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Kochel am See

Franz Marc entdecken

Ein Kunstlehrpfad durch eine „malerische“ Umgebung: Franz Marc, Wegbereiter des Expressionismus und Mitbegründer der Künstlergruppe „Blauer Reiter“ lebte und malte in der Gegend rund um Kochel am See. An Originalschauplätzen erkunden, wie der Maler Franz Marc seine Motive gefunden hat, kann man entlang des Kunstrundweges auf seinen Spuren durch den zauberhaften oberbayerischen Ort. Mit Staffelei, Pinsel und Farbkasten, mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Hinweistafeln an den einzelnen Standorten erleichtern die Suche nach weltberühmten „Bildvorlagen“.   

Franz Marc lebte vor dem ersten Weltkrieg in der Nähe von Kochel. Hier entstanden zahlreiche seiner Bilder. Einst malte Franz Marc noch für die Bauern hier in der Gegend und ließ sich mit Lebensmitteln bezahlen. Wertlos schienen diese Schmierereien für so machen, der sie ihm nur aus Mitleid im Tausch gegen Lebensmittel „abkaufte“. So fristeten sie ihr Dasein an Toilettenhäusern und in Scheunen bis sie schließlich als Heizmaterial nutzbar gemacht wurden. Mancher Nachfahre der „Kunstbanausen“ würde angesichts des heutigen Wertes der Bilder wohl am liebsten die Zeit zurückdrehen. Der Kunstpfad vorbei an einzelnen Motiven wird begleitet von Hinweistafeln mit einer kurzen Beschreibung. Der Vergleich der Bilder an Originalschauplätzen gewährt einen unmittelbaren Zugang zu den Werken und die Orte, an denen sie entstanden.  

Beginnend am Bahnhof in Kochel mit der Touristinformation zeigt der Kunstrundweg zur Einstimmung eine Abbildung der berühmten Hocken im Schnee. Das Original des bedeutenden Werkes befindet sich im Franz-Marc-Museum in Kochel. Auf seinen Bildern hat Marc dieses Motiv im Laufe der Jahre immer wieder dargestellt. Es verdeutlicht sehr gut die Entwicklung vom naturalistischen über das expressionistische Malen bis hin zum Abstrakten Schräg gegenüber befindet sich das Hotel Waltraud mit einem schönen Biergarten und einer Gartenterrasse. Zur Zeit Franz Marcs befand sich hierin ein Gasthaus mit eigener Metzgerei, in welcher er seine  tieranatomischen Studien zeichnete. Dem Künstler schien die Kenntnis der Anatomie eines Tieres ebenso wichtig wie die Beobachtung der Verhaltensformen. Namensgeber einiger Gästezimmer sind selbstredend Künstler aus der Gruppe des Blauen Reiter.  Als besonderes Highlight besitzt das Hotel Waltraud eine kleine Galerie mit Kopien der Werke, die teilweise im Original im Franz-Marc-Museum ausgestellt sind. Dort kann man bei Kaffee und Kuchen die künstlerische Entwicklung anhand der bereitgestellten Erklärungen verfolgen. Außerdem befindet sich hier ein Wandgemälde, eine Replik des berühmten „Turm der blauen Pferde“. Das 1913 vollendete Original des Bildes ist seit 1945 spurlos verschwunden.  

Über einen kleinen Weg, den Aufsess-Weg erreicht man die Kalmbachstraße und von hier aus links über einen Feldweg nach einem kurzen, allerdings etwas steilen Aufstieg die Kohlleite, einen Aussichtspunkt. Von hier oben hat man einen herrlichen Blick auf Kochel und den Kochelsee. Das Bild auf der Hinweistafel zeigt das Bild „Zwei Frauen am Berg (1906)“ mit noch deutlich impressionistischem Einfluss. Es handelt sich dabei um die beiden Ehefrauen von Franz Marc. Marie Schnür, mit der er eine Scheinehe eingegangen war, die es Marie ermöglichte ihr uneheliches Kind zu sich zu holen, und seine spätere Ehefrau Maria Franck.

Von hier aus bestünde die Möglichkeit, den Rundweg mit einer kleinen Wanderung über die Lainbachfälle zurück in den Ortskern von Kochel zu verbinden. Diese dauert allerdings ca. 2 Stunden.

Andernfalls nimmt man den gleichen Weg wieder zurück über die Kalmbachstraße bis zur Mittenwalder Straße und dort nach rechts in den Ortskern hinein. Der kleine, malerische Platz wird dominiert von einer anderen berühmten Persönlichkeit der Gemeinde, dem legendären Schmied von Kochel, einem Helden der Sendlinger Mordweihnacht.  

