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Jörg Kracht

Bitte nicht mit dem Finger essen!

Es ist keine Schande, den Kellner um Rat zu fragen oder zu bitten, etwa den Fisch zu filetieren: „Manche Speisen werden mit der Hand – quasi den Fingern – gegessen, auch bei den Gourmets, dafür darf man aber heute Kartoffeln auch schneiden“, lehrt Jörg Kracht, Trainer für Stil und Etikette, im Seminar.

ReiseTravel : Nun mal ehrlich Herr Kracht, wie isst man Krabben und Artischocken?

Kracht : Alle so genannten „Schalen- und Krustentiere“, also Hummer, Krebse. Langusten, Muscheln usw. wie auch die gekochte Artischocke darf man auch in den besten Restaurants mit Hilfe der Finger essen. Das einzige Fleischgericht für dafür: sind Spareribs . Nur keine Hemmungen – im Bedarfsfall das Personal fragen. Denn in diesem Punkt vorhandene Unwissenheit zuzugeben bedeutet doch, dass man selbstbewusst genug ist, dieses Defizit auszugleichen. So zu tun als wüsste man das alles und versucht zu improvisieren, offenbart die „Schwäche“ doch ohnehin. Ein Signal, dass man eine Speise mit Hilfe der Finger essen „darf“, gibt das Personal selbst, indem es die Fingerschale einsetzt. Zu allen Gerichten, die dieses zulassen, gehört die Fingerschale, die in einer Stoffserviette stehen muss und in der eine Zitronenscheibe schwimmt.

ReiseTravel: Restaurants offerieren auch „Schaschlik vom Holzspieß“?

Kracht : Ja, für viele Gäste eine Hemmschwelle bei der Frage „Wie ziehe ich das Fleisch vom Spieß, ohne Teile davon meinem Nachbarn zu gönnen?“ Vor allem dann problematisch, wenn es Geflügelfleisch auf dem Holzspieß gibt. Die Lösung: Das Fleisch auf dem Teller liegend mit dem Gabelrücken festhalten und den Spieß drehen. Damit lockert sich das Fleisch. Dann mit der linken Hand den Spieß leicht anheben, das Fleisch von unten beginnend festhalten - dabei nicht das Holz zwischen die Gabelzinken klemmen - und jetzt den Spieß ziehen und nicht das Fleisch schieben. So wartet der Tischnachbar vergebens auf die Portion.

ReiseTravel : … und wie verzehrt man Kaviar?

Kracht : … Kaviar wird in der Glasschüssel serviert, die in einer größeren, mit Eis gefüllten steht. An dieser liegt immer ein so genannter Kaviarlöffel oder die Kaviarschaufel, aus Horn oder Perlmut. Die aktuellste Variante ist dann die, dass man sich auf den eigenen Brotteller - links von den Gabeln - einen Löffel Kaviar legt. Dann bricht man sich vom Kaviarbrot oder Baguette einen mundgerechten Happen ab, bestreicht diesen mit Hilfe des Kaviarmessers - ebenfalls aus Horn oder Perlmut - mit dem Kaviar und ist diesen.

ReiseTravel : Es gibt ja auch China-Restaurants?

Kracht : Die Vorstellung, man wird vom Geschäftspartner zum „Chinesen“ eingeladen, treibt vielen den Angstschweiß auf die Stirn – wegen der Stäbchen. Es ist, bei etwas Geschick, leicht zu lernen. Der Grundsatz: Ein Stäbchen fest in die Beuge zwischen Daumen und Zeigefinger, dabei zeigt der Daumen nach oben. Nun hat man Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger zum Bewegen des zweiten Stäbchens. Das obere Ende der Stäbchen sollte etwa zu 1/3 über den Handrücken hinausragen.

Wenn man beim Chinesen um Stäbchen bittet, wird anstelle des Tellers in der Regel eine kleine Schale eingesetzt. Die darf man an den Mund führen und mit Hilfe der Stäbchen die Speisen auch „schaufeln“.

ReiseTravel: Ihr persönlicher Tipp“?

Kracht : Es zeugt von Selbstbewusstsein und Stärke, Unsicherheiten im „Knigge-Bereich“ zuzugeben. Der Gedanke, dass man da schon „irgendwie durchkommt“, sollte gar nicht erst aufkommen. Deswegen biete ich Firmen-Seminare zum Thema: „Genießen und Lernen – Von A wie Anklopfen bis Z wie Zuhören“ an. Sie können sich auch den DEHOGA Brandenburg wenden, die solche Seminare mit mir organisieren werden.

ReiseTravel : Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

 

 

Kontakt

 

Jörg Kracht, Trainer für Stil und Etikette
Tel.: 038377 – 36674, e-Mail: StilKracht@aol.com

www.etikette-seminare.de


Ein Beitrag für ReiseTravel von Geru.

 

 

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