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Kuren nach der Methode Schroth
Seit 60 Jahren gibt es die "Original Oberstaufener Schrothkur": Sie gilt als Jungbrunnen, modern ausgedrückt als Anti-Aging-Anwendung.
Wer klopfet so spät bei Nacht und Wind, ja es ist die die mit der Heilpackung kommt. Um vier Uhr Morgens wird Mann oder Frau nach einer Tasse Tee in feuchtkalte Tücher gewickelt, um sich völlig zugeschnürt loszulösen von Schlacken. Anhänger der Kur jedenfalls beschwören immer wieder die verblüffende Leichtigkeit, die während der Anwendung den Körper erfüllen soll. Während dieser Zeit setzt sich die Haut gegen die Kälte mit einer gesteigerten Durchblutung zur Wehr, Wärmflaschen an den Füßen und auf dem Bauch helfen dem Schwitzen zusätzlich auf die Sprünge. Innerhalb kürzester Zeit soll das „Paket Schroth-Kurler“ eine wohlige Wärme empfinden. Im Anschluss an diese Prozedur kann drei Stunden lang wieder geschlafen werden. Diese so genannte Schroth`sche Packung ist jedoch nur eine der vier Säulen die den Erfolg des Naturheilverfahrens garantieren. Andere Bausteine sind die Schroth`sche Diät, die Schroth`sche Trinkverordnung und der Wechsel von Ruhe und Bewegung.
Oberstaufen ist das einzige anerkannte Schroth-Heilbad in Deutschland: Das Prinzip wird schon sehr lange angewandt und basiert in groben Zügen auf dem Heilfasten. Allerdings gibt es wie beim Heilfasten auch hier gewissen Grenzen. Eine Gewichtsabnahme zählt zu den liebsamen Nebenerscheinungen der Kur. Sie kann aber nicht als Diät weitergeführt werden, da sie sonst zur Unterversorgung und Mangelerscheinungen führen würde.
Während der ganzen Kur wechseln sich Trink- und Trockentage untereinander. Dieser Wechsel, zu dem dann jeden zweiten Abend auch ein Schoppen Wein gehört, hat zum Ruf der Schroth-Kur als Säuferkur geführt. Wer wenig ist und dennoch trinkt sollte jedenfalls wissen, was sein Körper verkraften kann.
Wer sich den ganzen Text schon über den wiederholten Rechtschreibfehler gewundert hat, Das "h" hinter dem Schrot weist darauf hin, dass der Namenspatron nicht das Schrot im Sinne von Körnern ist, sondern ein gewisser Herr Johann Schroth, ein Fuhrmann aus Schlesien. Nach einem Pferdetritt soll er ein steifes Knie bekommen haben und konnte sich mithilfe dieser Wickel heilen. Dieses Phänomen hatte er bereits seit längerer Zeit bei den Tieren bemerkt. Krankes Vieh verweigerte die Nahrung - das brachte ihn auf die Idee, dieses Prinzip auf den Menschen anzuwenden. 1829 führte er das Verfahren in Niederlindewiese, heute Dolni Lipova in Tschechien ein und galt bald als Wunderdoktor.
Einer der Kurärzte in Niederlindewiese vor dem 2. Weltkrieg war Dr. Hermann Brosig. Nach seiner Kriegsgefangenschaft in England kam er 1947 als einzig überlebender Schrothkur-Arzt nach Oberstaufen. Unter anderen vertriebenen Sudetendeutschen in der Region sammelte er Fachpersonal und konnte 1949 bereits wieder die ersten Schrothkuren durchführen.
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Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.
Unsere Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich. Sabine Erl befasst sich schwerpunktmäßig mit Themen aus dem Bereich Geschichte, Biographien, Brauchtum, Esoterik, Botanik und Reisen.
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