Suche

Irschen

Ein Kraut für Alles und Jeden

In Kärnten sammelt und vermarktet ein ganzes Dorf Blumen und Wildkräuter: Die morgendliche Taunässe ist den Wiesen entwichen, der magische Sonnenaufgang ist längst vorbei. Ein Duft von wildem Heu liegt über den Bergen und Wiesen oberhalb der Drau im Westen von Kärnten. Es ist Vormittag, die richtige Zeit, um Wildkräuter zu sammeln. Und der richtige Schein, sprich Mondtag. Der jetzt aufnehmende Mond sei die ideale Mondphase, um Blüten und Blätter zu pflücken. „Wurzeln haben ihre volle Kraft eher bei abnehmendem Mond“, erklärt Annette Wallner vom Kräuterdorf Irschen. Wenn sie über die Ernte, Lagerung und Rezeptur spricht, erinnert sich die 39-Jährige an ihre Kindheit, an die getrockneten Blumen- und Kräutersträuße, den Kräutersäckchen und Döschen in der Küche ihrer Großmutter, an die Fensterbänke voller Kräutertöpfe. Getrunken wurden allerlei Tees, besonders im Winter, und für jegliche körperliche oder seelische Beschwerden gab es ein Kraut aus den Bergen. Jeden Tag nahm die Großmutter das Enkelkind an die Hand und ging mit ihr über die duftenden Wiesen.

Heute stehen bei Anette Wallner in dunklen Räumen mit Papier ausgelegte Körbe, in dünnen Schichten gefüllt mit bunten Blüten: Kornblumen, Löwenzahn, Lavendel, Schafgarbe, Brennnessel, Salbei, Veilchen. Eine Symphonie der Farben und Sinne. Die Blüten und Blätter werden so lange dort lagern, bis sie rascheltrocken sind.

Kräuter aus Kärnten  

„Annette´s Gartl“ gehört zu den Original-Kräuterschauplätzen von Irschen. Denn sie ist nicht die einzige Kräuterfrau. Ein ganzes Dorf kräutert auf den Wiesen, Almen, auf dem Feld und zu Hause. Wurde früher hier nach Gestein Gold geschürft, sind es heute die Wildkräuter, die das Gold bringen. Über 300 verschiedene heimische Kräuter wachsen in der verborgenen Alpenregion, über 50 Frauen verarbeiten die Kräuter zu Teemischungen, Ölen, Räucherwerk, Sirup, Aufstrich, Seifen, Cremes und Tinkturen, Duftkissen, Schnaps und Likören.

Geliefert wird ins Kräuterhaus Pfarrstadel, der zentralen Vermarktungsstelle. 18 Prozent des Verkaufserlöses bleiben im Kräuterhaus. Der Rest wandert in den Geldbeuteln der Frauen. Die Kräuteridee bringt den Frauen nicht nur ein beachtliches Zubrot, sondern Gemeinschaft, Zusammenhalt, Kooperation. Wer  beispielsweise reichlich Zitronenmelisse hat, gibt gerne ab, denn auch in den eigenen Gärten pflanzen die Frauen Blumen und Kräuter an, die Männer Schnaps brennen. Auf den Berghängen, Wiesen und in den Gärten entstehen immer neue Kräuterkulturen. Auf künstliche Düngemittel wird verzichtet. Vor mehr als 18 Jahren hat sich das namentlich ausgewiesene Natur- und Kräuterdorf Irschen auf das schonende Trocknen und Verarbeiten der frischen aromatischen Bergkräuter spezialisiert.

„Wir überlegten damals, was haben wir, was können wir. Die Natur ist Gottes Geschenk. Und das Wissen der alten Bäuerinnen nutzen, ein positives Symbol“, erinnert sich Annette Wallner.

Meterhohe Gräser wehen zart durch den sanften Wind. Betörende Düfte von Hollunder, Flieder und Jasmin. Grillen zirpen, Schmetterlinge tanzen. Der Alpenruam profitiert von einem mineralstoffreichen Boden. Die steilen trockenen Bergwiesen und das südalpine Klima sind der idealen Ort für Kräuteranbau. Bis in eine Höhe von 1.100 Metern sind die Kräuter zu finden.

Weiter unten im Tal tütet Katharina Hassler das zuvor kleingemörserte Kräutersalz in kleine Cellophan Tütchen, beschriftet Inhalt und Erntejahr.

