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Stiftung Warentest
Auf der Jahrespressekonferenz der Stiftung Warentest zeigte sich Vorstand Dr. Werner Brinkmann entsetzt über einige Testergebnisse, die die Verbraucherschützer im Jahr 2010 ermittelt hatten: Im Sommer 2010 riss bei der Dauerprüfung einer Candy-Waschmaschine gleich zweimal die Trommel und schlug durch den Maschinendeckel (test 7/2010). Zum Glück wurde niemand verletzt. Schon vor der Veröffentlichung informierten wir den Anbieter, die Aufsichtsbehörde und die Verbraucher. Daraufhin meldeten sich zahlreiche Nutzer, die Ähnliches mit Maschinen von Candy erlebt hatten. Zehn Leser schickten uns Bilder, die nicht nur ihre zerstörte Waschmaschine zeigten, sondern auch die verwüstete Umgebung. Der Anbieter, die Firma Candy Hoover, hielt einen Rückruf der Maschinen dennoch für nicht erforderlich. Das Risiko von Verletzungen sei extrem gering.
Weitere bedenkliche Testergebnisse aus dem vergangenen Jahr: Würzöle waren mit gesundheitsgefährdenden Schadstoffen belastet; vor einem Öl warnten wir sogar ausdrücklich, weil es einen ganzen Cocktail an kritischen Substanzen enthielt (test 3/2010). In den Basmati-Reis-Packungen zweier Anbieter fand sich kein einziges Korn Basmati-Reis (test 8/2010). Auf nassen Straßen hatten gleich mehrere in China produzierte Winterreifen gefährliche Schwächen, einer versagte auch noch beim Bremsen.
Für die größte Aufmerksamkeit sorgte aber ein erneuter Test der Anlageberatung der Banken, der auch die Politik noch Monate beschäftigte. Bei einer in der August-Ausgabe von Finanztest veröffentlichten Untersuchung der Anlageberatung von 21 Banken, Sparkassen und Raiffeisenbanken hatten wir festgestellt, dass die Qualität der Anlageberatung der Kreditinstitute seit unserem vorangegangenen Test in der Januar-Ausgabe insgesamt noch schlechter geworden ist. Der Hauptgrund: Die meisten Banken hielten sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben. Sie stellten den Kunden zum Beispiel nicht alle Fragen, die sie stellen müssten, und klärten über wesentliche Eigenschaften und Kosten der Anlageprodukte nur selten auf. In über der Hälfte der Fälle kamen die Bankberater ihrer Pflicht nach der Aushändigung eines Beratungsprotokolls nicht nach, obwohl die von uns eingesetzten Testpersonen danach gefragt hatten. Als Folge regte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner an, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), in Zukunft verdeckte Beratungen bei den Kreditinstituten vornehmen soll.
Eine ausführliche Bildstrecke im Jahresbericht erklärt in einzelnen Szenen, wie der Test der Bankberatung durchgeführt wurde – von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung.
Zu einem anderen spektakulären Test: Ein Spielzeugaffe, der viel zu schnell entflammte und lichterloh brannte, bebilderte einen Test von Kinderspielzeug, den wir in der November-Ausgabe von test veröffentlicht haben. Mehr als 80 Prozent der von uns geprüften Spielzeuge waren mit gesundheitsgefährdenden Stoffen belastet, zwei Drittel davon sogar stark bis sehr stark. Bei fast jedem zehnten Spielzeug konnten sich Einzelteile lösen, die die Kleinen leicht verschlucken können. Da Grenzwerte für Schadstoffe in Spielzeugen zum Teil nicht existieren oder die Kinder mit den vorhandenen nicht ausreichend geschützt werden, übten wir auch Kritik an der bestehenden EU-Spielzeugrichtlinie, die nun von der EU-Kommission überarbeitet werden soll.
