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Keiner ohne Schadstoffe

Die Stiftung Warentest teste Kinderwagen: Die 14 getesteten Kinderwagen sind teuer. Kosten: zwischen 249 und 910 Euro. Ihr Geld wert sind sie meist nicht. Keiner ist gut. Keiner ist schadstofffrei. Keiner ist wirklich kindgerecht.

In gleich zehn Wagen stecken so viele Schadstoffe, dass sie insgesamt mangelhaft abschneiden. So fanden die Tester in Griffen, Gurten, Bezügen und Regenhauben unter anderem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phathalate (Weichmacher). Diese kritischen Substanzen sind teilweise krebserregend und gefährden die Fort­pflanzung. Dabei scheint kein Schadstoff aus technischer Sicht notwendig. Denn: Keinen fanden die Prüfer in allen Wagen gleichermaßen.

Der Kauf eines Kinderwagens ist für junge Eltern keine ganz einfache Sache: Zum einen wird ein Produkt gekauft, mit dem man in der Regel bisher keine eigenen Erfahrungen sammeln konnte, zum anderen ist die Anschaffung relativ teuer. Die Stiftung Warentest untersucht deshalb regelmäßig Kinderwagen und Buggys. Für den aktuellen Test haben wir – entsprechend der Marktsituation – 14 Kinderwagen ausgesucht. Alle Produkte sollen sich zum Transport des Neugeborenen bis zum Kleinkind mit etwa 15 kg Gewicht eignen, das entspricht in etwa einem kleinen Dreijährigen.

Wenig kindgerecht: Neben der Schadstoffbelastung haben alle getesteten Kinderwagen ein weiteres Manko: Sie sind wenig kindgerecht. Denn auch in diesem Prüfpunkt ist keiner sehr gut oder gut. Die Sitze sind oft zu klein und zu schmal, große Kleinkinder passen nicht mehr hinein. Die Lehnen sind häufig zu niedrig. Tragetaschen oder -wannen sind zu kurz und zu eng. Durch den Emmaljunga-Regenschutz regnet es sogar rein. Der Herlag-Wagen hat gar keinen Regenschutz.

Puppenkinderwagen ist sicherer: Die Hersteller sollten nachbessern, machen sich aber nicht strafbar: Sie müssen sich bisher nur an Vorschriften bezüglich einiger Schwermetalle halten. Nicht aber an die strengen Vorschriften für Spielzeug, die zum Beispiel auch Grenzwerte für PAKs beinhalten. Das ist paradox: Der Schadstoffgehalt von Kinderwagen für Puppen ist demnach weitergehend geregelt als der für den, in dem das Kind selbst sitzt. Im Test sind die Prüfer jedoch davon ausgegangen, dass Kinder zu ihrem Kinderwagen genauso Kontakt wie zu ihrem Spielzeug haben. Sie nehmen Bezugsstoffe, Griffe und Regenhauben in Hand und Mund. Auch Eltern kommen ständig in Kontakt mit Griffen und Stoffen. Da die untersuchten Kinder­wagen verkehrsfähig sind, haben Eltern leider nicht das Recht, bereits gekaufte Wagen wegen eines zu hohen Schadstoffgehalts zurückzugeben oder um­zu­tauschen. Sie können jedoch auf Händler und Hersteller zugehen und auf deren Kulanz hoffen. Möglicherweise tauschen sie belastete Bauteile aus.

Bugaboo und Teutonia vorn: Der Cameleon von Bugaboo und der Teutonia Mistral S liegen im Test vorn. Test-Qualitätsurteil: befriedigend. Note: 3,2. Die Vorteile des Bugaboo: Er ist leicht, gut an Bordsteinkanten, nach dem Umbau fürs Fahren im Sand geeignet und sehr klein zusammenklappbar. Seine Nachteile: Im Kindbereich sind Phthalate (Weichmacher). Der Wagen ist mit 910 Euro das teuerste Modell im Test, seine Erstmontage ist langwierig, beim Lösen der Handbremse besteht Prellungsgefahr, der Korb ist klein und das Multifunktionsgelenk des Schwenk­schiebers hält hohen Belastungen nicht stand. Der Teutonia Mistral S (550 Euro) ist solide und schwer. Er sieht im Gegen­satz zum Bugaboo in puncto kindgerechte Gestaltung, Handhabung und Schadstoffe etwas schlechter aus. Beim Lösen der Handbremse besteht ebenso Prellungsgefahr, beim Zusammenklappen droht der Fuß gequetscht zu werden.

Noch einmal befriedigend: Der Zekiwa Alu-Cross ist der dritte Kinderwagen im Test, der befriedigend ab­ge­schnitten hat. Note: 3,3. Er ist mit 299 Euro relativ günstig, aber schwer. Vorteil: Auf Wald­bo­den macht sich der Zekiwa gut. Nachteile: Die Tragetasche ist sehr klein, der Sitz durchweg wenig geeignet. In den Textilien steckt etwas Form­aldehyd. Der am wenigsten schadstoffbelastete Wagen im Test ist der Hartan Topline S (550 Euro). Er schneidet aber insgesamt nur ausreichend (Note: 3,8) ab.

