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Schwarzgebrannter aus Altenburg
Die Altenburger Destillerie feiert 60. Geburtstag: „Klarer“, „Wismut-Schnaps“, „Bergarbeitertrinkbranntwein“, auch „Blauer Würger“ genannt – so mancher kann sich noch an diese gehaltvolle „Bückware“ aus DDR-Zeiten erinnern. Aber wohl nicht jeder weiß, dass der Schnaps auch aus Altenburg kam, wo 1948 der VEB Altenburger Likörfabrik gegründet wurde. Schon vorher stellte man in der traditionsreichen Skatstadt Spirituosen her, die weit über die Grenzen Thüringens hinaus einen guten Ruf hatten.
Der Altenburger Schwarzgebrannte – ein Elixier aus 47 Kräutern
Im Jahre 1991 wurde der Betrieb privatisiert und fünf Jahre später durch die westfälische R. Heydt Kornbrennerei & Spirituosen GmbH & Co. KG vor der drohenden Insolvenz gerettet. Der geschäftsführende Gesellschafter Dietrich Hueck schloss die Produktion im Münsterland und baute das in „Altenburger Destillerie & Liqueurfabrik GmbH“ umbenannte Unternehmen zielstrebig aus. Seither wurden über 15 Mio. Euro in moderne Maschinen und Anlagen investiert. Die Mitarbeiterzahl stieg von 15 auf 60. Mehr als 130 junge Menschen erhielten inzwischen in sieben Berufen eine Ausbildung.
Mit einer Produktion von über 30 Mio. Flaschen ist die Altenburger Destillerie heute einer der größten Spirituosenhersteller Thüringens. Etwa ein Fünftel davon wird in 25 Länder exportiert, darunter Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Spanien, Ungarn und die USA.
Tradition & Innovation
„Prosit!“ Besucher zum Rundgang durch das Schnapsmuseum
Im Sortiment sind mehr als 100 Produkte, von Frucht- und Sahneliqueuren über Klare bis hin zu Kräuterschnäpsen, Sonderabfüllungen und Geschenkpackungen. Spitzenprodukt ist der „Schwarzgebrannte“, ein Elixier aus 47 Kräutern, das auf das Rezept eines Altenburger Apothekers namens Johann Schwarz aus dem 19. Jahrhundert zurückgeht und schwarz aussieht. Der Werbespruch „Psst – verboten gut“ betont bewusst die Doppeldeutigkeit des Namens.
Auch traditionelle Produkte sind noch im Programm, darunter der eingangs erwähnte „Altenburger Klarer“. Spezialitäten wie „Kräuter As“, „Alter Skatrichter“ und das erste „flüssige Skatspiel“ der Welt mit 32 Skatschnäpschen verweisen auf die enge Bindung mit der heimatlichen Skatstadt. Jedes Jahr kommen neue Kreationen hinzu, so jüngst die „Italo-Trendliqueure“ wie „Latte Macchiato“, „Chocolay Toffee“ und „Espresso Forza“. Der „Altenburger Schnapskalender“ als originelle vorweihnachtliche Geschenkidee fand inzwischen schon etliche Nachahmer.
Aktiv im Sport- und Kultursponsoring:
Durchaus kein Doping: Der Schwarzgebrannte schmeckt Olaf Ludwig, Geschäftsführer Dietrich Hueck, Rudi Altig und Tour de France-Teufel Didi (v.r.)
Geschäftsführer Dietrich Hueck wurde als „Botschafter des Landkreises Altenburger Land“ geehrt und erhielt den Mittelstandspreis „Unternehmer des Jahres 2006“ des Landkreises. Damit würdigte man nicht nur den Beitrag des Unternehmens zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region, sondern auch sein Engagement für Sport und Kultur.
Als ein Hauptsponsor der Altenburger „Prinzenraub-Festspiele“ fördert das Unternehmen ein wichtiges Kulturprojekt der Heimatstadt. Ob Sportereignisse wie Weltcups im Biathlon und Rodeln in Oberhof, Radrennen und 24-h-Autorennen oder andere Großveranstaltungen – die „Schnaps-Trabis“ oder der original Londoner Doppeldeck-Bus mit dem Signet des „Schwarzgebrannten“ sind nicht zu übersehen.
