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Kneipp-Museum in Bad Wörishofen
Auf den Spuren des Wasserdoktors: Rundlich, sympathisch und fröhlich, so zeigt ein lebensgroßes Foto Sebastian Kneipp mit seinem Hund, dem weißen Spitz. Die Dominikanerin, Schwester Bernarda, die für das Kneipp-Museum zuständig ist und alles über Sebastian Kneipp erzählt: „Wenn der Spitz durch eine Türe kam, hieß es, das Herrle kommt gleich hintennach“. In den Räumen des ehrwürdigen Dominikanerklosters von 1721 ist das Kneipp-Museum untergebracht. Denn genau in diesem Kloster hat Sebastian Kneipp seine Kur angewendet, die bis heute nicht an Bedeutung verloren hat. Er ist der Namensgeber Wasserkur, die zwar schon früher angewandt, aber durch ihn weiterentwickelt und bekannt wurde.
Bad Wörishofen

Wer es zeitgemäß mag, kann schon mal mithilfe des Computers neben der Kasse, einen virtuellen Rundgang durch das Museum starten. Die Ausstellung gibt anhand von Fotos, Urkunden und Kneipp-Utensilien einen Einblick in das bewegte Leben des Sebastian Kneipp
Seine Kindheit und Jugend fanden nicht auf der Sonnenseite des Lebens statt. Er wurde 1821 in Stephansried nahe Ottobeuren geboren. Die Familie war so arm, da musste „Baschtl“, wie er zu Hause genannt wurde, schon mit elf Jahren beim Vater am Webstuhl oder auch als Viehhirte arbeiten. Der Lebenstraum des jungen Sebastians war es, Geistlicher zu werden. Er bat mehr als 20 Pfarrer um einen Vorbereitungskurs für den Besuch des Gymnasiums. Leider immer erfolglos. Dann brannte auch noch sein Elternhaus ab und damit verlor er alle Ersparnisse, die er für seine Ausbildung angesammelt hatte. Er half beim Aufbau seines Elternhauses und ging anschließend als Knecht nach Grönenbach. 1842 war es endlich soweit, Kaplan Matthias Merkle bereitete ihn auf das Gymnasium vor. Sechs Jahre später, als 27-jähriger konnte Sebastian Kneipp sein Theologiestudium beginnen, obwohl er durch eine Tuberkulose sehr geschwächt war.
Als Student fiel ihm durch Zufall das Buch: „Unterricht von der wunderbaren Heilkraft des frischen Wassers“ von Dr. Johann Sigmund Hahn in seine Hände, das sein Leben rettete und verändern sollte. Im Winter tauchte er dreimal pro Woche kurz in die eiskalte Donau und wurde wieder gesund. Sein Lebenstraum ging in Erfüllung, 1852 wurde er zum Priester geweiht. Sebastian Kneipp war in Biberbach, Boos und Augsburg als Kaplan tätig und hatte während dieser Zeit bereits vielen Menschen durch seine Wasserkur geholfen. Die Legende berichtet, er wurde 1855 strafversetzt und zum Beichtvater der Dominikanerinnen in Wörishofen bestimmt. Im Badehäuschen des Klosters hat Sebastian Kneipp erneut mit seinen Wasseranwendungen an Patienten begonnen. Da das alte Badehäuschen abgerissen wurde, steht an der Kasse gegenüber im Museum eine Miniaturnachbildung.

Sebastian Kneipps Heilerfolge seiner Wasserkur zogen immer mehr Heilungssuchende an
Die Bauern waren allerdings über die Fremden ganz und gar nicht begeistert. Als Sebastian Kneipp die Frauen zum Wassertreten in den Bach schickte, wurde Wörishofen zum „sündigen Dorf“ in der Presse abgestempelt. Sebastian Kneipp wurde mehrmals als Kurpfuscher angeklagt. Er konnte aber jedes Mal das Gericht von der Heilung mithilfe der Kneippkur überzeugen und durfte weitermachen, da er nur Leute kurierte, denen kein Arzt helfen konnte oder die sich keinen Arzt leisten konnten. Im Laufe der Zeit wurde auch die Waschküche des Pfarrhofes zu klein für den Andrang der Patienten. Zwei Badehäuser wurden in Wörishofen gebaut. Statt der Gießkannen gab es nun mit Hilfe von modernen Pumpanlagen Wasserschläuche für die Anwendungen.
