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Der ungelöste Konflikt
Der Zypernkonflikt ist der älteste Konflikt in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Zypern ist eine Insel im östlichen Mittelmeer, 50 km von der türkischen und 800 km von der griechischen Küste entfernt. Die international anerkannte Republik Zypern mit ihrem derzeitigen Präsidenten Dimitri Cristofias befindet sich im südlichen Teil und die nur von der Türkei anerkannte „Türkische Republik Nordzypern“ mit ihrem Präsidenten Mehmet Ali Talat im nördlichen Teil der Insel. Dazwischen liegt die von den Vereinten Nationen verwaltete und kontrollierte Pufferzone: die Green Line.
Schon seit 1878 stand die Insel Zypern unter britischer Verwaltung bis sie 1925 britische Kronkolonie wurde. Unter griechischen Zyprioten kam bereits seit der Jahrhundertwende der Wunsch nach einem Anschluss an Griechenland auf. Ein inoffizielles Plebiszit der orthodoxen Kirche Zyperns erbrachte eine überwältigende Mehrheit dafür, was aber von der britischen Regierung ignoriert wurde. Erzbischof Makarios III. wollte den Fall Zyperns vor die UNO bringen, löste mit seiner Drohung jedoch nur verwirrende Reaktionen Großbritanniens, der Türkei und Griechenlands aus. Unter dem ehemaligen griechischen Offizier Georgios Grivas begann 1955 der Kampf der griechisch-zypriotischen Untergrundorganisation EOKA, deren politischer Führer Erzbischof Makarios wurde, der einen Anschluss an Griechenland befürwortete. Auch die türkischen Zyprioten gründeten eine bewaffnete Untergrundorganisation, deren politischer Führer Rauf Denktas wurde, dessen Ziel anfänglich die Beibehaltung des Status quo war, er aber später zur Teilung der Insel tendierte.
1960 kam es zur Gründung des unabhängigen Staates Zypern, da England auf Zypern nur noch militärische Stützpunkte unterhalten wollte. Die Garantiemächte für Zypern waren die Türkei, Griechenland und Großbritannien. Erzbischof Makarios wurde der erste Staatspräsident von Zypern. In Verkennung der Lage wurde von den Geheimdiensten Griechenlands und der USA der Sturz von Erzbischof Makarios betrieben. Das Attentat am 15. Juli 1970 schlug jedoch fehl. Makarios starb 1977 in Nikosia. In Zusammenarbeit mit Großbritannien entwickelten die USA unter anderem den Plan, Zypern als Staat zu beseitigen und an Griechenland anzuschließen. Die Türken sollten dafür territoriale Kompensationen von Griechenland erhalten. Der griechische Premierminister Georgios Papandreou zögerte dieser Lösung zuzustimmen und die USA zog sich aus der aktiven Zypernpolitik zurück.
Am 20. Juli 1973 erfolgte die seit 1964 von langer Hand vorbereitete Landung türkischer Streitkräfte bei Kyreneia im Norden der Insel. Schließlich wurden von der türkischen Armee bis zum August 40 Prozent der Insel besetzt. Etwa 170 000 griechische Zyprioten flüchteten vor der Armee in den Süden der Insel; von dort flüchteten die türkischen Zyprioten aus Angst vor griechischem Terror und aufgrund einer Aufforderung der türkischen Armee in den Norden. Damit war die Insel geteilt.
Seit 1974 hat es nicht an Versuchen gefehlt, die Teilung der Insel zu beseitigen, jedoch konnten sich griechische und türkische Zyprioten sowie Griechenland und die Türkei auf keine Lösung verständigen. Kompliziert wurde die Situation schließlich 1990 als die Republik Zypern einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft stellte. Aber erst 1998 begannen Beitrittsverhandlungen zwischen der Republik Zypern und der Europäischen Union, die schließlich am 1. Mai 2004 zur Aufnahme in die EU führten. Die Mitgliedschaft war nicht unbedingt ein wirtschaftliches Ziel der griechischen Zyprioten, denn die Volkswirtschaft im Süden gehörte bereits zu den gesündesten in Europa.
Die seit 1974 als Waffenstillstandslinie Nord- und Südzypern trennende Green Line ist seit dem 1. Mai 2004 eine europäische Außengrenze, die ein Territorium der EU von Nordzypern trennt, jedoch unter bestimmten Bedingungen den Austausch von Waren und Begegnungen von Menschen zwischen den beiden Regionen zulässt.
Seit 1974 hat sich das Leben in den beiden Teilen der Insel Zypern unabhängig voneinander entwickelt. Ein Problem ist die Migration aus Drittländern, insbesondere aus der Türkei, nach Nordzypern. Hinzu kommen ungelöste Eigentumsprobleme der Flüchtlinge beider Volksgruppen.
Seit dem Beitritt der Republik Zypern in die EU ist im Süden und im Norden der Insel ein wahrer Bauboom ausgebrochen, der viele Umweltschäden an den lebenswichtigen Ressourcen: Boden, Wasser und Wälder, verursachte. Schließlich sind die Vorräte, vor allem Wasser, begrenzt, so dass 2008 Wasser aus Griechenland in den Süden von Zypern gebracht werden musste. Inzwischen hat auch die Verschmutzung von Boden, Luft und Wasser stark zugenommen. Nicht nur die Zyprioten selbst investierten in Immobilien, sondern britische Staatsbürger kauften Häuser oder Alterswohnsitze, da diese im Vergleich zu Spanien und anderen Ländern am Mittelmeer zu günstigen Preisen erworben werden konnten und Sonnenschein, Meer und gutes Wetter viele Interessenten anlockten. Auch reiche Russen investierten in Zypern, vorwiegend im Süden und in der Hafenstadt Limassol. Da die Grundstückspreise in Nordzypern um etwa 30 bis 50 Prozent als im Süden günstiger waren, investierten hier Käufer aus Israel; natürlich auch Griechen und Türken in ihren jeweiligen Regionen. Inzwischen hat auch die globale Finanzkrise Zypern erreicht und bringt Probleme im Norden wie im Süden der Insel, da Neubauten und Tourismus weitgehend von ausländischem Kapitals abhängig sind.
Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press.
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