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Via Artis – es lohnt sich
Den Künstlerwanderweg im Ausseerland beschreiten heißt sehen und staunen. Nicht nur Touristen zog und zieht es an den wunderschönen Flecken Erde im steirischen Salzkammergut. Seit über einhundert Jahren finden sich immer wieder namhafte Künstler hier ein, um sich von der faszinierenden Landschaft bezaubern und inspirieren zu lassen.
Die „Entdeckung“ des Ausseerlandes erfolgte durch Erzherzog Johann, der den Zauber des Landstrichs immer wieder von seinen Kammermalern auf Bildern festzuhalten versuchte. Und der hier seine große Liebe gleich in zweierlei Hinsicht gefunden hat. Zum einen in der Gegend an sich und dann bei den „Ureinwohnern“. Explizit bei seiner späteren Ehefrau, der Ausseer Postmeistertochter Anna Plochl.
Sind die VIPs erst mal da, dann bleiben auch die „Fans“ nicht aus. Die so entstandene Atmosphäre wiederum lockte Freigeister an - Maler, Bildhauer und Musiker. Nicht enden wollend ist die Liste der Persönlichkeiten. Komponisten wie Gustav Mahler, Richard Strauss oder Johannes Brahms. Schauspieler, Dichter und Schriftsteller wie Rainer Maria Rilke, Adalbert Stifter oder Ludwig Ganghofer. Sigmund Freud, Franz Grillparzer, Joseph von Eichendorff um nur einige zu nennen. Später zog auch der Schauspieler des Wiener Burgtheaters Ludwig Gabillon bedeutende Persönlichkeiten aus seinem Bekanntenkreis an seinen Sommersitz hier im Ausseer Land. Nachdem die Schul- und Sozialreformerin Genia Schwarzwald ein Erholungsheim für junge Künstler errichtet hatte, folgten diesen ebenfalls zahlreiche Gleichgesinnte.
Die Via Artis ist ein Spaziergang mit Erinnerungswert - durch zauberhafte Natur vorbei an Sommerresidenzen und Wohnhäusern, welche für die Berühmtheiten als Rückzugsort dienten. Und heute noch gilt es, Grenzen zu respektieren. Insbesondere die Grundstücksgrenzen. Was bedeutet, dass man die Häuser meist nicht betreten kann und mit einem Blick über den Gartenzaun vorlieb nehmen muss. Aber die Geschichten und Geschichtchen, der Hauch des künstlerischen, der Flair der auch schon die Künstler angezogen hat, genügt allemal. Gilt es doch deren Leben und Wirken im Ausseerland im Geiste nachzuempfinden.
Drei in sich geschlossene Wanderwege führen den Betrachter auf den Spuren kultureller Vergangenheit über die Via Artis.
Via Artis Bad Aussee
Die Gesamtstrecke von 12 Kilometern sollte auf drei Etappen zurückgelegt werden. Am Künstlerwinkel, der ersten Station beschreiben Bildtafeln diejenigen, deren Fokus die Faszination des Ausseer Landes für sich eingenommen hat. Station II behandelt die Ortschaft Bad Aussee. Ein Rundgang durch den historischen, malerischen Ortskern führt den Besucher außerdem zur Mitte Österreichs. Diesen Titel haben sich die Bad Ausseer keineswegs grundlos aufs Etikett geklebt. Der drei Tonnen schwere Stein kennzeichnet den 1949 errechneten geografischen Mittelpunkt.
Ernst Kammerer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Ausseerland, zeigt die Mitte Österreichs
Ganz in der Nähe stößt man auf das Erzherzog Johann Denkmal im Kurpark. Wie bereits erwähnt eine wichtige Persönlichkeit für das gesamte Salzkammergut. Des Weiteren birgt der Ortsrundgang einige Überraschungen wie z.B. die autodynamische Uhr 1897 inmitten der schmucken Häuser. Darunter das Geburts- und Sterbehaus der Anna Plochl, später Gräfin von Meran. Giebeltürme, Gedenktafeln, spätgotische Rundbogenportale, bis hin zum mit Sgraffiti-Ornamenten geschmückten Haus des Altausseers Josef Fröhlich, später Hofnarr bei August dem Starken. Im Kammerhof befindet sich das Museum von Bad Aussee.
