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Mein Herz schlägt für Nanjing
Li und Qian Wu sind verheiratet und fliegen als Flugbegleiter bei Lufthansa: „In Nanjing, der Heimatstadt meiner Frau, ist vieles anders als in Beijing, meiner Heimatstadt und doch gibt es manche Gemeinsamkeit zwischen diesen beiden Städten“, meint Qian. Er ist seit 2001 chinesischer Flugbegleiter bei Lufthansa. Und seine Frau Li fliegt ebenfalls seit 2001 bei der Kranichlinie auf den Chinarouten. Über die Unterschiede zwischen den Geburtsstädten der Wus reden die beiden viel und necken sich dabei gern. „Das ist wie in Deutschland unter den rivalisierenden Städten wie beispielsweise Köln und Düsseldorf“, sagt Ehemann Qian und lächelt dabei seine Frau verschmitzt an.
Fliegen als Flugbegleiter bei Lufthansa
Das Ehepaar Li und Qian Wu
Beijing und Nanjing haben zwar vieles gemeinsam, aber auch viele Unterschiede. Beide Städte sind oder waren Hauptstädte Chinas. „Jing“ oder „king“ heißt Hauptstadt“, erklärt Qian Wu und er fügt hinzu: „>>Bei>> bedeutet Nord und >>Nan>> Süd, also Beijing ist die Hauptstadt im Norden, Nanjing, die im Süden des Landes.“ Nanjing kann allerdings auf die älteren Hauptstadtrechte verweisen. Bereits 495 v. Chr. Soll Fu Chai, der Herrscher von Wu, dort, wo heute Nanjing liegt, eine Stadt namens Yecheng erbaut haben. Im Jahre 229 n. Chr. wurde Nanjing erstmals Hauptstadt des damaligen Chinas. Danach verlor die Stadt am Yangtze-Fluss zwar durch wechselnde Herrschaften den Status als Hauptstadt, gewann ihn allerdings auch immer wieder.
Als 1368 der erste Ming-Kaiser Hongwu Nanjing zur Hauptstadt Chinas machte, verlieh er ihr den Namen Yingtian. Es folgte ein atemberaubender Aufschwung. In gut zwanzig Jahren bauten 200 000 Arbeiter die Stadt zur damals größten Stadt der Welt aus. Die Einwohnerzahl wuchs auf eine halbe Million an. Aus jenen Tagen stammt auch die heute noch gut erhaltene Stadtmauer. Die Menschen leben in Wohlstand von der traditionellen Textilindustrie und dem Schiffbau. Nanjing war zu der Zeit Werftstätte für die größten Segelschiffe des Mittelalters und Heimathafen der Schatzflotte des Admirals Zheng He.
„Später gab es zwei Hauptstädte in China“, erklärt Qian Wu, „Beijing und Nanjing“. Nach der Machtübernahme der Kommunisten 1949 wurde Peking zur alleinigen Hauptstadt der Volksrepublik Chinas ernannt, während Nanjing nur den Status der Hauptstadt der Provinz Jiangsu behielt. Immerhin leben hier 70 Millionen Einwohner, das entspricht rund sechs Prozent der chinesischen Gesamtbevölkerung. Damit zählt die Umgebung von Nanjing zu den am dichtesten besiedelten Regionen Chinas. Alles beherrschend ist der Yangtze, nach dem Nil und dem Amazonas der drittgrößte Fluss der Welt.
In den 60er Jahren wurde in Nanjing eine gigantische Brücke über den Strom gebaut, die als Symbol der Leistungsfähigkeit des kommunistischen China galt. Ursprünglich sollte die damalige Sowjetunion China bei dem Mammutprojekt helfen, denn die chinesische Bauindustrie war seinerzeit noch nicht so weit entwickelt, dass sie den Brückenbau allein in Angriff nehmen konnte.
Doch nach politischen Disharmonien rief Moskau seine Experten ab. Die Chinesen aber verfolgten ihren Plan des mächtigen Brückenschlags über das Yangtze-Delta weiter und bauten die Brücke allein. Heute noch sind die Bewohner von Nanjing stolz auf das Bauwerk über den Fluss. Die Chang-Jiang-Brücke ist doppelstöckig und verfügt damit über zwei getrennte Fahrbahnen. Oben rollen die Autos, eine Etage darunter die Züge in etwa 30 Meter Höhe über dem Wasser.
Das Yangtze-Delta erstreckt sich von Nanjing bis zur Mündung des Yangtze ins zirka 300 Kilometer entfernte Shanghai. Nanjing selbst hat den größten Binnen- und Containerhafen Chinas. Das Hafengelände erstreckt sich über eine Länge von fast 100 Kilometern und verfügt über 64 Kais, an denen 16 Schiffe mit einer Tonnage von mehr als 10.000 Bruttoregistertonnen abgefertigt werden können. Das Gebiet entlang des Wassers hat sich zu einem attraktiven Investitionsziel für Geschäftsleute aus aller Welt entwickelt. Die Hälfte des in China real genutzten Auslandskapitals konzentriert sich derzeit auf diese Region. Von den 500 größten Unternehmen der Welt haben sich bereits über 400 in der Deltaregion niedergelassen.
