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Mehr Geld für Zähne
Elf Millionen Bundesbürger haben eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen. Das sind mehr Menschen als in Bayern oder Baden-Württemberg leben. Über drei Millionen von ihnen haben den Vertrag in den vergangenen drei Jahren unterzeichnet. Wie kommt das?
Der Run auf diese Versicherung hat mit drei Dingen zu tun:
Erstens mit einem Schönheitsideal. Die Menschen wollen ein schönes Lächeln mit strahlenden Zähnen. Und sie suchen nach einer Möglichkeit, das zu finanzieren. Deutlich mehr Frauen als Männer haben eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen. Zahnärzte berichten heute von immer mehr Patienten, die im erwachsenen Alter ihr Gebiss richten und verschönern lassen wollen.
Zweitens hat der Staat ab dem Jahr 2005 mit einer Gesundheitsreform die Regeln für die Finanzierung von Zahnersatz für die 70 Millionen Kassenpatienten geändert - in den meisten Fällen zu deren Ungunsten. Beim Zahnersatz zahlen die Kassen nur noch einen Festzuschuss, hier kann es für den Patienten seither besonders teuer werden. Wer Zahnersatz aus höherwertigen Materialien wünscht, Inlays oder Implantate, muss kräftig draufzahlen.
Und drittens hat der Gesetzgeber damals den Krankenkassen erlaubt, bei ihren Mitgliedern Werbung für private Zahnzusatzversicherungen zu machen. Die Kassen dürfen für ihre Mitglieder Rahmenverträge abschließen, die den Kassenpatienten einen Preisvorteil bei der Suche nach einer Zahnzusatzversicherung über die eigene Kasse gewähren sollen. Die Logik hinter diesem Doppelschritt hat der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder im März 2003 in einer Regierungserklärung so beschrieben: "Ich möchte nicht, dass man den sozialen Status von Menschen wieder an den Zähnen ablesen kann."
Fast jeder Kassenkunde hat in den vergangenen drei Jahren Werbung für ein solches Angebot im Briefkasten gefunden. Und Millionen haben das Angebot auch wahrgenommen. Dabei ist die Entscheidung für den richtigen Tarif nicht leicht und der Weg zum guten Zusatzschutz längst nicht für jeden gangbar.
Wer schon schlechte Zähne hat, bekommt nur schwer einen guten Schutz. Die privaten Versicherer können Kunden mit schlechten Zähnen ablehnen. Auch wer einen Vertrag bekommt, kann die Versicherung nicht für die Beseitigung von Zahnproblemen nutzen, die bei Vertragsschluss bereits bestanden.
Wer früh genug dran ist und noch keine Probleme mit seinen Zähnen hat, kann zwischen rund 80 privaten Angeboten wählen. Allein Karstadt-Quelle ist mit 15 Angeboten auf dem Markt - von "guten" bis nur noch "ausreichenden" Tarifen.
Die rund 80 unterschiedlichen Tarife privater Versicherer hat Finanztest für diesen Test untersucht. Und zusätzlich haben wir 60 Angebote bewertet, die exklusiv den Kunden bestimmter gesetzlicher Kassen angeboten werden.
An guter Leistung Interessierte sind besser beraten, wenn sie sich direkt bei den Angeboten der privaten Unternehmen umsehen. Denn diejenigen Tarife, die die Krankenkassen ihren Mitgliedern vermitteln, bieten meist nicht die beste Leistung auf dem Markt.
Die meisten Versicherungsangebote bieten nur "befriedigende" oder "ausreichende" Leistungen für Zahnersatz. Bei nur drei Angeboten konnten wir das Leistungsversprechen mit "Sehr gut" bewerten. Das sind der Tarif Prodent der Central, der Tarif ZG der Barmenia, und die Tarifkombination Flexib ZE Top + ZB des Schweizer Versicherers CSS. Diese Policen verkauft die CSS - mit 1,6 Millionen Versicherten zweitgrößter Anbieter auf dem Schweizer Markt - von Liechtenstein aus auf dem deutschen Markt.
Wichtig ist, in welcher Höhe sich ein Zusatzversicherer an den Kosten für Kronen, Brücken oder Implantate beteiligt.
Den Vergleich zwischen den Leistungen der Tarife kann man sehr gut in Euro beschreiben.
Welche Versicherung bietet die besten Leistungen? Wir haben festgestellt: Die Unterschiede bei den Leistungen der Zahnzusatzversicherungen sind enorm. So erstattet bei unserem Modellbeispiel der beste Anbieter für ein Zahnimplantat über 1.700 Euro. Beim schlechtesten Anbieter bekommt der Verbraucher für diese Versorgungsform überhaupt keine Erstattung, d.h. er muss die komplette Behandlung selbst bezahlen.