„Eine Geduldsarbeit und für mich ungewohnt, so lange still zu sitzen. Man muss sich konzentrieren, aber es entspannt mich auch.“ Die einstige Bergbauernstochter musste schon als junges Mädchen Mähen, Rechen, mit dem Ochsen pflügen, Getreide dreschen  und Heu auf dem Buckel heimtragen. „Und wenn mal keine Arbeit war, dann gingen wir Beeren pflücken. Mit den Kräutern bin ich aufgewachsen. Besonders schön ist ihr Duft, das ist so eine ganz eigene Stimmung“, schwärmt die 71-Jährige.

In ihrem Lagerraum beherbergen riesige Pappeimer bis oben angefüllt die einzelnen getrockneten Pflanzen, bevor sie im richtigen Mix eingetütet werden. Die Obfrau der Kräuterlieferanten achtet streng darauf, wann, wo und welche Kräuter die Frauen gesammelt haben, denn die Produkte unterliegen allesamt überprüfbaren Qualitätskriterien der Landwirtschaftskammer.

Die 71-Jährige gibt ihr Wissen weiter an die jüngere Generation, beschreibt den Frauen, auf welche Weise die Kräuter getrocknet und verarbeitet werden, welche unterschiedlichen Wirkungen die verschiedenen Mischungen haben. So setzt sich ein beruhigender „Harmoniemix“ aus Pfefferminze, Melisse, Holunder, Lindenblüten, Malven, Rosenblätter, Johannisbeeren und Brennessel zusammen. Im „Gute Laune“ Tee finden sich Johanniskraut, Baldrianblüte, Schafgarbe und Melisse. „Wenn´s Bauchl zwickt“ helfen Himbeerblätter, Fenchel, Thymian, Kamille, Ringelblume und Minze. Entschlackungend wirkt eine Mischung von Brennessel, Löwenzahnblätter, Gänseblümchen und Birkenblatt. Wer aber „Lust auf Liebe“ hat, bekommt einen Tee aus Rosenblüten, Salbei, Bohnenkraut und Pfefferminze. Für jede Tageszeit stellt die Kräuterfee ein bekömmliches Getränk, für jede Stimmung oder jedes Wehwehchen. Das Mischungsverhältnis spielt dabei eine große Rolle sowohl für die Wirkung als auch für den Geschmack des Tees.

Annette Wallner war 16, als sie ständig unter Blasen und Nierenbeschwerden litt. Sie nahm Antibiotika. Später kam die Diagnose Gebärmutterhalskrebs. Die junge Frau stellte komplett ihre Ernährung um, weg von Fertigprodukten, keine Wurst mehr und kein Schweinefleisch. Dafür trank sie viel, bittere Tees,  Tausendguldenkraut, Schafgarbe, ...

Annette Wallner fühlte sich zunehmend besser. Für die Naturheilpraktikerin bedeuten die Kräuter Einklang mit der Natur, Lebensfreude, Kontakt zur Erde. „Ich habe mir früher viel Stress aufgeladen, war überfordert, zerrissen. Ich war stets woanders, nie bei mir. Entschleunigung auf natürliche Art, den Augenblick wahrnehmen und geniessen, musste ich erst lernen. Mein Leben ist leichter geworden. Der Garten befriedet meine Seele und bringt mich wieder auf den Boden.

Das Schmuckstück darin bildet eine Kräuterspirale, die alte keltische Symbolik für Fruchtbarkeit. Die Steine ringsum speichern die Wärme, so dass schon zeitig mit dem beginnenden Frühling die ersten Kräuter blühen. Rosmarin, Thymian, Salbei, Lavendel, Bohnenkraut, Minze, Curry, Petersilie.

Ihre besondere Liebe und Pflege gilt aber dem Kräuterkraftkreis, der auf einer kleinen Anhöhe mitten im Dorf angelegt ist. Er ist nach den vier Elementen Erde, Wasser Luft und Feuer ausgerichtet. Vier handgeschnitzte Lärchenholzsäulen in der Mitte angeordnet, symbolisieren die Wirkungsweisen der Kräuter und die Urqualitäten des Lebens. Früchte stehen für das Feuer, Blätter für das Wasser, Wurzeln für die Erde und Blüten für die Luft.

