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Echter Zimt wächst in Sri Lanka
Sri Lanka am Abend |
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Sri Lankas Geschichte ist durchwoben von wundersamen Anekdoten und Sagen. Die wohl skurrilsten Geschichten der so genannten Perle im Indischen Ozean kursieren rund um ihre Gewürze, die einst kostbarer als Gold gehandelt wurden. In vergangenen Tagen hielt sich beispielsweise standhaft dieses Gerücht: Es hieß, dass Seefahrer, die sich der Insel Serendib, wie Sri Lanka einst bezeichnet wurde, näherten, bereits vor der Küste den warmen, exotischen Duft des Zimts schnuppern konnten. So sinnlich-liebevoll diese Anekdote auch sein mag - leider hält sie keiner wissenschaftlichen Begründung stand: Der Zimtbaum entfaltet sein magisches Aroma erst nachdem der Schutz seiner äußeren Rinde entfernt wurde.
Seit Jahrtausenden werden Sri Lankas´ Gewürze als Konservierungsmittel, Arzneien, magische Zaubertränke, zur Erfrischung, Aromatherapie, als Parfums, Aphrodisiaka und nicht zuletzt zum Würzen der Speisen verwendet. So wurde die Insel als Heimat der begehrtesten Gewürze der Welt bekannt.
Das lukrative Geschäft mit den kostbaren Aromen beherrschten anfangs arabische Händler, die mit ihren Dhaus nach Indien, Sri Lanka und Malacca segelten, um die aromatischen Schätze zu gewinnen. Um die Herkunft der edlen Gewürze zu verschleiern, stifteten sie allerlei Verwirrung über deren Ursprung: Weit verbreitet war das Gerücht, dass riesenhafte Vögel Zimtstangen zum Bauen ihres Nest an entlegenen Berghängen im fernen Osten verwendeten. Um an die wertvollen Stangen zu gelangen, legten die Araber als Köder Tiergerippe aus, die die Vögel in ihr Nest verfrachteten - das so entstandene Übergewicht im Nistplatz ließ einige Zimtstangen herunter purzeln, welche die Händler hastig aufsammelten. So wird es in der kuriosen Sage überliefert...
Bei ihren verzweifelten Versuchen, die Quelle der Kostbarkeiten zu finden und die arabischen Mittelsmänner zu überbrücken, machten sich auch europäische Abenteurer auf Entdeckungsreise. Christopher Columbus beispielsweise war auf der Suche nach indischem Pfeffer, als er auf Amerika zu segelte. Der große "Gewürzrausch" begann aber erst, nachdem Vasco da Gama Ende des 15. Jahrhunderts die indische Westküste erreichte. Portugiesen, Holländer und Briten stachen in See, um auf der gewürzreichen Insel Sri Lanka Fuß zu fassen und die Anstrengungen ihrer Reise mit kostbarem Zimt zu belohnen und später dort selbst wichtige Kräuter und Gewürze anzubauen.
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Zimt und Kardamom haben ihren Ursprung auf der Insel - nachweislich kommt der echte Zimt aus Sri Lanka, was sein Name, lateinisch Cinnamomum Zeylanicum, zu deutsch ceylonesisches Zimt, bestätigt. Die erheblich verbreitetere Variante des Zimts, die Kassie, wird in China und großen Teilen Südasiens landwirtschaftlich angebaut, hat eine dickere braune Rinde und schärferes Aroma als der echte Zimt. Weil die "Kopie" um einiges günstiger ist als echter Zimt, handelt es sich bei den meisten Stangen, die wir als "Zimt" kaufen, in Wahrheit um die Kassie. Kenner bevorzugen natürlich den subtilen süßen Geschmack und das warme Aroma des echten ceylonesischen Zimts, dessen goldbraune Rinde viel heller ist als die der Kassie und dessen einzigartiger Genuss durch keinerlei Bitterstoffe getrübt wird.
Das Zimt nicht, wie die alten Araber behaupteten, aus Vogelnestern fällt, liegt auf der Hand. Aber wo es eigentlich herkommt, ist wenig bekannt. Das Gewürz, das seit der Antike Ägyptern, Römern, Griechen und Chinesen bekannt ist, stammt aus der inneren Rinde des Zimtbaums, der einst wild an der Südwestküste Sri Lankas wuchs. Da die Nachfrage so groß war, begannen als erstes die Holländer, Zimt auf Plantagen anzubauen, auf denen die kostbaren Bäume dicht and dicht standen.
Die Zimtschäler arbeiten gewöhnlich in Gruppen bestehend aus zwei bis drei Familien, von denen viele aus der Chalai Kaste stammen, deren Vorfahren im 13. Jahrhundert speziell für diese Arbeit aus Indien kamen. Entgegen der irrtümlichen Vorstellung wird Zimt nicht aus riesenhaften Bäumen geschabt, sondern stammt aus winzigen Trieben, deren Stämme etwa fünf Zentimeter Durchmesser haben. Diese werden ungefähr 15 Zentimeter vor dem Erdboden geschnitten, um das Nachwachsen zu garantieren. Innerhalb einiger Jahre gedeihen diese wieder zu erntefähigen Trieben.
Mit fast besorgniserregender Geschwindigkeit entfernen die Zimtschäler die äußere Rinde der Zimttriebe, die sie mit ihren nackten Zehen umklammern - die Überreste werden zum Düngen der gedeihenden Pflanzen verwendet. Danach werden die Stämme energisch mit einer Messingrute gerieben, um die verbleibenden hauchdünnen Rindenschichten zu entfernen. Mit einem scharfen Messer werden anschließend horizontale Schnitte in zirka 30 Zentimeter Abstand, dann ein vertikaler Schnitt dazwischen in die Stange geritzt. Sobald die dünne Rinde geöffnet wird, entströmt bereits der warme Duft der Zimtstangen. Die gewonnene Zimtrinde wird nun zu Hülsen gerollt und auf Seile geschnürt und unter dem Strohdach zum Trocknen gehängt. Besonders eng gerollte Zimtstangen werden noch höher gehandelt als gebrochene Rindenstücke, die gewöhnlich bei der Weiterverarbeitung zu Zimtpulver Verwendung finden. Der Kern der ursprünglichen Zimtrinde wird gerieben und gepresst, um ein Konzentrat der leicht vergänglichen Zimtöle zu gewinnen, aus denen die Zimtpflanze zu nur vier Prozent besteht.
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