Insgesamt haben wir im Berichtsjahr 304 Untersuchungen durchgeführt, und damit fast so viele wie im Vorjahr (305). Den größten Anteil machten mit 97 (Vorjahr 96) die vergleichenden Warentests aus, darunter Tests von Energiesparlampen, Hundefutter und alkoholfreien Weizenbieren. Insgesamt haben wir dabei 2.217 Produkte getestet, 100 mehr als im Jahr zuvor. Dazu kamen 104 Dienstleistungsuntersuchungen, die meisten aus dem Bereich Finanzdienstleistungen, darunter Dispozinsen von rund 1.000 Banken, den Service von Krankenkassen oder Reiseversicherungen. Der Rest waren Untersuchungen von Neuheiten, untersuchungsgestützte Reports, Tests von Weiterbildungsangeboten und von den Discountern angebotener Aktionsware. Bei den vermeintlichen Schnäppchen stellte sich erneut heraus, dass mehr als jede vierte getestete Aktionsware ein Fehlkauf war. Drei Untersuchungen zur Unternehmensverantwortung in sozialer und ökologischer Hinsicht (Corporate Social Responsibility, CSR) wurden an einen Warentest gekoppelt. Besonders für die CSR-Tests zu Hähnchen und zu T-Shirts interessierten sich unsere Leser und die Medien.
Am besten verkaufte sich im vergangenen Jahr die Januar-Ausgabe von test, mit Tests von Fernsehern, Blutdruckmessgeräten und Espressomaschinen. Insgesamt betrug die verkaufte Auflage von test Ende 2010 rund 492.500 (2009: 510.000) Exemplare im Monat, davon waren 420.000 Abonnenten (Ende 2009 431.000). Bei Finanztest betrug die verkaufte Auflage im Dezember 243.000 (253.000) Exemplare, davon gingen 200.500 (Ende 2009: 203.000) an Abonnenten.
Mit der rückläufigen Entwicklung der Auflagen bei den Zeitschriften sind wir nicht zufrieden. Sie belegt aber einen Trend, der sich seit einigen Jahren abzeichnet und den viele von Ihnen an sich selbst beobachten: Wer ein Testergebnis lesen will, sucht es zunehmend im Internet. Davon profitiert natürlich unser Internetportal. test.de zählte im Berichtsjahr rund 32 Mio. (2009: 29 Mio.) Besucher. Die Umsatzerlöse mit kostenpflichtigen Inhalten betrugen rund 2 Mio. Euro (1,5 Mio. Euro). Neben Einzelabrufen bezahlen unsere User auch für test.de-Flatrates im Abonnement. Damit haben sie für 7 Euro im Monat Zugriff auf alle Tests, Infodokumente und Produktfinder, also Datenbanken mit aktuellen Testergebnissen. Abonnenten von test oder Finanztest zahlen dafür nur 3,50 Euro, Doppelabonnenten zahlen nichts. Ende 2010 hatten mehr als 32.000 Kunden eine test.de-Flatrate.
Das Web 2.0 war im Jahr 2010 eins der großen Themen bei der Stiftung Warentest. Gleich zu Beginn des Jahres starteten wir unseren eigenen YouTube-Kanal. Fast zur gleichen Zeit ging unsere Twitter-Seite online, und seit Ende August sind wir auch mit einer Fanseite auf Facebook vertreten. Seit Oktober können Nutzer Artikel auf test.de als "hilfreich" kennzeichnen, und sie können jeden Artikel kommentieren. Vom ersten Tag an kamen beide neuen Möglichkeiten sehr gut an, bis jetzt gibt es über 1,7 Mio. Bewertungen und über 3.000 Kommentare.
Seit Anfang Dezember gibt es test.de im mobilen Web als eine für Smartphones optimierte Internet-Anwendung. Damit haben wir eine wichtige Vorarbeit geleistet, um bald eine Anwendung anzubieten, die den Arbeitstitel "General-App" hat. User können dann noch schneller und einfacher auf Testergebnisse zugreifen und zusätzliche Extras in Anspruch nehmen. Schon jetzt können die Nutzer ihre Testabrufe per Handy bezahlen.
Unsere Produktfinder, bei denen sämtliche Testergebnisse einer Produktgruppe erfasst sind, werden kontinuierlich ausgebaut. In diesen interaktiven Datenbanken finden unsere User aktuelle Testergebnisse zu Produkten und Leistungen zum Beispiel von Medikamenten, Fernsehern, Autokindersitzen oder Digitalkameras. Die Mitglieder der City BKK, die sich jetzt eine neue Krankenkasse suchen müssen, weil ihre Kasse zum 1. Juli schließen wird, können sich über unseren Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen eine neue, passende Kasse suchen. Denn hier können sie Preise und Leistungen aller gesetzlichen Krankenkassen vergleichen. Ende 2010 gab es insgesamt neun Produktfinder, in diesem Jahr sind noch zwei weitere dazugekommen: Handys und Smartphones sowie Zinsen für Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefe.
