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1000 Jahre St. Michael
Mit einem 635 Meter langen Band, gefertigt von 1000 Schülern des Josephinums, wurde die 1000-Jahrfeier der St.-Michaelis-Kirche in Hildesheim eröffnet. Und dies mit höchster Prominenz:
Bischof Norbert Trelle, Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann, Weihbischof Hans-Georg Koitz, Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger, die niedersächsische Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann und der Bundespräsident Horst Köhler mit Ehefrau Eva

Der Oberbürgermeister der Stadt Hildesheim Kurt Machens betonte anlässlich der Eröffnungsveranstaltung 1000 Jahre St.-Michael:
St. Michael ist ein wahrhaft bedeutender Ort: Der in Stein gehauene Anspruch von Kirche und Staat, der Ausdruck von Macht, die Ausstattung und Bauweise für das Entstehungsjahr einzigartig. Die Rückschlüsse auf die Kenntnisse und das Wissen der Baumeister sowie des großen Lenkers Bischof Bernward von Hildesheim, für seine Zeit einzigartig und anspruchsvoll.
In einer Zeit, als hier am Ort etwa 2000 Menschen lebten, in ganz Europa 40 Millionen, begann so - nach dem Historiker Overesch- das große bernwardinische Szenarium im mittelalterlichen Welttheater. Bischof Bernward war nach seinen Biografen ein Multitalent, in vielen Dingen außerordentlich begabt, praktisch wie theoretisch -ein Handwerker-, aber auch ein Denker, der als sächsischer Adliger seine Ausbildung mit sieben Jahren an der Hildesheim Domschule begann.
Seine Begabung fiel nicht nur in der Kirche auf, die ihn zum Diakon und Priester machte, sondern auch am kaiserlichen Hof Ottos des II., wo er in der Kanzlei seine politische Bildung, die Verwaltungstechnik und das Wissen um die Volksrechte vervollständigte. Er war reisefreudig, und italienische Einflüsse, Besuche in Mailand, Pavia, Ravenna und Rom prägten sein Interesse am städtischen Leben, an Kunst, Kultur und Geschichte. Sein politischer Einfluss am ottonischen Hof stieg. Er wurde zum Erzieher Ottos des III., und nach dem Tod Ottos des II. wurde Bernward am 15. Januar 939 durch den Mainzer Erzbischof Williges, also heute vor 1017 Jahren, zum Bischof von Hildesheim geweiht.
Das Hildesheimer Domstift wurde unter seiner Führung zu einem zentralen Ort der kirchlichen und politischen Bildung, die allerdings nur einigen wenigen Auserwählten zu Gute kam.
Der Anspruch Bernwards als Diener von Kirche und Staat zu wirken, führte zunächst zu dem Bau der Kreuzkapelle.
Die Orientierung hin zu St. Michael ist sicher auch in der wachsenden Verehrung des Engels St. Michael bei den Ottonen als Sieghelfer in vielen bedeutenden Schlachten zu begründen. Mit der Abkehr von der Kreuzwidmung hin zu St. Michael als Namenspatron, realisiert Bernward nach der Grundsteinlegung im Jahre 1010 einen in Stein gewachsenen Machtanspruch, der in der Bautechnik und Realisierung sicher auch nur durch die Nutzung des Wissens griechischer und orientalischer Mathematiker möglich wurde. Die vollkommene Harmonie und geradezu musikalische Komposition, die man rechnen und spielen kann, ist ähnlich wie Korff sie bei den Pyramiden von Gizeh nachweist. Diese Kirche zeugt von der Weltoffenheit und Organisationsbegabung des Bauherrn.
Zurzeit der Grundsteinlegung der Michaeliskirche gab es kaum Gemeinsamkeiten zwischen Staat und Kirche einerseits und Stadt andererseits. Auch nach dem unterhalb des Michaelishügels eine Siedlungszelle entstand, aus der sich etwa zur Mitte des 12. Jahrhunderts eine Marktsiedlung entwickelte, blieben Kirche und Kloster über Jahrhunderte ein gesonderter kirchlicher Rechtsbezirk, der von Rat und Bürgerschaft nur ungern geduldet wurde.
