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Mission Possible - „TanDEM-X“ und der dreidimensionale Ausblick auf unseren Planeten
TanDEM-X, der deutsche Radarsatellit, soll uns in einem derzeit konkurrenzlosen Verfahren dreidimensionale Bilder von der Erde übermitteln. In Kürze wird er seinen jetzigen Standort Ottobrunn verlassen und in wenigen Wochen mit einem „Umweg“ über Russland seinen Weg ins All antreten.
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Diese Expedition ist weit, genauer gesagt mehr als 500 Kilometer über dem Boden. Was er uns an seinem Einsatzort mitzuteilen hat, ist ein hochgenaues, dreidimensionales Abbild unserer Erde in bisher unerreichter Genauigkeit. Diese Radartechnologie verspricht ein neues Kapitel in der Erdbeobachtung aufzuschlagen.

Der TanDEM-X bereit zum Transport zu seiner Trägerrakete
Das homogene Höhenmodell wird eine unentbehrliche Grundlage für viele kommerzielle und wissenschaftliche Anwendungen bieten. Zum Einsatz kommen die Aufnahmen in topografischen Karten, in der Navigation oder in der Geologie. In diesem Bereich sind insbesondere geologische Karten in Vulkanregionen und Erdbebengebieten relevant. In der Hydrologie können die Höhenmodelle verwendet werden, um Karten von potenziellen Überschwemmungsgebieten zu erstellen und in der Landschaftsnutzung und Vegetation verbessern die Karten beispielsweise durch das Vermessen der Größe von Baumkronen eine übersichtliche Planung der Flächennutzung. Im Bereich Glaziologie ermöglichen es uns die Aufnahmen, Veränderungen der Eismassen polarer Eiskappen und Gletscher zu analysieren. Strömungskarten für die Planung von Gezeitenkraftwerken können in der Ozeanografie verwendet werden.
Für weite Teile der Erde existieren derzeit nur grobe Höhenmodelle. TanDEM-X gedenkt diese Lücken zu schließen und eine Basis für ein weltweit einheitliches Kartenmaterial zu schaffen. Allerdings gebührt die Ehre nicht ihm allein. Nur gemeinsam mit dem seit 2007 im All arbeitenden Vorgänger TerraSAR-X kann er dieses bislang einzigartige digitale Höhenmodell der Erde erfassen. Dazu müssen die Zwillingssatelliten nur wenige hundert Meter voneinander entfernt in enger Formation fliegen, was eine zeitgleiche Aufnahme des Geländes aus verschiedenen Blickwinkeln ermöglicht. Einfach ausgedrückt werden so die beiden Augen erst in vollem Umfang einsatzfähig.
TanDEM-X ist ein Nachbau von TerraSAR-X mit Erweiterungen. Gemeinsam bilden sie das erste konfigurierbare SAR-Interferometer. Dank der eigenen Beleuchtungsquelle können Messungen rund um die Uhr durchgeführt werden, unabhängig von den Wetterverhältnissen.
Das Pärchen aus zwei nahezu baugleichen Satelliten soll die Oberfläche der Erde, also 150 Millionen Quadratkilometer, innerhalb von drei Jahren bestimmt haben, wodurch ein Datensatz von 1,5 Petabyte entsteht. Das konkurrenzlose Verfahren der Zwillingssatelliten findet insbesondere in den USA erhebliche Beachtung und demonstriert darüber hinaus die deutsche Kompetenz in der satellitengestützten Radartechnik. Das Datenprodukt, in dessen Besitz sich dann Deutschland befindet, wird weltweit einzigartig sein.
Initiiert wurde das knapp 85 Millionen teure Projekt mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in öffentlich-privater Partnerschaft (Public Private Partnership PPP) zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Astrium GmbH Friedrichshafen.
Dabei ist das DLR verantwortlich für die Planung und Durchführung der Mission, die Steuerung der Satelliten und die Erzeugung des digitalen Höhenmodells. Die wissenschaftliche Leitung obliegt dem DLR-Insitut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme in Oberpfaffenhofen/Bayern. Während die Astrium GmbH den Satelliten gebaut hat, wird Infoterra, eine Tochtergesellschaft, verantwortlich für die weltweite kommerzielle Nutzung der Daten sein.

Die Verantwortlichen mit „ihren“ Zwillingssatelliten im Bild
Die Stationen welche der TanDEM-X seit Beginn der Integration im Oktober 2007 durchlaufen hat, sind bereits jetzt beachtlich. Seine Weltraumtauglichkeit musste er seit Juni 2009 in einer speziellen Testreihe bei der Firma IABG in Ottobrunn bei München im Auftrag des europäischen Raumfahrtunternehmens Astrium unter Beweis stellen.
Die IABG ist ein führendes europäisches Technologie-Unternehmen mit Schwerpunkt auf zukunftsweisenden Anwendungen von Hochtechnologie und Wissenschaft.
Am 11. Mai wird er von hier aus seine im Vergleich „kurze“ Reise zum Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan antreten. Der Start ins All mit einer russischen Trägerrakete vom Typ Dnjepr ist für den 21. Juni 2010 geplant, ab Dezember 2010 soll mit dem Tandemflug der beiden Satelliten und der Sammlung von Daten begonnen werden.
Kontakt
Raumfahrtzentrum der IABG
Einsteinstraße 20, D-85521 Ottobrunn
Tel. +49 (0)89 6088-0, info@iabg.de
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.
Königswinterer Straße 522-524, D-53227 Bonn
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