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Internet-Kunstaktion „24/7 Stasi-Live-Haft“ - www.stasi-live-haft.de

Der ehemalige Stasi-Häftling Carl-Wolfgang Holzapfel ist im Rahmen der internet-Kunstaktion „24/7 Stasi-Live-Haft" für sieben Tage in die Zelle 207 der ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen zurück­gekehrt. Die außergewöhnliche Performance nach einer Idee von Franziska Vu in Kooperation mit ihm wird ab sofort rund um die Uhr unter www.stasi-live-haft.de  übertragen.

Die Gedenkstätte stellt den Künstlern, die mit dieser Aktion auf das Schicksal der Stasi-Opfer und deren Unterdrückung aufmerksam ma­chen wollen, hierfür die historischen Räumlichkeiten zur Verfügung.

 

Carl-Wolfgang Holzapfel vor seiner „Inhaftierung“: „Wir möchten aufrütteln und insbesondere junge Menschen dafür sensibilisieren, was Stasi-Haft für Kritiker der SED-Diktatur bedeutete. Mit dieser Kunstaktion wird die totale Iso­lation der Häftlinge von der Außenwelt für jeden nachvollziehbar. Gerade im Schatten des berechtigten Freuden-Taumels zum 20. Jahrestag des Mauerfalls erscheint es uns wichtig, auf die großen und kleinen Helden aufmerksam zu machen, die nicht erst 1988 und 1989 sondern seit Beginn der DDR Wider­stand in vielfältigen Formen geleistet haben und diesen Widerstand und diese politisch begründete Verfolgung oft genug mit ihrem Leben, mit schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen und vielfacher Zerstörung der Lebens­ und Berufs-Linien bezahlen mussten. Damit haben diese Menschen über 40 Jahre lang ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Erodierung der DDR geleistet, die zweifellos im 9. November 1989 ihren Höhepunkt fand“.

 

Die Künstlerin und Initiatorin Franziska Vu wird die Aktion im Rahmen einer Fotoserie begleiten: „Was hinter diesen Gefängnismauern geschah, blieb der DDR-Öffentlichkeit gänzlich verborgen. Mit unseren Video- und Fotoaufnahmen wollen wir der Öffentlichkeit heute genau diese Einblicke möglichst detailge­treu gewähren“.

 

Eine Web-Cam überträgt rund um die Uhr Live-Bilder aus der Zelle 207 in das Internet. Historische Häftlingskleidung und feste Essenszeiten in der Zelle sol­len den Haftalltag so realitätsgetreu wie möglich wiedergeben. Dazu gehört auch, dass Holzapfel tagsüber sein Gefängnisbett nicht benutzen darf.

Dem „Gefangenen“ können über die Webseite auch Fragen gestellt werden, die er täglich gegen 13 Uhr live aus der Zelle beantwortet.

Beide Protagonisten beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema „Stasi-Haft“. Franziska Vu hatte sich bereits im Rahmen ihres Fotoprojekts „Inhaf­tiert" mit den Haftbedingungen in Hohenschönhausen auseinandergesetzt. Carl-Wolfgang Holzapfel saß 1965/1966 neun Monate in der ehemaligen Unter­suchungshaftanstalt ein, nachdem er bei einer friedlichen Demonstration für die politischen Gefangenen der DDR am Checkpoint Charlie verhaftet wurde.

 

Carl-Wolfgang Holzapfel wurde 1944 in Schlesien gebo­ren und wuchs in Westberlin auf. Als 17-Jähriger erlebt er, wie die Berliner Mauer errichtet wird. Seit damals prangerte er öffentlich Mauer und Schießbefehl an und setzte sich für die Wiedervereinigung ein. Bei einer seiner zahlreichen Protestaktionen wurde er 1965 am Checkpoint Charlie von DDR-Grenzsoldaten verhaftet, nach Hohenschönhausen verbracht und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach neun Monaten Einzelhaft wurde er nach Bautzen verlegt und nach insgesamt 13 Monaten Haft von der Bundesregierung freigekauft. Seither setzte er seinen Protest unbeeindruckt und mutig fort. Am 13. August 1989 machte er weltweit Schlagzeilen, als er sich demonstrativ quer über die weiße Grenzlinie am Checkpoint Charlie legte. Wenige Monate später gab die SED-Diktatur den öffentlichen Protesten in der DDR nach und öffnete am 9. November 1989 die Grenze zur Bundesrepublik und West-Berlin.

