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Elektrofahrräder
Schwache Bremsen und gebrochene Rahmen
Elektrofahrräder erfreuen sich immer größerer Beliebtheit: Bei Berufspendlern, die nicht verschwitzt im Büro ankommen wollen, und bei Freizeitradlern, die dank des eingebauten Rückenwinds auch längere Etappen in Angriff nehmen können. Der Absatz ist im Jahr 2010 gegenüber 2009 um 40 Prozent gestiegen, so der Zweirad-Industrie-Verband. Was es mit der Fahrqualität, der Sicherheit und der Haltbarkeit der E-Bikes auf sich hat, hat der ADAC gemeinsam mit der Stiftung Warentest geprüft.
Pegasus hat weiterhin Probleme mit den Rahmen seiner E-Bikes: Im Test der Stiftung Warentest sind sie nach 10.000 Kilometern gebrochen. Eine bekannte Schwachstelle, denn schon im vergangenen Jahr musste der Hersteller aus demselben Grund rund 11.000 Modelle zurückrufen. Jetzt haben die Warentester gemeinsam mit dem ADAC zwölf Fahrräder mit Zusatzmotor, sogenannte Pedelecs, überprüft. Auch für Ruhrwerk gab es ein „Mangelhaft“ - die Bremsen sind zu schwach.
Vorbei ist es mit dem Opa-Image: Elektrofahrräder finden zum Beispiel Berufspendler interessant, die dank der Motorunterstützung nicht völlig verschwitzt im Büro ankommen. Oder Freizeitradler, die so auch längere Touren bewältigen können. Und wer seine Kinder im Fahrradanhänger transportiert, freut sich über ein Pedelecs als Zugfahrzeug.
Bei Pedelecs springt der 250-Watt-Elektromotor erst an, wenn man in die Pedale tritt. Nur zwei Modelle im Test verfügen über eine Anfahr- oder Schiebehilfe, die von Flyer und Winora. Generell gilt für Pedelecs: Ist die Geschwindigkeit von 25 km/h erreicht, schaltet sich der Motor ab.
Trotzdem müssen die Bremsen von Pedelecs mehr aushalten als normale Fahrräder, denn Durchschnittsgeschwindigkeit und Gewicht sind höher. Im Test hat sich gezeigt, dass die Bremsen mancher Pedelecs diesen Anforderungen nicht genügen. Drei Modelle haben recht schwache Bremsen: Giant Twist Esprit Power, Kettler Twin Front NX8 und KTM Macina Dual. Das Elektrofahrrad von Ruhrwerk bremst sogar nur „mangelhaft“. Sehr effektiv sind hingegen die hydraulischen Felgenbremsen der drei „guten“ Räder im Test: Kreidler Vitality Elite, Raleigh Leeds HS und Diamant Zouma Sport+. Das „gute“ Rad von Kreidler hat noch einen anderen Vorteil: Der Akku ist nach rund zwei Stunden und 15 Minuten komplett aufgeladen. Bei Winora und Kalkhoff sind es acht bis neun Stunden.
Auch wenn es keine Helmpflicht für Pedelec-Fahrer gibt: Sicherer ist es mit Helm auf jeden Fall. Denn sogar erfahrene Radlerunterschätzen häufig die höhere Fahrdynamik bei einem E-Bike.
Elke Gehrke – Stiftung Warentest, Wissenschaftliche Leiterin Freizeit und Verkehr; In unserem Test haben wir Trekking- und Komfortfahrräder mit elektrischer Unterstützung geprüft. Unsere Auswahl berücksichtigt die zurzeit am Markt angebotenen vielfältigen technischen Lösungen: Frontantrieb, Heckantrieb und Mittelmotor. Aber auch unterschiedliche Akku-Konzepte, einfache und anspruchsvolle Sensortechniken sowie ein Spektrum an Schalt- und Bedienvarianten werden im Test vorgestellt.
