf Millionen Euro ausgegeben wurden. Das Gesamtproduktionsvolumen  habe sich auf das Fünffache der bewilligten Fördermittel belaufen, erläutert Rittweger. Nach seinen Worten  wurden und werden besonders Film- und Medienproduktionen unterstützt, die regionale Besonderheiten authentisch darstellen, das kulturhistorische Erbe aufgreifen, originelle Identifikationsangebote gestalten, kulturelle Identität stiften und damit auch das  Interesse des europäischen und internationalen Publikums wecken. Dazu gehören auch Festivals, Workshops, Seminare und sonstige für den Medienstandort relevante Vorhaben.  „Wir wollen und können solchen Filmstädten wie Berlin oder München zwar keine Konkurrenz machen“, sagt Rittweger.   „Wir wollen sie auch nicht kopieren. Wir besitzen aber Besonderheiten, die für viele Stars und Produzenten interessant sind und Sachsen-Anhalt wie ganz Mitteldeutschland zum Filmland machen.“

 

Mitteldeutsche Medienförderung GmbH

Oliver Rittweger

Hainstraße 17 -19, D-04109 Leipzig - www.mdm-online.de

 

Von Ursula Schild

 

Sehr geehrte ReiseTravel User,

bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank.

Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu

 

 

ReiseTravel empfehlen/merken:
del.icio.usLinkaARENAMister Wonggoogle.comYahooMyWeb

ReiseTravel aktuell:

Hensted

Strahlend blauer Himmel, die Sonne scheint: Da werden die Fahrräder flugs aus Kellern und Schuppen geholt. Doch aufgepasst mahnt Thorsten Rudnik,...

Völz

Völs am Schlern als Familien-Urlaubsparadies mit hohem Erlebniswert: Sanft streichelt die Sonne die saftig grünen Almen, auf denen kleine Dörfer,...

Moskau

Vor 25 Jahren platzte der Traum der sowjetischen Luftabwehr, welche sich bis dato für unüberwindbar hielt. Ein gerade einmal 19jähriger aus Wedel bei...

Inzell

Jedes Jahr zu Pfingsten lockt Inzell zur „musikalisch-kulinarisches Pfingstroas“: An drei Tagen lautet das Motto: Bayerische Lebensfreude pur mit...

Regensburg

Reisen & Speisen in Regensburg führen zu facettenreichen Erlebnissen: Egal, wie lange ein Regensburg Aufenthalt dauert, einen kulinarischen...

Klaistow

Spitzenleistung: Wenn der Spargel seine Spitzen durch den märkischen Sand treibt, dann wissen Berliner und Brandenburger, dass wieder Saison für...

Rom

In Bella Italia waren Sie schon lange nicht mehr, sind aber grundsätzlich nicht abgeneigt? Bei mir war es bis vergangene Woche genauso. Da habe ich...

Peking

Noch Dunst oder schon Smog? Klare Sicht ist in Peking selten. Die Chinesen kaufen zu wenige chinesische Autos. Chinas Hersteller bangen um ihre...

Uly Koch

In Donaueschingen befindet sich die Quelle der Donau: Nach 609 Kilometern durch Deutschland fließt der Fluss dann weiter durch zahlreiche Länder und...

Berlin

10 von 12 Filialbanken bei Kreditberatung „mangelhaft": Die Stiftung Warentest prüfte und stellte fest: Filialbanken behindern Kunden beim...