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Washington

Obama schickt „Liberty“ und „Peace“ in den Ruhestand

In unseren Breitengraden muss sich heute niemand mehr Sorgen darüber machen, ob er am nächsten Tag noch ausreichend zu essen hat. Im Gegenteil, die Medien überhäufen uns mit Ratschlägen für Diäten und Sportprogramme zur Gewichtsreduzierung – nicht ohne Grund. Fastfood-Ketten bieten „Speisen“ rund um die Uhr feil, die Regale in den Supermärkten sind voll. Das ganze Jahr über bedienen wir uns, ohne derer zu gedenken, bei denen das nicht selbstverständlich ist. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass auch unsere Vorfahren mit diesen Sorgen und Nöten zu kämpfen hatten. Nach gelungenen Ernten richtete man deshalb das Erntedankfest aus. Dieses gibt es bereits seit vorchristlicher Zeit, die katholische Kirche feiert es seit dem 3. Jahrhundert.

Auch die Amerikaner kennen ein ähnliches Fest, welches sie diesmal nicht von irgendwo übernommen haben. Dieses „Thanksgiving“ findet jeweils am vierten Donnerstag im November statt. Gedacht wird dabei der Pilgerväter, welche auf der legendären Mayflower völlig erschöpft dieses damals noch unbekannte Land erreichten. Die „Maiblume“ ist das prominenteste Schiff zur Besiedlung der Europäer in Amerika und verbrachte die so genannten „Pilgrims“ von Mittelengland aus auf den Kontinent. Die Reise dauerte im Jahr 1620 fast zwei Monate.

Die Hälfte der Neuansiedler soll den strengen Winter im neuen Land nicht überlebt haben, die anderen wurden später von den dort ansässigen Indianern unterstützt. Diese zeigten ihnen auch den Anbau heimischer Pflanzen wie z. B. den Mais. Als sie im nächsten Jahr eine reiche Ernte einholen konnten, feierten sie gemeinsam mit den Ureinwohnern eine „Danksagung“, wie wir Thanksgiving übersetzen können. Allerdings sollen, auch nach Angaben der Indianer, schon vorher alljährlich Dankfeste stattgefunden haben.

Fälschlicherweise wird das amerikanische Fest häufig mit dem hierzulande üblichen Erntedankfest vergleichen. In den USA allerdings handelt es sich um ein „Dankeschön“ für alles Gute und für den Erfolg. Während bei uns an die harte Arbeit erinnert werden soll und auch daran, dass es nicht allein in der Macht des Menschen liegt, wie gut oder schlecht die Ernten ausfallen.

Während für das Erntedankfest in Europa unterschiedliche Zeiten im Oktober festgesetzt werden, feiert ganz Amerika Thanksgiving als Familienfest am dritten Donnerstag im Oktober. Dort hat es nicht diesen religiösen Charakter wie bei uns. Auch Nichtgläubige feiern in Amerika den Tag. Deshalb herrscht absolutes Chaos auf den Flughäfen, Bahnhöfen und Straßen. Ganz Amerika ist auf den Beinen, um die häufig mehrere Hundert Kilometer entfernt lebende Verwandtschaft aufzusuchen. Wer es schafft da durchzukommen hat sich ein ordentliches Essen redlich verdient.

Traditionell serviert man zum Festessen eine Maissuppe, als Hauptgang einen gefüllten Truthahn und als Nachspeise ein Kürbiskuchen. Dekoriert wird nicht wie bei uns hier mit Feldfrüchten, Getreide oder Gemüse, sondern mit Relikten aus der Zeit der Pilger. Seit der Präsidentschaft Harry Trumans werden dem US-Präsidenten in einer feierlichen Zeremonie von der Geflügelindustrie Truthähne überreicht. George Bush. Sen. war der Erste, der damit begann diese zum Verzehr gedachten Tiere zu begnadigen.

Auch US-Präsident Barack Obama hat einen Tag vor dem Thanksgiving-Fest die Truthähne „Liberty“ und „Peace“ begnadigt. Sie dürfen ihren Lebensabend auf dem Landsitz des ersten US-Präsidenten George Washington verbringen. „Einige hier wissen vielleicht, dass ich in letzter Zeit eine Reihe von Entscheidungen getroffen habe, die keine Zustimmung vom Kongress erfordern. Das hier ist eine weitere“, witzelte Obama und spielte damit auf die Blockade des US-Parlaments in Zusammenhang mit dem Konjunkturprogramm an.  

Von Sabine Erl.

Sabine Erl Obama 

Unsere Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

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