Von hier aus hat der Besucher einen herrlichen Blick auf die mit Kräuterfresken und Blumen reich verzierte Dionysos Kirche. Der heilige Dionysius zählt zu den 14 Nothelfern und wird als Fürbitter bei verschiedenen Krankheiten angerufen, insbesondere bei Kopfleiden und Gewissensängsten. Das Kräuterdorf Irschen hat seinen Kopf nicht verloren. Verwurzelt mit der Erde, klar und hellwach geht die Gemeinde im Drautal ihren Natur- und Kräuterweg.

Kräuterdorf Irschen - A-9773 Irschen, Telefon 04710/2377-2, www.irschen.eu  

Ein Beitrag für ReiseTravel von Christel Sperlich

 

Buchtipp: ReiseTravel empfiehlt  

Mit dem Mond durchs Gartenjahr 2012  

Bereits seit 1998 erscheint „Mit dem Mond durchs Gartenjahr“ und informiert den Leser über die optimale Nutzung der Kraft des Mondes - nicht nur im Gartenjahr.

Mit dem Mond durchs Gartenjahr 2012  

Das Buch ist gegliedert in vier Bereiche: Im ersten Teil erfährt der Leser Details über den Lauf und Einfluss des Mondes, im zweiten Teil geht es um das Arbeiten mit dem Mond speziell im Gartenbereich, im dritten Teil wird den Fragen nach dem optimalen Zeitpunkt für Haarschnitt, Zahnbehandlungen, Nagelpflege usw. nachgegangen. Der vierte Teil ergänzt den theoretischen und praktischen Teil und gibt in Monatskurven durch klare Symbole eine Übersicht über die optimale Nutzung des Mondeinflusses.

Der Kalender soll dem Leser helfen, sich mit den verschiedenen Bewegungen des Mondes vertraut zu machen und sich so dessen positiven Einfluss zunutze machen zu können.

 

Mit dem Mond durchs Gartenjahr 2012 Leben und Arbeiten in Harmonie mit Mond und Planeten von Michel Gros, Leopold Stocker Verlag, ISBN 978-3-7020-1312-7, www.stocker-verlag.com

Das Buch kostet im Buchhandel 8,95 Euro.

 

Sehr geehrte ReiseTravel User,

bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank.

Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu

 

 

ReiseTravel empfehlen/merken:
del.icio.usLinkaARENAMister Wonggoogle.comYahooMyWeb

ReiseTravel aktuell:

Hensted

Strahlend blauer Himmel, die Sonne scheint: Da werden die Fahrräder flugs aus Kellern und Schuppen geholt. Doch aufgepasst mahnt Thorsten Rudnik,...

Völz

Völs am Schlern als Familien-Urlaubsparadies mit hohem Erlebniswert: Sanft streichelt die Sonne die saftig grünen Almen, auf denen kleine Dörfer,...

München

Eine Art Testlauf war das Fachsymposium „Regionale Schätze – Genuss aus Münchens Vorgarten“. Falls die Veranstaltung ein Erfolg wird, so hieß es,...

London

Rolls-Royce - Edel und für viele unerschwinglich: Was haben Thomas Gottschalk und David Beckham gemeinsam? Vielleicht nicht wirklich viel, aber auf...

Regensburg

Reisen & Speisen in Regensburg führen zu facettenreichen Erlebnissen: Egal, wie lange ein Regensburg Aufenthalt dauert, einen kulinarischen...

Klaistow

Spitzenleistung: Wenn der Spargel seine Spitzen durch den märkischen Sand treibt, dann wissen Berliner und Brandenburger, dass wieder Saison für...

Rom

In Bella Italia waren Sie schon lange nicht mehr, sind aber grundsätzlich nicht abgeneigt? Bei mir war es bis vergangene Woche genauso. Da habe ich...

Peking

Noch Dunst oder schon Smog? Klare Sicht ist in Peking selten. Die Chinesen kaufen zu wenige chinesische Autos. Chinas Hersteller bangen um ihre...

Uly Koch

In Donaueschingen befindet sich die Quelle der Donau: Nach 609 Kilometern durch Deutschland fließt der Fluss dann weiter durch zahlreiche Länder und...

Volker Lange

Volker Lange   Kurz vor der AMI: Vom 2. bis 10. Juni 2012 findet die AUTO MOBIL INTERNATIONAL (AMI) als PKW-Messe des Jahres in...