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Kultur und Natur pur
Siebenbürgen ist weit mehr als „Dracula“-Land
Auch Wölfe brauchen Streicheleinheiten. Wie ein zahmer Haushund lässt sich das zottelige, graubraune Tier hinter dem linken Ohr kraulen. Es räkelt dabei genüsslich den Kopf. Zwar trennt Wolf und Mensch ein Maschendrahtzaun, doch ihren Gästen rät Katharina Kurmes vehement von solchen Liebkosungen ab. „Mich kennt der Wolf seit vielen Jahren, dennoch ist er ein wildes Tier mit unberechenbaren Reaktionen.“ Die Begegnung mit den Wölfen, die in einem stillen Karpaten-Seitental des Nationalparks „Königstein“ in einem riesigen Freilandgehege umherstreifen, zählt zu den Höhepunkten der Urlaubstage bei Hermann und Katharina Kurmes.
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Der „Große Ring“ ist der zentrale Platz in Sibiu (Hermannstadt) |
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Kein freundlicher Hund sondern ein leibhaftiger Wolf |
Hermann Kurmes ist Biologe, er arbeitete zusammen mit seiner Frau mehrere Jahre in dem weltbekannten „Wolfsprojekt“ des deutschen Wildbiologen Christoph Promberger mit. In den rumänischen Karpaten erforschten Wissenschaftler, finanziell getragen von der „Stiftung Europäisches Naturerbe“, nicht nur das Verhalten der Tiere, sie entwickelten auch Programme, wie Menschen und Wölfe trotz des natürlichen Spannungsverhältnisses einigermaßen konfliktfrei nebeneinander leben können. Heute betreiben Hermann Kurmes, der vor 20 Jahren als Spätaussiedler aus Siebenbürgen nach Deutschland kam und wieder zurück in die alte Heimat ging, und seine aus dem Rheinland stammende deutsche Frau Katharina, eine wunderschöne 12-Zimmer-Pension, hoch über der Stadt Zarnesti in gut 1000 Metern Höhe gelegen.
Weit reicht der Blick vom Balkon in die mächtige Bergwelt der Karpaten, in denen über 5000 Bären, 2500 Wölfe und rund 1500 Luchse leben. Und so wundert es nicht, dass Hermann und Katharina Kurmes Touristen ein Stück Abenteuer und Natur pur bieten. Bergwanderungen mit Tierbeobachtungen – für den Blick auf einen Bären in der Dämmerung gibt es fast eine Garantie – gehören zu den bevorzugten Angeboten.
Doch das rumänische Siebenbürgen, zusammen mit der Schwarzmeerküste die bekannteste Touristenregion des Balkan-Landes, hat weit mehr zu bieten als nur die schneebedeckten Karpatenberge, tiefe Wälder und wilde Tiere. Der Landstrich im Herzen Rumäniens – mit seiner 850jährigen Geschichte der Siebenbürger Sachsen, deutsche Kolonisten die unter anderem aus dem Rheinland und der Pfalz stammten – ist reich an Schlössern, Burgen und Kirchen, besitzt beschauliche Dörfer und lebendige Städte mit großer Tradition und wertvoller Bausubstanz. Eine Reise nach Rumänien ist aber auch ein Blick zurück in die Vergangenheit.
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Gebräuchliches Fortbewegungsmittel: Der Pferdewagen |
Vor allem auf dem Land gehen die Uhren noch anders, dort ist das Pferdefuhrwerk durchaus ein gebräuchliches Transportmittel. Siebenbürgen, auch Transsilvanien (übersetzt das Land hinter den Wäldern“) genannt, besitzt eine gute touristische Infrastruktur, die ständig ausgebaut wird und die im kommenden Jahr, nach dem Eintritt Rumäniens in die EU, zusätzlichen Aufschwung erfahren dürfte.