Dahinter zweigt nach links die Schlehdorfer Straße ab. So verlassen wir nun das „Zentrum“, um nach ca. 50 Metern entlang der Schlehdorfer Straße auf der linken Straßenseite zu einem weiteren Motiv von Franz Marc zu gelangen, dem Bild mit der „Flatternden Wäsche“ auf dem Balkon eines typisch oberbayerischen Bauernhauses, welches von ihm vermutlich 1906 gemalt worden ist. Wenn man Glück hat, flattern hier tatsächlich nach italienischer Manier frisch gewaschene Kleidungsstücke auf dem Balkon.  

Hinter dem Haus sehen wir schon die Kirche des Friedhofes von Kochel, an dem eine weitere Hinweistafel aufgestellt wurde. Diesmal handelt es sich nicht um ein Werk des Künstlers, nach dem der Weg benannt wurde, sondern um das Bild des berühmten Malerkollegen Wassily Kandinsky „Friedhof von Kochel aus dem Jahr 1909“. Nicht nur für ihn, sondern auch für seine Lebensgefährtin,  beide Mitglieder der Künstlervereinigung Blauer Reiter, deren Mitbegründer Franz Marc zählte, war der Friedhof von Kochel mit seinen eisernen Grabkreuzen ein beliebtes Motiv. Die enge Verbindung mit den in dem 8 km entfernten Murnau lebenden Künstlern rechtfertigt eine Darstellung entlang des Rundganges.  

Auf dem Friedhof liegt auch Franz Marc begraben: Folgt man der Friedhofsmauer an der Ecke rechts, gelangt man direkt zum Grab von Franz Marc. Er fiel während des ersten Weltkrieges 1916 bei Verdun und fand dort unter einem schlichten Stein begraben zunächst seine letzte Ruhestätte. Erst 1917 wurde seine Leiche nach Kochel überführt.  

Am Ende des Friedhofes links und dann gleich rechts führt der Seeweg in Richtung Kochelsee über grüne Wiesen. Ein stimmiger Standort für die Hinweistafel mit dem Bild Heuhocken aus dem Jahr 1910. Auf dem Feld dahinter wurden zur Veranschaulichung zwei der Strahdischen, wie sie auch genannt werden, aufgestellt. Einst dienten sie zum Trocknen von Gras.  

Sobald wir auf dem Seeweg den Kochelsee erreicht haben, treffen wir auf eine weitere Hinweistafel direkt neben einer gemütlichen Sitzgelegenheit direkt am Seeufer. „Kinder im Boot“, 1903. Es handelt sich um eine Ölskizze aus der Bretagne mit einem See und Bergen, wie sie ebenso gut in Kochel am See gemalt worden sein könnte. Auf seiner Frankreichreise 1903, als das Bild entstand, ließ sich Franz Marc noch von Künstlern des Impressionismus wie Manet oder Monet beeindrucken.  

Entlang des Seeufers  links geht es weiter vorbei am Trimini, einem Erlebnisbad mit herrlichem Blick auf den See  bis zum Motorbootanlegesteg. Hier befindet sich ein weiteres Zeugnis von Franz Marcs Schaffen mit einem ebenfalls zur Umgebung passenden Bild. Dem Akt aus dem Jahr 1910 „Badende Frauen“.  

Der Franz Marc Rundweg endet hier: Zurück geht es von hier aus entweder den Hügel über dem Trimini hinauf zum Aspenstein. Über den Weg „Am Aspensteinbichl“ und „An der Leiten“ erreicht man so die Mittenwalder Straße, welche wieder über den Ortskern zurück zum Bahnhof führt.  

Franz Marc, der Maler der Tiere: Franz Marc verehrte Tiere mehr als die Menschen. Als Lebewesen, welche die Natur nicht beherrschen und nicht zerstören wollen. Sondern als Teil von ihr, der sich einfügt. Und so hat er seine Tierbilder auch gemalt. Was ihn von anderen Tiermalern unterschied war seine Eigenart, nicht rein den Körperbau und das Fell auf ein Bild zu kopieren. Er versuchte, die Gefühle der Tiere in seinen Bildern darzustellen. Seine späteren Werke zeigen seine Tiere so sehr mit der Natur ineinander verschmolzen, dass man teilweise Schwierigkeiten hatte sie überhaupt noch zu erkennen. Franz Marc zeigte Mut zu Farbe und Kontrasten sowie zu abstrakten Formen und avancierte zu einem der bedeutendsten Künstler der klassischen Moderne. Gemeinsam mit Wassily Kandinsky gründete er 1911 den „Blauen Reiter“, zu dem auch August Macke, Gabriele Münter, Marianne von Werefkin, Alfred Kubin, auch der Komponist Arnold Schönberg gehörte dazu.

