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250 Jahre Kartoffelbefehl
Im Bundesland Brandenburg wird aktuell an den Kartoffelbefehl Friedrich II. vom 24. März 1756 erinnert. Blickt man heute auf die nackten Zahlen, dann ist der Kartoffelanbau im Land auf dem besten Weg in die Nischenproduktion. In Verbindung mit Angeboten im ländlichen Tourismus ist die Kartoffel jedoch ein marktgängiges Symbol und identitätsstiftende Tradition. Noch verbinden viele die Märker und ihre Streusandbüchse mit der Kartoffel. Kartoffelgerichte gehören zu jedem zünftigen Brandenburger Landgasthof. Kartoffelwochen – unterstützt vom Verband pro agro - laden zur Einkehr auf dem Lande. ,Adretta’ und ,Linda’ gehörten über Jahrzehnte zu den Stars der Brandenburger Agrarproduktion.
Kartoffelbefehl Friedrich des Großen
Spätestens seit dem 24. März 1756, dem Tag, an dem der Alte Fritz mit seinem berühmten Kartoffelbefehl an „sämtliche Land– und Steuer Räthe, Magistrate und Beamte“ die Einführung der Knolle im Land protegierte, gehören Kartoffeln zur Landesgeschichte: „Als habt Ihr denen Herrschaften und Unterthanen den Nutzen von Anpflantzung dieses Erd Gewächses begreiflich zu machen, und denselben anzurathen, dass sie noch dieses Früh-Jahr die Pflantzung der Tartoffeln als einer sehr nahrhaften Speise unternehmen.“
Als die Kartoffel 1565 über Spanien nach Deutschland kam, erkannte man ihre Bedeutung für die menschliche Ernährung noch nicht, so dass sie ihrer schönen Blüte wegen eher in botanischen Gärten als in den Kochtöpfen zu finden war. Mitte des 18. Jahrhunderts wollte Friedrich der Große in seinem Land dem steten Anstieg der Bevölkerung und wiederholten Hungersnöten durch den Anbau von Kartoffeln entgegentreten. Die Einführung der Knolle drohte aber zu scheitern. Der Regent musste den Anbau verordnen. Erst allmählich wurde das Gewächs akzeptiert.
Friedrich II. unternahm seit 1750 mehrere Versuche, den Kartoffelanbau in Preußen durchzusetzen. Vor den Rathäusern wurden Kartoffeln als Saatgut an die Bauern verteilt. Ratsdiener und Feldwächter kontrollierten Aussaat und Ernte, um die Untertanen zum kontinuierlichen Knollenanbau zu zwingen. Doch die Bauern gruben die Kartoffeln wieder aus, die Friedrich hatte pflanzen lassen, so dass dieser gezwungen war, die Felder von Soldaten, Feldwächtern und Ratsdienern bewachen zu lassen.
In der als Kartoffelbefehl bekannt gewordenen „ Circular-Ordre“ von Friedrich vom 24. März 1756 an „sämmtliche Land- und Steuer-Räthe, Magisträte und Beamte“ heißt es auch: „Wo nur ein leerer Platz zu finden ist, soll die Kartoffel angebaut werden, da diese Frucht nicht allein sehr nützlich zu gebrauchen, sondern auch dergestalt ergiebig ist, daß die darauf verwendete Mühe sehr gut belohnt wird. (...) Übrigens müßt ihr es beym bloßen Bekanntwerden der Instruction nicht bewenden, sondern durch die Land-Dragoner und andere Creißbediente Anfang May revidieren lassen, ob auch Fleiß bey der Anpflantzung gebraucht worden, wie Ihr denn auch selbst bey Euren Bereysungen untersuchen müsset, ob man sich deren Anpflantzung angelegen seyn lasse.“
Weitere Edikte zur Beförderung des Kartoffelanbaus folgten und immer wieder wurde kostenlos Saatgut verteilt.
Zu Beginn des Siebenjährigen Krieges, 1756, war der Kartoffelanbau durch die Obrigkeit in großen Teilen Brandenburgs verbreitet worden. Die Kartoffel wurde als menschliche Nahrung akzeptiert. Trotz der starken Widerstände in Stadt und Land.
Um 1785 war die Kartoffel eingeführt. Sie wurde von den Brandenburgern Toffel oder Töffelen genannt. Während inzwischen alle Welt von der Kartoffel spricht, hat sich in der Uckermark bei den Alteingesessenen die „Nudel“ als Bezeichnung für die Erdknolle gehalten.