Als Motorsportfan lässt es sich Dietrich Hueck nicht nehmen, beim 24h-Rennen am Nürburgring und bei verschiedenen internationalen Rennen persönlich mit an den Start zu gehen und sein Unternehmen aktiv zu präsentieren. Im letzten Jahr errang das Team Altenburger Destillerie im Alfa Romeo 147 d erneut den Klassensieg auf dem Nürburgring.
Unterhaltsamer Rundgang durch das Altenburger Schnapsmuseum:
„Es erfolgte eine Explosion, zurück blieb eine dunkle, wohlschmeckende Flüssigkeit“, so jedenfalls erzählt die Führerin im Schnapsmuseum. Ein Altenburger Apotheker namens Johann Schwarz hatte im 19. Jahrhundert versucht, mit verschiedenen Ingredienzien ein Gesundheitselixier zu brennen. Viele Jahre später griff man in der Altenburger Destillerie die alte Rezeptur wieder auf. Das war die Geburtsstunde des „Schwarzgebrannten“, ein Elixier aus 47 Kräutern, das tatsächlich auch eine schwarze Farbe hat. Der Name des Liqueurs weckt natürlich auch noch andere Assoziationen, nicht umsonst heißt der Werbespruch ja auch „Psst… verboten gut!“ Dieses und so manches andere Amüsante, aber auch viel Wissenswertes über die Geschichte des Alkohols erfährt man seit zwei Jahren im Schnapsmuseum der Altenburger Destillerie.
Mit Honig fing es an…
Als in grauer Vorzeit die Jäger und Sammler zu Ackerbau und Viehzucht übergingen, Siedlungen bauten und Vorräte anlegten, begann wohl auch die Geschichte des Alkohols. Möglicherweise war Bienenhonig, in Keramikgefäßen der Zufallsgärung ausgesetzt, schuld am ersten menschlichen Alkoholrausch. Einmal auf den Geschmack gekommen, gab es dann kaum etwas, was unsere Ahnen nicht vergoren. Bis zur Entdeckung des Hochprozentigen dauerte es aber noch eine Weile. Es waren die Alchimisten des Mittelalters, die in ihren Laboratorien die Destillation erfanden. Das Produkt nannte man auf Latein vornehm „Aqua Vitae“, Lebenswasser. Die Araber prägten den Begriff „Al-kuhul“, „weiße Reinheit“, woraus dann „Alkohol“ wurde. Zunächst nur in kleinsten Mengen produziert und zu Heilzwecken verwendet, wurden Branntweine schließlich ab dem 16. Jahrhundert für viele erschwinglich.
Brennblasen und „Liqueur-Diplom“
Sehr anschaulich wird das auf mehr als 200 Quadratmetern Ausstellungsfläche in Szene gesetzt, bis hin zur eingangs geschilderten Erfindung des Schwarzgebrannten. Gezeigt werden nicht nur historische Gerätschaften zum Schnapsbrennen, sondern auch große, kupferne Brennblasen, an denen man ab und an auch dem Brennmeister über die Schulter schauen kann. „Die Besucherzahlen nehmen immer mehr zu“, freut sich Führerin Caroline Steinhardt. „Zunehmend kommen auch ausländische Gäste. Gerade zu Anlässen wie Frauen- oder Männertag herrscht ein besonderer Andrang.“ Das mag auch daran liegen, dass der Besuch des Museums durchaus keine „trockene“ Angelegenheit ist, denn die Spezialitäten des Hauses stehen zur Verkostung bereit. Besonders Wissbegierige können sogar ein „Liqueur-Diplom“ erwerben. Im Werksverkauf fällt zu guter Letzt die Auswahl aus den mehr als 100 Produkten nicht leicht – von Sahne- und Fruchtlikören bis zu Kräuterschnäpsen, klaren Produkten, Sonderabfüllungen und Geschenkpackungen.
Museum & Werksverkauf
Montag bis Freitag von 11.00 bis 19.00 Uhr, Samstag von 10.00 bis 14.00 Uhr.
Rollendes Skatturnier zur Taufe "ICE-Altenburg"
Kontakt
Altenburger Destillerie & Liqueurfabrik GmbH
Am Anger 1 – 2, 04600 Altenburg
Tel: 03447-5546-0, Fax: 03447-316508, info@destillerie.de
Altenburger Tourismus GmbH
Moritzstrasse 21, D-04600 Altenburg
www.bahn.de - www.altenburg.de
Ein Beitrag für ReiseTravel von Dr. Hubert Thielicke.
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