Suche

Andreas Rohde

Eine große Liebe

Stationen eines märkischen Kochs: „Margarine in den Topf geben, dazu etwas Mehl zum Aufsaugen, die Mischung dunkel werden lassen, mit Wasser auffüllen, Pfeffer, Zucker und Essig dazugeben. Fertig. Eier kochen, schälen und in einem Nest aus Kartoffelpüree anrichten. Dann brauche ich nur noch einen tiefen Teller, einen großen Löffel, einen guten Schluck Weißwein und die Welt ist für mich vollkommen“.

Andreas Rohde, der so die Zubereitung seines Leibgerichts, süßsaure Eier, durch seine Mutter beschreibt, steht selbst mehr als drei Jahrzehnte am Herd.

In der nationalen wie internationalen Küche zu Hause, erlebt er Freude und Wohlbefinden dabei, anderen Genuss zu bereiten. Kochen mache ihn glücklich, sei sein Leben, bekennt der Küchen- und Restaurantmeister, Küchenchef der Reha-Klinik Hohenelse in Rheinsberg.

Begonnen hat für den am 30. April 1959 geborenen Neuruppiner alles in der Küche seiner Oma, die mit dem Fünfjährigen Plätzchen und Stollen buk. Bald war er bei Schulausflügen für seine Klassenkameraden der Koch und schon als Schüler zog es ihn immer öfter in seinen späteren Lehrbetrieb, das Erholungsheim Gildenhall in Neuruppin. Dort brachte ihm von 1975 bis 1977 sein Lehrmeister Jürgen Kerbitz nicht nur Kochen und Küchenorganisation bei, sondern vermittelte ihm auch Tugenden wie Disziplin, Ordnung, Fleiß und Pünktlichkeit. „Bei ihm habe ich nicht nur gelernt, ein Wildschwein aus der Decke zu schlagen, sondern auch, dass man 15 Minuten vor Arbeitsbeginn in der Küche antreten sollte“, erinnert sich Rohde, der inzwischen selbst an die 200 junge Leute in das Berufsleben als Koch eingeführt hat. Das halte jung! so sein Credo.

Der Märker wollte es schon immer ganz genau wissen. Ist es Neugier oder Ehrgeiz oder beides zusammen? Immer bemüht er sich, ausgefahrene Wege zu verlassen, Neues auszuprobieren und anzubieten. Jedes Gericht ist für ihn ein Unikat. Wie etwa sein Ingwersüppchen mit Zitronengras oder Capellinisalat mit Meeresfrüchten. Schon nach fünf Monaten Lehre kam er bei einem Wettbewerb mit Tutti-Frutti, einer Süßspeise, auf Platz eins. „Der Preis, neben der Urkunde 100 Mark, war für einen Lehrling im ersten Lehrjahr ein Vermögen“.

Von seinem Wehrdienst bei der Marine kam er sogar mit dem Kleinen Kapitänspatent zurück. Überhaupt das Wasser. Er ist erfahrener Hobbyangler und Fisch gehört seit jeher zu den Herausforderungen des Kochs Andreas Rohde. Verständlich darum, dass seine ersten Schaustücke aus Fisch bestanden. Frucht dieser Liebe ist schließlich auch die Original Lindower Karpfenbratwurst, die ihm sogar ein Patent einbrachte. Dass er gleichermaßen mit einheimischem Fleisch, besonders Wild, oder der märkischen Kartoffel umzugehen weiß, hat sich längst herumgesprochen.

Nachzulesen ist das übrigens auch in seinem „Fontane-Kochbuch“. Mit Unterstützung von Werner Bockholt, setzt er sich darin mit Rezepten auseinander, die in dem Werk seines großen Neuruppiner Landsmannes erwähnt werden, spürt ihnen nach, passt sie dem Geschmack unserer Tage an bzw. bereichert sie durch eigene Kreationen.

Bei all dem hat Andreas Rohde nie aufgehört zu lernen. Er sucht und schätzt den Rat erfahrener Kollegen, hat sich zum Küchen- und Restaurantmeister qualifiziert, zum Diätkoch dazu, lernte Restaurants und Hotels zu leiten wie das SORAT Landgut Gühlen.

Er nimmt seit Jahren die Prüfungen von Köchen und Küchenmeistern bei der Industrie und Handelskammer (IHK) ab, ist Juror bei Wettbewerben. Für sein Ansehen spricht, dass er 1998  EUROTOQUES-AMBASSADOR wurde, In diese weltweit agierende Köche-Vereinigung, die den Ehrenkodex hat, nur frische Produkte zu verarbeiten, wird man berufen. Dazu erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, vor allem für seine vielseitige ehrenamtliche Arbeit.

Warum er sich so vielfältig engagiert? Weil ein Ehrenamt wahrzunehmen für ihn die bestmögliche Verbindung von der Lust am Kochen mit dem Eintreten für den Berufsstand darstellt. Auch diese Erfahrung hat er von der Pike auf gemacht. Andreas Rohde gehörte zu den ersten, die unmittelbar nach der Wende vor 20 Jahren im Osten Deutschlands den Verband der Köche Deutschlands e.V. (VKD) aufgebaut haben, z. B. die Köchevereine in Rostock und Potsdam und schließlich den der Ruppiner Köche von 1992, dessen Vorsitzender er bis heute ist. Mit großer Einsatzbereitschaft trainierte er die Köche-Jugendregionalmannschaft des VKD-Landesverbandes Berlin-Brandenburg und war Teamchef der Senioren-Regionalmannschaft, die seit ihrem Bestehen rund 200 Medaillen und Preise im In- und Ausland erkocht hat. An die 50 davon kommen auf Rohdes persönliche Konten, erkämpft zum Beispiel bei drei Köche-Olympiaden oder beim Culinary Challange in Singapur. 2005 wurde er zum Vorsitzenden des VKD Landesverbandes Berlin-Brandenburg, im November 2006  von den Landesvorsitzenden  zum Sprecher der Landesverbände gewählt. Seither ist er auch Mitglied des VKD Vorstandes.

