Suche

Berlin

Begegnung mit dem hybriden Glauben des Venezolaners...

Wir betreten das Reich des Spirituellen aus Sicht der zeitgenössischen Kunst, einer Kreativitätsübung, deren Ergebnis dieses Projekt von Interpretationen des venezolanischen religiösen Synkretismus ist, der ein untrennbarer Bestandteil der nationalen Identität ist und nicht mehr ein Synonym der katholischen Identität, sondern einer hybriden Religiosität. Er ist auch in anderen geografischen Gebieten der Karibik und Südamerikas präsent, besonders in Regionen, wo sich die afrikanische Kultur ansiedelte. Dieser von Veränderungen geprägte Komplex ist auch in anderen Bereichen der Gesellschaft präsent, die übertragen werden und sich im Bereich des Spirituellen deutlich widerspiegeln.

 

Der venezolanische religiöse Synkretismus ist ein großes kulturelles Mosaik, das aus der Verschmelzung anderer religiöser Wurzeln entsteht, bei der eine Seelenwanderung vergegenwärtigt wird, um den Ritus zu schaffen; dort werden die Geister der Geschichte und Politik Venezuelas angerufen: man ruft den Geist Simon Bolivar und der berühmten Indianerhäuptlinge aus der Zeit der spanischen Eroberung und anderer berühmter Söhne des Vaterlandes an, wobei man religiöse Gruppen und Kulte für bestimmte oder kollektive Gottheiten bildet. Der Volkskatholizismus steuerte Kerzen, Weihrauch, katholische Heiligenbilder und religiöse Lieder bei. Andere Wurzeln liegen in der Volksmedizin, wo Heilungsriten durchgeführt werden. Diese sind ein afrikanisches Erbe: Magie, Hexerei, Trance, Besessenheit, Medium, Trommeltänze, Opfer und Opfergaben, die die animistische Religion kennzeichnen.

 

Das Alltägliche des Glaubens, der Berge versetzt: Für gläubige Menschen sind Wunder keine übernatürlichen Vorgänge, sondern Situationen des Alltags, weil die Götter Teil der Lebenserfahrung sind. Der Hauptbrennpunkt des Interesses der Gläubigen liegt in der Vollbringung von Wundem, was nicht unbedingt als etwas Außergewöhnliches verstanden wird. Diese könnten sein, von einer Krankheit geheilt zu werden, in der Schule versetzt zu werden, die Arbeit nicht zu verlieren oder die Familie zusammen zu halten, einen neuen Partner zu finden oder einfach in der Lotterie zu gewinnen. In diesem Zusammenhang werden andere Arten städtischerer Rituale durchgeführt: jeden Morgen das Horoskop lesen, Träume deuten mit "San Cono", ohne Mitglied von religiösen Gruppen der Santeria zu sein, an die von Maria Lionza, dem Kaziken Guaicaipuro und dem Negro Felipe gebildete Trinität glauben; Distanz und Respekt sind ebenfalls Formen der Bestätigung der Existenz der synkretistischen Kulte, die indirekt mit großem Respekt von denjenigen akzeptiert werden, die sie nicht praktizieren, aber von ihrer Existenz wissen.

 

Die westliche Zivilisation, zu der wir gehören, basiert auf der Trennung zwischen Menschen und Göttern. Das ist ein Fundament des städtischen und modernen Lebens. Aber die Anbetung und Verehrung von Heiligen beginnt in Erzählungen und Legenden von Wundern, die oft aus außerstädtischen Regionen stammen, Handlungen, die das eine oder andere Mal wiederholt werden und nicht nur von der Macht des Heiligen zeugen, in der Welt der Lebenden zu wirken, sondern auch vom Glauben anderer gläubiger Menschen, was als bestätigendes Element für die Wunderkräfte der Persönlichkeit dient, die Gläubige und Anhänger durch die durchgeführten Aktionen zusammenführen.

 

Die Kunst als Mittel der Darstellung des Ursprünglichen in der Gegenwart: Die Ausstellungsstücke verkörpern klare und charakteristische Formen des Synkretismus als ästhetische Kategorie, sowohl in ihrer Handlungsweise als auch in ihrer Bedeutung für das Magisch-Religiöse, wo das Geheiligte das Symbolische kreuzt und so ein ewiges Raster des Ursprungs des Wissens, des Ursprungs der Sprache und des Ursprungs der Zeit dargestellt wird. Es beschreibt diese andere Intelligenz des Emotionalen und des Subjektiven, d.h., des Körperlichen.

