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Ayurveda in Tirol
Wer nach Tirol reisen will, möchte Berge sehen, im Sommer möglichst noch mit Schnee bedeckt, klare Seen, tiefe Täler und Schluchten. Was verbindet uns neben Wandern und Skilaufen noch mit dem zauberhaften Teil der Alpenrepublik?
Freundlichen Menschen, gemütlichen Restaurants und Kneipen, in denen fast alles lecker ist, und die so manchen fröhlichen Abend versprechen. Und frühmorgens dann, wenn man Glück hat und die richtige Behausung im Kufsteiner Land, steigen vorm Balkon die Nebel auf und heraus klettern die Berge, z.B. der "Wilde Kaiser" im Kufsteiner Land. Und der glüht, was das Zeug hält. Manchmal präsentiert er sich auch silbern, öfter auch umwölkt und grau, und manchmal ist er gar nicht zu sehen, so wie das Wetter das Schauspiel inszeniert. Fotografiert wird allemal von jedermann und wenn möglich, rund um die Uhr im Wechsel der Tageszeiten und Beleuchtungen und Belichtungen.
Szenenwechsel

Der Blick zum Wilden Kaiser aus allen Zimmern ist einmalig, zu allen Tageszeiten. Und Wetter ist immer
Fernöstliche Lebensphilosophien, gar Heilmethoden, innere Einkehr, anhalten und sich verlangsamen, dem Körper eine Auszeit geben, ihn entschlacken, die Ernährung umstellen - asiatische Gepflogenheiten, die kennen zu lernen unsereins bislang nach Indien, Sri Lanka oder Indonesien reiste - das scheint hier zwischen den Schluchten und Seen doch etwas abwegig. Aber es gilt, wie der gespannte Berichterstatter erfahren soll, das Kontrastprogramm und der Spruch: Warum in die Ferne schweifen...
Hotel „Sonnhof“ Hinterthiersee
Der Sonnhof am Berghang den ganzen Tag von der Alpensonne bestrahlt
Gleich hinter der österreichisch-bayrischen Grenze, 90 Autominuten vom Münchner Flughafen entfernt, findet sich das bisher Ungewöhnliche: Ayurveda in Tirol. Wenige Kilometer hinter Bayrischzell, oben auf dem Berg in 850 Meter über dem Thiersee und dem gleichnamigen Ort, in Hinterthiersee liegt der "Sonnhof", auf den von Ost bis West die Sonne scheint, wenn sie scheint. Aufs erste eine typisch österreichische Herberge, stolz mit viel Holz und Verzierungen geschmückt, mit Balkons und Brüstungen und den unvermeidlichen Geranien rundherum, die hierzulande so üppig aus den Kästen ranken, wie nirgendwo und keiner weiß, woher die ihre Kraft nehmen. Auf den zweiten Blick fällt ein moderner Anbau ins Auge. Über die Liegewiese geklettert und einen Blick durch die großen Glasschiebetüren riskiert in eine feine kleine und edle Schwimmhalle. Später erfährt und erlebt der Besucher, der auf ein Schnupperwochenende gekommen ist: das ist Teil des exklusiven Spa- und Ayurvedabereichs mit mehreren Saunen, einem Yoga-Rund, das so genannte „Om Oval, “ Massage- und Behandlungsräumen und natürlich auch mit einem Fitnesscenter, ebenfalls klein und fein. Aber der Reihe nach.
