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MV-Tourismus im Aufwind
Mecklenburg-Vorpommern feiert sein 20-jähriges Tourismusjubiläum: Aktiv arbeitet der Tourismusverband an einem noch schärferen Profil dieses attraktiven Urlaubslandes. Mit Hilfe einer Marken- und Kommunikationsstrategie sollen kreative und effektive Ansätze für das touristische Landesmarketing für die Jahre 2012 bis 2022 erarbeitet werden. Zum Thema führte ReiseTravel ein Gespräch mit Tobias Woitendorf, Leiter Kommunikation und Koordination und stellvertretender Geschäftsführer Tourismusverband MV:
ReiseTravel: 20 Jahre Tourismus in MV – wie lautet das Fazit?
Woitendorf: Unsere Bilanz: „20 Jahre Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern“ fällt insgesamt positiv aus. Wir haben in diesen 20 Jahren sehr viel erreicht. Das Land MV wird heute von vielen Menschen in ganz Deutschland positiv bewertet. Wir sind für viele Urlauber das Natur-Urlaubsland Nummer 1. Historische Seebäder, Seebrücken und Promenaden laden an der Ostseeküste ein. Neben der Natur sind es vor allem die historischen Backsteinbauten und dies nicht nur in den Hansestädten. Viele Studien und Gästebefragungen zeigen, dass Mecklenburg-Vorpommern als Urlaubsland bei sehr vielen Menschen auch in den kommenden Jahren weiter nachgefragt wird.
ReiseTravel: Ein langer Weg, gab es nur Erfolge?
Woitendorf: Ein so erfolgreicher Weg ist natürlich auch von dem einen oder anderen Rückschlag gekennzeichnet. So hatten wir zum Beispiel in den frühen 1990er-Jahren, durchaus das Problem, dass die traditionellen Stammgäste, aus der ehemaligen DDR sich anderweitig orientierten, einfach ausblieben. Auf der anderen Seite war das Interesse der Menschen aus den westlichen Ländern noch nicht geweckt. Wir hatten im Jahr 1991 unseren Tiefpunkt erreicht. Man sprach damals – natürlich übertrieben – von leeren Stränden. Das war für uns eine schwierige Situation. Auch die Vogelgrippe im Jahr 2006 hat uns sehr hart getroffen und nicht nur die Insel Rügen ein ganzes Stück zurückgeworfen.
ReiseTravel: Können Sie dazu Zahlen nennen?
Woitendorf: Wir hatten, zum Vergleich: im Jahre 1990 knapp 7 Millionen an Übernachtungen und im Jahre 2009 28,4 Millionen, eine Vervierfachung. Spannend ist auch die Zeit zwischen 1993 und 2007, da hat MV etwa die Hälfte der Zuwächse im Deutschland-Tourismus generiert.
ReiseTravel: MV ist nicht nur eine Feriendestination an der Ostsee, auch das Binnenland gehört dazu. Wie „läuft“ es hier in Fragen Tourismus?
Woitendorf: Das Binnenland hat seit Anfang 2000 eine stärkere Dynamik entwickelt als die Ostsee. Das hat uns sehr gefreut. Besonders seit der Bundesgartenschau 2009 in Schwerin ist weiteres Wachstum zu registrieren. Das ist für uns ein starkes Pfund, welches wir zusätzlich zur Ostsee im „Köcher“ haben. Diese Zwei so guten aber unterschiedlichen Destinationen im Angebot zu haben, würden sich bestimmt auch andere Bundesländer wünschen. Dreiviertel Ostsee und ein Viertel Binnenland. Natürlich haben wir im Landesinneren etwas kleinere Quartiere und sind hier nicht auf Massentourismus eingestellt. Wir begrüßen hier vor allem Individualreisende, Bootstouristen aber auch per Rad oder per Pedes wird das Binnenland von den Gästen erlebt oder erwandert. Hinzu kommen unsere zahlreichen Schlösser und Herrenhäuser. Hier stehen besonders die Ruhe und auch kulinarisches Erlebnisse im Mittelpunkt.
ReiseTravel: Fast alle Gäste kommen aus Deutschland, wo bleibt das Ausland, welche Anstrengungen werden unternommen?