Neben dem wichtigen Praxistest haben wir auch verschiedene Untersuchungen zur Sicherheit durchgeführt. So wurden die Fahrräder in fünf Prüfinstituten getestet, jedes davon ist spezialisiert auf ein bestimmtes Gebiet. Die Tests umfassten u. a. chemische Analysen, die elektrische Funktion und Sicherheit des Fahrrads, des Akkus und der Ladegeräte, die Handhabung, die Reichweite der Akkus, die Prüfungen der Haltbarkeit des Rahmens und der Bremsen des Rades. Insgesamt eine ausgesprochen umfangreiche Prüfung, die in dieser Tiefe bisher noch von keinem anderen Testveranstalter durchgeführt wurde.
Zur Ermittlung von realistischen Belastungsdaten für den Test haben wir mehrere Personen über einen 10 km bzw. 20 km langen Parcours geschickt, der verschiedene Untergründe, Strecken bergauf und bergab sowie kleine Hindernisse wie Bordsteinkanten, Wurzelpassagen und Kopfsteinpflaster einschloss. Während dieser Testfahrten wurden die Belastungen der Räder elektronisch aufgezeichnet. Daraus haben wir die Anforderungen für 20.000 km errechnet und später im Labor für die Prüfung der Belastbarkeit von Gabel, Lenker und Vorbau Sattelstütze sowie Tretlager genutzt.
Diesen Test haben bis auf drei Elektrofahrräder alle „gut“ gemeistert. Beim Pegasus E-Tour brach der Rahmen nach nicht einmal der Hälfte der Zeit. Das hat sich auch in einem Nachtest bestätigt. Bei zwei weiteren Rädern wurde nach den 20.000 km ein Rahmenriss am Tretlager sichtbar.
Auf einem Rollenprüfstand, auf dem das komplette Fahrrad praxisnahen Belastungen ausgesetzt wird, kamen weitere Schwachstellen ans Tageslicht. Nur zwei haben diesen Teil der Prüfung unbeschadet überstanden. Bei den anderen waren Ketten gerissen, Gepäckträger gebrochen, Bremsen gelockert, Reifen abgefahren oder die Elektronik beschädigt. Die größten Schäden wurden beim Ruhrwerk 28" E-Bike offenbar. Hier ist z. B. die Kette gerissen, dass Kettenblatt gebrochen und die Elektronik beschädigt. Dazu kommt, dass dieses Rad auch beim Bremsentest komplett versagt hat.
Elektroräder haben ein doppelt so hohes Eigengewicht wie Fahrräder ohne Antriebshilfe: ca. 30 kg. Beladen mit einem erwachsenen Mann kommen schnell mehr als 100 kg Gesamtgewicht zusammen. Zudem sind die Fahrer mit deutlich höherer Geschwindigkeit unterwegs, daher kommt den Bremsen eine hohe Bedeutung zu. Das scheint sich aber noch nicht rum gesprochen zu haben: Neben dem Totalversager von Ruhrwerk schaffen es auch die Modelle von KTM, Kettler und Giant nicht, ihr ausgelobtes Gesamtgewicht in der geforderten Verzögerung zum Stehen zu bringen. Das sind gefährliche Schwachstellen. Insgesamt kommen im Bremstest nur zwei Räder auf ein „Sehr gut“ und zwei auf „Gut“.
Bei der Prüfung der elektrischen Sicherheit wurde unter anderem die elektromagnetische Verträglichkeit geprüft. Bei Störungen durch elektromagnetische Sender darf der Motor nicht ausgehen und sich nach Wegfall des Signals auf keinen Fall allein wieder einschalten. Das letztere war beim Modell von Pegasus der Fall.
Auch bei der Handhabung konnte kein Elektrofahrrad im Test durchweg überzeugen. Fürs Fahren gab es hingegen viele gute Noten. Schwachpunkte stellen häufig das Schalten und das Fahrverhalten ohne Motorunterstützung dar. Letzteres ist besonders wichtig, wenn die Reichweite der Motorunterstützung zu wünschen übrig lässt.