 

Um diesen Prozess zu verstehen, ist es wichtig, sich von jeder Rationalität freizumachen, um vom Gefühl her den Sinn dieses Projekts zu verstehen, das uns aus der Gegenwart heraus mit der Entwicklung des Glaubens des Venezolaners verbindet, angefangen bei den ursprünglichen oder traditionellen Gesellschaften, die anderen Religionen ihren Ursprung gaben, welche die Wege ebnen, um mit der Welt des Jenseits in Kontakt zu treten

 

Jedes Werk ein persönliches Fragment...

Das Werk "Ohne Einschränkung(en) des Glaubens" des bildenden Künstlers Luis Gemez besteht aus neun Totems, die die Synthese der Beziehung zwischen der katholischen Religion und der Santeria widerspiegeln. Der Künstler forscht in der Ikonografie, um "den Glauben zu materialisieren". Ausgehend von diesem Prinzip, baut Gemez ein Pantheon der Gottheiten ausgehend von der Abstraktion der Kodexe, die jede religiöse Gruppe kennzeichnen, göttliche Persönlichkeiten mit gemischten Wurzeln, die es im Volksglauben gibt. Sein Projekt beschreibt in seiner Entwicklung eine hervorstechende Tendenz zur Pop-Art, die die plastische Darstellung einer Kultur und die Schaffung neuer Objekte ausgehend von Bildern des alltäglichen Lebens ist.

 

Die bildende Künstlerin Nayari Castillo zeigt uns ein begriffliches Werk mit dem Titel "Trauerparaphernalien", einen minimalistischen Vorschlag, der inspiriert ist vom Ausdruck des Schmerzes, der Angst, der Traurigkeit, der Freude und der Depression, die sich durch Tränen als Antwort des Körpers auf diese Gefühle äußern. Gleichzeitig mit der Idee des Verkaufs der Reliquie und der Träne als Darstellung des Glaubens, die auch eine greifbare Realität ist. 300 Kugeln, die je 1,5 Milliliter Tränen von verschiedenen Spendern in einer Verdünnung von 1:1000 enthalten, gehören zum Projekt und können für einen Euro gekauft werden.

Marco Montiel-Soto, schuf ein fotografisches Werk mit dem Titel "Glauben kaufen, um Berge zu versetzen", das aus Bildern von Amuletten, Figuren, Heiligen, Kerzen, Blumen, Halsketten, Parfüms und Seifen besteht. Eine Figur oder Ikone ist das Medium für das Erbitten eines Wunders. Ausgehend von diesen Bildern wird eine Glaubensform erhalten, die nicht "im Jenseits" und nicht rein spirituell ist, sondern sich auf Wunder stützt, die im Körper und im täglichen Leben geschehen: bei Gesundheit, Wohlstand, Geld, Liebe, Sexualität...

"Königin Maria Lionza, wir feiern und grüßen dich" ist eine Handlungsdarstellung, die die Künstlerin Arline Morillo de Zwick auf der Grundlage von Ausdrucksformen der Volksrituale konzipiert hat. Das Werk ist an sich die Vergrößerung des Bildes einer kleinen Schutzfigur, die man kaufen oder als Geschenk bekommen kann. Eine einfache Darstellung der Vorstellungswelt der Indianergöttin, die viele Anhänger und Gläubige hat. Das Ritual stellt die Handlung der Darbringung von Blumen, Weihrauch, Kerzen, Alkohol, Musik und das Lesen eines Gebetes dar.

 

Die interaktive Installation "Textilie mit Zauberkraft oder göttlicher Schutzmantel" des bildenden Künstlers Ibrahim Lopez führt uns in das Mystisch-Religiöse ein, in einen höheren Raum, wo das Licht und die Energie das Verbindungselement zum Glauben sind. Eine Art Schutzschwelle oder Mantel des himmlischen Lichts und der spirituellen Wiedergeburt. Der Zuschauer muss sich unter ihn stellen und das Gebet sprechen, das neben ihm ist.

Cesar Rojas Marino schuf ein Werk, dem er den Titel 'Wie die Jungfrau in meinem Haus erschien" gab, ein Diorama, das den vertrauten Moment der Erscheinungen als Ausdrucksformen der Darstellung des Glaubens beschreibt. Mit seinem Vorschlag stellt Rojas die Gesellschaft der Gläubigen dar und wie dieses Gefühl die Hoffnung auf Verbesserung der individuellen Wirklichkeit ausdrückt. Aber sehen, um zu glauben, ist immer ein Gefühl, das man findet, um die Zeichen zu akzeptieren, die oft ohne greifbaren Beweis erscheinen.