Woitendorf: Derzeit gehören wir in dieser Frage leider noch nicht zu den Besten. Der Ausländeranteil beträgt etwa drei Prozent, bei 97 Prozent an deutschen Gästen. Hier haben wir noch Nachholbedarf. In absoluten Zahlen sind wir aber schon auf Rang zwei in Ostdeutschland. Skandinavien, Schweiz und Holland haben wir im Visier. Langfristig möchten wir diesen Anteil wesentlich steigern.
Die Bilanz: „20 Jahre Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern“ fällt positiv aus
Tobias Woitendorf Leiter Kommunikation und Koordination, stellv. Geschäftsführer Tourismusverband MV
ReiseTravel: Haben auch Sie Ferntouristen im Visier, wie steht es um die Flugverkehre?
Woitendorf: In Fragen der Infrastruktur hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Die Bahnanbindungen nach MV sind relativ gut, aber auch die Flughäfen wurden ausgebaut. Heringsdorf auf der Insel Usedom und Rostock-Laage spielen dabei eine relevante Rolle. Beide Airports haben sich sehr stark in die touristische Richtung, entwickelt. Das heißt, inzwischen mit Linienverkehren, die maßgeblich von Touristen getragen werden. Von Rostock bestehen beispielsweise Verbindungen nach Köln, Stuttgart, München, demnächst nach Frankfurt mit Lufthansa und auch Zürich. Usedom ist saisonal mit kleineren Maschinen an acht deutsche Städte und nach Zürich angebunden. Hier sehen wir eine Chance an neue Gäste heranzukommen. Es muss also nicht mehr eine weite Autoanreise und für zwei Wochen sein. Wir können sagen: Per Flug auch nur für ein paar Tage zu uns kommen. Bus-Shuttle bringen die Gäste in fünf Urlaubsregionen.
ReiseTravel: Mathias Löttge, Vorsitzender des Landestourismusverbandes, erklärte: „In der erstmaligen Vergabe eines Tourismuspreises des Landes liegt auch eine Anerkennung für die Mitarbeiter der Branche, die Enormes geleistet haben und zugleich noch viel Biss für die Aufgaben der Zukunft beweisen." Wie gestaltet sich die Vorbereitung des Tourismuspreises. Wer kann sich Bewerben, wie geht es mit dem Wettbewerb weiter?
Woitendorf: Die Idee, in MV als starker Destination einen Tourismuspreis einzuführen, ist bereits etwas älter. Jetzt wird diese Idee im Rahmen „20 Jahre Tourismus in MV“ umgesetzt. Der Preis wird nicht mit Geld unterlegt sondern mit viel „Ehre“. Überreicht wird eine Skulptur des Hl. Christophorus, dem Schutzpatron der Reisenden, gestaltet vom Rostocker Bildhauer Thomas Jastram. Die Vergabe des Tourismuspreises erfolgt auf der Basis von Beschlüssen des Vorstandes nach der Einreichung von entsprechenden Vorschlägen. Vorschläge kann jedes Mitglied unseres Verbandes unterbreiten. Das können Einzelpersonen oder Teams aus Institutionen sein, die sich aktiv für die weitere Gestaltung des Tourismus in MV einsetzen. Die Satzung sieht vor: Der Preis kann jährlich vergeben werden - aber er muss nicht. Unser Ziel für die nächsten Jahre lautet: Diesen Preis auch überregional zu platzieren. Die Kraft unseres Urlaubslandes soll noch stärker in diesen Preis einfließen. Es müssen also nicht zwingend Menschen sein, die Gutes nur in und für MV tun. Einbezogen sollen auch Personen, die sich aktiv für den Deutschlandtourismus generell einbringen.
ReiseTravel: Herr Woitendorf: Ihre Vision MV Tourismus im Jahr 2020?
Woitendorf: Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen, sagt Helmut Schmidt (lacht). Wir werden uns nicht in der gleichen Art und Weise wie bisher entwickeln können. MV wird ganz stark auf die qualitative Entwicklung des Tourismus setzen. Mein persönliches Ziel wäre, MV nicht nur rein zahlenmäßig in die europäische Top-Liga zu bringen, da sind wir bereits recht weit vorne; MV zu einem noch relevanteren und wirklichen europäischen Reiseziel zu machen, dafür setzen wir uns ein.
ReiseTravel: Vielen Dank für das Gespräch
Kontakt
Tourismusverband MV
Platz der Freundschaft 1, D-18059 Rostock
www.auf-nach-mv.de - www.urlaubsnachrichten.de
Das Gespräch führte Gerald H. Ueberscher
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