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Hamburg

Rollender Reisejournalist

Es zählt, was man kann. Nicht, was man nicht kann: Rehabilitation ist eine der Hauptauf­gaben der VBG – Verwaltung Berufs Genossenschaft. Doch was verbirgt sich h inter diesem abstrakten Begriff?


Durch einen Unfall querschnittgelähmt zu werden bedeutet dagegen, in der Rehabilitation ein neues Leben zu erlernen. Die VBG unterstützt ihre Versicherten mit gezielten Maßnahmen, damit diese auch nach schweren Unfällen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Dazu gehören neben der medizinischen auch die berufliche und die soziale Rehabilitation.

„Expeditionen mit Rollstuhl – wie geht das denn?“, fragt man sich, wenn man Bilder von Dominik Peter auf Reisen sieht. Seit einem Ar­beits­unfall ist der 40-Jährige gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Doch die Reisen sind kein Erholungsurlaub, sondern Peters Job. „Schon während des Stu­diums, das ich teilweise im Ausland absolviert habe, habe ich Reise­be­richte veröffentlicht. Doch Reisebe­richte haben nicht nur Spaß gemacht, sondern wurden im Lauf der Zeit regelrecht zum zweiten Job. Später war ich dann leitender Re­dak­teur eines unabhängigen Redak­tionsbüros. Zu diesem Zeitpunkt passierte der Unfall in der Domini­kanischen Republik“, erzählt Peter.
Der Traumjob hat Peter in den Roll­stuhl gebracht: 1998 war Dominik Peter auf einer Pressereise in der Karibik. Als er Fotos von einer kleinen Insel schoss, stürzte ein etwa 250 kg schwerer Ast eines Urwald­baums auf Dominik Peter und zertrümmerte seinen 9. und 10. Brust­wirbel – Diagnose Querschnittlähmung. Die VBG als Unfall­ver­si­che­rung auch für Redaktionsbüros übernahm zunächst die unfallbedingten Rückflugkosten, weil eine Behand­lung in der Dominikanischen Repu­blik nicht möglich war. Auch die an­schließenden Krankenhaus- und Re­ha­kosten hat die VBG übernommen. Doch den Job im Redaktionsbüro konnte Peter nicht weiter ausüben. Nach der Reha erwies sich ziemlich schnell, dass die Anforderungen an die bisherige mobile und temporeiche Tätigkeit mit oftmals nicht planbaren Einsätzen in einer Festanstellung nicht mit der Situation als Rollstuhlfahrer zu vereinbaren waren. „So entschied ich mich für die Selbstständigkeit“, so Peter. Mit Erfolg, denn seit 2002 ist er wieder als Reisejournalist tätig – aber diesmal freiberuflich.

 

Der neue Start in die berufliche Selbstständigkeit


Die VBG hat Peter bei der Wie­der­eingliederung in den Beruf unterstützt. Was sich sehr theoretisch an­hört, ist aber sehr schnell erklärt: „Ei­ner­seits hat die VBG meinen Start in die berufliche Selbstständigkeit mit ei­nem persönlichen Budget für Ar­beits­mittel gefördert, die auf mich als Rollifahrer abgestimmt sind. An­der­erseits wurden für meine Reise­tätigkeit relevante Hilfsmittel – wie beispielsweise ein Reise-Duschroll­stuhl – von der VBG finanziert“, be­schreibt Peter die Hilfe. Begleitend kann Dominik Peter ebenfalls die Hilfe eines Assistenten in Anspruch nehmen. „Diese Assistenz ist eine unerlässliche Hilfe zur Bewältigung der zig kleinen und großen Hin­dernisse des Arbeitsalltags. Sie gibt mir ein erhebliches Maß an Selbst­ständigkeit zurück.“
Für seine letzte Reise erhielt Domi­nik Peter einen Förderpreis der Ver­wertungsgesellschaft Bild-Kunst, ei­ner Berufsorganisation von Foto­grafen und Künstlern. Peter hat es sich bei diesem Projekt zur Aufgabe gemacht, die Arbeit als rollstuhlfahrender Fotograf zu dokumentieren.

 

Dominik Peter

 


 

Die Welt im Sitzen – Streifzüge durch die Tempelanlagen von Angkor Wat, Bagan und Borobudur“ lautet der Titel seines Bildbandes. Die Tempel­anlage Borobudur in Indonesien hat Peter mit örtlichen Trägern und Hel­fern erklommen. Zweiter Höhe­punkt der Reise war die Ebene von Bagan in Burma mit ihren über zweitausend Pagoden. Die Schönheit der Region hat Peter von einem Heiß­luftballon aus mit der Kamera eingefangen. Und um die Tempelanlage An­gkor Wat in Kambodscha im Bild fest­zuhalten, ist Peter in einem ge­charterten Helikopter über die An­lage geflogen. Dominik Peter erklärt: „Gerade Menschen mit Behinde­run­gen müssen viel Durchsetzungs­vermögen und Ausdauer aufbringen, um ihr Leben selbstbestimmt und ihren persönlichen Fähigkeiten entsprechend auszurichten. In diesem Sinn soll diese Dokumentation ein ermutigendes Beispiel setzen, dass es möglich ist, eigene und von außen gesetzte Grenzen zu hinterfragen und für sich selbst neu zu definieren.“

Nach beruflichen Reisen durch Australien, Vietnam, Kambodscha und Griechenland antwortet Peter auf die Frage nach den größten Hindernissen für einen rollenden Reisejournalisten: „Es gibt keine und wenn, sind es die im Kopf! Bei meinen Reportagen in Text und Bild für Reisemagazine bekommt der Leser ja gar nicht mit, dass der Autor im Rollstuhl sitzt. Jetzt drehe ich den Spieß um und zeige auf, wie es überhaupt zu den tollen Bildern kommt, die letztendlich im Magazin landen.“

Eine genaue Planung ist dennoch für die Reisen unerlässlich. Dominik Peter klärt bereits vor Antritt der Reise sehr genau, welches Hotel am ehesten in Frage kommt (Stufen am Eingang, zum Zimmer). Genauso wichtig ist es für ihn, die sehr häufig vor Ort angebotene Hilfe zu akzeptieren: „Gerade in Ländern der so genannten Dritten Welt, die weniger auf die Bedürfnisse von Behinderten ausgerichtet sind, ist die Hilfsbereitschaft enorm.“

 

Wer hätte gedacht, dass hinter vielen Fotobeiträgen in Reisemagazinen ein rollender Reisejournalist steckt?

 

 

 



Kontakt

 

VBG – Verwaltungs Berufsgenossenschaft
Deelbögenkamp 4, D-22297 Hamburg

www.vbg.de

 

ReiseTravel Autorin Daniele Dalhoff (e-Mail: daniela.dalhoff@vbg.de) arbeitet als PR-Referentin bei der VBG-Verwaltungs Berufsgenossenschaft Hamburg.

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