Alle Jahre wieder, im Frühjahr, bringen die Bauern Saatkartoffeln in die Erde. Schon bald entwickeln sich aus den unterirdischen Sprossknollen bis zu einen Meter hohe Pflanzen mit sternförmigen, weiß oder violett gefärbten Blüten und etwa kirschgroßen Beeren. Während diese oberirdischen Teile das giftige Alkaloid Solanin enthalten, sind die vom Boden bedeckten Knollen wohlschmeckend und gesund.
Die Kartoffel ist gesund aufgrund ihres Gehalts an Stärke, vielen Vitaminen (besonders Vitamin C sowie A und B), Mineral- und Spurenelementen und wenig Fett. Sie kann dank dieser Eigenschaften als Grundnahrungsmittel für Menschen, aber auch als Tierfutterpflanze und Stärkelieferant eine sehr wertvolle Agrarkultur sein.
Der Boden ist für die Kartoffel von zentraler Bedeutung. Er bietet Schutz, versorgt die heranwachsenden Pflanzen mit Mineralstoffen und speichert Wasser. Somit ist er entscheidend für den Anbau. Aber auch der Boden profitiert von der Anpflanzung der Kartoffel. Als Hackfrucht benötigt die Pflanze aufgelockerten Boden. Durch mehrmaliges Hacken verbessert sich die Durchlüftung des Bodens, was sich positiv auf den Ertrag auswirkt.
Seit dem 19. Jahrhundert gab es intensive Züchtungsversuche, um Geschmack, Erträge, Qualitäten und Krankheitsresistenzen zu optimieren. Mit über 5.000 Sorten gibt es heute Kartoffeln, die an die unterschiedlichsten Boden- und Klimaverhältnisse angepasst sind. Selbst in Polarregionen gedeihen einige Züchtungen.
Anbaufläche: Wurden 1989 in Brandenburg noch auf 123.900 Hektar, 10,5 Prozent der gesamten Ackerfläche, Kartoffeln angebaut, waren es 1990 nur noch 99.500 Hektar beziehungsweise 9,2 Prozent der Ackerfläche. Die Kartoffelanbaufläche in Brandenburg betrug im Jahr 2004 13.067 Hektar. 2005 nahm sie noch weiter ab auf 11.640 Hektar. Das war nur noch rund 1,15 Prozent der insgesamt 1.041.700 Hektar großen Ackerfläche in Brandenburg. Das Hauptproduktionsverfahren des Kartoffelanbaus im Land Brandenburg bleibt der Vertragsanbau von Industriekartoffeln. Etwa ein Viertel der heimischen Kartoffelproduktion sind Speisekartoffeln, drei Viertel Stärkekartoffeln, die in drei Stärkefabriken im Land verarbeitet werden. Als durchschnittliches Ertragsniveau 2005 wurden 377 Dezitonnen je Hektar erreicht. Diese Ertragshöhe liegt deutlich über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre von 305 Dezitonnen je Hektar.
Ertragsentwicklung bei Hackfrüchten
Fruchtart | Anbaufläche in ha | Ertrag in dt/ha | |||
| 2005 | 2005 | 2004 | 2003 | 2000-2004 |
Kartoffeln gesamt | 11.640 | 376,8 | 385,3 | 266,7 | 305,2 |
davon: |
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|
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Frühkartoffeln | 133 | 312,3 | 332,7 | 254,1 | 261,5 |
Mittelfrühe und späte Kartoffeln | 11.507 | 377,5 | 386,1 | 266,8 | 305,6 |
Zuckerrüben | 9.638 | 518,4 | 531,6 | 415,9 | 483,8 |
Hackfrüchte gesamt | 21.455 | - | - | - | - |
Da der Verzehr der gesunden Knolle in den letzen 60 Jahren um etwa 65 Prozent gesunken ist, hat auch der Anbau von Speisekartoffeln an Bedeutung verloren. 1950 aß jeder Bundesbürger pro Jahr rund 200 Kilogramm, im Jahr 2002 nur noch etwa 70 Kilogramm. Der Verzehr an Verarbeitungsprodukten hat dagegen zugenommen. 1970 wurden pro Kopf durchschnittlich 14 Kilogramm Verarbeitungsprodukte verzehrt, im Jahr 2000 29 Kilogramm.
Stärkekartoffeln: Bei Brandenburgs Bauern kommen vor allem Sorten für die Stärkeproduktion zum Einsatz. Stärke ist Grundlage für eine große Palette unterschiedlicher Produkte, die von alkoholischen Getränken wie Wodka bis zu Kleb- oder Schaumstoffen reicht. Wichtige Kriterien der Sortenwahl sind Knollenertrag, Stärkegehalt, der aus beiden Merkmalen resultierende Stärkeertrag sowie die Krankheitsanfälligkeit. Für Brandenburg eignen sich besonders gut die früh reifenden Sorten ,Tomensa’, ,Sirius’ und ,Power’, die Mittelfrühen ,Albatros’, ,Ponto’ und ,Jumbo’ und Späten ,Kuras’, ,Amado’, und ,Logo’.