Eine Auszeit nehmen

Im Sonnhof-Spa lockt für jeden Gast die komfortable Schwimmhalle nebst Saunabereich
„Das Leben wird zunehmend von Hektik und Stress in Beruf und Alltag bestimmt“, meint der Hotelchef Johann Mauracher zur Begrüßung. Daher sei es geboten, Auszeiten zu nehmen, um Körper, Geist und Seele neue Energien zuzuführen. „Bei uns im Sonnhof haben Sie die Möglichkeit, durch unsere ganzheitlichen Methoden zu entspannen, das Leben zu entschleunigen und durch Kuren und Anwendungen sowie einer gesunden Ernährung zu neuen Kräften zu kommen.“
Mit seiner Frau Brigitte und seinen Kindern hat er Geld, Zeit und Kraft und fachliche Ausbildung investiert - um bisher etwas einmaliges in Österreich aufzubauen, ein Ayurveda & Spa Resort, so wie man es bisher nur aus Asien kennt, freilich vermischt mit der alpenländlichen Landschaft und Kultur. Und das macht schon mal aufs Erste den Reiz des Familienunternehmens aus. Die Zimmer und Suiten sind in warmen Erdfarben gehalten, total entspannend. Natürliche Materialien und Designs, auch im Sauna- und Behandlungsbereich, steigern das Wohlbefinden. Das Wintergartenrestaurant mit seinem Blick auf das Bergmassiv des Wilden Kaisers und seinem kleineren Bruder, den Zahmen Kaiser, bietet ein großes Frühstück, zu Mittag eine kleine Mahlzeit vom Salat Buffet und am Abend ein 5-gängiges Wahl-Menü. „Frische und natürlich belassene Produkte zu verarbeiten, sind oberste Priorität unserer Küche“, sagt der Chef, und man schmeckt das auch.
Fernöstliche Heilmethoden im Kufsteiner Land: Jetzt müssen wir etwas über Ayurveda lernen, weil gleich am ersten Abend auch ein ayurvedisches Gericht serviert wird, und am nächsten Morgen in aller Frühe schon Behandlungen mit einem Yoga Training im Om Oval beginnen sollen. Das übernimmt Frau Muracher, Ayurveda-Fachfrau und Yoga-Lehrerin, die die Behandlungen im Haus managt, überwacht und selbst Hand anlegt, mal zart und feinfühlend, mal kräftiger, je nach Befindlichkeit des Gastes und Charakter der Therapie.
Wir erfahren zunächst: Ayurveda unterscheidet drei Typen von Menschen und differenziert danach die Behandlungsmethoden. Diese „Drei Doshas” genannten Regulationsprinzipien prägen unsere individuellen körperlichen, geistigen und seelischen Eigenschaften. Wenn die Harmonie der Doshas gegeben ist, so sind wir nach Ayurveda gesund und glücklich.
VATA wird jener Typ Mensch genannt und charakterisiert, der schlank gebaut ist, wenig wiegt, sehr flexibel und ständig in Bewegung ist. Es handelt sich um einen schnellen Denker, der auch wieder schnell vergisst und meist ängstlich reagiert.
PITTA ist ein Typ von durchschnittlicher Figur, agil und entscheidungsfreudig, führt gerne, verliert schnell die Fassung und reagiert oft cholerisch.
KAPHA. Dieser Mensch ist groß schwer, verfügt über einen ruhigen Charakter, bleibt bei Stress-Situationen ausgeglichen, neigt nicht zur Hektik, vielmehr zu Müßiggang. Geduld, Seelenstärke und Sanftmut zeichnen Sie aus.
Die so genannten „die fünf Handlungen“, so erklärt man uns, bedeuten die bekannteste ayurvedische Reinigungskur. In dieser Therapie seien die wirksamsten Methoden zur tief greifenden körperlichen und seelischen Entschlackung zusammengefasst. Sie sei ein wahrer Jungbrunnen für Körper, Geist und Seele. Und im ausführlichen Prospekt der auch im Internet abrufbar ist, einschließlich verschiedenster Programme, Preise und Specials (tirol-ayurveda.at) liest sich das so: „Durch innere und äußere Ölanwendungen, Wärmeanwendungen, individuelle Ausleitungsmethoden, Heilkräuter, Heildiät und eine bestimmte Tagesroutine werden überschüssige DOSHAS aus dem Körper ausgeleitet. Alle Schlackenstoffe (ayurved. AMA) werden gelöst und Umweltgifte ausgeleitet, sodass die inneren Kanäle (ayurved. SHROTAS) wieder durchgängig werden.“ Dadurch würde die Selbstheilungskraft des Körpers wieder zu 100% arbeiten, lesen wir, und man sei imstande, sogar im Alter zunehmend leistungsfähiger zu werden.
Na bitte, wer wollte das nicht!