 

Was Sie beim Kauf beachten sollten:

Zeit lassen. Probieren Sie aus, mit welchem Wagen Sie gut zurechtkommen, und ob der Favorit ins eigene Auto passt.

Gewicht. Wenn Sie den Kinderwagen oft tragen oder transportieren müssen, sollten Sie ein leichtes Modell wählen. Bugaboo und Brio sind die leichtesten im Test.

Größe. In einen guten Kinderwagen sollten Kinder bis etwa drei Jahre passen: rund sechs Monate liegend in der Tragetasche oder –wanne und später im Sitz, der sich zum Schlafen waagerecht stellen lässt. Die Wagen müssen für Kinder bis mindestens 15 Kilogramm geeignet sein. Besser noch: Manche Anbieter loben sogar bis zu 20 Kilogramm aus.

Lehne. Die Lehne sollte höher als 50 Zentimeter sein. Größere Kinder können sonst ihren Hinterkopf nicht abstützen.

Räder. Auf holprigen Wegen wie im Wald oder auf Kopfsteinpflaster eignen sich Wagen mit vier großen Rädern am besten. Kleine, schwenkbare Vorder­räder sind in der Stadt sinnvoll.

Drei Räder. Schieben Sie dreirädrige Modelle nur in Schrittgeschwindigkeit. Fürs Joggen oder Inlineskaten sind sie nicht geeignet. Außerdem kann das einzelne Vorderrad an Bordsteinkanten wegknicken und den Wagen zum Kippen bringen.

Gebrauchte prüfen. Wenn Sie einen Kinderwagen im Internet oder auf dem Flohmarkt kaufen, kennen Sie die Vorgeschichte nicht. Hören Sie sich besser bei Bekannten um. Prüfen Sie: Gibt es Brüche? Funktionieren Gurt, Ver­rie­ge­lun­gen, Schieber und Bremsen? Ersatzteile sind nur begrenzt erhält­lich. Die Gebrauchsanleitung sollte dabei sein.

Autokindersitz. In die meisten Gestelle passen auch Auto-Babyschalen – aber nur bestimmte. Lassen Sie sich beraten. Außer bei Maxi Cosi, Quinny und Brio kostet der nötige Adapter extra. Zekiwa und Hauck bieten gar keinen an. Der Autositz ist praktisch für kurze Transporte, sollte aber keine Dauer­lösung sein. Er zwängt Babys in eine starre Haltung.

Reklamation. Die untersuchten Kinderwagen sind verkehrsfähig, das heißt, die Schadstoffbelastung verstößt nicht gegen geltende Gesetze. Deshalb haben Sie nicht das Recht, bereits gekaufte Wagen wegen Schad­stoff­belastung zurückzugeben oder umzutauschen. Sie können jedoch auf Händler und Hersteller zugehen und auf deren Kulanz hoffen. Unter Um­stän­den tauschen sie belastete Bauteile aus.

Pflege, Nutzung und Sicherheit: Pflege. Stellen Sie den Wagen zuhause an einen trockenen Platz und wischen Sie Regenwasser ab. Ölen Sie ab und zu die Gelenke.

Sicher fahren. Schnallen Sie sitzende Kinder immer an. Überladen Sie den Korb nicht. Hängen Sie nichts Schweres an den Griff, der Wagen könnte sonst umkippen.

Waschen. Bevor Sie einen neuen Kinderwagen nutzen, sollten Sie abnehmbare Textilbezüge waschen – das kann die Schadstoffbelastung etwas verringern.

Zehnmal "Mangelhaft", einmal "Ausreichend" und nur drei Kinderwagen

schneiden mit dem test-Qualitätsurteil "Befriedigend" ab. Das ist kein akzeptables

Ergebnis – nicht für Kinderwagen, nicht bei Preisen bis zu 910 Euro

und insbesondere nicht, wenn es um Kinder geht.

Branche muss handeln: Doch auch wenn die nach­ge­wiesenen Schadstoffe nicht akut gefährlich sind: Bei einer längeren Be­las­tung drohen gesundheitliche Schäden. Umso ärgerlicher ist es, dass das Testergebnis noch miserabler als beim Buggytest von 2006 ist – da waren von fünfzehn Buggys im Prüfpunkt Schadstoffe wenigstens fünf gut. Doch offenbar sah sich die Branche nach diesen alarmierenden Resultaten und der folgenden Kritik von Medien und Verbrauchern nicht zum Handeln gezwungen. Jetzt müssen die Hersteller dringend nachbessern!

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Stiftung Warentest.

 

 

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