Das Museum zeigt in zwei Erkern das gemütliche Wohn- und Schlafzimmer von Sebastian Kneipp. Wenn man zur Decke blickt, entdeckt man die prachtvollen Stuckarbeiten von Dominikus Zimmermann, die sich durch das ganze Kloster ziehen. Gegenüber in einem großen Raum wird „das Kneippen“ dargestellt, ganz nach der Lehre von Sebastian Kneipp. Die fünf Säulen der Kneippkur:
Die erste Säule ist die Wassertherapie, die Hydrotherapie. Der Wechsel von warmem und kaltem Wasser härtet ab, verbessert die Durchblutung, löst Verspannungen, beseitigt vegetative Störungen und regt den Stoffwechsel an. Die alte Sebastian Kneipp-Gießkanne, das Herzstück der Ausstellung, wurde für Güsse im Wechsel von warm und kalt verwendet. Alte Sitz- und Badewannen, in denen Bäder mit Kräutern verabreicht wurden, stehen in der nächsten Vitrine. Auf einem Bildschirm zeigt eine Diashow Leute vergnüglich beim Wassertreten im Freien.
Die zweite Säule ist die Pflanzenheilkunde, die Phytotherapie. Die Natur ist die beste Apotheke, sagt schon Sebastian Kneipp und das unterstreicht auch die Kräutersammlung in der Ausstellung. „Die Duftorgel kommt gut an“, sagt Schwester Bernarda. Man drückt einen Knopf, schnuppert den Duft und rät, was es sein könnte. Thymian? Eine Holzklappe gibt beim Öffnen das richtige Ergebnis preis. Rosmarin lautet diesmal die richtige Lösung.
Die dritte Säule ist die Bewegungstherapie. Sportgeräte aus der Zeit Kneipps: Fahrrad, Skier, Schlitten, Eisstock, Tennisschläger und ein hölzernes Fitnessgerät zeigen, wie zu Kneipps Zeiten Sport getrieben wurde.
Die vierte Säule ist die Ernährungstherapie. Sebastian Kneipp trat für eine einfache, Naturbelassene und gemischte Kost ein. Schalen mit Gerste, Dinkel, Roggen und Hafer, die nach Kneipp für die Ernährung wichtig waren und heute noch sind, zeigt die Ausstellung. Verboten hat Sebastian Kneipp nichts, nur Einhalt und Mäßigung geboten. Außerdem war er für seine deftigen Sprüche und Geschichten bekannt. „Saufa wölle se alle, aber sterba will koiner“, so sein Originalton.
Die fünfte Säule ist die Ordnungslehre, sie beschäftigt sich mit der Harmonie von Körper, Geist und Seele. Sebastian Kneipp trat für die Ausgewogenheit von Muße und Arbeit, Bewegung und Ruhe, Genuss und Askese ein. Die Uhr in der Ausstellung ermahnt die Menschen die Zeit zu nutzen.
Der große Raum am Ende der Ausstellung zeigt Sebastian Kneipps Wirken und Arbeit. Was Sebastian Kneipp besonders freute, war, dass viele Ärzte zu ihm kamen, um die verschiedenen Methoden der Kneipp-Kur zu erlernen und um sie dann später selbst anzuwenden zu können.
Als 1884 Abt Maurus Wolter von Kloster Beuron zur Kur kam, war er von der Persönlichkeit und dem Können Sebastian Kneipps so beeindruckt, dass er ihn bat, sein Wissen als Buch für die Nachwelt zu erhalten. Sebastian Kneipp weigerte sich, woraufhin ihm der Abt einen Sekretär zur Verfügung stellte. Nach sechs Wochen entstand das Buch „Meine Wasserkur“ und wurde ein Riesenerfolg. Kneipps Lehre „So sollt ihr leben“ und weitere Ratgeber folgten bald. Nach seinen Bucherfolgen strömten immer mehr Kurgäste aus aller Welt zum „Wasserdoktor“. Um alle Gäste unterzubringen, setzte in Wörishofen ein Bauboom ein. Sebastian Kneipp ließ von dem Erlös seiner Buchverkäufe und von den freiwilligen Zahlungen für Behandlungen drei Kuranstalten in Wörishofen bauen. In der Ausstellung kann man seine Bücher und Originalschriften bestaunen.
