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Berlin

Medikamente gegen Vergiftung durch radioaktives Cäsium und Plutonium

In Deutschland beobachten die Menschen mit Sorge die Entwicklung in den zerstörten Atomreaktoren in Japan, aus denen bereits Radioaktivität ausgetreten ist. Doch trotz der intensiven Berichterstattung über diese Ereignisse, ist bisher der Eindruck entstanden, dass es kein wirksames Gegenmittel gegen eine radioaktive Vergiftung durch Cäsium und Plutonium gibt, oder dass im Zweifelsfall eine Jodeinnahme helfen könnte.

Jodverabreichungen helfen nur bei radioaktivem Jodaustritt: Es gibt weitere wirksame Gegenmittel gegen Vergiftungen, die durch die Aufnahme anderer radioaktiver Substanzen im Körper hervorgerufen werden. Diese Gegenmittel sind von deutschen und ausländischen Behörden zugelassen und werden in den Schriften des Bundesamts für Strahlenschutz, der WHO oder des amerikanischen National Council on Radiation Protection and Measurements empfohlen.

Sie werden von der Berliner chemisch-pharmazeutischen Fabrik Heyl hergestellt und weltweit vertrieben. Die Firma Heyl steht dabei in einer langen Tradition des Helfens. Gegründet im 18. Jahrhundert, ist die Firma Heyl seit den 1960er Jahren Weltmarktführer bei Arzneimitteln mit Berliner Blau, die gegen Cäsium-Vergiftungen eingesetzt werden. Auch DTPA-Präparate, die gegen Plutonium-Vergiftungen helfen, gehören neben weiteren Antidota ins Produktsortiment. Die darin enthaltenen Wirkstoffe binden die Giftstoffe, die dadurch schneller aus dem Körper ausgeschieden werden. So wird die Strahlenbelastung durch diese Radionuklide verringert.

Angesichts der Katastrophe in Japan und aus langjähriger Verbundenheit mit dem Land bietet die Firma Heyl der japanischen Regierung das Gegenmittel DTPA zur Behandlung der freiwilligen Helfer, die versuchen den Super-GAU noch aufzuhalten, als kostenlose Hilfeleistung an.

Heyl steht, zusammen mit ihrem Kooperationspartner in Tokio, bereits seit langer Zeit mit der japanischen Regierung in Verbindung wegen der Versorgung mit Antidota.

Die amerikanische Regierung betreibt seit Jahren eine Vorratshaltung mit Berliner Blau der Firma Heyl. Gerade nach den Anschlägen vom 11. September wuchs in den USA das Bewusstsein, dass neben Reaktorunfällen auch Terroranschläge mit „Dirty Bombs“ auf US-Einrichtungen oder in den USA selbst durchaus möglich sein könnten.

Obwohl Unfälle mit radioaktivem Cäsium glücklicherweise sehr selten sind, gibt es auch praktische Erfahrungen mit der klinischen Anwendung von Berliner Blau. So wurden 1987 bei einem Strahlenunfall in der brasilianischen Stadt Gioâna viele Menschen mit radioaktivem Cäsium vergiftet. 46 davon wurden mit dem Gegenmittel von Heyl erfolgreich behandelt.

Die Herstellung des Wirkstoffs Berliner Blau und anderer Antidota erfolgt in dem Tochterunternehmen der Firma Heyl im thüringischen Apolda. Vor dem 11. September wurden nur wenige Tausende Packungen mit Berliner Blau und DTPA fertig gestellt. Aber aus der langen Firmen-Tradition heraus hat Heyl an diesen Nischenprodukten festgehalten – immer in der Hoffnung dass nie eintreten möge, wogegen sie bestimmt sind.

www.heyl-berlin.de

 

Von Anne Jacobs und Christopher Hauss, www.menschen-fuer-medien.de

 

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