Siebenbürgens schönste Stadt ist das 160 000 Einwohner zählende Sibiu, auf Deutsch Hermannstadt. Sibiu nimmt jeden Besucher schnell für sich ein. Die Stadt ist alt und jung zugleich. Eine historische Bausubstanz, wie sie so geschlossen und durchgängig erhalten wohl nur noch in ganz wenigen Städten Europas zu finden ist, bildet den architektonischen Kontrast zu einer lebendigen Kunst- und Musikszene mit Jazzclubs, in denen Bands noch richtig handgemachte Musik spielen. Zwei Theater, Galerien und Museen mit wertvollen Exponaten aus der langen Geschichte Sibius bilden den Grundstock für ein Großereignis, das die Stadt 2007 weit über die Grenzen Rumäniens hinaus bekannt machen wird: Hermannstadt wird „Kulturhauptstadt Europas“. Für diesen einmaligen Event putzt sich Sibiu in diesen Tagen mächtig heraus. An allen Ecken und Enden wird gebaut und saniert. Die fachliche und finanzielle Unterstützung der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) dient in erster Linie der Bestandssicherung vieler alter Häuser, an denen doch zum Teil gewaltig der Zahn der Zeit nagt. Dach-und Fassadensanierung lassen die Gebäude äußerlich in einem neuen Glanz erstrahlen. Schon jetzt ist ein Rundgang durch das mittelalterliche Zentrum mit den restaurierten Gebäuden und zahlreichen Kirchenbauten eine Augenweide. Der neu gestaltete zentrale Platz Piata Mare (Großer Ring) beeindruckt durch seine Größe und seine Geschlossenheit. Das im 12. Jahrhundert von deutschen Siedlern gegründete Hermannstadt ist heute noch Heimat von rund 2000 deutschstämmigen Bürgern.
Die größte Stadt Siebenbürgens und zugleich zweitgrößte Stadt Rumäniens mit gut 320 000 Einwohnern ist Brasov. Kronstadt, wie der deutsche Name lautet, besticht durch seine Lage am Fuße der bis zu 2500 Meter hohen Karpaten. Brasov war einmal das wichtigste Handwerks- und Handelszentrum am Schnittpunkt zwischen Europa und dem Orient und der damit verbundene Reichtum dokumentiert eine zum Teil prunkvolle Häuserkulisse. Das wuchtigste Gebäude und gleichzeitig das Wahrzeichen Brasovs ist die Schwarze Kirche mit imposanten 87 Metern Höhe alleine der gotischen Halle.
Brasov eignet sich vorzüglich als Standort für Ausflüge in die Umgebung. In der kalten Jahreszeit lohnt ein Abstecher nach Poiana Brasov (Schulerau), einem auf 1000 Metern Höhe gelegenen Luft-und Wintersportort mit langen Skiabfahrten und komfortablen Hotels.
Mächtig auf einem steil abfallenden Kalksteinfelsen sitzt Castel Bran, die (auf Deutsch) Törzburg. Die noch weitgehend im Originalzustand erhaltene Festung bekam ihr heutiges Aussehen 1553. Wer durch die engen Wehrgänge und die dunklen Zimmer der Burg streicht, dem könnte es durchaus gruseln, gehörte sie doch dem Großvater des Vlad Tepes, dem legendären und schaurigen Grafen „Dracula“. Dieser weilte zwar nie in der Burg, dies hält aber die Souvenirverkäufer am Fuße der Anlage nicht davon ab, das (allerdings nur in der Phantasie des Schriftstellers Bram Stoker existierende) blutrünstige Monster in allen noch so kitschigen Varianten zu vermarkten.
Mit zu den wichtigsten Bauwerken Siebenbürgens zählen die Kirchenburgen. Es sind freistehende, von einer oder mehreren Schutzmauern umgebene Kirchen, die vielen Städten und Dörfern ein ungewöhnliches Gesicht verleihen. In diese sicheren Zufluchtsorte zogen sich im 14. und im 15. Jahrhundert die Einwohner zurück, wenn wieder einmal die Türken, die Tataren oder die Mongolen in Siebenbürgen einfielen. Mehr als 150 Kirchenburgen sind noch erhalten und bei einer Rundreise durch das Land begegnet man ihnen fast automatisch. Zu den schönsten Bauwerken dieser Art zählt die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kirchenfestung in Harman (Honigberg) nordöstlich von Brasov. Eine der mächtigsten Kirchenburgen steht in Biertan (Bierthälm). Sie zählt seit 1993 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Biertan liegt in der Nähe von Sighisoara (Schäßburg), der Geburtsstadt von „Dracula“. Schäßburg besticht durch ein einzigartiges städtebauliches Gefüge, überragt von einem mächtigen Torturm. Ein Bummel durch die mittelalterlichen Gassen weckt Erinnerungen an das romantische Rothenburg ob der Tauber in Deutschland.
