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Wiege der Menschheit
Äthiopien ist ein Land der Kontraste und Extreme: In der Geschichtsschreibung als Abessinien bekannt, reichen seine Kultur und Traditionen über 3.000 Jahre zurück. Noch viel früher lebte hier „Lucy“, deren prähistorische Überreste im Nordosten des Landes gefunden wurden. Die Natur Äthiopiens offenbart einige der höchsten Erhebungen des afrikanischen Kontinents, wie die zerklüfteten Simien Mountains, die zum UNESCO Weltnaturerbe zählen. Auf der anderen Seite findet sich hier eine der tiefsten Senken Afrikas, die mondlandschaftartige Danakil Depression mit ihren eindrucksvollen Schwefel-Fumarolen, 120 Meter unter dem Meeresspiegel gelegen.
Die Bandbreite der Naturlandschaften reicht von afrikanisch-alpinen Hochgebirgen von bis zu 4.300 Metern Höhe, über Moore, das faszinierende Rift Valley, die Quelle des Nils, reißende Ströme, Savannenlandschaften voller Wildtiere und gigantische Wasserfälle, bis hin zu dichtem satt-grünen Dschungel. In den Nationalparks des Landes lassen sich unter anderem Leoparden, Löwen, Kudus, Nilpferde, Gazellen, Antilopen sowie 50 verschiedene Vogelarten bewundern.
Mit mehr als 80 unterschiedlichen Volksgruppen, den dazugehörigen Sprachen und Traditionen ist Äthiopien eine wahre multikulturelle Gesellschaft. Der starke Glaube, religiöse Feste und traditionelle Riten spielen auch heute noch im Alltag vieler Äthiopier eine große Rolle und sind faszinierende Schauspiele für Besucher aus dem Ausland.
Die Äthiopier sind stolz auf ihre alte Geschichte, die bis zu den Anfängen der Menschheitsgeschichte zurückreicht. Das Königreich Axum feierte in der Antike seine Blütezeit; die eindrucksvollen Stelen-Monumente in der Gegend zeugen heute noch von dieser glanzvollen Ära. Von hier aus ist es nicht weit in die Stadt Yeha, von der aus einst die Königin von Saba ihr Reich regierte. Im späten Mittelalter etablierten sich unzählige religiöse Gemeinschaften im Land. Ihr Wirken ist vor allem im heiligen Lalibela mit seinen imposanten, aus massivem monolithischem Gestein gehauene Felskirchen zu bewundern. Von Bahir Dar am Tanasee aus lassen sich zahllose Inselkloster besuchen. In Gondar, der ehemaligen Hauptstadt Abessiniens, erzählen die vielen Festungen von der faszinierenden Geschichte des Landes.
Die heutige Hauptstadt Äthiopiens, Addis Abeba, ist mit ihren mehr als 2 Millionen Einwohnern nicht nur politisches, sondern auch wirtschaftliches Zentrum des Landes. Modernes Afrika mit Wolkenkratzern und eleganten Geschäften trifft hier auf traditionelle Häuser, umgeben von Vieh und Federtier. Überregional ist Addis Abeba mit dem Hauptsitz der Vereinten Nationen in Afrika wichtiger Knotenpunkt für den gesamten Kontinent.
Die Mystik des äthiopischen Hochlands: Äthiopien gilt als eines der ältesten Kulturländer unsere Erde. Besonders der Norden beherbergt ungeahnte Kulturschätze, und meist steckt auch ein Hauch Mystik in der Entstehungsgeschichte. Die atemberaubenden Felsenkirchen von Lalibela, kunstvoll in den Stein gegraben, sollen der Legende nach von Engeln erbaut worden sein und sind imposante Zeugen eines tief verwurzelten Glaubens im ältesten christlichen Land Afrikas. Nicht ohne Grund werden die steinernen Gotteshäuser mit ihren labyrinthähnlichen Tunneln als „Achtes Weltwunder” bezeichnet und zählen seit 1978 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Besonders beeindruckend: die Bete Giorgis Kirche, die eindrucksvoll in Form eines griechischen Kreuzes zwölf Meter tief in den Felsen geschlagen wurde.
Weiter nördlich liegt Axum, Hauptstadt des einst mächtigen axumitischen Königreichs und ehemaliger Herrschersitz der sagenumwobenen Königin von Saba. Hier kann man die mit 24 Metern weltweit höchsten aufrecht stehenden Monolithen der Welt bewundern. In der Kirche der Heiligen Maria von Zion soll angeblich das größte äthiopische Heiligtum, die Bundeslade mit den Zehn Geboten, seit Jahrtausenden versteckt sein. Ein weiteres Highlight im Norden ist Gondar. Schon aus der Ferne sieht man die prächtigen Paläste und Burgen der einstigen Kaiserstadt. Jedes Jahr im Januar pilgern Christen aus allen Landesteilen zum gut erhaltenen Bad von Kaiser Fasilidas (1632-1667), wo die Taufe Christi mit zeremoniellen Tänzen und Musik gefeiert wird. Nicht
weit entfernt staunt man über eine der wohl schönsten Deckenmalereien der christlichen Welt: In der Kapelle Debre Berhan Selassie blicken Dutzende von Engelsköpfen mit großen Augen auf die Besucher herab.