Zu den Wirtschaftszentren des Yangtse-Deltas zählen unter anderem Shanghai, Hangzhou und Nanjing. Nach Ansicht von Experten entwickelt sich die Region um die mittleren und großen Städte zu einem Hightech-Korridor im Wirtschaftsraum des Yangtse-Deltas. Das Yangtse-Delta werde sich dadurch zu einem Zentrum für Innovation und zur Erhöhung der Produktivkraft entwickeln. Die Hauptsäulen der Industrie sind Elektrotechnik, Maschinenbau, Petrochemie, Automobilbau, die entsprechende Zuliefererindustrie und Textil. Namhafte internationale Unternehmen, darunter viele deutsche, haben sich in der Region um Nanjing nieder gelassen. Und immer mehr kleine und mittlere Firmen aus Deutschland kommen hinzu: Jedes Jahr lassen sich rund 200 deutsche Firmen in die Volksrepublik nieder.
Trotz des wirtschaftlichen Booms hat sich Nanjing noch viel von seinem traditionellen Ursprung erhalten. „In meiner Stadt ist es nicht so hektisch und laut wie in Shanghai“, sagt die Lufthansa-Flugbegleiterin Li Wu. Tatsächlich unterscheidet sich Nanjing in vielem von den meisten der aufstrebenden Metropolen im neuen Reich der Mitte. Natürlich hat der Autoverkehr enorm zugenommen, aber in Nanjing fahren die Menschen auch noch mit dem Fahrrad. Dennoch kann man für ein paar wenige Euro mit dem Taxi quer durch die Stadt fahren. Allerdings sollte man sich als Ausländer im Hotel immer das jeweilige Fahrtziel vom Portier in
Chinesisch aufschreiben lassen, denn nur wenige Menschen in Nanjing sprechen englisch.
„Nanjing hat sich noch viel der chinesischen Tradition erhalten“, beschreibt Li Wu die Atmosphäre ihrer Heimatstadt. Wenn sie zwischen ihren Flügen wieder mal zuhause ist, genießt sie mit ihrem Mann die relative Ruhe in der Stadt am großen Fluss. Sie liebt es auf einen der vielen Märkte einkaufen oder auch nur bummeln zu gehen und das bunte Treiben der Händler und Handwerker zu genießen. „Das ist bei uns auch heute noch so wie es unsere Eltern erzählt haben“, schwärmt Li. „Und am schönsten“, sagt die junge Frau, „ist es in der südlichen Altstadt.“ Ihr Mann, der schon lange in Frankfurt wohnt, fügt schmunzelnd hinzu: „Das ist ein bisschen wie in Sachsenhausen“.
Für Frau Wu werden Kindheitserinnerungen immer wieder lebendig, wenn sie heute zusammen mit ihrem Mann durch die Parks in der Stadt bummelt, mit dem Boot über den Xuanwu See fährt oder in den Wäldern der Purple Mountains wandert. „Dort sieht es ähnlich aus wie im Taunus“, fügt Qian wieder einen Vergleich mit seiner zweiten, deutschen Heimat an.
Das moderne Nanjing präsentiert sich in architektonisch interessanten Kontrast zu den großen traditionellen Tempel-Anlagen. Lufthansa-Flugbegleiter Qian Wu erklärt das Einkaufszentrum an der Hunan Road wieder mit einem Beispiel, das er aus Frankfurt kennt: „Eine der Haupt-Einkaufsstraße in Nanjing erinnert mich an eine Kombination der Zeil und der ‚Fressgass‘“.
Das Essen bedeutet den Menschen in Nanjing viel. Sie gehen nach Feierabend gern aus und sind fröhlich miteinander. „Auch bei den lukullischen Spezialitäten gibt es zwischen denen bei uns in Beijing und denen in Nanjing Gemeinsamkeiten und doch wieder nicht“, lacht Qian. Er meint die Peking-Ente. Die ist eine Art Nationalgericht auch in Nanjing. Allerdings wird sie nicht wie in Peking gebraten, sondern in einem würzigen Sud gegart.
Zum Essen wird Wein oder Bier getrunken. Beliebt ist das einheimische Jingling-Bier. Aber in Nanjing gibt es seit neuestem – wie im Lufthansa-Center in Beijing – auch bayerisches Bier. In den Paulaner-Stuben in Nanjings erstem Fünf-Sterne-Hotel, dem Jingling-Hotel im Zentrum der Stadt, wird es aus zünftigen Krügen von den Chinesen genauso gern getrunken wie von den internationalen Gästen.
„Das Wetter ist in Nanjing nun wirklich anders als bei uns in Peking“, bemerkt Qian Wu. Neben den Städten Wuhan und Chongqing zählt Nanjing zu den drei so genannten „Hochöfen am Yangtze“. Die Sommer sind heiß und feucht bei monatlichen Durchschnittstemperaturen bis zu 28 Grad mit Höchstwerten bis über 40 Grad. Dazu kommt eine hohe Luftfeuchtigkeit bis über 80 Prozent. Die Bezeichnung „subtropisches Monsumklima“ trifft also zu. Angenehmer ist es dagegen im Winter, die schönste Zeit bieten die Monate September bis November.
„Wer einmal in Nanjing war, wird es nie vergessen, mein Herz schlägt für die Stadt am Yangtze“, schwärmt Li Wu und mit leuchtenden Augen fügt sie hinzu: „Als Souvenir sollte man sich aus Nanjing einen kleinen Regenblumenstein mit nehmen, denn er bringt Glück“. www.lufthansa.de
Ein Beitrag für ReiseTravel von Lufthansa Firstlink.
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