| Mönche brachten um 600 n. Chr. die Kunst des Destillierens aus dem Mittelmeerraum nach Irland. Hier hüteten Geistliche die Rezeptur, verbesserten und verfeinerten sie. Sie waren gelehrige Schüler der Kirche und der Brennkunst zugleich. Das Ergebnis am Ende vieler Versuche: Der Whiskey.
Als im 12. Jahrhundert englische Soldaten nach Irland vordrangen, machten diese begeistert Bekanntschaft mit dem Getränk. Sie anglisierten den Namen "Whisk(e)y" und verbreiteten den Zaubertrunk weltweit, zu unserem heutigen Wohle. Wasser des Lebens - uisce beatha. Die Iren selbst behaupten: Whiskey ist Irland in destillierter Form!
Dieses „Lebenswasser“ bildet die Grundlage diverser Bargetränke. Bei Kennern der Getränkeszene favorisieren pur, nicht "on the rocks". Die Brennereien liegen in der Grafschaft Cork, die verfügt über besonders reines Quellwasser. Von dort kommen bekannte Marken mit gutem Label. Viele als V.O.P. (Very Old Produkt) und somit mindestens 15 Jahre gelagert.
Midleton, ein kleiner Ort, ist das Zentrum von Irish Distellers. Ein Komplex mit endlos gefüllten Lagerräumen. Ein Vermögen, besonders gut bewacht, auch von der Polizei. Der ältere Betriebsteil kann besichtigt werden. Eine ehemalige Brennerei, mit romantischen Erinnerungen an vergangene Traditionen, mit Wasserkraft betrieben. Hier steht der größte Destillierkessel der Welt; aus Kupfer, mit einem Fassungsvermögen über 1 424 Hektoliter.
Die charmante Susan O`Neil - ein echt irisches Girl - bestens mit der Whiskey-Szene vertraut, führt Besucher durch die Gemäuer: "Wir haben in den Räumen der Brennerei ein Museum aufgebaut. Die alten Geräte und Maschinen wurden nach dem Bau der neuen Anlagen in den siebziger Jahren rekonstruiert. Besucher können sich mit unserer Tradition vertraut machen, einkaufen und natürlich alle Sorten selbst probieren."
Zur Whiskey-Herstellung wird gemälzte und ungemälzte Gerste verwendet. Beim Mälzen selbst lässt man die Gerstenkörner zunächst ankeimen. Dann trocknet man diese, „in ein ganz bestimmtes Stadium“, denn hierin liegt die große Besonderheit irischen Whiskeys. Dieses „Geheimrezept“ wird allerdings nicht publik gemacht. Trotz Nachfrage!
Die gemälzte Gerste wird in geschlossenen Öfen getrocknet. Dadurch wird die Maische reiner und es entwickelt sich ein eher milder Geschmack. Im Gegensatz dazu wird in Schottland über offenem Torffeuer getrocknet. Deshalb ist der harte, rauchige Geschmack vorherrschend und bestimmend.
Ergebnis der Arbeit ist ein sehr milder Whiskey. Susan O`Neil betont: "Die Herstellung des irischen Whiskeys ist ein komplizierter Prozess. Eine technische Arbeit die viel Sachverstand erfordert. Von den Brennmeistern wird immer wieder Kreativität abverlangt. Hinzu kommt ein Geheimnis: Unser Chefbrennmeister ist sehr innovativ, ein Künstler, ein Zauberer des Elixiers.“ Kontrollen über die Güte sind das Wichtigste.
Die Geheimnisse, die Kunst der innovativen Arbeit des Chefbrennmeisters, reichen weit in die Familientraditionen zurück. Eine Weitergabe der Mixturen vom Vater auf den Sohn oder die Tochter.
In Dublin gründete John Jameson 1780 seine später so erfolgreiche Brennerei. Ebenfalls in Dublin gründete 1791 James Power einen kleinen Betrieb. Ein Whiskey-Imperium entstand. In alten Eichenfässern, zu hunderten gestapelt, in dunklen aber duftenden Lagerhallen "schläft" der irische Whiskey. Mindestens drei, oft zehn bis zwölf Jahre und noch länger. In dieser Zeit bildet sich der endgültige Geschmack heraus. Er nimmt, unterstützt durch die Eichenfässer, in denen in früheren Jahren Rum oder Sherry lagerten, seine dunkel goldene Farbe an. Nach dem „Schlaf“ folgt ein weiterer wichtiger Vorgang: Vatting oder Blenden. Verschiedenste Sorten unterschiedlichster Jahrgänge werden in bestimmten Zusammensetzungen miteinander gemischt, verblendet.
"Wir exportieren in über 100 Länder. In die USA, nach Deutschland und Frankreich“, so Susan O`Neil. „Mit 100 Beschäftigten setzen wir jährlich drei Millionen Liter um. Unsere bekanntesten Sorten sind Paddy 1780 und Tullamore Dew."
Abgefüllt und attraktiv verpackt ist jede der Flaschen ein echt irisches Geheimnis. Aus dem Land der Mythen und Sagen kommend, ist Whiskey ein Exportschlager, eine besondere "Visions of Ireland".
Eine Besonderheit: Flambiere nie mit Whiskey, das ist unirisch. Kein echter Ire verbrennt Whiskey, es sei denn, im eigenen Magen. Eine besondere Vorliebe haben Iren für ihr zweites Wohnzimmer - den Pub. Guinness, ein dunkles Bier und Whiskey, dazu ein "Slainte" - auch Slontsche gesprochen. Ein Begriff aus dem gälisch-keltischen Sprachgebrauch, soviel wie Prosit.
Visions of Ireland
Reisen nach Irland liegen im Trend. Eine traumhafte Landschaft, freundliche Menschen, gutes Essen und Trinken erwarten Sie in allen Hotels und Pensionen. Dazu Tennis, Golf, Radtouren, Angeln und natürlich Shopping in der Hauptstadt Dublin; vieles ist auf der grünen Insel möglich.
Also auf nach Irland, westlichster Punkt Europas - dann erst kommt New York. Einfach eine Rundreise buchen, auch wenn es nur ein paar Tage sind.
Die Anreise erfolgt mit dem Flugzeug oder im eigenen Wagen. Aber Vorsicht: Linksverkehr!
Unser Autor Gerald H. Ueberscher besuchte Irland.
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