Unberührte Natur und ein bunter Mix aus 80 Ethnien: Die große landschaftliche Vielfalt Äthiopiens geht auf den Großen Afrikanischen Grabenbruch zurück, der vielerorts eine dramatische Naturkulisse hinterlassen hat. Das Simien-Gebirge bietet mit seinen schroffen, bis zu 4.000 Meter hohen Bergen und den bewaldeten Canyons perfekte Bedingungen zum Wandern. Endemische Pflanzen und seltene Tiere wie die majestätischen Blutbrustpaviane sind spannende Wegbegleiter. Der Tanasee im äthiopischen Hochland ist Afrikas höchst gelegener See. Auf schmalen Papyrusbooten transportieren die einheimischen Fischer ihren Fang oder verkehren zwischen den 37 Inseln, einige mit uralten Klöstern und Kirchen bestückt. Eindrucksvoll zeigen sich die Wasserfälle des Blauen Nils. „Tissisat”, rauchendes Wasser, nennen die Äthiopier das gewaltige Naturschauspiel einige Kilometer südlich der Stadt Bahir Dar.
Unberührte Natur und eine Dichte an Völkern, wie sie nirgendwo sonst auf der Welt zu finden ist, erwartet Reisende ganz im Süden Äthiopiens: Archaische Riten, faszinierende Traditionen und farbenfrohe Körperkulte machen eine Reise an den Unterlauf des Flusses Omo zum unvergesslichen Erlebnis. Besonders faszinierend ist
der jeweilige Körperkult, vor allem der der Mursi und Surma, deren Frauen Teller und Pflöcke in Ohren und Lippen tragen und sich Narben als Schönheitsattribute zufügen. Andere Völker schmücken sich phantasievoll mit Federn, Blumen und Steinen oder formen Ihre Haare mit rotem Ton oder einem Gemisch aus Butter und Lehm zu phantastischen Gebilden. Die Bemalung der Haut geht von farbenfroh und wild bis zu herrlich anzusehenden geometrischen Mustern, ein Schauspiel der Farben und Formen! Ein Ritus für Jungen, die auf der Stufe zum Mannsein stehen, ist der Lauf über den Rücken einer Reihe von bis zu vierzig dicht aneinander stehenden Rindern, die so schnell und so sicher wie möglich überwunden werden müssen.
Wussten Sie schon…?
…dass in Äthiopien die Uhren anders gehen?
Auf einen Schlag sieben Jahre jünger sein und 13 Monate Sonnenschein erleben – das geht nur in Äthiopien und ist weit mehr als ein Werbespruch des dortigen Fremdenverkehrsamtes!
Das Land am Horn von Afrika richtet sich nämlich nach einer Sonderversion des Julianischen Kalenders, die unserer gregorianischen Version um sieben Jahre und etwa neun Monate „hinterherhinkt“. Der Unterschied in der Jahreszählung wurzelt in einem Festhalten der Äthiopier am vor - dionysianischen Geburtsjahr Christi. Dieses liegt angeblich 5500 Jahre hinter dem damals angenommenen Datum der Schöpfung. Eine weitere Besonderheit: Statt wie bei uns auf zwölf Monate ist das Jahr in Äthiopien auf 13 Monate verteilt, jeder mit exakt 30 Tagen. Der letzte Monat, ein Schaltmonat besteht nur noch aus fünf bzw. sechs Tagen.
…dass Äthiopien als Wiege der Menschheit gilt?
Zahlreiche archäologische Funde unterstützen die These, dass es am Horn von Afrika schon weit vor unserer Zeitrechnung hoch entwickelte Kulturen gegeben haben muss. Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Fund, der unter dem Namen „Lucy“ um die Welt ging: 1974 machte der US-amerikanische Paläoanthropologe Donald Johanson in Hadar, im Gebiet der Afar im heutigen Nordäthiopien, die Entdeckung seines Lebens: Er stieß auf ein zu zwanzig Prozent erhaltenes Skelett eines etwa 3,2 Millionen Jahre alten weiblichen Hominiden, eines der besterhaltenen und am frühsten datierten hominiden Fossilien, die je gefunden wurden. Lucy erhielt ihren Namen übrigens in Anlehnung an den Beatles-Song „Lucy in the sky with diamonds“, der während der Untersuchung des Skeletts im Forschungscamp lief.
… dass man sich in Äthiopien gegenseitig „füttert“, um seine Anerkennung zu zeigen?
Diese Geste nennt man Gursha. Dabei wird ausschließlich mit der rechten Hand – die linke gilt als unrein – eine kleine Portion des Essens dem Tischnachbarn in den Mund geschoben. Ein Mann bedankt sich zum Beispiel bei seiner Frau auf diese Weise für die Mahlzeit, ein Sohn zeigt dem Vater seinen Respekt und sogar Geschäftspartner beweisen sich so untereinander ihre Anerkennung.
…dass einer der heißesten Orte der Erde in Äthiopien liegt?
Auch wenn Äthiopiens Klima dank der Höhenlage das ganze Jahr recht angenehm ist, werden im äußersten Osten des Landes, in der Danakil Senke, bis zu 150 Meter unter dem Meeresspiegel, unglaubliche Temperaturen von bis zu 60 Grad Celsius gemessen. Genauso extrem zeigt sich auch die Natur: Die Landschaft ist geprägt von Vulkankegeln, die sich gewaltig aus der schwarzen Lavalandschaft zwischen heißen Quellen und Geysiren erheben. Hier, auf der Riftzone des ostafrikanischen Grabenbruchs, liegt auch der Erta Ale, der einzige Vulkan, in dessen Krater sich ein glutroter, aktiver Lavasee befindet. Wie eine Mondlandschaft erstreckt sich der Lake Afrera hoch im Norden der Danakil-Wüste, aus dem seit Urzeiten Salzbarren, die so genannten Amoli, gebrochen werden. Nur das stolze, seit jeher unbeherrschbare Nomaden-Volk der Afar schafft es in dieser unwirtlichen, hyperariden Gegend zu überleben, indem es das „weiße Gold“ gewinnt und in Kamelkarawanen zu den Märkten in höher gelegenen Regionen transportiert.
Kleber PR Network
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Ein Beitrag für ReiseTravel von Mesgebe Werku und Anna Lindemann.
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