Speisekartoffeln: Die Speisekartoffelproduktion hat sich in Brandenburg zunehmend zu einem Spezialzweig entwickelt. Sie ist in wenigen Betrieben angesiedelt, in denen traditioneller Anbau mit Investitionen in Rodungstechnik, Beregnung und Aufbereitung verbunden wird.
Brandenburger Kartoffeln werden auch zu Püree, Schupfnudeln, Puffern oder Klößen weiter verarbeitet.
Für den wirtschaftlichen Erfolg empfiehlt sich eine Sortenwahl, die sowohl die Qualitätsforderungen des Marktes als auch die pflanzenbauliche Eignung für die jeweiligen natürlichen Standortbedingungen berücksichtigt. Ratsam ist der Anbau mehrerer Sorten mit sich ergänzenden Eigenschaften, um so das witterungsbedingte Ertrags- und Qualitätsrisiko zu mindern und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Daher werden insbesondere Sorten wie, Satina’, Esprit’ oder, Marella’ in den Boden gebracht.
Aber die Speisekartoffel rechnet sich für viele Betriebe nicht. Grund sind starke Preisschwankungen. Die Speisekartoffel unterliegt keiner EU-Marktordnung. Damit wird ihr Preis nur von Angebot und Nachfrage bestimmt. Auf Grund des hohen Kartoffelangebots ist jedoch die Preis- und Absatzsituation sehr problematisch und führte bei Speisekartoffeln in den letzten Jahren in Brandenburg zu einer stetigen Einschränkung der Anbaufläche.
Nachwachsende Rohstoffe: Kartoffeln sind auch als nachwachsende Rohstoffe nutzbar. Einsatzfelder sind Papier und Pappe, Textilien, Klebstoffe, Chemikalien und Pharmazeutika. Neue Einsatzfelder sind der Ersatz von Kunststoffen auf Erdölbasis durch Kartoffelstärke zur Herstellung von Schalen, Becher, Teller und Bestecke sowie die Erzeugung von Bioethanol als Benzin und Dieselzusatz.
Sieger im Kartoffelschälen: Seit drei Jahren stellt ein Wahlbrandenburger den Champion im CMA-Länderwettbewerb im Kartoffelschälen, der alljährlich auf der Internationalen Grünen Woche ausgetragen wird. Seit 2004 hat der Sudanese Titus Dickson vom Gasthof „Zur Linde“ in Wildenbruch (Landkreis Potsdam-Mittelmark) den Länderwettbewerb im Kartoffelschälen immer für sich gewinnen können.
Anmerkung: Seit Langem streiten Chile und Peru über die Herkunft der Kartoffel.
Die Peruaner vertreten die Meinung, die Inka hätten die Kartoffel einst vom Andenhochland auf die Insel Chiloé, die zum chilenischen Staatsgebiet gehört, gebracht und damit stamme sie ursprünglich aus Peru.
Die Chilenen hingegen werfen ein, das 99 Prozent der Kartoffeln weltweit genetisch mit chilenischen Sorten verwandt sind.
Nichtsdestotrotz legen beide Länder ihre Streitigkeiten nun auf Eis und bemühen sich gemeinsam um den Schutz des Knollengewächses, das neben Reis, Mais und Weizen wichtigstes Grundnahrungsmittel ist. Passend zum internationalen Jahr der Kartoffel soll nun der Erhalt, die Verbesserung, die Produktion und die Vermarktung der Kartoffel verstärkt unterstützt werden. Insbesondere gilt es, den Kartoffelbauern Zugang zu organischem Dünger und dem Austausch von Saatgut zu ermöglichen sowie Marketingkampagnen ins Leben zu rufen, die den Verzehr der Kartoffel ankurbeln und ihre Bedeutung hervorheben sollen. Zudem muss die Kartoffel vor Umwelteinflüssen und Krankheiten geschützt werden. Ein Anliegen der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft ist es außerdem aufzuzeigen, dass die Kartoffel und die Landwirtschaft im Allgemeinen interessante Lösungsansätze für globale Probleme wie Armut, Unterernährung oder Umweltrisiken bereithalten.
Kontakt
pro agro - Verband zur Förderung des ländlichen Raumes im Land Brandenburg e.V.
Ansprechpartner Martina Webers
Arthur-Scheunert-Allee 40-41, D-14558 Nuthetal
www.proagro.de
Ein Beitrag für ReiseTravel von Dr. Jens-Uwe Schade. www.mluv.brandenburg.de
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