 

Franziska Vu (33): Die gebürtige Berlinerin ist gelernte Fotografin und eine renommierte Künstlerin und Dozentin für Fotogra­fie bei verschiedenen Bildungsträgern. Schon früh be­schäftigte sie sich mit der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Ihr letztes Projekt „Inhaftiert-Fotografien und Berichte aus der Untersuchungshaft­anstalt der Staatssicherheit" wurde mittlerweile in Deutschland, Finnland, Griechenland und Frankreich gezeigt. Für das Projekt „Inhaftiert - Fotografien und Berichte aus der Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit" war sie für den Kulturring in Berlin e.V. tätig. Die Arbeit wurde für den „Marion Dönhoffpreis für internationale Verständigung und Versöhnung 2005" nominiert und erhielt einen Auswahltitel beim Deutschen Fotobuchpreis. Ihre Arbeiten sind international in öffentlichen Museen und Sammlungen vertreten.

 

Die Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen: Von 1951 bis 1989 wurde die heutige Gedenkstätte als Untersuchungshaftan­stalt des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR genutzt. Tausende politi­sche Verfolgte in der DDR wurden hier unter menschenunwürdigen Bedingun­gen eingesperrt, erkennungsdienstlich behandelt und perfiden Verhören durch Stasi-Offiziere unterzogen. Regimekritiker wurden ebenso Opfer, wie Oppositi­onelle, die sich offen gegen die SED-Diktatur stellten oder DDR-Bürger, deren Fluchtversuch in die ersehnte Freiheit misslang.

Nach der friedlichen Revolution von 1989 und der anschließenden Wiederverei­nigung setzten sich ehemalige Häftlinge dafür ein, dass die Untersuchungshaft­anstalt als Gedenkstätte erhalten bleibt. Sie soll an politische Verfolgung in der DDR und die menschenverachtende Haftsituation in Hohenschönhausen erin­nern. Seit Juli 2000 ist die Gedenkstätte eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Allein im ersten Halbjahr 2009 besuchten über 146.000 Menschen das ehemali­ge Stasi-Gefängnis - die Hälfte von ihnen Jugendliche.

 

Ihr Klick zur Webcam: www.stasi-live-haft.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Andre Kockisch.

 

NEWS

 

24/7 Stasi-Live-Haft beendet:

Carl - W. Holzapfel bricht Internet-Kunstprojekt aus emotionalen Gründen ab

Am dritten Tag der Internet-Kunstperformance 24/7 Stasi-Live-Haft in der Zelle 207 der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen hat Carl Wolfgang Holzapfel das Projekt am gestrigen Samstag abgebrochen. Gegen 16 Uhr verkündete er in der Zelle, dessen Geschehen rund um die Uhr im Internet unter www.stasi-live-haft.de übertragen worden war, dass er die Aktion aus emotionalen Gründen beendet. Carl-Wolfgang Holzapfel: "Ich fühlte mich psychisch nicht mehr in der Lage, diese Aktion weiter fortzusetzen und bitte dafür um Verständnis. Die Zeit in der Zelle hat mir noch einmal vor Augen geführt, welchen psychisch unerträglichen Belastungen Häftlinge ausgeliefert waren. Ich habe diese Situation nicht mehr ertragen. Mein besonderer Dank gilt allen Beobachtern des Projekts, Unterstützern wie Kritikern."

Mit der Aktion wollten die Initiatoren Carl-Wolfgang Holzapfel und Franziska Vu aufrütteln und insbesondere junge Menschen dafür sensibilisieren, was Stasi-Haft für Kritiker der SED-Diktatur bedeutete. Die totale Isolation der Häftlinge von der Außenwelt sollte für jeden nachvollziehbar dargestellt werden. Für die Durchführung der Aktion stellte die Gedenkstätte den Künstlern den Originalschauplatz zur Verfügung.

Franziska Vu: "Trotz des frühzeitigen Abbruchs ist unser Projekt ein unglaublicher Erfolg und hat weltweit Beachtung und Aufmerksamkeit gefunden. Die Fotodokumentation wird wie geplant realisiert." Vom Start der Aktion berichtete neben der deutschen Presse zahlreiche internationale Medien wie die britische BBC, der arabische TV-Sender Al Jazeera, das niederländische und griechische Fernsehen sowie mehrere internationale Tageszeitungen wie die italienische La Repubblica. Die Website www.stasi-live-haft.dewurde während des Projekts von nahezu 20.000 Nutzern rund um den Globus besucht – vom europäischen Ausland über Australien, Neuseeland und Japan bis hin zu Brasilien. Die am zweitstärksten vertretene Besuchergruppe stellten hinter Deutschland die USA.

Carl-Wolfgang Holzapfel erholt sich derzeit zuhause. Für Rückfragen steht Franziska Vu zur Verfügung.

Franziska Vu, E-Mail: info@franziska-vu.de

 

 

 

 

 

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