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Margarita Nowak

Unterwegs in Quito

Jede Stadt hat viele Gesichter: Der Durchschnitts-Tourist kennt in der Regel nur eins davon. Margarita Nowak schildert ihre Erlebnisse in Quito und vermittelt so ein differenziertes Bild des Landes und seiner Leute. Weg von der Touristenroute, hinein in den Linienbus…..  

Unterwegs in Quito


Quito , die Stadt meiner Träume! Schon dreimal war ich hier. Immer wieder neu, immer wieder wunderschön ist der Anflug über die so hoch in den Anden gelegene Stadt. Nur acht Kilometer vom Zentrum entfernt liegt der Flughafen. Immer wieder neu geplant dieser, nach einigen Unfällen, befindet er sich doch heute wie vor vielen Jahren am selben Platz. Ein Platz, wie er schöner nicht sein könnte, wenn man Augen und Zeit hat zu sehen. Hier in Quitos „Mariscal Sucre“ betritt man noch den Boden, wird nicht sofort in ein Fahrzeug geladen, um ins Gebäude zu gelangen. Von den schneebedeckten Vulkan-Gipfeln rings umher umwirbelt uns eine etwas kühlere Luft. Manche der Neuankömmlinge fröstelt es, manche wundern sich über die dünne Luft. Quitos Höhe von 2850 Metern über dem Meeresspiegel ist die Ursache.
Am Ausgang stehen die Abholer. Oft mit Blumen. Die Leute hier sind so freundlich, nehmen ihre Gäste so selbstverständlich an und auch auf. Schon beim ersten Besuch fühlt man sich nach kürzester Zeit wohl, wie zu Hause. Die Autofahrt ins Zentrum, in den Norden der Stadt, dauert nicht lange. Sicher wird jeder innerhalb von 15 Minuten am Ziel sein.
Touristen werden vorwiegend von Gastgebern aus dem Norden Quitos empfangen. Dieser Stadtteil ist der neuere der ecuadorianischen Hauptstadt. Wie es allgemein heißt, der sicherere. Der weitaus interessantere Teil hingegen ist für mich der südliche.
Viel Verkehr herrscht auf den Straßen. Autos gibt es genug. Wenn auch teilweise in abenteuerlichem Zustand für unsere Augen. Taxis zirkulieren ständig. Werden auch ständig herangewinkt, benutzt, nicht benutzt wenn zu teuer, andere geholt…
Die Alternative sind Busse in jeder Größe und Farbe, nach allen Himmelsrichtungen fahrend – für Touristen eine Wissenschaft mit sieben Siegeln solange, bis man Quito und seine unterschiedlichen „barrios“ besser kennen lernt. Denn – keinerlei Nummern weisen diese Busse auf, keinerlei einheitliche Farben etwa. Die Streckenführung, am Fenster vorn angebracht, ist nach beiderlei Richtungen zu deuten! Also im Zweifel lieber ein Taxi. Aber auch mit den Taxistas ist es ratsamer, sich in der Stadt ein wenig zurechtzufinden. Es kann passieren, dass einer die Adresse überhaupt nicht kennt – oder sie jubeln einem größere Umwege unter! Da ist es denn auch manchmal gar nicht von Vorteil, auf Einschalten des Taximeters zu bestehen, sondern vor Abfahrt lieber einen Festpreis auszumachen. Daran halten sich die Wagenlenker eigentlich durchweg.
Unterhaltungen mit Taxifahrern sind interessant. Alle reden gern, besonders mit Touristen. Fragen stellen sie bis zum Überdruss. Wenn man jedoch den Spieß umdreht und selber viel fragt, bekommt man meistens recht intelligente Antworten. Zu vielen meiner internen Kenntnisse über Quito verhalfen sie mir. Ein guter Rat – man sollte als Frau besser nicht erzählen, dass man allein unterwegs ist. Die Phantasie dieser impulsiven und lebenslustigen Ecuadorianer ist leicht entflammbar!
„El trauma de Quito“ besteht darin, dass in dieser Stadt Fußgänger keine Rechte besitzen. D.h., sie müssen beim Überqueren einer Straße höllisch aufpassen. Ständig den Kopf drehen und wenden, als betrachteten sie ein Tennismatch. Ampeln werden nicht immer respektiert, Linksabbieger fahren, ohne auf Fußgänger zu achten und mehr Ungereimtheiten.