Das umfangreiche klösterliche Vermögen wurde mit Argwohn gesehen, sodass schließlich Ende des 15. Jahrhunderts die Stadt dagegen rigoros vorging. Das wiederum hatte zur Folge, dass der Abt die Stadt im Jahr 1526 vor dem Reichskammergericht verklagte. Mit der Einführung der Reformation weiteten sich die Auseinandersetzungen aus. 1543 wurde die Kirche auf Druck der Bürgerschaft protestantische Pfarrkirche und gehörte damit erstmals ihr. Die Mönche jedoch behielten die katholische Konfession. 1803 hob der König von Preußen das Kloster auf, das mitsamt der Kirche mehrfach zweckentfremdet wurde und sogar vor dem Abriss stand. Im 2. Weltkrieg zerstört, wurde die Gottesburg mit der großzügigen finanziellen Unterstützung eines jüdischen Geschäftsmannes aus den USA von Hildesheimern wieder aufgebaut und 1960 geweiht. 1985 schließlich wurde sie als herausragendes Beispiel ottonischer Architektur als UNESCO-Welterbe anerkannt.
Die jetzt vollendeten Restaurierungsarbeiten sichern die Bausubstanz dieser Kirche für viele Jahre und haben wesentliche baugeschichtliche Erkenntnisse gebracht, von denen ich drei erwähnen möchte: So ist der an der Südfront gefundene romanische Bogen aus fünf Trapezkeilsteinen der großartige Beweis dafür, dass St. Michaelis seit jeher eine bisher nicht bekannte, repräsentative farbliche Gestaltung seiner Außenmauern besaß. Dass das dabei „entdeckte" Hellrot mit dem für die Innengestaltung gewählten übereinstimmt, ist besonders bemerkenswert.
Die Universität Kiel hat die Rüstholzfunde in den beiden oberen Gaden bestimmt, mit dem eindeutigen Ergebnis, dass das Mauerwerk dieser Obergaden bernwardinischen Ursprungs ist. Damit ist ein großes Rätsel der Baugeschichte geklärt.
Das historische Fußbodenniveau zurzeit Bischof Bernwards wurde am nordöstlichen Pilaster der Engelsempore wiederentdeckt.
Durch die Absenkung des Fußbodens ist heute ein einheitliches Niveau von Unterkirche und Kirchenschiff erreicht. Die Gestaltung als Prozessionskirche ist in ihrer vollen ästhetischen und funktionalen Schönheit erlebbar.
Nach diesem kleinen baugeschichtlichen Exkurs lassen Sie mich, als besonders schönes Beispiel praktizierter Ökumene in unserer Stadt die nach einem Durchbruch dicker Mauern geschaffene Verbindung der Hauptkirche der Krypta erwähnen, die 2006 realisiert werden konnte.
Damit ist St. Michaelis eine der wenigen Simultankirchen weltweit, in denen zwei Konfessionen ihren Glauben leben. Ökumenisches Denken und Handeln haben Sie unmittelbar vor Ihren Augen. Es ist die Christussäule, die während der jetzt begonnen Sanierungsarbeiten im Dom hier einen würdigen Standort gefunden hat. Die gleichermaßen berühmten und einzigartigen Bernwardstüren werden im städtischen Roemer- und Pelizaeus-Museum ihr vorübergehendes Domizil finden, womit ich das eingangs erwähnte Gemeinsame und Verbindende zwischen den beiden großen Kirchen und der Stadt noch einmal unterstreichen kann.
Die Verantwortung für ein Welterbedenkmal ist groß. Wir Hildesheimer sind stolz darauf, dass es gelungen ist gemeinsam mit der Gemeinde St. Michael, der evangelischen Landeskirche, zahlreichen Spendern und Unterstützern dieses einzigartige Bauwerk pünktlich zum 1000. Jubiläum gesichert für die Zukunft und im neuen Glanz erstrahlen zu lassen.
Nun, sehr verehrter Herr Bundespräsident, sehr verehrte Frau Köhler, darf ich Sie bitten, sich in das „Goldene Buch" der Stadt einzutragen, das heute an der Bernwardssäule platziert ist.
Ich heiße Sie herzlich willkommen zur Eröffnungsveranstaltung aus Anlass des 1000-jährigen Michaelisjubiläums.
Das Jubiläumsprogramm bietet bis Ende November 2010 eine Vielzahl großer Konzerte von Klassik bis Pop, Theater, Kongresse, Workshops, Vorträge, Fernsehgottesdienste und weitere Aktivitäten.
Im Mittelpunkt steht jedoch die Kirche selbst: Nördlich der Alpen gibt es keinen romanischen Bau, der es an Bedeutung mit St. Michaelis aufnehmen könnte. Mit seinem einzigartigen Deckengemälde, dem „Jesseboom“, ist die Kirche offizielles Welterbe der UNESCO.
Kontakt
Hildesheimer Marketing GmbH
Rathausstraße 15, D-31134 Hildesheim
www.michaelis2010.de – www.hildesheim-marketing.de
Ein Beitrag für ReiseTravel von Gerald H. Ueberscher, eu@reisetravel.eu Fotos Marion Dobias.
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