Die Leistungsunterschiede sind besonders groß bei aufwändigen und sehr teuren Behandlungen. Aber auch bei nicht so aufwändigen Behandlungen lohnt es sich, die richtige Versicherung zu haben.
Bei einer vollverblendeten Metall-Keramik-Krone, bei der der Eigenanteil des Versicherten bei 347 Euro liegt, erstattet eine "sehr gute" Versicherung immerhin 307 Euro, eine weniger gute gerade einmal 41 Euro.
Bei einem zweiflächigen Inlay bekommt man bei einer Versicherung den gesamten Eigenanteil von rund 290 Euro erstattet, eine andere zahlt keinen einzigen Cent.
Allerdings muss der Verbraucher wissen, dass auch eine "sehr gute" Zusatzversicherung nicht alle zusätzlichen Kosten der Privatversorgung abdeckt. Meist muss zumindest ein Teil der Kosten selbst übernommen werden. Bei den preiswerteren Behandlungen tragen einige Tarife die vom Verbraucher zu zahlenden Restkosten allerdings vollständig, wie das Beispiel des Inlays zeigt.
Wesentlich geringer als bei den Leistungen der Versicherer sind die Unterschiede bei den monatlichen Beiträgen, die für die Versicherungen zu zahlen sind. "Sehr gute" Zahnzusatz-Leistungen gibt es für den 43-jährigen Mann in unserem Modellfall schon ab 19 Euro monatlich und ab 24 Euro für die gleich alte Frau. "Gut" bewertete Tarife gibt es bereits ab 12 bzw. 13 Euro pro Monat. Auch die teuersten Versicherungen im Test - die allerdings bei den Zahnzusatz-Leistungen nicht die besten waren - verlangten nur einen monatlichen Beitrag von 26 bzw. 34 Euro. Allerdings liegt der preiswerteste Tarif im Test, für 3 Euro im Monat, auch bei den Leistungen ganz hinten.
Frauen zahlen in der Regel einen höheren Beitrag, da sie laut Statistik auch höhere Kosten verursachen.
Eine nennenswerte Ersparnis bringen die Angebote der eigenen gesetzlichen Krankenkasse nicht. Wichtiger ist es, einen passenden, leistungsstarken Tarif zu wählen.
Wie haben wir diese Ergebnisse ermittelt?
Die Untersuchung: Wir haben die Zahnzusatzversicherungen aller privaten Krankenversicherer untersucht, die auf dem deutschen Markt tätig sind und deren Angebote allen Personengruppen offen stehen. Dabei wurden auch solche Tarife einbezogen, die ausländische Versicherer aus den Nachbarstaaten Deutschlands direkt vom Ausland aus anbieten, sofern das deutsche Versicherungsrecht gilt und deren Versicherungsbedingungen in deutscher Sprache vorliegen. Zusätzlich haben wir Angebote berücksichtigt, die nur für die Versicherten in bestimmten allgemein geöffneten gesetzlichen Krankenkassen erhältlich sind.
Allerdings wurden keine Kombinationen mit anderen Angeboten der privaten Krankenzusatzversicherung, die z.B. zusätzlich eine Kostenübernahme bei Krankenhausbehandlungen, Brillen oder Heilpraktikerleistungen bieten, untersucht.
Die Bewertung: Bewertet haben wir die Leistungen eines Tarifes für Zahnersatz, also für Kronen, Brücken und Prothesen sowie Inlays und Implantate. Dabei haben wir auch bewertet, ob es jährliche Obergrenzen für die Versicherungsleistung gibt. Fast alle Versicherer begrenzen ihre Leistungen in den ersten Jahren, einige Versicherer haben auch nach drei oder mehr Jahren noch sehr niedrige Obergrenzen. Je niedriger diese Grenzen sind, desto negativer haben wir es bewertet.
Fazit: Jeder, der an einer höherwertigen zahnärztlichen Versorgung interessiert ist, sollte sich frühzeitig um eine gute Versicherung kümmern. Frühzeitig, weil die Tarife bei höherem Eintrittsalter meist teurer werden und weil man keinen Vertrag mehr bekommt, wenn die Zähne schon zu schlecht sind. Unser Test hilft, die richtigen Versicherungen zu finden. Wichtig ist, nicht das erstbeste Angebot, das über die eigene gesetzliche Krankenkasse vermittelt wird, zu nehmen, sondern genau den eigenen Bedarf zu prüfen. Unsere Testsieger bieten alle insgesamt sehr hohe Leistungen. Zusätzliche Detailinformationen zu den Leistungsunterschieden der verschiedenen Versorgungsformen werden im Test ausführlich erläutert.
Ein Beitrag für ReiseTravel von Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur Finanztest und Stephan Kühnlenz, Leiter der Abteilung Finanzdienstleistungen. www.test.de












