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Gletscherschutz am Stubaier Gletscher

Vliesabdeckungen stoppen Abschmelzung und sorgen für Aufbau der Eismasse: Erfolgreicher Gletscherschutz in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck: Am Stubaier Gletscher konnte die Schneemasse mit Hilfe von großflächigen Vliesabdeckungen während der Sommermonate 2010 deutlich konserviert werden. Die Abdeckung verhindert, dass Sonnenstrahlen in die Schneedecke eindringen, was zu einer geringeren Abschmelzung der Eismassen führt.

Forschungserfolg zum Schutz des Gletschers: Die Tiroler Gletscherskigebiete (Pitztaler Gletscherbahn, Kaunertaler Gletscherbahnen, Ötztaler Gletscherbahn und Stubaier Gletscherbahnen) setzen sich seit 2007 zusammen mit der Universität Innsbruck für den Schutz der Tiroler Gletscher ein. Die Universität Innsbruck hat in Zusammenarbeit mit den Gletscherschigebieten seit Sommer 2004 nach Möglichkeiten zur Verringerung der Gletscherschmelze an neuralgischen Stellen in Schigebieten geforscht. Von den untersuchten Methoden stellte sich die Abdeckung mit Vliesen an neuralgischen Stellen als die Effektivste heraus.

Aufgrund dieser Forschungsergebnisse werden von Mai bis Anfang September 2010 bereits zum vierten Mal exponierte Stellen am Stubaier Gletscher mit bis zu fünf Meter breiten Vliesbahnen abgedeckt. Die Gletschermasse konnte an kritischen Punkten wie Liftstützen, Ein- und Ausstiegsstellen und Randgebieten aktiv vor der Abschmelzung im Sommer bewahrt werden. Mehrere Meter Gletschereis konnten in den vergangenen Jahren konserviert werden.

Vliesabdeckungen groß wie Fußballfelder: Teilflächen von insgesamt etwa 14 Hektar wurden im Sommer dieses Jahres mit Vliesen abgedeckt. Die kleinsten Felder mit Vliesabdeckungen waren zwei Mal zwei Meter groß. Die Flächen können jedoch bis zu der Größe eines Fußballfeldes ausgelegt werden. Die weißen Vliese sind etwa zwei Millimeter dick, reißfest, witterungsbeständig und können Kosten sparend bis zu drei Saisonen wieder verwendet werden. Der Stubaier Gletscher übernimmt die Kosten für die Vliesabdeckung, die bei etwa zwei Euro pro Quadratmeter liegen. Darin sind nicht nur die Kosten für die Vliese selbst, sondern auch für das benötigte Personal und die Pistengeräte sowie die Platzierung und Instandhaltung der Gletscherschutzmaßnahmen enthalten.

Wind als Baumeister des Gletschers: Die Universität Innsbruck und die 4 Gletscherschigebiete arbeiten derzeit an weiteren Methoden, um das Gletschereis vor Abschmelzung zu schützen. So soll die Windkraft am Gletscher genutzt werden. Da Wind große Schneemengen verlagern kann, versuchen die Forscher den Schnee am Gletscher regelrecht zu deponieren. Mittels Mulden wird der Wind gebremst, der in der Luft befindliche Schnee kann sich nicht mehr halten und wird abgelagert. So kann die Winterschneemenge am Gletscher mit geringem Aufwand erhöht werden.  

Der Stubaier Gletscher ist nur 20 Minuten von Innsbruck entfernt und schnell und unkompliziert mit Auto, Bahn oder Flug erreichbar. 25 moderne Seilbahn- und Liftanlagen sowie 110 Abfahrtskilometer machen Österreichs größtes Gletscherskigebiet zum „Königreich des Schnees“. Der Stubaier Gletscher punktet mit Schneesicherheit von Oktober bis Juni und wurde 2009 als Testsieger in der Kategorie Schneesicherheit von dem Online-Portal www.snow-online.de  ausgezeichnet. Vorteil für Familien: Kinder unter zehn Jahren fahren in Begleitung eines Elternteils kostenlos auf sämtlichen Liftanlagen.  

Der Gletscher der Zukunft 

Gletscherschutz am Stubaier GletscherEine Wissenschaftlerin, ein Bergführer und ein Pistenchef erklären, warum sie in Sachen Stubaier Gletscher Alarmismus für verfehlt halten: Im Sommer kann man den Stubaier Gletscher schmelzen sehen. Im August schrumpft er jeden Tag zehn Zentimeter. Die Bahnen stehen still, die Skifahrer sind weg. Wissenschaftler seilen sich ab in seine Tiefen. Bergführer wandern über die gleißenden Flächen. Pistenarbeiter legen Vliese aus und verhindern so, dass das Eis darunter schmilzt.

Die Gletscher schmelzen überall. Alle paar Wochen wird in Zeitungen Alarm geschlagen, doch dass sie dies seit dem Ende der kleinen Eiszeit vor hundertfünfzig Jahren tun, wird oft verschwiegen. Auch dass sie zwischenzeitlich vorstießen und ihre Zungen tiefer in die Täler streckten, wird selten erwähnt. Zu schweigen davon, was jene Leute sagen, welche die Spalten des Gletschers kennen wie die Falten im Gesicht einer Geliebten: Wissenschaftler, Bergführer, Pistenchefs. 