"Ektoplasma" ist das durch die Fotografie strukturierte Werk des Fotografen und Schriftstellers Nicolas Suva Torres, die die Materialisierung eines Geistes und die Erzählung der Geschichte dieser Erscheinung in einem Ritual der Santeria festhält. Mit Hilfe der Technik der digitalen Fotografie erzählt uns Suva Torres von der bemerkenswerten Erfahrung einer deutschen Familie, die nach Venezuela reiste, und davon, wie ihre Begegnung mit dem Magisch-Religiösen der Santeria war.

 

Die bildende Künstlerin Lisbhet Mariela Ojeda D'Elia stellt uns ihren Vorschlag „Die ewige Wanderin" vor, ein Werk in Form eines Altars, wo sie in Form von Fragmenten eine Reihe von Werken anordnet, die sie ausgewählt hat und die das innere Licht der von der Künstlerin erlebten kreativen Momente projizieren. Eine Flasche, die die Geschichte Venezuelas und die Traurigkeit von Tränen enthält, die eine intime und persönliche Geschichte weben, die ausgehend von der Spiritualität der Kunst als Ausdrucksmittel ritualisiert wird.

Palmira Wassermann, praktizierende Gläubige dieser Riten, zeigt uns die Performance "Reinheit" als Einleitungsritual für den Eintritt in den Raum der Ausstellung, eine Handlung, die das Prinzip der Ausstellung verkörpert: Realität, Mystizismus, Spiritualität, Schutz, Bewunderung und Glaube, womit sie uns einlädt, diese sensible Welt der animistischen Religionen kennen zu lernen, die sich dem Katholizismus anschlössen, woraus eine hybride Religion entstand, die sich weiter verändert.

 

... "der Synkretismus ist die Anerkennung einer einzigen Tradition, die alle Religionen durchzieht und nährt, alle Glaubens- und Wissensformen und alle Philosophien." Umberto Eco

 

Glaubenrituale

Zeitgenössische Interpretationen des venezolanischen religiösen Synkretismus

Ausstellung in der Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela

 

Schillstrasse 9, D-10785 Berlin

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edgar Ernesto Gonzalez, Kulturattache Kurator.

 

 

ReiseTravel empfehlen/merken:
del.icio.usLinkaARENAMister Wonggoogle.comYahooMyWeb

ReiseTravel aktuell:

Hensted

Strahlend blauer Himmel, die Sonne scheint: Da werden die Fahrräder flugs aus Kellern und Schuppen geholt. Doch aufgepasst mahnt Thorsten Rudnik,...

Völz

Völs am Schlern als Familien-Urlaubsparadies mit hohem Erlebniswert: Sanft streichelt die Sonne die saftig grünen Almen, auf denen kleine Dörfer,...

München

Eine Art Testlauf war das Fachsymposium „Regionale Schätze – Genuss aus Münchens Vorgarten“. Falls die Veranstaltung ein Erfolg wird, so hieß es,...

London

Rolls-Royce - Edel und für viele unerschwinglich: Was haben Thomas Gottschalk und David Beckham gemeinsam? Vielleicht nicht wirklich viel, aber auf...

Regensburg

Reisen & Speisen in Regensburg führen zu facettenreichen Erlebnissen: Egal, wie lange ein Regensburg Aufenthalt dauert, einen kulinarischen...

Klaistow

Spitzenleistung: Wenn der Spargel seine Spitzen durch den märkischen Sand treibt, dann wissen Berliner und Brandenburger, dass wieder Saison für...

Rom

In Bella Italia waren Sie schon lange nicht mehr, sind aber grundsätzlich nicht abgeneigt? Bei mir war es bis vergangene Woche genauso. Da habe ich...

Peking

Noch Dunst oder schon Smog? Klare Sicht ist in Peking selten. Die Chinesen kaufen zu wenige chinesische Autos. Chinas Hersteller bangen um ihre...

Uly Koch

In Donaueschingen befindet sich die Quelle der Donau: Nach 609 Kilometern durch Deutschland fließt der Fluss dann weiter durch zahlreiche Länder und...

Volker Lange

Volker Lange   Kurz vor der AMI: Vom 2. bis 10. Juni 2012 findet die AUTO MOBIL INTERNATIONAL (AMI) als PKW-Messe des Jahres in...