Busfahrer sind eine Kategorie für sich. Sie rasen entweder in atemberaubendem Tempo durch die Stadt – dann, wenn ihr Fahrzeug gut gefüllt ist, oder sie schleichen am Straßenrand entlang, um am Wege stehende, winkende, eventuell Noch-Mitfahrer auflesen zu können. Wohlgemerkt, ein voller Bus rast, ein nicht ganz voller schleicht. Oft sind diese alten, ratternden, die Luft mit Qualm anfüllenden Fahrzeuge (in neuerer Zeit auch neuere Fahrzeuge!) im Besitz des jeweiligen Fahrers. Er muss einfach sein Eigentum schinden. Er muss eine Riesenzahl von Menschen befördern, sonst kann er nicht leben – geschweige denn, eine Familie ernähren. Der Fahrpreis ist sehr niedrig.
Für mich ist das Busfahren in Quito inzwischen zu einem Hobby geworden. Überall kann man winken. Überall hält dann der Fahrer, der noch Fahrgäste benötigt. Immer kann man sich noch hineinzwängen, auch wenn schon Trauben auf dem Trittbrett hängen. Junge Männer, alte Männer, Mittelalter auch – alle sind vorwiegend höflich und nett zu Touristen. Allerdings werde ich nie meinen Schreck vergessen, den mir ein „handgreifliches“ Angebot verursachte! Eine Männerhand packte meinen Arm und zog …. der vermeintliche Angreifer jedoch bot mir seinen Platz an. Er selbst stellte sich dem Gedränge im Gang.
Interessante Beobachtungen bieten sich dem, der nicht ständig aus dem Fenster sieht, um den Ausstieg nicht zu verpassen. Hat man keinen Sitzplatz, ist ständiges Ducken für größere Leute angesagt. Überhaupt geht es Kleinen in Quitos Bussen besser. Größere bekommen Genick-starre, weil ein Aufrichten oft nicht möglich.
Die Fähigkeit des Busschaffners, zwischen den fünf Fingern einer Hand die verschiedenen Geldscheine gut sortiert einsatzbereit zu halten, habe ich von Anfang an bewundert. Außerdem ist es seine Aufgabe, die Fahrgäste auf engstem Raum zusammenzupressen. Alle sollen weiter nach hinten gehen. Das jedoch ist für viele eine echte Falle. Hat man nicht eine sehr lange Fahrt vor sich und kann beizeiten den Ausstieg vorbereiten, wird man diesen unweigerlich im großen Gedränge verpassen. Weiß man aber frühzeitig, wann der Fahrer halten soll, gibt es kein Problem. Überall machbar. Die Dauer des Haltes bestimmt der Busschaffner. Frauen mit kleinen Kindern erhalten ein paar Bruchteile von Sekunden mehr als junge Männer. Bei letzteren wird vorausgesetzt, dass sie das Abspringen schon seit frühester Kindheit beherrschen. Unfälle gibt es äußerst selten.
Längere Strecken im Bus sind ein Erlebnis besonderer Art. Sollte man einen Sitzplatz gefunden haben, kann man sich genüsslich zurücklehnen und genießen, was in Form von Ungewöhnlichem auf einen zukommt. Da sind z.B. die ungeahnt vielen „promociones“, Vorstellungen von Sonderangeboten jederlei Art. Wortgewandt und wortreich werden günstige Konditionen beschrieben, Sonderpreise offeriert. Zu meinem großen Erstaunen kaufen die Leute vor allem Süßigkeiten in Kleinstquantität. Alle lieben Süßes!


Ein Beitrag für ReiseTravel von Margarita Nowak. www.sprachaktiv.de

 

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