574 Meter über Meer: Die Wissenschaftlerin 

Andrea Fischer nennt sich Gletschermagd. Sie führt eine Tradition fort, die vor mehr als hundert Jahren angefangen hat, mit der Gründung des Instituts für Meteorologie und Geophysik. Jahr für Jahr schreibt sie ihren Bericht, in dem sie schildert, wie es um die Ferner steht, als stellte sie eine Diagnose auf. Krankheitsbild: Eisschwund. Symptome: Zwischen 1850 und 1969 schmolzen die Gletscher um die Hälfte, bis 1997 nochmals um fünfzehn Prozent, von 1997 bis 2006 erneut um dieselbe Menge.

Mehr als fünfzig Mal war Andrea Fischer auf dem Stubaier Gletscher. Manchmal geht sie wochenlang jeden Tag aufs Eis. Nach ihrer Arbeit auf dem Eis sitzt sie während Monaten vor ihrem Computer und gibt Daten ein. Seit im Sommer die Vliese auf den Pisten liegen, ist der Eisschwund zurückgegangen. „So wird es aber nicht bis in alle Zukunft weitergehen“, sagt Fischer. Sie geht davon aus, dass man mit den Vliesen den Gletscher wohl noch während dreißig Jahren als Skigebiet erhalten kann. Dass er völlig verschwindet, ist so gut wie ausgeschlossen. Gerade die Gebiete, die im Schatten liegen und oft von Lawinen überrollt werden, sind von der Schmelze nicht betroffen. Auch ist es möglich, dass der Gletscher gleich groß bleibt oder wächst, falls die Niederschläge im Gebirge zunehmen. Diese lassen sich aber kaum voraussagen.  

994 Meter über Meer: Der Bergführer 

Friedrich Stern wuchs am Fuß des Stubaier Gletschers auf. Als Junge war er Schafhirte und verdiente sich ein Zubrot, wenn er die Rucksäcke der Touristen in Berghütten trug. Später wurde er Bergführer und legte in seinem Lodengewand Tausende von Höhenmetern zurück. Als Junge hörte er die Geschichten der Bergführer, etwa jene über die Soldaten, die vor dem Ende des ersten Weltkriegs von den Schlachtfeldern Italiens über die Gletscher nach Österreich flohen, in Spalten fielen und noch immer im Eis stecken, eingefroren in ihren Uniformen, in Zeitlupe talwärts treibend, Mumien der Donaumonarchie.

Stern kennt den Stubaier Gletscher besser als die meisten, doch Sorgen macht er sich keine. „Verschwinden wird er nie“, sagt er. Dafür liege er in zu hoher Lage. Zudem könne man die Launen des Gletschers auch mit der Erfahrung von Jahrzehnten kaum einschätzen. Allerdings sind viele von Sterns Touren über die Jahre schwieriger geworden, steiler,  zerklüfteter. War es früher möglich, auf der Gletscherzunge die letzten Kilometer zurückzulegen, müsse man heute ein Geröllfeld durchwandern. Bestand der Gletscher früher aus einem Stück, wandert Stern heute oft über Toteisfelder fernab der Ferner. Andererseits gibt es auch Touren, die leichter geworden sind, fast eisfrei und ohne die Gefahr, in Spalten zu fallen.

2900 Meter über Meer: Der Pistenchef

 Wenn Walter Müller aus dem Fenster schaut, sieht er seinen Arbeitgeber. Der Stubaier Gletscher liegt nur Meter vom Restaurant am Eisgrat entfernt, wo Müller sein Büro hat. Er ist der Mann fürs Grobe, früher Fernfahrer, heute Pistenchef. Gerade hat er während einer Woche die Vliese ausgelegt, Plachen aus Polyester, kaum mehr als zwei Millimeter dick. Seit Müller sie verwendet, sind die Stellen darunter kaum geschmolzen, mussten die Masten seltener versetzt werden, war die Arbeit der Pistenpreparateure weniger aufwendig.

Sieht er einen Artikel über Gletscherschwund in der Zeitung, ärgert er sich meist sehr: „Oft scheinen da Propheten des Untergangs in die Tasten zu greifen.“ Aus Erfahrung wisse er, dass es um den Gletscher nicht gar so schlimm bestellt sei. Die Niederschläge beispielsweise waren im vorletzten Winter überdurchschnittlich gut, der letzte Winter war außerordentlich kalt. Solange Müller noch im Pistenfahrzeug unterwegs ist, wird der Skibetrieb auf dem Gletscher so weiter gehen, wie Müller ihn immer gekannt hat. Doch sind auch die Kollegen, die gerade mit ihrer Arbeit auf dem Gletscher angefangen haben, guter Dinge, was die Zukunft betrifft. Im Stubaital brauche man sich keine Sorgen zu machen, sagt Müller. Das Skigebiet beginnt erst auf 1750 Meter über Meer und geht hoch bis auf 3210 Meter. Eine Höhe, die immer schneesicher ist. 

WINTERSPORT TIROL AG & CO - STUBAIER BERGBAHNEN KG

Brixnerstraße 3/5, A-6010 Innsbruck - www.stubaier-gletscher.com

Von Catherine Propst

 

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finden Sie hier:

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