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Frankfurt

Selbstbestimmtes Leben im Alter

Dieser Tage stellte der VDE Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik e.V. Frankfurt am Main in Berlin seine Überlegungen zu einem selbstbestimmten Leben im Alter vor. Unter der Überschrift „Ambient Assisted Living (AAL) wurden unter Einbindung verschiedener Institutionen Ideen entwickelt, um mit Hilfe von Assistenzsystemen ein selbstbestimmtes Leben im Alter zu ermöglichen. Da absehbar ist, dass eine alternde Bevölkerung, insbesondere in den Industrie- und Schwellenländern, gerade im häuslichen Bereich in den späten Lebensjahren einer umfassenden Betreuung bedarf, fördert die EU das AAL-Programm mit etlichen Millionen EURO. Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird in einem eigenen Förderprogramm in den nächsten Jahren erhebliche Mittel für die Entwicklung von Ambient Assisted Living-Systemen bereit stellen.

 

Um eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu gewährleisten, sollen technische Lösungen gefunden werden, die es möglich machen, dass auch ein in seiner Mobilität eingeschränkter Mensch allein in seiner Wohnung leben kann. Allerdings soll damit keine ständige Überwachung durch Kameras verbunden sein. Gedacht ist an die Entwicklung neuer Dienstleistungen, wobei die Infrastrukturtechnologie Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), wie RFID (Radio Frequency Identification), Wireless LAN oder Power-Line, eine große Rolle spielt. Erinnerungssysteme zur Medikamenteneinnahme, Sicherheits- und Notfallsysteme sowie Beratungs- und Informationsdienste sollen den Menschen mehr Selbständigkeit, Komfort und Sicherheit geben. In vielen Lebensbereichen ist IKT bereits vorhanden. So wird ein durchschnittlicher Mittelklassewagen durch zirka 70 Prozessoren und Assistenzsysteme geregelt und gesteuert. AAL soll den menschlichen Umgang ergänzen, aber nicht ersetzen. Sensorsysteme können Stürze in der Wohnung erkennen und Hausarzt, Angehörige oder Rettungsstellen informieren. Wie Professor

Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen von der Charité Berlin ausführte, soll das AAL-System die Alltagskompetenz der alten Menschen unterstützen, ihre Vitalfunktionen beobachten und überwachen, sie z. B. an ausreichendes Trinken und durchzuführende Krankengymnastik erinnern.

 

Wie eine Studie gezeigt hat, sind auch über 80 Jahre alte Menschen durchaus in der Lage, mit moderner Technik umzugehen. Zudem ist die ältere Generation von morgen im Umgang mit IT groß geworden und durch Berufstätigkeit im Umgang mit der Technik geübt. Allerdings könnte die Akzeptanz der Assistenzsysteme in Deutschland nicht so groß sein wie in den USA oder in Japan, wo bereits Haushaltsroboter im Pflegebereich im Einsatz sind.

 

Professor Dr.-Ing. Stefan Jähnichen vom Fraunhofer Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik Berlin führte aus, dass bei AAL-Lösungen die Informations- und Kommunikationstechnik  besonders wichtig sei, sie müsse jedoch bedarfsgerecht entwickelt werden und praktikabel und leicht bedienbar sein. Es muß aber noch weiter experimentiert werden, was machbar ist und was gewünscht wird.

 

Der Vorstandsprecher vom Sozialwerk St. Georg, Gelsenkirchen, das in Nordrhein-Westfalen ein vielfältiges Dienstleistungsspektrum in den Bereichen Wohnen, Arbeit und Freizeit für Menschen mit geistigen Behinderungen, psychischen Erkrankungen und sozialen Schwierigkeiten bietet,  berichtete, dass man sich bereits seit Jahren mit der Problematik der Behindertenhilfe beschäftigt. Auf jeden Fall muß der individuelle Hilfebedarf berücksichtigt werden. Hilfe soll nicht nur bei der Pflege, sondern auch bei haushaltsnahen Dienstleistungen gewährleistet werden. Dazu muß geklärt werden, welche Systeme in die jeweilige Wohnung eingebaut werden sollen, wobei Qualitätsstandards eingehalten werden müssen.

 

Bisher stehen die Gesundheitskassen der Betreuung älterer Menschen noch skeptisch gegenüber. Durch den demografischen Wandel wird sich der Anteil der über 65jährigen von 19 Prozent im Jahr 2005 voraussichtlich auf 29 Prozent, d. h. laut Statistischem Bundesamt auf rund 22 Millionen Menschen, im Jahr 2030 erhöhen. Damit  wird auch die Anzahl der Pflegedürftigen ansteigen. Schätzungen gehen von einer Zunahme um zirka 50 Prozent bis 2030 aus. Bislang werden noch etwa zwei Drittel aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Im Vergleich zu den monatlichen Kosten einer Heimunterbringung sind die Kosten für eine mit AAL ausgestattete Wohnung mit ambulanter Betreuung günstig.

 

Natürlich ist dazu die Ausstattung der Wohnung mit entsprechender Technik notwendig. Die Investition für die ergänzende Technik einschließlich Vernetzung und der erforderlichen Endgeräte schätzt der VDE auf 100.000 bis 150.000 EURO pro Wohnung. Die Finanzierung dieser Technik sollte nicht nur durch die Sozialversicherungssysteme, die dadurch Heim- und Pflegekosten sparen, sondern auch in Eigenverantwortung der älteren Menschen erfolgen. Denkbar sei auch eine staatliche oder kommunale finanzielle Unterstützung für Um- und Einbauten, die das selbständige Leben erhalten.

 

Kontakt

 

VDE Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik e.V.

Stresemannstrasse 15, D-60596 Frankfurt am Main

Tel.: 069/63 08 0 – Fax 0069/631 29 25, service@vde.com

 

www.vde.com

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press.

 

 

 

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