Station III widmet sich dem Burgschauspieler Richard Eybner (1896 – 1986), dessen Frau eine gebürtige Ausseerin gewesen ist, und Wilhelm Kienzl (1857-1941). Der Lenau-Hügel kennzeichnet einen Ort, der dem Dichter Nikolaus Lenau (1803-1850) besonders gut gefallen hat. Für den Ausseer Maler Hugo Cordignano (1882 – 1959) wurde ein Museum eingerichtet. Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Dieses Haus lädt zum Betreten ein.
Über den Ischlberg mit wundervoller Aussicht und dem Alpengarten, einem botanischen Kleinod, führt der Weg zur Hofmannsthal-Linde, der Station V. Hugo von Hofmannsthal (1874 – 1929), dessen Feder der weltberühmte Jedermann entsprungen ist verbrachte hier in der Gegend über 30 Sommer. Im berüchtigten Münchner Satire-Blatt Simplicissimus erschien Hofmannsthals Erzählung „Das Dorf im Gebirge“ mit deutlichem Bezug zu Bad Aussee. Ab 1908 bezog Hofmannsthal seinen ständigen Wohnsitz in diesem von ihm geliebten Dorf. Der Redakteur des Blattes, Jakob Wassermann, sollte sich später ebenfalls im Ausseer Land niederlassen.
Via Artis Altaussee
Der zweite Rundweg tastet sich auf vier Kilometern hin zum Literaturmuseum in Altaussee, einer Präsentation der Ausseer Künstlerwelt und weiter zum Haus des Dichters Friedrich Torberg (1908-1979). Die alte Seevilla, heute ein kulturell engagiertes Hotel, wurde im Sommer 1882 Schauplatz einer Uraufführung. Der Komponist Johannes Brahms erwies dem Publikum die Ehre mit seinem Klaviertrio in C-Dur. In einem anderen Haus in der Nähe lebte und wirkte Jakob Wassermann (1873-1934), der auch auf dem Friedhof in Altaussee begraben liegt. Heutiger Besitzer des Hauses ist kein geringerer als Klaus Maria Brandauer, ein gebürtiger Altausseer.
Über einen naturbelassenen Weg mit Aussicht erreicht man das höher gelegene Haus der Malerin Christl Kerry (1889-1978). Die gebürtige Wienerin malte unzählige Landschaftsbilder des Ausseer Landes. Die Kennzeichnung des Pfades als Arneth-Weg erweist Alfred Ritter von Arneth die Ehre, einem Pionier in Sachen Fremdenverkehr im Ausseer Land. Er beendete sein Lebenswerk, die zehnbändige Geschichte der Kaiserin Maria Theresia 1879.
Via Artis Grundlsee
Über vier Stationen erstreckt sich der 10,5 Kilometer lange dritte Rundweg. Beginnend mit der Seeklause. Hier schuf Eugenie Schwarzwald (1872-1940), die auch durch ihre Schwarzwaldschulen renommierte Reformpädagogin mit ihrem Erholungsheim für Literaten, Musiker, Schauspieler und Maler den Nährboden für kulturelle Veranstaltungen, Lesungen, Theateraufführungen und Konzerte.
Sigmund Freud (1856-1939) besuchte das Ausseer Land erstmals 1892 und verbrachte von 1896 bis 1898 zahlreiche Sommer damit, gedankenverloren durch die Gegend zu streifen. Ebenso wie die Dichterin und Malerin Käthe Braun-Prager (1888-1967).
Der Dichter Felix Braun (1885-1973) erklärte das Ufer am klaren Wasser des Grundlsees zur Wahlheimat. Ebenso wie der gebürtige Holländer Dietrich Heinrich Volz (1901-1984), welcher 1959 ein am Seeufer gelegenes Haus erwarb. Er verbrachte seine Zeit mit dem Malen von Landschaftsbildern. Ebenso lebte Rudolf Jeremias Kreutz (1876-1949)
überzeugter Pazifist und Schriftsteller seit 1919 in einem Haus am Grundlsee, welches seine Frau in die Ehe mit eingebracht hatte
Ihre letzte Ruhe auf dem Friedhof am Grundlsee fanden Johannes Ude (1874-1965), Doktor der Philosophie, Theologie, Naturwissenschaften und Staatswissenschaften. Ein sehr kontrovers diskutierter Verfechter seiner Grundeinstellungen, der über 150 Bücher und Broschüren verfasste und der Maler und Graphiker Hanns Kobinger (1892-1974).