Auf der kommenden Generalversammlung des Köcheverbandes wird er sich als Präsident zur Wahl stellen. Warum? „Mir liegen unser Berufsverband  und sein Wirken in der Gesellschaft am Herzen. Gemeinsam mit meinen Kollegen möchte ich mich  auch weiterhin für unseren Berufsstand einsetzen. Das gelingt nach meiner Auffassung am Besten aus der ersten Reihe“.

Wie er das alles schafft? „Man muss es wollen, Mitstreiter suchen und finden und sich möglichst wenig ärgern“. Geht das? „Ja“, meint Andreas Rohde in seiner zurückhaltenden Art. Wenn allerdings jemand Carpaccio von Erdbeeren auf die Speisekarte setzt, ist das für ihn zu viel. „Carpaccio ist und bleibt hauchdünnes Rinderfilet und Erdbeeren haben damit nichts zu tun“. Nicht einmal die Stimme hebt er dabei. Bewundernswert!

Und worauf er besonders stolz ist? Auf seine Söhne. Martin der ältere hat beim Vater Koch gelernt, arbeitet heute als Sous-Chef in der Schweiz und hat schon verschiedene Wettbewerbe gewonnen. Richard bereitet sich auf das Abitur vor. Wird er Vater und Bruder beruflich folgen? „Wohl nicht, aber bestimmt auch etwas Ordentliches machen“, schmunzelt Andreas Rohde.

 

Buchtipp: ReiseTravel empfiehlt

 

Das Fontane Kochbuch

Ein Kochbuch, das einen Zugang zu dem Dichter Theodor Fontäne (1819-1898) schaffen möchte.

 

Das Fontane Kochbuch  

Ausgangspunkt sind da­bei seine Biographie und sein Werk, aber unter dem Aspekt seines Verhältnisses zum Essen und Trinken. Zahlreiche Text­stellen aus Fontanes Romanen und aus seinen Briefen machen deutlich, dass dieser wohl exponierteste Vertreter des Bürger­lichen Realismus eine geradezu intensive Beziehung zu Spei­sen und Getränken hatte. Mit Theodor Fontane und seinen Werken hat sich auch Andreas Rohde, Inhaber des Hotels Krone in Lindow, befasst. Er hat sich mit den bei Fontäne angeführten Speisen und Getränken mit Gespür auseinandergesetzt, Rezepte abgeleitet und in die mo­derne Küche der Gegenwart übertragen. Dabei sollen die Re­zepte dazu beitragen, sich in den biographischen und literari­schen Kontext von Theodor Fontäne einzufühlen und einen Zu­gang zu diesem Schriftsteller zu finden. Das Kochbuch möchte einen Zugang zu Theodor Fontane schaffen. Die Autoren haben sich mit den bei Fontane angeführten Speisen und Getränken auseinandergesetzt, Rezepte abgeleitet und in die moderne Küche der Gegenwart übertragen.

 

Das Fontane Kochbuch – Ein literarisches Kochbuch von Werner Bockholt und Andreas Rohde, ISBN 3-87716-848-5, Schnell Buch & Druck GmbH, D-48231 Warendorf.

Das Buch kostet im Buchhandel 10 Euro.

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Bodo Rehboldt

 

 

 

 

 

 

 

ReiseTravel empfehlen/merken:
del.icio.usLinkaARENAMister Wonggoogle.comYahooMyWeb

ReiseTravel aktuell:

Hensted

Strahlend blauer Himmel, die Sonne scheint: Da werden die Fahrräder flugs aus Kellern und Schuppen geholt. Doch aufgepasst mahnt Thorsten Rudnik,...

Völz

Völs am Schlern als Familien-Urlaubsparadies mit hohem Erlebniswert: Sanft streichelt die Sonne die saftig grünen Almen, auf denen kleine Dörfer,...

München

Eine Art Testlauf war das Fachsymposium „Regionale Schätze – Genuss aus Münchens Vorgarten“. Falls die Veranstaltung ein Erfolg wird, so hieß es,...

London

Rolls-Royce - Edel und für viele unerschwinglich: Was haben Thomas Gottschalk und David Beckham gemeinsam? Vielleicht nicht wirklich viel, aber auf...

Regensburg

Reisen & Speisen in Regensburg führen zu facettenreichen Erlebnissen: Egal, wie lange ein Regensburg Aufenthalt dauert, einen kulinarischen...

Klaistow

Spitzenleistung: Wenn der Spargel seine Spitzen durch den märkischen Sand treibt, dann wissen Berliner und Brandenburger, dass wieder Saison für...

Rom

In Bella Italia waren Sie schon lange nicht mehr, sind aber grundsätzlich nicht abgeneigt? Bei mir war es bis vergangene Woche genauso. Da habe ich...

Peking

Noch Dunst oder schon Smog? Klare Sicht ist in Peking selten. Die Chinesen kaufen zu wenige chinesische Autos. Chinas Hersteller bangen um ihre...

Uly Koch

In Donaueschingen befindet sich die Quelle der Donau: Nach 609 Kilometern durch Deutschland fließt der Fluss dann weiter durch zahlreiche Länder und...

Volker Lange

Volker Lange   Kurz vor der AMI: Vom 2. bis 10. Juni 2012 findet die AUTO MOBIL INTERNATIONAL (AMI) als PKW-Messe des Jahres in...