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Die letzten Könige der Anden
Er kann bis zu 10.000 Meter Höhe erreichen, mit 200 bis 300 km pro Tag sagenhaft weite Distanzen innerhalb kürzester Zeit zurücklegen und ist mit bis zu 3,20 m Flügelspannweite einer der größten Vögel der Welt. Doch all seine Kraft und Fähigkeiten schützen den Andenkondor nicht vor seinem Aussterben, denn Schätzungen zufolge gibt es von ihm in Ecuador nur noch um die 70 Exemplare.
In freier Wildbahn läst sich der Kondor mit etwas Glück in den Nationalparks Cotopaxi, Chimborazo und am Besten im Naturreservat Antisana beobachten, das die Hälfte der in Ecuador noch vorkommenden Vögel beherbergt.
Die Gefahren für den König der Anden liegen auf der Hand: Vergiftungstod, Jagd, illegaler Handel und Nahrungsknappheit. In vergangenen Zeiten ernährte sich der Andenkondor von Bären, Pumas und Lamas, doch mit der Zeit verdrängte der Mensch diese natürlich vorkommenden Tiere aus der Páramo-Landschaft – der Heimat des Kondors – und führte stattdessen Rind und andere Zuchttiere ein. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass es immer wieder Personen gibt, die über herumliegendes Aas (seine Nahrungsgrundlage) Gift streuen oder ihn als Jagdobjekt missbrauchen. Wenn diesem Prozess kein Einhalt geboten wird, kann die Ausrottung des wichtigen Tieres auf Kurz oder Lang nicht mehr vermieden werden. Dies würde einen schweren Verlust für Ecuador bedeuten, nicht nur da der Kondor ein Nationalemblem des kleinen Andenstaates darstellt und somit auch die Flagge schmückt, sondern auch da er Grundlage und Mittelpunkt zahlreicher Legenden und Erzählungen der indigenen Hochlandbevölkerung bildet. Auch wegen seiner wichtigen Rolle im biologischen Kreislauf des andinen Ökosystems würde seine Ausrottung schwere Folgen nach sich ziehen. In seiner Funktion als Aasfresser sorgt er nämlich für die Säuberung und Reinhaltung des Páramos und verhindert dadurch die Übertragung von durch Verwesung verursachten Krankheitserregern.
Um dem traurigen Schicksal dieses wichtigen Andenbewohners entgegenzuwirken, rief das ecuadorianische Umweltministerium 2003 eine Strategie zu seinem Schutz ins Leben. Grundlage der Initiative ist eine sorgfältige Zählung der übrig gebliebenen Exemplare und die Evaluierung ihrer Lebensbedingungen.
Hinzu kommen die Maßnahmen des Umweltschutzverbandes Simbioe und der Zoologischen Stiftung von Guayllabamba, die sich ebenfalls um die Zählung der Kondore sowohl in freier Wildbahn als auch in Gefangenschaft kümmern. Ein weiteres Vorhaben, das sich für den Schutz des großen Aasfressers, aber auch etlicher Raubvögel einsetzt, ist der Vogelschutzpark El Cóndor in der Gemeinde Miguel Egas / Peguche im Kanton Otavalo (Provinz Imbabura).
Jedem, der „den König der Anden“ einmal aus nächster Nähe bestaunen will, sei ein Besuch dieses Vogelparadieses empfohlen. Einige der dort lebenden Raubvogelexemplare und Kondore wurden aus den Fängen illegaler Händler befreit, wieder andere fanden ihren Weg in den Park, um sich dort von Schusswunden, gestutzten Flügeln und anderen Verletzungen zu erholen. El Cóndor wurde vor drei Jahren gegründet und zu einem Vorzeigeprojekt für ganz Lateinamerika. Zu hoffen bleibt nur, dass solche und andere Maßnahmen zur Rettung des majestätischen El Cóndor beitragen.
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Ein Beitrag für ReiseTravel von Bina Kreykenbohm.
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