Reinigung für Körper Seele: Eine 10-tägige Kur – es gibt auch kürzere Arrangements - geht in etwa so:
Arztkonsultation und Pulsdiagnose, Snehana - Ghee trinken zum Lösen der Schlacken, Virecana - Reinigungstag, Synchronmassagen mit warmen Kräuteröl, Udvartana-Stempel- und Seidenhandschuhmassage, Nasya – Akshitarpana- Bauchmassage, Shirodara - sanfter Stirnguss, Fußmassage, Swedana - Heilschwitzbad, Kräuter- und Entgiftungsbäder, Bastis – Öleinläuf, Heißwassertrinkkur mit Ingwerwasser, Wandern für Körper und Seele ,Yoga, Meditation, freie Benutzung des Ayurveda & Spa Resort. Und das alles für ca. 1.490 Euro pro Person. Verpflegung inbegriffen. Und die ist nicht ohne.
Nach der ayurvedischen Wissenschaft ist die Ernährung ein ergänzender Bestandteil der Medizin. Eine spezielle Diät, in Übereinstimmung der ärztlichen Diagnose und der empfohlenen Behandlung, vollzieht eine der wichtigsten Therapien des Ayurveda.
Zum Frühstück gibt’s frische Früchte, ayurvedischen Dinkelbrei mit warmem Obst, Kräuteraufstriche, Vollkornbrot, Lassi, Summer- Delight- Drinks, Wabenhonig, Joghurt und vieles mehr. Wir dürfen dann sogar mal in die Küche. Der indische Koch, ein Vollprofi der ayurvedischen Küche und unverzichtbare Persönlichkeit im Personal, ist freundlich und auskunftsfreudig, obwohl er sich nicht jedes Geheimnis abringen lässt. Es ist schließlich sein Betriebskapital.
Aber immerhin so viel: Ayurvedische Speisen und Getränke werden nach Geschmack klassifiziert - süß, sauer, salzig, scharf, bitter und astringierend (zusammenziehend) - und dadurch auch nach ihrem Einfluss auf die Doshas (die Körper-Energien). Ziel sei es, jeden Geschmack bei jeder Mahlzeit vertreten zu haben. Die Büchsen und Schalen und Flaschen mit exotischen Ölen, Gewürzen und Zutaten stapeln sch auf den Regalen, aus Töpfen und Pfannen riecht es köstlich. Wir probieren gleich mal, noch etwas skeptisch, das Hirsesteak. Nicht schlecht, Herr Specht, und schon wollen wir wissen, wie es hergestellt wird.
Das Rezept bleibt aber das Geheimnis des Reporters mit der Aufforderung, sich vielleicht mal selbst auf die Räder und kundig zu machen. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Ein Schnupperbesuch im „Sonnhof“ kann freilich nur ein paar Sorgenfältchen glätten, immerhin aber außerordentliches Wohlgefühl erzeugen, bei Yoga, Wanderungen in der klaren Bergluft immer mit Blick auf den „Kaiser“, in den drei auf die Doshas abgestimmten Saunen oder bei der Massage mit heißem Öl und anschließendem Verweilen unter einem Dampfzelt. Es ist ganz easy und entspannt. Da bekommt man ein Ahnung davon, was der Körper bisher vermisst hat und Lust auf mehr.
Die Koordinaten: Mautfreie Anreise über die Inntalautobahn, Ausfahrt Kufstein Nord, München 90 km; oder Weyarn - Bundesstrasse Richtung Bayrischzell. Nach Innsbruck 70 km, vom Flughafen München und Salzburg ca. 1 h 20 min Fahrzeit, Salzburg 100 km, Flughafen Innsbruck 1 h Fahrzeit. Tegernsee 45 km. Flughafentaxi bzw. Taxi vom Bahnhof Kufstein (ICE Haltestelle) von und zum Hotel wird gegen Gebühr gerne organisiert.
Kontakt
Familie Johann und Brigitte Mauracher
A-6335 Thiersee bei Kufstein, Hinterthiersee 16
Tel 05376/5502 Fax 05376/5902, Europavorwahl 0043/5376/...
e-Mail: info@hotel-sonnhof.info
Ein Beitrag für ReiseTravel von Dr. Jürgen Huhn.












