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"Bayern-Italien" im Allgäu
Die Bayerische Landesausstellung 2010 thematisiert noch bis 10.10.2010 die 2000 jährigen Beziehungen zwischen Bayern und Italien von damals bis heute in drei Teilausstellungen. Während im Maximilianmuseum in Augsburg "Künstlich auf Welsch und Deutsch" die italienische Kunst in Bayern mit großen Künstlern wie Cranach, Dürer oder Holbein zentral behandelt wird, zeigt das neue Textil- und Industriemuseum in Augsburg mit "Sehnsucht, Strand und Dolce Vita" die Fortsetzung der Beziehungsgeschichte bis heute.
Die Ausstellung in Füssen präsentiert in diesem Zusammenhang mit "Kaiser, Kult und Casanova" interessante Persönlichkeiten in den herrlichen Räumen des barocken Benediktinerklosters St. Mang.
Das Kloster St. Mang liegt direkt unter dem Hohen Schloss
Dr. Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte spricht von der bayerisch-italienischen Beziehungsgeschichte als so ungemein reich an spannenden Episoden und interessanten Persönlichkeiten, dass eben gerade diese in den Mittelpunkt der Ausstellung gestellt wurden. Menschen, die für den Austausch eine tragende Rolle spielten oder einfach nur in kleinen, amüsanten Geschichten rund um die zwei ungleichen Länder in Erscheinung getreten sind.
So erschließen sich während des Rundganges faszinierende Zusammenhänge zwischen Schauplätzen und Menschen von der Antike bis 1800. Auch vermeintlich typisch bayerische Begriffe erscheinen plötzlich in einem ganz anderen Licht. So soll das bayerische Wort „Gspusi“ vom italienischen sposa (Verlobte) abgeleitet sein. Oder die bayerischen Nockerl von Gnocci (Knödel). Auch des Münchners liebster Vierbeiner bleibt vom Wortspiel nicht verschont. Das Zamperl stammt offensichtlich aus der italienischen Sprache und heißt zampa (Pfote).
Ein Teil der Ausstellung ist den Handelswegen zu Wasser und zu Lande gewidmet. Dabei wird auch die interessante Frage geklärt, welche antiken römischen Institutionen unserem heutigen Verkehrsleitsystem und der Autobahnpolizei oder auch dem Schwerlastverkehr und dem Tiefbau entsprachen.
Über die Via Claudia (Venedig-Füssen-Augsburg) kamen schon im 1. und 2. Jahrhundert fremdartige Handelsgüter und Götter von Italien in die Gebiete nördlich der Alpen. Diesen Weg mag der Legionär Septimius Impetratus, der aus Oberitalien über die Alpen an die Donau kam, ebenso beschritten haben wie die bayerische Prinzessin Theodolinde, die ihr Herz an den Langobardenkönig verlor und 589 Königin im langobardischen Oberitalien wurde. Später fiel besonders Venedig als "Tor zum Orient" eine besondere Bedeutung zu. Der dortige Fondaco dei Tedeschi diente um 1500 als Palast für deutsche und bayerische Händler. Berühmte Persönlichkeiten werden in mehreren Räumen dem Besucher vorgestellt. Während einige von ihnen ihre Geschichten erzählen, eröffnen sich interessante Zusammenhänge zu historischen Stätten nicht nur in Bayern.
So ließ sich der Füssener Juwelier Jakob König 1575 in Venedig nieder, andere bayerische Händler kauften Luxusgüter aus Italien und dem Orient und verkauften Metallwaren oder Stoffe aus dem Norden. Die Geschichte der Fugger und Welser aus Augsburg, Tucher und Imhoff aus Nürnberg, der Familie Pütrich aus München oder auch der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft aus Lindau wird lebendig und informativ dargestellt.
Filippo Balatri, kastriert um eine Sopranstimme zu erhalten, zeigte sein Talent 1715 auch am kurfürstlichen Hof zu München. Olympia Fulvia Morata war eine humanistisch gebildete Ausnahmeerscheinung unter den Männern. Selbstverständlich darf auch Giacomo Casanova nicht fehlen, der sich ab 1761 einige Jahre in Augsburg aufhielt und dort ungeniert seinen leiblichen Genüssen folgte, während der Augsburger Eustachius Hartmann 1573 wegen Ehebruchs und Bigamie zu fünf Jahren Ruderdienst auf einer venezianischen Galeere verurteilt worden war.
Ein Modell der Prunkgaleere „Bucentaur“ aus dem Jahr 1909, das schwimmende Jagdschloss ist ebenso Teil der Ausstellung wie eine Replik der Reichskrone Ludwig des Bayern. Die Prachtgaleere Bucentaur war allerdings nicht das einzige, was die italienische Prinzessin Henriette Adelaide nach Bayern und an den Münchner Hof brachte. Sie heiratete den bayerischen Kurfürsten und war eine große Förderin barocker Kunst auf ihrem Einzug nach Bayern.
Zu sehen sind auch die Sandalen des italienischen Kapuzinerpaters Markus von Aviano, die er auf seiner Reise durch halb Europa getragen hatte, bis er sie 1681 als Geschenk im bayerischen Türkheim zurückließ.
Die Gebeine des Hl. Quirin traten aus den Katakomben Roms im 8. Jahrhundert die Reise an ihren Bestimmungsort, den Benediktinerorden am Tegernsee an. In einem computeranimierten 3-D-Film erläutert Benediktinermönch Waldaricus anschaulich „Lust und Frust“ des Klosterlebens.
Bei der Neugestaltung des Kloster St. Mang im 18. Jahrhundert wiederum haben einige bedeutende italienische Künstler ihren Teil beigetragen, zusammen mit zahlreichen bayerischen Künstlern, welche in Italien ihre Ausbildung genossen.
Den Einzug des italienischen Barock verdeutlicht der Kaisersaal im Kloster St. Mang auf anschauliche Weise. Franz Georg Herman hatte seine Ausbildung mit Studienaufenthalten in Venedig und Rom abgeschlossen und das Deckengemälde im Festsaal des Klosters gestaltet. Er ist das größte Exponat der Landesausstellung in Füssen. Die Deckenmalereien werden den Besucherinnen und Besuchern mit Lichteffekten und Hörstationen anschaulich erläutert. Die prachtvolle Klosterbibliothek und der Füssener Totentanz sind ebenfalls Bestandteil des Rundganges.
Kontakt
Haus der Bayerischen Geschichte
Zeuggasse 7, D-86150 Augsburg
Tel. +49 (0) 821 3295-0, www.hdbg.de
Füssen Tourismus und Marketing
Kaiser-Maximilian-Platz 1, D-87629 Füssen
Tel. +49 (0)8362 9385 12, www.füssen.de
Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.
Unsere Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich. Sabine Erl befasst sich schwerpunktmäßig mit Themen aus dem Bereich Geschichte, Biographien, Brauchtum, Esoterik, Botanik und Reisen.
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