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Neustift

Tradition ist wichtig

Restaurant und Hotel Hoferwirt: Mit Anna Aumayr hat alles angefangen. Die resolute und tatkräftige Frau kam 1920 aus Südtirol und kaufte die Gaststätte „Gasthof Hofer“ im Zentrum von Neustift. Das Haus hat eine lange Vergangenheit, es wurde schon 1674 als Widum oder Pfarrhof gebaut. 1876 konnte Peter Hofer das alte Widum kaufen, da ein neues größeres Widum neben der Kirche gebaut wurde. Das Haus ging dann durch mehrere Hände bis Anna Aumayr kam, seitdem ist es im Familienbesitz. Zu Anna Aumayrs Zeiten mussten die Gäste eigenes Besteck mitbringen, denn es gab nur acht Löffel, kein Wasser und keinen Strom. Unternehmungslustige Engländer waren die ersten Gäste, die im Sommer zum Wandern kamen. Ziel war meist die Franz Senn Hütte, die älteste Hütte im Stubaital. Damals ging man luxuriös mit Bergführer und Träger in die Berge. Für die armen Bauern war das Tragen der schweren Lasten ein begehrter Nebenverdienst. Arm war’n die Leut’. Der Viehdoktor wurde bezahlt und gerufen, aber der Arzt nicht, denn bei Menschen war es Gottes Wille. Im Winter kamen die Bauern zum Aufwärmen nach der Frühmesse zu Anna Aumayr für: „a Saure“, eine Kuttelsuppe, und ein kleines Bier. Manchmal reichte das Geld der Bauern aber auch nur für einen kleinen Schnaps.

Es war Herta Zitteras, Anna Aumayrs Tochter, harte Arbeit, die aus der Gaststätte ein kleines Familienhotel machte; ihre drei Kinder haben sie dabei unterstützt. Heute ist der „Hoferwirt“, so wie er heute genannt wird, ein kleines Drei-Sterne-Hotel mit Restaurant. Der Enkel Werner Zittera und seine Frau Angelika haben inzwischen die Führung übernommen. Die alte mit Holz getäfelte Stube aus dem Jahre 1880 ist so heimelig, dass man am liebsten gar nicht mehr gehen möchte. Alfred Klinger aus Graz, schwingt im Doppelpack mit Werner Zittera den Kochlöffel. Die Kombination ist rundum gelungen, Alfred bringt die Erfahrung und Kreativität in der Küche mit und Werner die Liebe zur Landwirtschaft. Werner ist Herr über fast 70 Ziegen, 30 Schafe und ein paar Kühe, Schweine und Hühner. „Ja, wenn mein Mann und die zwei Söhne aus dem Stall kommen, das riecht man“, lacht Angelika. Werner Zittera ist einer der wenigen, der die Kälber ohne Kraftfutter mit Vollmilch aufzieht. Die Schweine dürfen sich glücklich schätzen, denn sie laufen in einem Waldstück an der Tschangelair Alm, die zum Hotel gehört, frei herum. Außerdem gehört die höchst gelegene Fischzucht Tirols in 1410 Metern Höhe zum Hoferwirt. Saibling, Bach- und Regenbogenforellen werden in frischem Quellwasser aufgezogen und das schmeckt man auch. Der Speck wird von Werner Zittera geräuchert. Sein Hobby ist die Käseproduktion, seine neusten Kreationen aus Ziegenmilch sind ein Räucherforellenfrischkäse oder Frischkäse mit heimischen Pilzen. Die Spezialitäten des Hauses – Almgröstl mit Ziegenfleisch und Lammpfandl werden ebenso gerne gegessen, wie fangfrische Forellen, die fantastisch schmecken. Auf heimische Gerichte, wie Kalbsrahmgulasch, Brennnesselsuppe mit Ziegenkäse und Graukassuppe legt er größten Wert. Je nach Saison gibt es auch Wild mit Schwammerln. Das Brot und die Butter, die dazu gereicht werden, kauft Werner Zittera bei einheimischen Bauern aus der Umgebung. „Unser Motto heißt: Ganz natürlich und biologisch“, sagt er, „durch die natürliche Aufzucht der Tiere sind die Speisen einfach „geschmackiger“. Nicht umsonst gehört das Restaurant zum Verein der Tiroler Wirtshaus Kultur. Die Herzlichkeit der Mitarbeiter und der heitere Ton im Haus tun ein Übriges für das Wohlbefinden der Gäste. Die Mitarbeiter sind perfekt geschult, sehr umsichtig und hilfsbereit. Die Atmosphäre ist familiär, das bestätigt auch, dass manche Mitarbeiter schon seit über dreißig Jahren im Haus arbeiten.

Tradition ist wichtig

Der Hoferwirt ist ein idealer Ausgangspunkt zu leichten Almwanderungen oder zu Gipfeltouren in den Stubaier Alpen. Im Winter fahren die Skibusse direkt vor dem Hotel am Dorfplatz zum Stubaier Gletscher, nach Fulpmes in die Schlick 2000 oder ins Skigebiet Serles. Ins Skigebiet Elfer in Neustift kann man sogar zu Fuß gehen. Nach einem sportlichen Tag beim Wandern oder Ski fahren kann man in der Sauna im Haus seine Muskeln wieder auf Vordermann bringen.

Ob Sommer oder Winter, die Tschangelairalm, die zum Hoferwirt gehört, sollte man auf jeden Fall besuchen. Der Duft von Kaiserschmarrn strömt verführerische aus der Küche. Er ist mit Puderzucker bestäubte und mit Zwetschgenröster schmeckt er einfach göttlich. Es ist urgemütlich vor dem Haus am Ruetz Bach, zu sitzen und wenn die Sonne hinter den Bergen verschwindet und es etwas frisch wird, fühlt man sich in der urigen, aus altem Holz eingerichteten Stube mit Kachelofen gleich wohl. Nicht umsonst ist die Alm so behaglich, denn sie ist mindestens Tausend Jahre alt. Das bezeugt der Name Tschangelair, der sich von dem rätoromanischen Wort cingularia ableitet und vermutlich Einzäunung bedeutet.

Bis der Bus kommt, der die Wanderer nach Neustift zurückbringt, ist noch Zeit für eine Kostprobe vom eigenen Hausbrand.

 

Kontakt

 

Hotel Hoferwirt ***, Angelika und Werner Zittera, A-6167 Neustift im Stubaital, Tel.: 0043-5226-2201, info@hoferwirt.at, www.hoferwirt.at

Preis pro Person im Sommer ab 40 Euro mit Halbpension und im Winter ab 50 Euro mit Halbpension

Lage: Neustift liegt etwa 28 Kilometer südlich von Innsbruck im Stubaital.

Information:

Tourismusverband Stubai, Tel. +43-501881-0, www.stubai.at, info@stubai.at

Stubaier Bergbahnen, Tel. + 43-512-59500 24, www.stubaier-gletscher.com

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger.

 

Sie ist Reisejournalistin und lebt und arbeitet in München.

 

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