Sebastian Kneipps Papstbesuch 1894 in Rom wird von vielen angezweifelt. Doch eine Urkunde im Museum bezeugt, dass er bei Papst Leo XIII. war und zum Geheimkämmerer ernannt wurde. Es wird gesagt, dass der Papst schlecht schlafen konnte und Sebastian Kneipp ihn mit Erfolg behandelt hat.
Ein Foto zeigt einen indischen Maharadscha, der mit einem 28-köpfigen Gefolge zur Behandlung kam. „Er war leider nicht lange genug da, um geheilt zu werden“, erklärt Schwester Bernarda. Erzherzog Joseph von Österreich hat Sebastian Kneipp mehrmals besucht. Valerie, die Tochter von Sissy, soll ebenfalls mit ihrer Familie da gewesen sein, was schriftlich jedoch nicht nachgewiesen ist.
Zur Abrundung sollte man nach dem Museumsbesuch unbedingt auch die Klosterkirche und die Stadtpfarrkirche St. Justina gegenüber besichtigen, denn hier hat Sebastian Kneipp als Geistlicher bis zu seinem Tode 1897 gewirkt.
Kuroase im Kloster – Ursprung der Kneipp-Therapie: Im Jahre 2004 wurden die Kuranwendungen im Kloster aus Altersgründen der Schwestern aufgeben und in das Hotel Kuroase – das sich im Kloster befindet – integriert. Die Anwendungen werden ganz im Sinne von Sebastian Kneipp weitergeführt. Nur Schwester Johanna arbeitet noch mit.
Sie verteilt um vier Uhr morgens die Heusäcke und hilft im Kneippbad mit. Die Zimmer, Speisesäle, Ruhe- und Massageräume sind ganz modern eingerichtet. Im alten Kreuzgang und Klostergarten ist es allerdings noch wie zu Zeiten des Wasserdoktors – hier kann man herrlich entspannen und zu sich selber finden. „Oder perfekt Runterfahren“, sagt Margit Kurzweil, die Hotelleiterin. Die Küche ist auf Vollwert und auf Fasten eingestellt, aber auf ein Gläschen Wein muss man nicht verzichten. „Kneippen im Ursprung, keine Wellness, wird bei uns angewendet, darauf legen wir größten Wert“, sagt Margit Kurzweil nicht ohne Stolz.
Sebastian Kneipp Zitate: „Wenn du merkst, du hast gegessen, hast du schon zu viel gegessen.“
„Wer nicht jeden Tag etwas Zeit für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern.“
„Wasser ist das natürliche und einfache Heilmittel. Es leistet mitunter Unglaubliches.“
Kontakt
Kneipp-Museum
Dominikanerinnenkloster, D-86825 Bad Wörishofen
Tel.: 08247-395613 nur zu den Öffnungszeiten
Öffnungszeiten: Vom 15. Januar bis 14. November, täglich von 15:00 bis 18:00 Uhr, montags geschlossen.
Filmvorführung jeden Mittwoch um 15:30 Uhr: Die Wiege der Kneip-Kur jeden Freitag um 15:30 Uhr: Sebastian Kneipp, eine Medizin geht ihren Weg.
Eintritt für Erwachsene 2,00 Euro. Schüler, Studenten und Schwerbehinderte 1,00 Euro. Für Kinder und Kurgäste mit Kurkarte ist der Eintritt frei, Informationsbroschüre 1,00 Euro.
KurOase im Kloster - Hotel der Kolping-Gruppe
Klosterhof 1, D-86825 Bad Wörishofen
Tel.: 08247-9623-0, info@kuroase-im-kloster.de
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