Im Kreuz bezeichnet eine Kapelle, die anstelle eines ehemaligen Gedenkkreuzes errichtet wurde. Der Burgschauspieler Ludwig Gabillon (1828-1896) zog Personen von Rang und Namen aus der Kunstszene an. Im Laufe der Zeit gaben sich weitere bekannte Bühnen- und Filmschauspieler hier ein Stelldichein, darunter Paul Dahlke (1904-1984).
In der kleinen Ortschaft Gößl lebte der bedeutendste von allen, der beliebte Reformer Erzherzog Johann (1782-1859).Auch der Wiener Industrielle Konrad Mautner (1880-1924) verbrachte hier zahlreiche Ferien. Vom Savoir Vivre der „Einheimischen“ gefesselt, verschrieb er sich dem Sammeln von Brauchtumsriten. Weitere Persönlichkeiten waren der
Dramatiker und Mundartdichter Alexander Baumann (1814-1857) sowie der Biedermeiermaler Matthias Johann Ranftl (1805-1854).
Via Artis entlang der Grimming-Orte
Auch die kleinen, verschlafenen Ortschaften am Fuße des Grimmings haben in ihrer Historie einiges aufzuweisen. Auf einer Wegstrecke von 12 Kilometern folgen vier Stationen den Anlaufstellen bedeutender Berühmtheiten.
Wie in der Ortschaft Pichl am Geburtshaus des Herbert Zand (1923-1970). Der Lyriker erhielt für seine Werke den Literaturpreis der Steiermark und den Österreichischen Staatspreis. Er schildert in seinen Erzählungen die Bedeutung der Tradition und das Verhältnis des Menschen zur Natur.
Ebenfalls in der Gemeinde Pichl geboren wurde Paul Adler (1770-1843). Für einen Landwirt seiner Zeit beschäftigte er sich mit einem außergewöhnlichen Hobby. Als erster Bauer in der Steiermark führte er Buch über seine Landwirtschaft, beobachtete und notierte den Zusammenhang zwischen Klima und Wachstum der Pflanzen. Darüber hinaus befasste er sich mit der Niederschrift von Sagen und Volksliedern. In Obersdorf liegt das Geburtshaus des Hans Fraungruber (1863-1933), dem größten Mundartdichter des Salzkammergutes.
Ein Gedenkstein weist in Bad Mitterndorf auf den Mundartdichter Herbert Grill (1929-1983) hin. In ihm erweckte ein Schicksalsschlag den Zugang zur Dichtkunst. Eine weitere Gedenktafel befindet sich am Wohnhaus des Johann Fortschegger (1743-1827), Bildschnitzer und Maler, der sich nach seinen Wanderjahren in Mitterndorf niederließ. Seine sakralen Kunstwerke sind in den Kirchen der Umgebung aber auch im Ennstal, im Paltental und im Murtal zu bewundern.
In Tauplitz lebte Prof. Helmut Irmler (1914-1982), Maler und Grafiker. Seine Sgraffito-Malereien sind heute noch an den Hauswänden zu bewundern. Ihre Sommeraufenthalte verbrachten hier Hans Kloepfer (1867-1944), der Erzähler und Mundartdichter, sowie Prof. Emmerich Sandig (1893-1973), Maler und Restaurator.
Kostenlose Broschüren zu den Rundgängen sind in allen Informationsbüros des steirischen Salzkammergutes erhältlich. In einem umfangreicheren Büchlein „Via Artis – Künstlerwege im Auseerland“ werden die einzelnen Stationen und Persönlichkeiten ausführlich beschrieben.
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Tel.: +43 3622/54040-0, info@ausseerland.at
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Unsere Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich. Sabine Erl befasst sich schwerpunktmäßig mit Themen aus dem Bereich Geschichte, Biographien, Brauchtum, Esoterik, Botanik und Reisen.
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