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Hohenzollern lässt grüßen: Schloss Peles |
Zum Pflichtprogramm einer Reise durch Siebenbürgen gehören die zwei unmittelbar nebeneinander gelegenen Schlösser Peles und Pelisor. In Filzpantoffeln schlurft der Besucher durch prächtig ausgestattete Räume. Er begegnet dabei nicht nur rumänischer, sondern auch deutscher, um es genauer zu sagen, hohenzollernscher (Sigmaringer) Geschichte. 1866 erhielt Karl, Prinz von Hohenzollern-Sigmaringen, den Titel Fürst von Rumänien verliehen. 1873 begann Prinz Carol, wie er in Rumänien heißt, den Bau des Schlosses Peles in Sinaia, einem Dorf inmitten der Karpaten. Ein Architekt aus der Heimat Karls errichtet das stattliche Bauwerk im Stile der deutschen Neorenaissance mit 160 Räumen, von denen der größere Teil besichtigt werden kann. Rund 2000 Besucher kommen tagtäglich ins Schloss Peles und in das benachbarte Schloss Pelisor, erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts und bewohnt ab 1903 von Kronprinz Ferdinand, einem Neffen Carols.
Wer eine Rundreise durch Siebenbürgen macht, der sollte sich darauf einstellen, dass er sicher einige zusätzliche Pfunde mit nach Hause bringt. Leckere Suppen („Ciorba“), große Fleischportionen (von Lamm bis Kalb), köstliche, meist pfannkuchenähnliche Süßspeisen („Papanaci“ oder „Clatite“), süffige Weine und ausgezeichnetes Bier sorgen für die richtige Grundlage, um ein sehenswertes Stück Land im Herzen Rumäniens zu erkunden.
Infos zur Reise nach Rumänien:
Anreise : Mit dem Auto über Österreich und Ungarn nach Rumänien. Von Konstanz bis zur rumänischen Grenze bei Timisoara oder Arat ca. 1100 Kilometer, bis Sibiu knapp 1500 Kilometer. Wesentlich bequemer geht es mit dem Flugzeug. Z. B. mit der Carpatair, die täglich von Stuttgart oder München aus, mit Umsteigen in Timisoara (Temeschwar), zehn Städte in Rumänien anfliegt. Flugzeit rund zwei Stunden, Preise um die 200 Euro für Hin- und Rückflug. An den Flughäfen können Autos gemietet werden.
Infos unter www.carpatair.com Tel.: 069/13 37 82 70 oder 0692/ 2222050.
Reisezeit : Siebenbürgen kann zu allen Jahreszeiten besucht werden. Im Winter gute Ski-Möglichkeiten.
Währung : Der neue rumänische Leu: 1 Euro = 3,5 Leu.
Hotels : Viele Hotels und Pensionen haben westeuropäischen Standard. Preise im Schnitt zwischen 50 und 90 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer mit Frühstück. Übernachtung mit Halbpension bei Hermann und Katharina Kurmes für zwei Personen im Doppelzimmer 60 Euro. www.cntours.ro
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| Kontakt |
Rumänisches Touristenamt
Dachauerstraße 32–34, D-80335 München
Tel: 089/515 67 687, Fax: 089/515 67 689,
e-Mail: muenchen@rumaenien-tourismus.de
www.rumaenien-tourismus.de
Ein Beitrag für ReiseTravel von Dieter Wacker. Stellvertretender Chefredakteur, SÜDKRIER Konstanz www.suedkurier.de
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