Im Test der Reichweite gibt es deutliche Unterschiede bei der Akkuleistung. Die Kraft der leistungsstarken Litiumionen-Akkus kann inzwischen für Touren bis rund 100 Kilometer Länge ausreichen. Andere schafften nur 20 bis 25 Kilometer. Wieweit man allerdings tatsächlich kommt, hängt auch von Steigungen, Gegenwind, dem gewählten Unterstützungsgrad des Elektroantriebs und sogar dem Reifendruck ab. Wer Sorgen hat, dass die Akku-Leistung nicht ausreicht, muss sich deshalb entweder um einen zweiten aufgeladenen Akku kümmern oder den leeren nachladen. Schnelles Nachladen gelingt aber nur den Bosch Li-lon Akkus, sie benötigen dafür rund zwei Stunden. Die Akkus von Winora und Kalkhoff brauchen hingegen acht bis neun Stunden - zu lange, um zwischendurch „aufzutanken“. Am Ende kann man feststellen, dass bei allen Schwächen, die manche Räder noch aufweisen, Elektrofahrräder viele Vorteile und Freude am Fahrradfahren mitbringen. Die Hersteller müssen aber bei einigen Modellen noch deutlich nachbessern, vor allem bei der Sicherheit.
Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung
Noch viele offene Fragen rund um Pedelecs: stellte Johann Grill, Leiter Verbraucherschutz ADAC, fest: Nicht jede private Haftpflichtversicherung deckt Schäden. Mit den Pedelecs, den Fahrrädern mit elektrischer Tretunterstützung, etabliert sich in Deutschland ein neues Verkehrsmittel, das nach Ansicht des ADAC viele ungeklärte Fragen aufwirft. Insbesondere die Haftungsfrage bei Pedelecs bis 25 km/h, die über eine Anfahrhilfe bis sechs km/h verfügen, könnte für die Benutzer schnell zur finanziellen Katastrophe werden. Ob verschuldete Unfälle von der privaten Haftpflichtversicherung abgedeckt sind, hängt nämlich vom jeweiligen Versicherungsvertrag ab: Oftmals ist der Versicherungsschutz auf Fahrräder und „nicht selbstfahrende Fahrzeuge" beschränkt. Deshalb sind die Besitzer von Pedelecs mit Anfahrhilfe gut beraten, wenn sie vor der ersten Fahrt mit ihrer Versicherung klären, ob diese für Schäden aufkommt. Der ADAC fordert die Versicherungswirtschaft auf, diese Lücke zu schließen.
Wer sich für ein Pedelec mit einer Anfahrhilfe entscheidet, sollte wissen, dass es sich verkehrsrechtlich um ein Kraftfahrzeug handelt: Es kann sich aus eigener Kraft - ohne Mittreten - bewegen. Deshalb ist mindestens eine Mofaprüfbescheinigung nötig, wenn der Fahrer nach dem 31. März 1965 geboren wurde und nicht Inhaber einer Fahrerlaubnis für größere Fahrzeuge ist. Radwege dürfen innerorts nur befahren werden, wenn dies ausnahmsweise durch Zusatzzeichen „Mofa frei" gestattet ist. Radwege außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen stets befahren werden.
Noch komplizierter wird es bei den so genannten schnellen Pedelecs. Diese Fahrzeuge erreichen schon ohne Tretunterstützung Geschwindigkeiten bis 20 km/h. Wer selbst in die Pedale tritt, kann bis zu 45 km/h schnell werden. Hier ist manches umstritten: Je nach Bundesland genügt entweder die Mofaprüfbescheinigung oder es wird eine Fahrerlaubnis der Klasse M benötigt; davon hängt auch ab, ob Radwege generell verboten sind. Auch ist nicht eindeutig geregelt, ob für diese Fahrzeuge ein Motorradhelm Pflicht ist. Der Gesetzgeber plant die Geschwindigkeitsgrenze für diese Pedelecs bei 30 km/h zu ziehen und für langsamere Pedelecs eine Fahrradhelmpflicht einzuführen.
Unproblematisch ist die Rechtslage bei der am weitesten verbreiteten Gruppe der Pedelecs. Sie sind bis 25 km/h schnell und besitzen keine Anfahrhilfe. Rechtlich werden sie als Fahrräder eingestuft: Kennzeichen, Fahrzeugpapiere, Mindestalter und Versicherungspflicht sind nicht vorgeschrieben. Ein Fahrradhelm ist nicht erforderlich, aber dringend empfehlenswert. Für Schäden kommt eine private Haftpflichtversicherung auf.
Stiftung Warentest, Lützowplatz 11-13, D-10785 Berlin, www.test.de
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Ein Beitrag für ReiseTravel von Heike van Laak
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