Weil die Clickraten zunehmen, bauen wir unser Angebot im Internet kontinuierlich aus. Für dieses Jahr planen wir eine noch stärkere Präsentation von Finanzthemen und die Möglichkeit, datenbankgestützte, individuelle Finanzanalysen anzubieten. Es wird außerdem verstärkt Themenseiten auf test.de geben, auf denen alle Informationen rund um ein Thema zusammengefasst werden. Und im Sommer dieses Jahres wollen wir eine verbilligte Jahresflatrate für 50 Euro pro Jahr anbieten, Abonnenten einer Zeitschrift zahlen für die Flatrate 25 Euro.
Deutlich ausgeweitet haben wir im Jahr 2010 auch unser Angebot an Büchern. Wir haben 28 Titel (2009: 23, 2008: 16) veröffentlicht, darunter einige Neuauflagen. Das Buch "Kochwerkstatt", das allen, die gern kochen, erklärt, wie man seine Küchengeräte sinnvoll und effizient einsetzt, wurde von der Vereinigung "Gourmand International" als "Best Food Book for Professionals" ausgezeichnet. Einige unserer Bücher sind inzwischen - nach mehreren Auflagen - echte Bestseller. Von unserem "Handbuch Medikamente" haben wir insgesamt rund 300.000 Exemplare verkauft, vom Buch "Vererben und Erben" 175.000 und von "Steuererklärung für Rentner" 150.000. Mit unserem Angebot von über 90 lieferbaren Titeln haben wir uns inzwischen einen festen Platz im Ratgebersegment der Buchhandlungen erobert.
In wirtschaftlicher Hinsicht ist das Jahr 2010 insgesamt zufrieden stellend verlaufen. Die Höhe der Erlöse ist mit 39,5 Mio. Euro (38,8 Mio. Euro) gegenüber dem Jahr davor gestiegen. Den Erträgen in Höhe von insgesamt 48,3 Mio. Euro (47,8 Mio. Euro) stehen Aufwendungen von 49,2 Mio. Euro (48 Mio. Euro) gegenüber. Insbesondere durch das Finanzergebnis Stiftungskapital fällt das Jahresergebnis positiv aus, mit 774.000 Euro aber etwas niedriger als im Jahr 2009, (825.000 Euro)
Aus der aktuellen Mai-Ausgabe von test möchte ich Sie noch auf einen Artikel aufmerksam machen, der zeigt, dass man sogar mit Light-Produkten schnell zunehmen kann. Bei Keksen und Kuchen mit "weniger Zucker", Chips und Eis mit "weniger Fett" werden Fett und Zucker zwar um mindestens 30 Prozent reduziert, aber durch andere Dickmacher wie Fruchtzucker, Sirupe oder andere Kohlenhydrate ersetzt. Unterm Strich ist die Kalorieneinsparung im Vergleich zum herkömmlichen Pendant dadurch oft gleich null oder nur gering. Vermeintlich leichte Genussmittel beruhigen aber oft das Gewissen, man greift unbedacht zu und isst mehr. Zum Beispiel haben Leibniz Butterkekse, auf denen "30 Prozent weniger Zucker" steht, tatsächlich nur 4 Prozent weniger Kalorien, das Kakaogetränk "Nesquik zuckerreduziert" liefert sogar ein Prozent mehr Kalorien als das Original.
Zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung. Dies ist die letzte Jahrespressekonferenz, auf der ich Ihnen unsere Tätigkeit im vergangenen Jahr vorgestellt habe. Zum Ende des Jahres 2011 werde ich 65 Jahre alt und gehe beruhigt in den Ruhestand. Denn mein Nachfolger steht schon fest. Sie kennen ihn durch viele Presseauftritte und das Editorial von test: Hubertus Primus, Bereichsleiter Publikationen und Chefredakteur von test, mein bisheriger Stellvertreter.
Stiftung Warentest – 10724 Berlin – www.stiftung-warentest.de – www.test.de
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