In der Ära Prinzregent Luitpold avancierte der Münchner Ortsteil Schwabing zum Mekka für junge Maler, Literaten und Künstler aller Art. In dieser aufgeschlossenen Atmosphäre entstand auch die Neue Künstlervereinigung München, die von Kandinsky gegründet und dann verlassen wurde, nachdem seine Komposition V in den eigenen Kreisen heftig umstritten war. Seine Bilder wurden ebenso wie die seines Künstlerkollegen Franz Marc, der zu dieser Zeit seine ersten Blauen Pferde skizzierte,  zunächst mit sehr viel Unverständnis aufgenommen. Auch die Presse und die Öffentlichkeit hatten damals kein Verständnis für die jungen „Schmierer“, die versuchten das Geistige in der Kunst hervorzuheben. Sich von der traditionellen Malerei befreien wollten, eine Gleichberechtigung der Kunstformen schaffen und den Bildern eine andere Ausdruckskraft verleihen. Weg von der bloßen Wiedergabe des Sichtbaren. Eine Art Aufhebung der Wirklichkeit sollte Platz bieten für die Vielfalt der Kunstausdrücke.  

Der „Blaue Reiter“ ist der Titel des von Wassily Kandinsky und Franz Marc herausgegebenen Almanachs und zugleich eines unverbindlichen Zusammenschlusses von Malern des Expressionismus, die als Wegbereiter der mordenden, Entschuldigung modernden, nein, modernen Kunst des 20. Jahrhunderts in die Geschichte eingegangen sind. Wobei die erst genannten Begriffe keineswegs zutreffend sind. Man könnte sie bestenfalls für die Versuche der Nationalsozialisten verwenden, die tatsächlich diese Kunstwerke in einer Ausstellung über entartete Kunst abzutöten versuchten. Oder in Zusammenhang mit Franz von Lenbach, zweifelsohne ein bedeutender Maler seiner Zeit. Allerdings einer, der den Übergang in ein neues Kunstverständnis nicht wahrhaben wollte und zahlreiche junge Maler dazu veranlasste, gegen seine althergebrachten Ansichten zu rebellieren.  

Und woraus ergibt sich  der Bezug zu Kochel: Sowohl Kandinsky als auch Marc liebten die Farbe blau, favorisierten Pferde und Reiter und sahen in Blau die Farbe des Himmels. Der Name Blauer Reiter wurde schließlich in  Sindelsdorf beschlossen, einem Dorf in der Nähe von Kochel am See. Franz Marc, ein gebürtiger Münchner eröffnete nach seinem Studium an der Kunstakademie 1904 sein Atelier in München. Schon als Kind hatte er sich  mit seinen Eltern  im Sommer im oberbayerischen Voralpenland aufgehalten und auch später, als Student der Kunstakademie in München, zog es ihn immer wieder in die Gegend, deren Landschaft er besonders verbunden war.  Oft hielt er sich auch auf der Staffelalm auf, deren Wände von ihm bemalt wurden. Sie ist seit 2008 auch für Besucher zugänglich. Im Jahr  1909 zog sich Franz Marc mit seiner Frau Maria, geb. Franck, ebenfalls eine Malerin, nach Sindelsdorf bei Benediktbeuern zurück.1914 kauften die Marcs die Villa in der Ortschaft Ried in der Nähe von Kochel, weil das Haus in Sindelsdorf zu klein geworden war. Bei Ausbruch des ersten Weltkriegs meldete sich Franz Marc als Freiwilliger, nach einem kurzen Fronturlaub im Juli 1915 sollte er nie wieder in die von ihm so geliebte und oft gemalte Landschaft zurückkehren, 1916 fiel er bei Verdun.  

Franz Marc liebte das Gebiet rund um den Kochelsee erheben, hier entstanden viele seiner Werke. Die revolutionären, leuchtenden Bilder, die diese Landschaft  weltberühmt machten. Was lag also näher, als hier ein Andenken an das Wirken dieses bedeutenden Künstlers zu erschaffen. Ursprünglich entstand das Franz-Marc-Museum 1986, um Werk und Leben des Künstlers zu würdigen. Nachdem die ehemaligen Wohnhäuser in Sindelsdorf und Ried nicht mehr zur Verfügung standen, fand man ein geeignetes Objekt am südlichen Rand von Kochel in einer Villa mit Park über den Ufern des Kochelsees.

Die Landhausvilla zeigte noch vor zwei Jahren 150 Werke aus dem Marc-Nachlass, Leihgaben aus anderen Kunstsammlungen, schriftliche Dokumente zum Leben Marcs, Bilder seiner Kollegen Paul Klee, Ernst Heckel, des Blauen Reiter sowie Werke seines Vaters Wilhelm Marc. In dessen Fußstapfen trat Franz Marc, nachdem er sich gegen ein Studium der Theologie entschieden hatte. Dieses Haus wurde nun für zwei Jahre geschlossen.  

Maria Marc war bis zu ihrem Tod 1955 in Ried ansässig und verwaltete den Nachlass ihres Mannes. Dabei unterhielt sie  regen Kontakt zu dem Ehepaar Edda und Otto Stangl. Edda Stangl wiederum war die Tochter von Rudolf Ibach, der  avantgardistische Kunst gesammelt hatte.  In seinem Besitz befanden sich auch bedeutende Werke der Maler der Brücke, mit denen Franz Marc die Nähe zur Natur und die Ursprünglichkeit sowie den Neuaufbruch teilte. Maria Marc hatte das Ehepaar Stangl als Nachlassverwalter eingesetzt und so liebäugelte bereits Otto Stangl mit der  Vision,  eine Franz-Marc-Gedächtnisstätte in den Kontext „Künstler der Nachkriegszeit“ mit einzubeziehen. Nachdem die Stangls kinderlos verstarben, bevor das Konzept realisiert werden konnte, wurde die Sammlung  Stangl im Kunstmuseum in Stuttgart im Depot aufbewahrt und  erst 2006  für das Museum in Kochel gewonnen. Der Zusammenschluss der Franz-Marc-Stiftung und der Stangl-Stiftung zur Museumsgesellschaft verfolgt nun die Idee des Ehepaares, das künstlerische Erbe zusammenzuhalten.  

Voraussetzung dafür war nun, ein geeignetes Gebäude für die beiden Sammlungen entstehen zu lassen. Eines, das die Sammlung optimal zur Geltung bringt und die  unterschiedlichen Lichtempfindlichkeiten der Gemälde auf Öl und Papier berücksichtigt. Außerdem sollte es einen wohnlichen Charakter besitzen und die alte Landhausvilla in den Plan mit einbeziehen. Ein Anspruch, den der Entwurf der beiden Schweizer  realisierte, indem das alte und neue Gebäude zu einem einheitlichen Ensemble verbunden wurden. Allerdings, viele Menschen halten den neuen Museumsbau, den Kubus, ebenso für verrückt wie damals Marcs Bilder empfunden wurden.

Die Ausstellung stellt zwar Franz Marc ins Zentrum,  legt aber den Schwerpunkt nicht auf seine Bilder an sich. Auch handelt es sich um kein Spezialmuseum für den Blauen Reiter, dieses ist nach der Schenkung von Gabriele Münter nach wie vor das Lenbachhaus in München. Das erweiterte Museum in Kochel  soll die Bedeutung Franz Marcs im Kreis des  Blauen Reiter verdeutlichen und daneben seinen Einfluss auf  andere Künstler, auch auf diejenigen, die ihn nicht mehr persönlich erleben konnten. Wie z.B. aus der Gruppe ZEN 49, eine Vereinigung, die sich nach dem zweiten Weltkrieg in München zusammenschloss, und andere Maler, die sich an Franz Marc orientiert haben. So findet man hier eine Liste berühmter Persönlichkeiten wie Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Willi Baumeister Rupprecht Geiger, Werke von Paul Klee, Wassiliy Kandinsky, Gabriele Münter, August Macke oder Jawlensky. Das Museum wird darüber hinaus Raum bieten für ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, Führungen und diverse museumspädagogische Angebote. Es wurde bewusst kein Besucherpfad durch die Ausstellungsfläche von 700 Quadratmeter gelegt. Die Bilder in den einzelnen Räumen findet man nicht nach Künstlern, sondern nach Themenbereichen sortiert. Es gibt  keine Vorgabe, an welchem Punkt der Rundgang beginnt, um dem Besucher die Möglichkeit zu bieten, die mittelgroßen Räume und Kabinette mit den großen Fensteröffnungen nach eigenem Ermessen zu erforschen. Für Kinder gibt es einen Audio-Guide, der von Kindern gemacht wurde. Der Mehrzweckraum im Erdgeschoß zeigt einen Film von Personen die Maria Marc noch kannten, ehemalige Nachbarn. 

 

Franz Marc Museum - Franz Marc Park 8-10, D-82431 Kochel am See

Tel. +49 (0)8851 9248 80, info@franz-marc-museum.de

www.franz-marc-museum.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

 

Unsere Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

 

Weitere ReiseTravel Berichte zum Thema: 

Kunst im 20. Jahrhundert im Franz Marc Museum

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